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Infoblatt Suezkanal


Informationen rund um den Suezkanal

Der Suezkanal gehört neben dem Panama-Kanal zu den wichtigsten künstlichen Handelsstraßen der Welt. Mit einer Länge von ca. 165 km verbindet der Suez-Kanal das Mittelmeer mit dem Roten Meer und verkürzt den Seeweg zwischen Europa und Indien bzw. Südostasien um mehr als 7.000 km. Im 19. Jahrhundert waren Großbritannien und Frankreich im asiatischen Raum noch vorherrschende Kolonialmächte und deshalb besonders an der Verkürzung des Seewegs durch den Bau eines Kanals interessiert. Das Vorhaben an der Landenge von Suez einen Durchstich zu vollziehen war jedoch schon viel älter.

Die Idee des Kanalbaus

Bereits die alten Ägypter arbeiteten an einer maritimen Verbindung vom Nil zum Roten Meer. Im 13. Jahrhundert v. Chr. begann auf Anordnung durch den Pharao Ramses II. der Bau eines solchen Kanals. In den folgenden 1.000 Jahren wurde diese Wasserstraße aber immer wieder vernachlässigt und erst im 6. Jahrhundert n. Chr. erfolgte eine Wiedereröffnung des inzwischen verschütteten Kanals durch den Kalifen Amr Ibn el As. Ab 800 n. Chr. versandete dieser Kanal allerdings erneut. Danach gab es immer wieder Ansätze in Form von Gutachten und Projekten über eine Verkehrsverbindung zwischen den beiden Meeren, welche aber nie umgesetzt wurden. Auch unter Napoleon Bonaparte, der nach seiner Invasion in Ägypten eine Wasserverbindung zwischen Mittelmeer und Roten Meer schaffen wollte, wurde der Kanal nicht realisiert. Die von Napoleon Bonaparte eingesetzte Kommission berechnete den Wasserstand beider Meere fehlerhaft und befürchtete aufgrund der daraus resultierenden Niveauunterscheide erhebliche Schwierigkeiten beim Bau des Kanals. Im Jahr 1846 stellte eine Studiengruppe von Franzosen, Briten und Österreichern fest, dass die Höhenlage beider Meere annähernd identisch ist und somit ein schleusenfreier Bau eines Kanals bei Suez möglich sei.

Der Bau des Kanals

Der französische Diplomat und Ingenieur Graf Ferdinand Marie Vicomte de Lesseps (1805 - 1894) ergriff im Jahr 1854 die Initiative für den Bau eines Kanals bei Suez und wurde daraufhin vom ägyptischen Vizekönig Said Pascha mit der Projektierung und Umsetzung zur Anlage dieser Wasserstraße beauftragt. Vier Jahre später wurde die Suez-Gesellschaft gegründet, welche die Befugnis zum Bau des Kanals sowie eine Betreiberkonzession für 99 Jahre erhielt. Dann sollten die Eigentumsrechte an die ägyptische Regierung zurückgehen. Das Kapital für den Bau stammte vorwiegend aus ägyptischen und französischen Quellen, wie z. B. Aktien. Die britische Regierung wahrte ihr Interesse am Suezkanal durch den Erwerb des ägyptischen Aktienpakets im Jahre 1875. Der eigentliche Baubeginn der Wasserstraße war der 25. April 1859 nach den Planungsentwürfen des österreichischen Ingenieurs Alois von Negrelli. Beim Graben des Kanals von Port Said nach Suez wurden die natürlichen Gewässer wie der Timsah-See sowie der Große und Kleine Bitter See in den Trassenbau mit eingebunden. In den Seen sind die Ausweichstellen für entgegenkommende Schiffe vorgesehen, da der Kanal überwiegend nur als Einbahnstraße befahren werden kann. Während der zehnjährigen Bauzeit mussten zusätzliche Kanäle gebaut werden, um die neugegründeten Städte Port Said, Ismalia und Port Thewfik sowie die zeitweise mehr als 30.000 Fronarbeiter mit Süßwasser zu versorgen. Graf Ferdinand de Lesseps überwachte während dieser Zeit den Bau selbst und ging letztendlich als Vater des Suezkanals in die Geschichte ein. Nach der Fertigstellung der künstlichen Wasserstraße im März 1869 wurde am 17. November 1869 vor mehr als 6.000 geladenen Gästen der Suezkanal feierlich eröffnet. Der italienische Komponist Verdi komponierte anlässlich der Freigabe des Suezkanals für den Schiffsverkehr die Oper "Aida", die ironischerweise erst ein Jahr später vollendet und uraufgeführt wurde.

