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Infoblatt Kanäle / Wasserstraßen in Deutschland


Binnenschiffahrtsstraßen - Bedeutung, Standorte, Entwicklungstendenzen in Deutschland im Überblick

Ein bedeutender und unentbehrlicher Verkehrsträger der Bundesrepublik Deutschland ist die Binnen- und Seeschifffahrt. Die naturgegebenen Wasserläufe und die künstlich geschaffenen Kanäle bilden ein zwar weitmaschiges, aber zusammenhängendes Netz. Dadurch werden das Hinterland und die bedeutendesten Ballungszentren miteinander verbunden und es bestehen maritime Direktzugänge zu den großen Seehäfen und der Hohen See. Das System Schiff-Wasserstraße ist nicht nur ein umweltfreundliches, kostengünstiges und sicheres Verkehrsmittel, sondern auch vorzugsweise für den Transport von sperrigen und übermäßig schweren Massengütern geeignet.

Funktionen des Wasserstraßennetzes

Das bodengebundene Verkehrswegenetz der Wasserstraßen und Kanäle dient vorwiegend dem Transport von Massengütern. Aber das Wasserstraßennetz hat noch weitere außerverkehrliche Funktionen. Wichtig ist das Wasserwegesystem bei Hochwasser, denn es dient dem kontrollierten Wasserabfluss. Außerdem versorgen die Flüsse und Kanäle die Industrie mit Trink- und Brauchwasser. Die Landwirtschaft benötigt für die Bewässerung ebenfalls ständig große Mengen an Wasser. Bei ausreichender Fallhöhe und Abflussmöglichkeit ist die Erzeugung von Strom durch Wasserkraftwerke möglich. Nicht zu vernachlässigen ist die Bedeutung der Wasserstraßen für die Fischerei sowie als Freizeit- und Erholungsort.

Gliederung

Nach dem Wasserwegegesetz gliedern sich die Bundeswasserstraßen in Binnenwasserstraßen und Seewasserstraßen. Das gesamte Netz besteht aus 7.354 km Binnenwasserstraßen und etwa 23.000 km² Seewasserstraßen. Davon sind etwa 35 % der Netzlänge frei fließende bzw. geregelte Flussstrecken, 41 % staugeregelte Flussstrecken und 24 % Kanäle. Nach dem System der europäischen Klassifizierung für Binnenwasserstraßen besitzen 70 % der deutschen Wasserstraßen internationale Bedeutung, 17 % nationale Bedeutung und 13 % sind nicht klassifiziert bzw. nicht dem allgemeinen Verkehr dienend. Seewasserstraßen sind die seewärtigen Begrenzung der Binnenwasserstraßen und die schiffbaren Wasserflächen entlang der Küstenlinie. Binnenwasserstraßen gelten als Seeschifffahrtstraßen, wenn diese überwiegend von Seeschiffen genutzt werden, wie z. B. Nord-Ostsee-Kanal sowie die Unterläufe von Warnow, Weser und Elbe. Soweit es die Bauart zulässt, können Seeschiffe auch Binnenwasserstraßen nutzen und umgekehrt dürfen auch Binnenschiffe unter bestimmten Voraussetzungen die Seewasserstraßen nutzen.

Bedeutende Wasserstraßen

Die folgenden Übersichten geben einen Überblick über den Bestand wichtiger Hauptstrecken des Wasserstraßennetzes der Bundesrepublik Deutschland:

Kanäle

  • Datteln-Hamm-Kanal - 47 km - 2 Staustufen
  • Dortmund-Ems-Kanal - 223 km - 15 Staustufen
  • Elbe-Havel-Kanal - 58 km - 4 Staustufen
  • Elbe-Seiten-Kanal - 115 km - 2 Staustufen
  • Main-Donau-Kanal - 171 km - 16 Staustufen
  • Mittellandkanal - 388 km - 13 Staustufen
  • Nord-Ostsee-Kanal - 99 km - keine Staustufen
  • Oder-Havel-Kanal - 150 km - 5 Staustufen
  • Rhein-Herne-Kanal - 46 km - 5 Staustufen
  • Wesel-Datteln-Kanal - 60 km - 6 Staustufen

Flüsse

  • Donau - 203 km - 6 Staustufen
  • Elbe - 607 km - 1 Staustufe
  • Main - 387 km - 34 Staustufen
  • Mosel - 242 km - 12 Staustufen
  • Neckar - 203 km - 27 Staustufen
  • Oder - 162 km - keine Staustufen
  • Rhein - 695 km - 2 Staustufen
  • Weser - 346 km - 8 Staustufen

Das Wasserstraßenkreuz Magdeburg

Der wachsende Transportbedarf, die Öffnung des EU-Binnenmarktes und die Ost-Erweiterung der EU erfordern einen ständigen Ausbau des bestehenden Wasserstraßennetzes in Deutschland. Eines der wichtigsten Projekte war der Ausbau der bestehenden Wasserstraßenverbindung der europäischen West-Ost-Achse Hannover-Magdeburg-Berlin. Im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit (VDE) Nr. 17 wurde diese Schiffsverbindung zu einer leistungsfähigen Wasserstraße ausgebaut. Schwerpunkt des Vorhabens sind der Neubau des Wasserstraßenkreuzes bei Magdeburg und der Ausbau des Elbe-Havel-Kanals. Nach der Eröffnung des Wasserstraßenkreuzes ist dieser Wasserweg für 110 m lange Großmotorgüterschiffe und 185 m lange Schubverbände mit 11,40 m Breite, 2,80 m Ladungstiefgang und 2.000 t bzw. 3.000 t Tragfähigkeit nutzbar.
Der Bau des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg wurde bereits 1934 begonnen, 1942 mussten die Arbeiten aber kriegsbedingt wieder eingestellt werden. Deshalb mussten bisher die Schiffe vom Rhein aus kommend bei Magdeburg den Mittellandkanal verlassen und über das Schiffshebewerk Rothensee auf Elbniveau abgesenkt werden. Der 12 km lange Umweg führte dann die Elbe flussabwärts bis zur Schleuse Niegripp, welche die Schiffe in den Elbe-Havel-Kanal hob. Zusätzlich problematisch waren die häufig auftretenden Niedrigwasserstände der Elbe. Außerdem sind mittlerweile viele moderne Schiffe zu groß für die alten Schiffshebe- und Schleusenanlagen. Der erste Rammschlag für das Gesamtprojekt war 1993 und der Bau der Kanalbrücke über die Elbe begann 1998. Im Jahr 2003 wurde das 2,3 Milliarden Euro teure Wasserstraßenkreuz fertiggestellt.
Das neue Wasserstraßenkreuz besteht im wesentlichen aus der Sparschleuse Rohtensee, der Kanalbrücke über die Elbe, der Doppelsparschleuse Hohenwarthe und den verbindenden Kanalstrecken. Das Kernstück ist die 918 m lange Kanalbrücke über die Elbe, die die längste in Europa ist. Damit die Binnenschifffahrt nicht am Magdeburger Hafen vorbeifährt, wurde der Zugang zum Industriehafen mit entsprechenden Schleusenanlagen konstruiert. Somit ist auch im Magdeburger Hafenbereich ein ganzjähriger vom Elbwasserstand unabhängiger Schiffbetrieb möglich. Der Ausbau des Elbe-Havel-Kanals für Großmotorgüterschiffe und Schubverbände erfolgte bis zum Jahr 2011.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.11.2011


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