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Infoblatt Zweiter Golfkrieg


Zweiter Golfkrieg (MEV/Klett)

Vorgeschichte, Kampfhandlungen, Folgen

Der Zweite Golfkrieg erstreckt sich über zwei Phasen: Die Krise begann mit dem Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait 1990 und hatte ihren Höhepunkt durch die militärische Intervention der USA und ihren Verbündeten 1991.

Vorgeschichte

Nach dem Ersten Weltkrieg spaltete die Kolonialmacht Großbritannien das ölreichste Gebiet ungeachtet geografischer und sozialer Gegebenheiten vom Irak ab und schuf damit Kuwait. Zunächst stand es unter britischer Vorherrschaft und wurde später zur offiziell unabhängigen Monarchie.
Der Irak weigerte sich stets, die Unabhängigkeit Kuwaits anzuerkennen. Zudem waren die Grenzen von Kuwait und Irak ungenau festgelegt, was seit der Abspaltung die Krise zwischen den beiden Staaten schwelen ließ.
Nach dem Irak-Iran-Krieg (Erster Golfkrieg von 1980 - 1988) war der Irak stark verschuldet. In der Hoffnung, einen höheren Ölpreis zu erzielen, senkte das Land seine Förderquote. Kuwait reagierte mit einer Erhöhung der Förderquote und brüskierte somit die Pläne des irakischen Führers Saddam Hussein. Darüber hinaus forderte der Irak noch eine Beteiligung Kuwaits an den eigenen Schulden, weil der Irak für die "gemeinsame arabische Sache" gekämpft habe. Die Krise spitzte sich zu.
Der Irak wurde vom Westen stets breit unterstützt. Dies lag zum einen daran, dass dies auch die Sowjetunion tat und man somit um die "Gunst" Saddam Husseins buhlte. Zudem wollte man eine Ausweitung der "islamischen Revolution" des Iran auf die Arabische Halbinsel vermeiden. Die größten Unterstützer waren die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland, die den Irak hauptsächlich mit Rüstungsgütern wie Flugzeugen, Raketen, aber auch Chemie- und Atomanlagen belieferten.

Der Krieg

Am 2. August 1990 marschierten irakische Truppen in Kuwait ein. Sie kontrollierten strategische Stellungen im Land und lenkten eine eigens geschaffene kuwaitische Regierung, die bald darauf jedoch aufgelöst wurde. Kuwait wurde nun zur irakischen Provinz Basra gerechnet.
Nur wenige Stunden nach dem Einmarsch verurteilte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Invasion und verlangte einen Rückzug der Truppen.
Vier Tage später wurden in einer Resolution Wirtschaftssanktionen gegen den Irak verhängt.
US-Präsident George Bush ging einen eigenen Weg und rief die Operation "Desert Shield" ins Leben. Sie sollte ein Vordringen des Irak nach Saudi Arabien verhindern. Bush schickte zwei Flugzeugträger und 500.000 Soldaten in die Region. Es entstand ein Militärbündnis von insgesamt 34 Nationen mit zusammen 660.000 Soldaten. Noch war die militärische Operation allerdings weitestgehend defensiv geprägt.
Mehrere Verhandlungen über eine Waffenruhe, in denen der vollständige Rückzug der irakischen Truppen verlangt wurde, scheiterten. Der Irak beharrte auf dem gleichzeitigen Rückzug syrischer und israelischer Truppen aus dem Libanon, der Westbank, dem Gazastreifen und den Golanhöhen. Die Krise bewegte sich auf ihren Höhepunkt zu.
Verschärft wurde die Situation durch den sog. Medienkrieg. Auf allen amerikanischen Fernsehkanälen flimmerten die Bilder von angeblich irakischen Soldaten, die Säuglinge aus ihren Brutkästen nahmen und sterben ließen. Das gefälschte Videomaterial stammte im Endeffekt von einer amerikanischen Agentur, finanziert durch die kuwaitische Regierung.
Die US-Armee zog ihre eigenen Lehren aus dem Vietnam-Krieg und betrieb eine restriktive Medienpolitik. Nur ausgewählte Journalisten bekamen ein Visum ausgestellt, die preisgegebenen Informationen waren dürftig und einseitig.
Am 12. Januar 1991 beschloss der amerikanische Kongress, den Irak mit militärischer Gewalt aus Kuwait zu vertreiben.
Das Bündnis sollte zunächst durch einen massiven Luftkrieg – "Operation Desert Storm" – die Widerstandskraft der Iraker schwächen. Diese antworteten allerdings mit Raketenangriffen auf Israel und Saudi-Arabien. Dennoch zerstörten die Bündnis-Angriffe zahlreiche militärische und auch zivile Ziele, darunter Elektrizitätswerke und Staudämme. Besonders letzteres führte zu gravierenden humanitären Problemen und Epidemien. Die irakischen Truppen waren kaum mehr in der Lage, Widerstand zu leisten.
Am 22. Februar 1991 stimmte Saddam Hussein den Waffenstillstandsvereinbarungen der Sowjetunion zu, die den Rückzug der irakischen Truppen verlangten, aber versprachen, währenddessen nicht anzugreifen. Die USA lehnten die Vorschläge jedoch gleichzeitig ab. Zwei Tage später starteten die Bündnistruppen einen Bodenkrieg und begannen, die sich zurückziehenden und geschwächten Truppen zu bombardieren. Die Angriffe auf den Konvoi von irakischen Soldaten und palästinensischen Zivilisten werden von zahlreichen Menschenrechtlern als Kriegsverbrechen eingestuft.
Nach vier Tagen verkündete George W. Bush eine Waffenruhe. In einer Friedenskonferenz wurden als weitere Maßnahmen eine Flugverbotszone im Norden und Süden des Irak eingerichtet und der Emir in Kuwait wieder eingesetzt. Dieser ging massiv gegen mutmaßliche irakische Kollaborateure vor, so dass Hunderttausende, vorwiegend Palästinenser, das Land verlassen mussten.

