Suche im TERRASSE-Archiv:

Infoblatt Logistik


Definition, Ziele und Aufgaben der Logistik

Der Begriff Logistik tauchte verstärkt in den 1980er Jahren in der Wirtschaftssprache auf und ist seitdem fester Bestandteil im unternehmerischen Sprachgebrauch. Aber Logistik ist mehr als nur eine neue Vokabel. Es ist ein Phänomen, von welchem sich Unternehmer in einem immer härteren weltweiten Wettbewerb viel versprechen. So sollen mit den Möglichkeiten der Logistik die Kosten deutlich gesenkt, die Reaktionszeit auf Kundenwünsche verkürzt und die Belieferungsqualität verbessert werden. Tatsächlich hinterlässt die Umsetzung von Logistikkonzepten immer zahlreichere, tiefere und nachhaltigere Spuren in der Unternehmenswelt und der globalen Wirtschaft. Was sind nun aber die treibenden Kräfte und Ursachen für das "Phänomen Logistik"? In welchen wirtschaftlichen Bereichen sind professionelle Logistikkonzepte heute unverzichtbar? Welche Aufgaben übernimmt die Logistik?

Begriff und Trends

Das Wort Logistik ist eine aus dem militärischen Sprachgebrauch entlehnte Bezeichnung für denjenigen Bereich der Wirtschafts- und Verkehrswissenschaft, der sich mit dem Transport und der Lagerung von Gütern beschäftigt. Die dazu gehörigen Planungs- und Steuerungsvorgänge fallen ebenfalls unter die Kategorie Logistik. Die Logistik umfasst insbesondere die Warenströme zwischen den Betrieben, die Rohstoffe liefern und die entsprechenden Güter produzieren sowie zwischen diesen und dem Handel und innerbetrieblichen Transport. Weltweit wirkende Trends in der modernen Wirtschaft können als Impulsgeber für die Logistikentwicklung identifiziert werden. Einerseits bewirken bestimmte Trends eine Veränderung der Rahmenbedingungen für das Handeln von Unternehmen. "Megatrends" hierbei sind Globalisierungsprozesse in der Produktion und im Wirtschaftsverkehr (z. B. neue Kommunikationstechnologien, fallende Grenzen), der Übergang zur postindustriellen Gesellschaft (Marktsättigung, veränderte Demographie, Wachstum des Dienstleistungssektors), wachsende Umweltsensibilität (Vision der Kreislaufwirtschaft) und zeitbasierter Wettbewerb (Verkürzung von Produkt- und Technologiezyklen). Durch die veränderten Rahmenbedingungen verstärkt sich die Nachfrage nach professionellen Logistikleistungen. Das veränderte Logistikangebot wirkt sich andererseits verstärkend und beschleunigend auf die Entwicklung der Weltwirtschaft aus. Ehemals öffentliche Dienste des Verkehrs und der Kommunikation werden dereguliert und privatisiert, Unternehmen konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenzen und das Shareholder-Value-Denken (Maximierung des langfristigen Unternehmenswertes durch Gewinnmaximierung und Erhöhung des Eigenkapitals), betreiben Outsourcing und entdecken die Ganzheitlichkeit der "Supply Chains" (Versorgungsketten in der Wirtschaft) neu bzw. wieder.

Ziele und Aufgaben

Konkreter wird die Vorstellung von Logistik, wenn die Ziele und Aufgaben betrachtet werden. Eine der wichtigsten logistischen Aufgaben ist zweifelsohne der Transport. Die Logistik ist verantwortlich für den Transport vom Hersteller zum Unternehmen, den innerbetrieblichen Transport und den Transport zum Kunden. Voraussetzung ist eine gut ausgebaute und effiziente Verkehrsinfrastruktur. Weitere Funktionsbereiche sind die Warenprüfung und Handhabung, Lagerung, Verpackung, Steuerung und Planung der Produktionsabläufe und Koordination der Prozessdurchführung. Spezialgebiete der Logistik betreffen beispielsweise die Sicherung und Durchführung von Geld- und Gefahrguttransporten.
Ziel der Logistik ist vor allem Kostensenkung bei gleichzeitiger Erbringung von hochwertiger Leistung und Qualität. Konflikte entstehen beispielsweise, wenn ein hoher Lagerbestand zwar die Fehlmengenkosten vermindert und die Lieferbereitschaft erhöht, aber automatisch die Lagerkosten steigen. Die Ziele der Logistik werden auch mit den sieben "R" beschrieben. So gilt es, für den richtigen Kunden die Verfügbarkeit des richtigen Produktes, in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und zu den richtigen Kosten zu sichern. Für eine effiziente Aufgabenerfüllung muss sich deshalb die Logistik kontinuierlich neuen Anforderungen und Entwicklungen stellen.

Bereiche

Die Logistik im eigentlichen Sinne kann in vier Subsysteme untergliedert werden:

  • Beschaffungslogistik
  • Produktionslogistik
  • Distributionslogistik
  • Entsorgungslogistik

Die Beschaffungslogistik umfasst den Wareneinkauf bis zum Transport des Materials zum Eingangslager oder zur Produktion. Sie verbindet damit die Distributionslogistik der Lieferanten und die Produktionslogistik eines Unternehmens. Wesentliche Aufgaben der Beschaffungslogistik bestehen darin, die Produktion betriebsbereit zu halten und das Material verfügbar zu machen. Die Beschaffung steht am Anfang der logistischen Kette. Somit fällt der Beschaffungslogistik eine besondere Rolle im Rahmen der optimalen Kundenversorgung zu.
Die Produktionslogistik ist eng mit der Beschaffungs- und Lagerlogistik verbunden. Hauptaufgabe ist es, Verbesserungen, Vereinfachungen und Einsparungen im Produktionsbereich zu erzielen. Dazu gehören (auszugsweise) die Steigerung der Flexibilität, Senkung der Herstellungskosten und die optimale Gestaltung der Transportwege in der Fertigung.
Ein weiterer Bereich der logistischen Kette ist die Distributionslogistik vom Vertriebslager zum Kunden, also die Warenverteilung. Die Distributionslogistik bewältigt alles Notwendige für die Gestaltung, Steuerung und Kontrolle von Prozessen, um Güter von Industrie- oder Handelsunternehmen zu dessen Kunden zu überführen. Als grundsätzliche physische Verteilungsprozesse können der Transport, die Lagerung, der Umschlag und administrative Aufgaben im Rahmen der Auftrags- und Bestellabwicklung angesehen werden. Eine wichtige Rolle spielen die Distributionskanäle (z. B. Lieferservice, Einzelhandel etc.), welche als verteilende Funktion den physischen Weg der Ware und den Verkauf gewährleisten.
Die Entsorgungslogistik kümmert sich schließlich um die Beseitigung oder Verwertung von Abfällen.
Nach Art der Tätigkeiten kann auch von Lager-, Verpackungs- und Transportlogistik gesprochen werden. Die verschiedenen Bereiche der Logistik sind aber keine Einzelsysteme, sondern ein zusammenwirkendes Gefüge einer logistischen Kette. Der Weg vom Hersteller bis zum Endkunden wird durch Schnittstellen miteinander verbunden. Ziel der logistischen Kette ist es, Prozessabläufe systemübergreifend zu steuern und Schnittstellen durchgängig abzustimmen. Die verschiedenen Funktionen werden in eine logistische Prozesskette effizient integriert. Mittlerweile befindet sich die Logistik in einer Phase der weltweiten Integration von Wertschöpfungsketten und einer Verknüpfung selbiger zu globalen Netzwerken.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich, Wiebke Hebold
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 15.04.2012


Zurück zur Terrasse