Der Kanal und die Weltpolitik

Auf die Bühne der Weltpolitik kehrte der Suezkanal im Juli 1956 zurück, als der damalige ägyptische Präsident Gamal Nasser den Suezkanal eigenmächtig verstaatlichte und somit die sog. Suez-Krise hervorrief. Ursache für diese drastische Maßnahme waren gebrochene Finanzierungszusagen der USA, Großbritanniens und Frankreichs für den Bau des Assuan-Staudamms am Nil. Durch die Verstaatlichung des Suezkanals sollte eine wichtige Einnahmequelle für Ägypten erschlossen werden. Bereits 1950 sperrte die ägyptische Regierung die Wasserstraße für Schiffe mit für Israel kriegswichtigen Gütern. Infolgedessen intervenierte Israel im Oktober 1956 mit militärischer Unterstützung aus Großbritannien und Frankreich, welche die Schiffe mit Öllieferungen aus dem Nahen Osten benötigten. Unter weltweiten Protesten wurde die Suezkanal-Zone besetzt. Die ägyptische Regierung antwortete mit der Versenkung der zu diesem Zeitpunkt im Kanal befindlichen 40 Schiffe. Wenig später übernahmen UN-Truppen die Kontrolle und Beräumung der Wasserstraße, worauf sich die israelischen Truppen aus Ägypten wieder zurückzogen. Der Kanal blieb somit in ägyptischer Hand und diente der Finanzierung ehrgeiziger Projekte des Präsidenten Gamal Nasser.
Im Sechs-Tage-Krieg 1967 geriet u. a. die ägyptische Sinai-Halbinsel unter israelische Kontrolle, wobei der Suezkanal die Frontlinie bildete. Infolge der durch Kampfhandlungen versenkten Schiffe im Suezkanal wurde die Wasserstraße erneut für den maritimen Handelsverkehr gesperrt. Die Rückgabe der Sinai-Halbinsel wurde 1974 vertraglich geregelt, jedoch kam der Abschluss des Friedensvertrags zwischen Ägypten und Israel erst 1979 zustande. Der Suezkanal wurde jedoch bereits 1975 von den Wracks beräumt und für den internationalen Schiffsverkehr wieder freigegeben.
Während der achtjährigen Sperrung des Suezkanals wurden weltweit neuartige Supertanker konstruiert, die wegen der Schließung andere Routen auf den Weltmeeren nutzen mussten. Aufgrund der zu geringen Wassertiefe des Suezkanals konnten diese Schiffe auch nach der Wiedereröffnung den Kanal nicht nutzen. Trotz wiederholter Vertiefungen der Wasserstraße in den nachfolgenden Jahren, steht die ägyptische Regierung gegenwärtig vor der Aufgabe, den Suezkanal aufwändig auszubauen, um eine Nutzung für alle Schiffsgrößen zu ermöglichen. Bis ins Jahr 2010 wurde der Kanal im Zuge dessen auf 24 m vertieft, sodass seit Anfang 2010 Schiffe mit einem Tiefgang von max. 66 Fuß (ca. 20,1 m) den Kanal passieren können. Die maximale Beladung der Schiffe beträgt seither 240.000 DWT (dead weight tonnage). So ist der Kanal mit etwa zwei Dritteln der weltweit eingesetzten Tanker, gut 96 % der Massengutfrachter sowie 100 % der Containerschiffe vollbeladen befahrbar. Weitere Machbarkeitsstudien zielen auf die Möglichkeit ab, auch Schiffen bis zu einem Tiefgang von 72 Fuß (ca. 22 m) die Durchfahrt zu ermöglichen. Damit könnten auch voll beladene VLCC`s (Very Large Crude Carriers) bzw. ULCC`s (Ultra Large Crude Carriers) abgefertigt werden.
Heute durchfahren ungefähr 55 Schiffe täglich die Passage von Suez. Die Zahl der Durchfahrten ging im Zuge der Wirtschaftskrise 2009 im Vergleich zum Vorjahr allerdings um 19,6 % auf 17.228 zurück. Zahlen für das Jahr 2010 zeigen entsprechend der anziehenden Konjunktur jedoch eine wieder steigende Zahl von Schiffen, die den Kanal benutzen.
Im Februar 2011 fuhren Kriegsschiffe aus dem Iran in den Suez-Kanal ein. Damit waren zum ersten Mal seit der islamischen Revolution 1979 wieder iranische Kriegsschiffe im Kanal. Israels Politik stockte hierauf sein Militärbudget auf. Im März 2011 passierten erneut iranische Kriegsschiffe den Kanal. Im Februar 2011 wuchs zudem die Angst einer Blockade im Suezkanal mit dem Ausufern der Unruhen in Ägypten; das Szenario bewahrheitete sich aber nicht.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 02.05.2012


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