Nach den Angriffen

Die Zahl der Opfer des Zweiten Golfkrieges ist umstritten. Während bei den Bündnis-Soldaten von knapp 400 Toten gesprochen wird, rangieren die Zahlen von getöteten irakischen Soldaten zwischen 1.500 und 200.000. Als realistisch werden bis zu 75.000 angesehen.
Die Kosten von rund 60 Milliarden Dollar wurden zu 75 % von Kuwait, Saudi-Arabien, Japan und Deutschland beglichen.
Nach den Angriffen schufen die Vereinten Nationen eine Untersuchungskommission, die in ständiger Präsenz nach Waffen im Irak sucht. In zähen Verhandlungen wurde in den kommenden Jahren immer wieder darum gerungen, was die Untersuchungsinspekteure dürfen und was nicht. Ein Eklat ereignete sich 1997, als der Irak alle amerikanischen Inspekteure des Landes verwies, weil er sie beschuldigte, ihre Ergebnisse für Geheimdienstzwecke zu verwenden. Die Inspektoren wurden ausgetauscht und durften später wieder ins Land.
Die massiven Angriffe auf die Infrastruktur des Irak lösten eine humanitäre Katastrophe aus. Hinzu kamen die anhaltenden Wirtschaftssanktionen, die über das Land verhängt waren. Daraufhin wurde das "Oil-for-Food"-Programm ins Leben gerufen, dass dem Irak Nahrungsmittel im Austausch für Erdöl zubilligte. Dennoch geht das IAC davon aus, dass in den Folgejahren des Krieges jährlich 90.000 Menschen in Zusammenhang mit Kriegsnachwirkungen starben.
Auf Seiten des Bündnisses stellten sich ebenfalls Spätfolgen des Krieges ein. Die als "Golfkriegssyndrom" bekannt gewordene Krankheit ist vermutlich eine Folge der eingesetzten hochtoxischen Uran-Waffen.
Eine der größten Umweltkatastrophen der Geschichte ereignete sich auf dem Rückzug der irakischen Truppen: Diese steckten kuwaitische Ölfelder in Brand und öffneten die Ventile an Ölterminals, so dass riesige Mengen Öl in den persischen Golf flossen.
Als eine indirekte Folge des Zweiten Golfkrieges wird auch die Aufrüstung Chinas gesehen. Überrascht von der schnellen Einsatzfähigkeit der amerikanischen Truppen investierte die chinesische Regierung massiv in die Hochtechnologie ihrer Volksbefreiungsarmee.
Letztlich hat der Zweite Golfkrieg die Instabilität in der Golfregion weiter erhöht. Vielmehr wurde insbesondere das Feindbild Amerika in der gesamten arabischen Welt manifestiert, da amerikanische Truppen auch nach dem Krieg noch auf der arabischen Halbinsel stationiert waren. Genau dies war auch das Hauptargument von Islamisten zur Rechtfertigung der Terrorangriffe vom 11. September 2001.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Sophia Rieck
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2006
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 19.06.2006


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