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Infoblatt Gazprom


Weltweit größtes Erdgasförderunternehmen aus Russland

Erdgas gilt als umweltverträglichster fossiler Brennstoff der Erde. Im Vergleich zum Erdöl oder zu Braun- und Steinkohle ist der Schadstoffausstoß bei diesem Energieträger am geringsten. Die umfangreichsten Erdgasvorräte der Welt besitzt Russland (ca. 17 % der Welterdgasreserven). Deshalb verwundert es nicht, dass das weltweit größte Erdgasförderunternehmen – Gazprom – aus Russland stammt. Bekannt wurde das Unternehmen in Deutschland u. a. durch die Beteiligung am Bau der Ostseepipeline von Russland nach Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) und als Hauptsponsor des zweitgrößten Bundesligavereins Schalke 04 seit Januar 2007.

Unternehmensgeschichte

Die Erdöl- und Erdgaswirtschaft in Russland hat sich seit Anfang der 1990er Jahre massiv verändert. Gazprom (russ. Газпром;) ist die russische Abkürzung für Gasindustrie. Bis 1989 war Gazprom ein Geschäftsbereich des Ministeriums für Gasförder- und Gastransportindustrie für Erdöl- und Gaswirtschaft der Sowjetunion. Nach dem Ende der sozialistischen Planwirtschaft wurde die gesamte Erdgaswirtschaft Russlands im Staatskonzern Gazprom zusammengefasst, der Ende 1992 mit der Zustimmung des Präsidenten der Russischen Förderation in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Der erste geschäftsführende Vorstandsvorsitzende war der damalige Minister für Erdöl- und Gaswirtschaft Wiktor Tschernomyrdin, seit 2001 leitet Alexej Miller den Konzern. Mitte der 1990er Jahre begann schließlich der Aufstieg der Gazprom zur heute bedeutsamsten Steuerzahlerin und Devisenbringerin Russlands.
Im Jahr 2001 übernahm Gazprom den wichtigsten unabhängigen russischen TV-Sender NTW. Damit stieg der politische Einfluss des Energiekonzerns weiter, denn NTW hatte sich kritisch über den militärischen Konflikt von Russland mit der abtrünnigen Republik Tschetschenien geäußert. Nach der Übernahme verstummte die Kritik.
Der Vorstandsvorsitzende Miller gilt zudem als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Putin. So gerät die Gazprom immer wieder in Verdacht, als politisches Instrument des Kremls benutzt zu werden. Im Sommer 2005 sicherte sich der russische Staat mit 51 % die Mehrheit der Aktien am Unternehmen und kann dadurch unmittelbar seine Interessen in der wirtschaftlich expandierenden Gaswirtschaft durchsetzen. Bis heute ist der Binnenmarkt Russlands über den Gaspreis stark reguliert. Zwei Drittel der Gasförderung muss der Konzern in Russland absetzen, wodurch der Marktzutritt für Konkurrenten erschwert wird.
Die Expansion der Gazprom setzte sich 2005 fort, als der Konzern das russische Erdölunternehmen Sibneft zu 72,6 % übernahm und damit seinen Einfluss in der Erdölwirtschaft ausbaute.
In die Schlagzeilen geriet die Gazprom Ende 2005 sowie Ende 2006 durch den sog. "Gasstreit" mit der Ukraine bzw. Weißrussland. Nach dem Auslaufen des Vertrags über Gaslieferungen an die Ukraine akzeptierte das Land nicht die neuen, wesentlich höheren Gaspreise. Daraufhin stellte Gazprom die Lieferungen von Erdgas an die Ukraine völlig ein. Als Folge wurde auch eine Gefährdung der Versorgungssicherheit Westeuropas befürchtet. Wenige Tage nach dem Lieferstopp einigten sich die Ukraine und Gazprom allerdings auf ein neues Vertragswerk. Ein ähnliches Vorgehen bei der Preispolitik mit Weißrussland war Ende 2006 zu beobachten. Nach weißrussischen Protesten gegen dieses Vorgehen wurde der Preis für 1000 m³ Gazprom-Erdgas um 113 % erhöht.
Heute hat der russische Staat einen überwiegenden Anteil der Aktien inne, so dass Preise u.a. kalkulierbar scheinen. GAZPROM ist das wichtigste Unternehmen Russlands und zugleich der weltweit größte Erdgasproduzent. 2010 wurden 508,6 Mrd. m³ Erdgas gefördert, das entspricht mehr als 15 % der Weltförderung. Davon wurden rund 148,1 Mrd. m³ nach Mittel- und Westeuropa exportiert.

