Suche im TERRASSE-Archiv:

Infoblatt Alternativen zum Erdöl


Erdölraffinerie (Deutsche Shell)

Informationen zu Alternativen zum Erdöl in den verschiedenen Bereichen unseres Lebens

Erdöl ist ein fossiler Energieträger und als solcher endlich. Die Meinungen darüber, wie lange uns dieser Rohstoff noch zur Verfügung steht, gehen auseinander. Vorsichtige Schätzungen gehen von 20 Jahren aus; Optimisten, die von vielen noch unentdeckten Vorkommen überzeugt sind, geben 150 Jahre (bei gleichbleibendem Verbrauch) an. Bevor jedoch das Erdöl zu Ende geht, werden die Fördermengen immer geringer und Erdölprodukte immer teurer werden und das zwingt uns zum Nachdenken über (billigere) Alternativen. Außerdem besteht durch den starken Ausstoß von klimaschädigenden Gasen bei der Verbrennung von Erdöl(produkten) Handlungs- und Änderungsbedarf.
Erdöl spielt in vielen Sektoren unseres Lebens eine wichtige Rolle:

Energie

Aus Erdöl wird ca.40 % der weltweit benötigten Energie gewonnen. Die einfachste Variante der Veränderung ist, auf den nächstgünstigeren Energieträger – Erdgas – zu wechseln. Dies wird bereits seit längerer Zeit praktiziert (Bedeutung: momentan knapp ein Viertel der Weltenergieproduktion), birgt jedoch dieselben Probleme, wenn auch die Umwelt nicht gar so sehr belastet wird. Auch Erdgas ist nicht unbegrenzt verfügbar (noch etwa 60 Jahre bei gleichbleibendem Verbrauch) und würde bei einer verstärkten Nutzung das Erdöl nicht überdauern. Als Ersatz kommt es also bestenfalls kurzzeitig in Frage.
Eine weitere Alternative stellt die Nutzung der Kernkraft dar, die derzeit für etwa 10 % der produzierten Energie sorgt. Diese scheitert ebenfalls an einem schwindenden Rohstoff – Uran. Bei gleichbleibendem Verbrauch reichen die Uranvorräte etwa noch für 80 Jahre, würde man den Anteil der Kernenergie an der Weltenergieproduktion auf 20 % steigern, blieben noch 20 Jahre übrig. Zudem sind eine Menge anderer Probleme mit dieser Energieart verbunden, man denke nur an Sondermülllagerung und die Gefahr atomarer Verseuchung bei Reaktorunfällen.
Also zurück zur Kohle? Ein Viertel der Energieerzeugung wird damit betrieben. Die Kohlevorräte der Erde sind noch relativ groß und würden uns erst in etwa 200 Jahren ausgehen. Doch hier kommt der Umweltaspekt als stärkstes Gegenargument zum Tragen, denn auch Ignoranten der globalen Erwärmung erleben mittlerweile die Folgen am eigenen Leib. Bei der Verstromung der Kohle sind die Auswirkungen auf das Klima ebenfalls enorm, da das bei der Verbrennung anfallende CO2 den Treibhauseffekt weiter vorantreibt.
Die Reichweitenschätzungen gehen immer von gleichbleibendem Verbrauch aus, es ist aber damit zu rechnen, dass der Energieverbrauch in Entwicklungs- und Schwellenländern in den nächsten Jahren exorbitant ansteigen wird und die fossilen und nuklearen Energieträger noch eher als erwartet zur Neige gehen werden.
Als echte Alternative bleiben uns also nur zwei Möglichkeiten:

  1. Energie sparen
    Würde man alle Möglichkeiten des Sparens konsequent nutzen, könnte ein Industrieland – ohne Einschränkung der Lebensqualität! – den Bedarf um die Hälfte verringern.
  2. Erneuerbare (regenerative) Energien einsetzen
    Dazu zählen Wasser-, Wind- und Gezeitenkraftwerke sowie Photovoltaik (direkte Umwandlung von Sonnenlicht in Strom), Solartechnik und geothermische Verfahren. Diese Methoden machen in der Natur vorhandene Energien für den Menschen nutzbar und verbrauchen so gut wie keine Rohstoffe (nur beim Bau der Kraftwerke und Anlagen geht es nicht ohne). Eine zweite Gruppe sind Biomasseverfahren, die bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid freisetzen, wie beim Nachwachsen der Rohstoffe verbraucht wird – langfristig gesehen also ein Nullsummenspiel. Beispiele dafür sind Holz, Biodiesel (eigentlich Rapsölmethylester, RME) und Biogas, das aus Rindergülle oder anderen organischen Abfällen gewonnen wird. Das Problem der regenerativen Energien ist, dass sie im Vergleich zu fossilen Energieträgern (noch) zu teuer sind und ihr Einsatz deshalb oft auf die Forschung und wenige Pilotprojekte beschränkt bleibt.

