Suche im TERRASSE-Archiv:

Infoblatt Euregio Maas-Rhein


Geographische Einordnung, Organisation, Ergebnisse

Euregios

In Europaregionen bzw. Euregios schließen sich benachbarte Regionen aus mindestens zwei verschiedenen Staaten zu einer grenzübergreifenden Kooperation zusammen. Die EU-Regionalpolitik unterstützt diese Vorhaben mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie Programmen der regionalpolitischen Gemeinschaftsinitiative INTERREG. Die EU verspricht sich damit nicht nur eine verbesserte länderübergreifende Zusammenarbeit, sondern auch eine Stärkung der potenziell schwächeren Randregionen der einzelnen Mitgliedsstaaten.

Derzeit gibt es 70 Kooperationsmodelle und 170 Grenzregionen, von denen 120 Mitglieder der 1971 gegründeten Arbeitsgemeinschaft für Europäische Grenzregionen (AGEG) sind. Die Rechtsformen der einzelnen Kooperationen können unterschiedlich sein. So wurde die älteste Europaregion EUREGIO 1958 als Kommunalverband gegründet  und umfasst rund 130 Gemeinden in den Niederlanden und Deutschland.

Die EUREGIO MAAS-RHEIN wurde im Jahr 1976 als Arbeitsgemeinschaft gegründet und zählt damit zu den ältesten grenzüberschreitenden Kooperationsverbänden.

Geographische Einordnung

Als grenzüberschreitender Raum im Dreiländereck der Niederlande, Belgien und Deutschlands vereint die Euregio Maas-Rhein fünf Partnerregionen:

der Süden der Provinz Limburg (Niederlande), die Provinz Limburg (Belgien), die Provinz Lüttich (Belgien), der Zweckverband Region Aachen (Deutschland) und die Deutschsprachige Gemeinschaft (Belgien).

Auf einer Fläche von 10.745 km² zählt sie 3,9 Millionen Einwohner. An der Nahtstelle der großen wirtschaftlichen Zentren des nordwestlichen Europas (Paris, Luxemburg, Brüssel, das deutsche Ruhrgebiet und das holländische Randstadt) nimmt die Euregio Maas-Rhein eine äußerst günstige geographische Lage ein. Sie zählt zwei wichtige regionale Flughäfen (Lüttich und Maastricht-Aachen) und liegt in unmittelbarer Nähe zu den internationalen Flughäfen Düsseldorf, Köln, Amsterdam und Brüssel. Die großen Seehäfen Antwerpen und Rotterdam sind nicht weit und die Region birgt mit Lüttich den zweitgrößten Hafen für Binnenschifffahrt Europas. Dank des Albert-Kanals und des Kanals Juliana-Maas ist die Euregio Maas-Rhein an das europäische Gütertransportnetz der Binnenschifffahrt angeschlossen. Auch liegt sie an der Kreuzung großer Autobahn- und Schienenverkehrsnetze, die Europa vom Westen zum Osten und vom Norden zum Süden verbinden. Der europäische Hochgeschwindigkeitszug TGV hält in Lüttich und Aachen.

Weitere Euroregionen im Grenzraum Belgien-Deutschland-Niederland sind:

Die Ems Dollart Region, die EUREGIO, die Euregio Rhein-Waal, die Euregio Rhein-Maas Nord, die Benelux Middengebied/IGRES sowie die Euregio Scheldemond.

Organisation

Die Euregio Maas-Rhein ist Mitglied der AGE,  wurde 1991 in die Rechtsform einer Stichting nach niederländischem Recht umgewandelt (dies entspricht einem  eingetragenen Verein in Deutschland) und hat ihren Sitz im Regierungsgebäude der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Eupen. Hier ist die zentrale Anlaufstelle, die die Koordination und Verwaltung übernimmt. Entscheidungen über Budget und Arbeitsplan trifft der Vorstand, der aus 20 Mitgliedern und einem dreijährlich wechselnden Vorsitzenden zusammengesetzt ist. Beratende Funktionen haben der Euregiorat sowie der Wirtschafts- und Sozialrat. Inhaltliche Unterstützung ist durch strategische Begleitgruppen und ein großes Netzwerk gegeben.

EMR2020

Ziel der Euregio ist es, die sozi-ökonomische Zusammenarbeit innerhalb der Grenzregion zu vertiefen und zu verstärken, v.a. im Hinblick auf praktische Lösungen für Grenzhindernisse. Darüber hinaus will die Euregio sich besser bekannt machen und bürgernäher sein. Hierfür wurde die Zukunftsstrategie EMR2020 entwickelt, in der neun prioritäre Themen definiert sind:

Kernthemen:

  • Wirtschaft und Innovation
  • Arbeitsmarkt, Unterricht und Ausbildung<
  • Kultur und Tourismus
  • Gesundheitsversorgung
  • Sicherheit

Querschnittthemen:

  • Mobilität und Infrastruktur
  • Nachhaltige Entwicklung
  • Territoriale Analyse
  • Interessenvertretung und Regionalvermarktung

Ergebnisse

Durch ihre Aktivitäten hat die Euregio dazu beigetragen, dass das Bild des Euregio-Gebietes sich in den letzten Jahrzehnten nachhaltig gewandelt hat. Früher war der Raum beiderseits der Grenze geprägt durch die nationale Randlage, die einseitige Ausrichtung der Industrie, einen hohen Anteil an Landwirtschaft und fehlende Infrastruktur. Heute prägen Klein- und Mittelbetriebe in vielen Sektoren das Bild der Wirtschaft. Universitäten, Fachhochschulen, Technologie- und IC-Unternehmen, Tourismus und Dienstleistung gewinnen ständig an Bedeutung.



Zurück zur Terrasse

schrieb am 14.08.2015

Liebe Kathrin,
vielen Dank für den hilfreichen Hinweis. Hier wurden Inhalte zur ältesten gleichnamigen „Euregio“ irrtümlicherweise integriert. Wir haben das Infoblatt nun korrigiert und aktualisiert.
Liebe Grüße,
Wiebke Hebold | TERRASSEonline

Kathrin schrieb am 14.08.2015

In diesem Beitrag wird die Rolle Belgiens kaum erwähnt. Dem einleitenden Satz zufolge..."Die Euregio ist ein grenzübergreifender Zusammenschluss von 140 deutschen und niederländischen Gemeinden, Städten und Kreisen (Regionen in den Niederlanden)...."... wäre Belgien nicht einmal Teil der Euregio. Es werden zwar die Kanäle und Fluganbindungen erwähnt, bei weiterem Lesen jedoch...."Die Euregio arbeitet in gleichgewichtiger deutsch-niederländischer Partnerschaft am Aufbau grenzübergreifender Strukturen." Fällt die Rolle der belgischen Kommunen wieder komplett weg.Dies ist leider unvollständig und sehr schade.