Die Gazprom Germania Gruppe

Die GAZPROM Germania Gruppe hat sich in ihrer fast 20jährigen Geschichte zu einer anerkannten Gashandels- und Dienstleistungsgruppe entwickelt. Als Gesellschafterin einer Reihe von Handels- und Dienstleistungsunternehmen in mehreren Ländern vertritt die GAZPROM Germania Gruppe die Interessen ihrer Konzernmuttergesellschaft OAO GAZPROM. Der Firmensitz der Tochtergesellschaft befindet sich in Berlin; von hier aus werden v.a. Erdgas aus Russland und Zentralasien in Deutschland und Westeuropa vermarktet. Die GAZPROM Germania Gruppe ist jedoch in fast allen Sektoren der Wertschöpfungskette der Erdgaswirtschaft tätig. Das Team der Unternehmensgruppe GAZPROM Germania umfasst derzeit rund 780 Mitarbeiter.

Kennzahlen und Geschäftsfelder

Russland ist der weltweit größte Exporteur von Erdgas und besonders aufgrund der räumlichen Nähe einer der wichtigsten Lieferanten für den europäischen Markt, was in langfristigen Lieferverträgen bis zum Jahr 2035 seinen Niederschlag findet. Allein die Bundesrepublik Deutschland hat 2005 ca. 41 % ihrer Gasimporte aus Russland und somit durch Gazprom abgedeckt, da der Konzern auf internationalen Märkten als alleiniger Anbieter von Erdgas aus Russland auftritt. Nicht zuletzt durch diese Monopolstellung ist die Gazprom gemessen am Börsenwert nach dem US-amerikanischen Konzern Exxon Mobil das zweitgrößte Energieunternehmen.
Im Jahr 2011 erwirtschaftete Gazprom einen Umsatz von 120 Milliarden Euro und machte dabei ca. 34 Milliarden Euro Gewinn. Ungefähr 450.000 Mitarbeiter (Stand 2011) sind im Energieriesen tätig. Gazprom verfügt über ein Drittel der weltweiten gewinnbaren Erdgasreserven. Der Superlativ gilt auch für das Fernleitungsnetz der Gazprom, welches mit einer Länge von rund 150.000 km das weltweit größte ist. Das Erdgas wird zu derzeit 179 Verteilungsstationen geleitet und von dort aus über ein Weiterverteilungsnetz von 428.000 km an Unternehmen, Institutionen und private Haushalte geliefert.
Die russische Erdgaswirtschaft wird fast zur Gänze von Gazprom kontrolliert, auf das Unternehmen entfallen ca. 85 % der Erdgasförderleistungen. Der Konzern konzentriert sich aber nicht allein auf die Erdgasförderung, sondern ist auch in den Bereichen Stromwirtschaft, Medien (siehe NTW), Sport und Banken tätig. Es besteht hier allerdings die Gefahr, so Kritiker, dass die Unternehmensstruktur durch die Ausweitung der Produktfelder zu unübersichtlich wird.
Die Expansion beschränkt sich jedoch nicht nur auf Russland, sondern auch in Westeuropa und besonders in Deutschland will GAZPROM investieren und Marktanteile gewinnen. Für die sichere Energieversorgung von Deutschland und Westeuropa wurde 2005 der Bau einer Ostseepipeline von Russland nach Deutschland beschlossen. Die Ostseepipeline, die nun unter dem Namen "Nordstream" firmiert, befördert russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland. Im September 2005 wurde der Vertrag zwischen der GAZPROM (51 % Beteiligung) und den deutschen Konzernen E.ON und BASF geschlossen, bereits im Dezember desselben Jahres begann auf russischer Seite der Bau erster Anlagen. Am 8. November 2011 wurde die Ostseepipeline mit einem Festakt in Mecklenburg-Vorpommern in Betrieb genommen und der Erdgasspeicher Nordostdeutschland, vor den Toren von Greifswald, eingeweiht. Zuvor hatten – am 14. Juli 2011 GAZPROM und RWE eine strategische Kooperation auf dem deutschen Strommarkt verkündet. Der Erdgasspeicher ETZEL – 30 km südlich von Wilhelmshafen, wird 2012 in Betrieb genommen.



Quellenangaben:


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 23.03.2012











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