Verkehr

60 % des geförderten Erdöls wird zu Produkten verarbeitet, die im Verkehrssektor verbraucht werden. Der Hauptanteil sind dabei die Kraftstoffe, die bei der Verbrennung Kohlendioxid erzeugen und als der Hauptverursacher der globalen Erwärmung anzusehen sind. In diesem Gebiet gibt es schon viele brauchbare, umweltschonendere Alternativen: Erdgas oder Biogas, Biodiesel, aus regenerativen Energiequellen gewonnener Strom und als erster, einfachster Schritt sparsame Fahrzeuge ("3-Liter-Autos"). Als Technologie der Zukunft wird die mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzelle betrachtet. Wasserstoff hat den großen Vorteil, dass er aus vielen verschiedenen Rohstoffen gewonnen werden kann, z. B. dem nahezu unbegrenzt zur Verfügung stehenden Wasser (Salzwasser der Ozeane), und das der CO2-Ausstoß durch den Verkehr im Idealfall bis auf Null zurückgehen könnte. Problematisch sind hierbei zwei Dinge: Wasserstoff ist ein Gas und hat damit eine geringe Energiedichte in Bezug auf das Volumen. Man müsste es also verdichten, was Energie kostet. Zudem gibt es für Wasserstoff keine Infrastruktur, und ein Tankstellennetz aufzubauen lohnt sich wirklich nur dann, wenn Wasserstoff eine ähnliche Bedeutung erlangen kann, wie sie heute Benzin und Diesel haben. Die Brennstoffzellenfahrzeuge können jedoch auch mit Benzin oder Methanol betrieben werden, was als Zwischenschritt hin zum Wasserstoff denkbar wäre, um der neuen Technologie zum Durchbruch zu verhelfen. Laut ARAL-Forschung können heutige Fahrzeuge nur etwa 20 - 30 % der Kraftstoffenergie ausnutzen. Der Wirkungsgrad der Brennstoffzellen liegt wesentlich höher, so dass direkt bei der Einführung die ersten Einsparungseffekte auftreten würden.

Heizung

Die zweitgrößte Quelle des durch Erdöl verursachten Kohlendioxidausstoßes ist immer noch das Verbrennen von Heizöl, obwohl auch viele Haushalte mit Erdgas versorgt werden. In diesem Sektor heißt die bedeutendste Alternative SPAREN. Nach Angaben von Greenpeace und der Enquéte-Kommission des Deutschen Bundestages könnten in vielen Industrieländern durch verbesserte Wärmedämmung bis zu 90 % der momentan verbrauchten Energie für Heizzwecke eingespart werden. Natürlich ist auch der Umstieg auf Solar- oder Photovoltaikanlagen, Biomasse als Ersatzrohstoff und andere Verfahren der regenerativen Energien denkbar. Jedoch sind diese alle zusammen (noch) nicht in der Lage, das Erdöl in diesem Bereich vollständig zu ersetzen.

Kunststoffe

In diesem Bereich, der beim Erdölverbrauch nur einen geringen Teil ausmacht, ist es sehr schwierig, Alternativen zu finden. Es wäre also sinnvoll, in den anderen Sektoren Substitute zu verwenden, um das Erdöl hier einsetzen zu können. Neuere Forschungen beschäftigen sich dennoch mit Ersatzmöglichkeiten: es wurde bereits eine Methode gefunden, Polypropylen aus Erdgas herzustellen; auch biotechnologische Verfahren, bei denen Bakterien zur Kunststofferzeugung eingesetzt werden, zeigen erste vielversprechende Ergebnisse. Die dabei entstehende Polyhydroxybuttersäure, auch als "Biopol" bekannt, ist als Standardanwendung jedoch noch zu teuer. Bei der Anwendung von Biomasse gibt es etliche Beispiele: Naturfasern wie Flachs und Hanf kommen in Verbindung mit Kunststoffen z. B. beim Automobilbau zum Einsatz. Biologisch abbaubare Kunststoffe aus Maisstärke finden Verwendung als Einweggeschirr, bei Spielwaren, Stiften oder als Verpackungsmaterial. Zellulose aus Holz oder Stroh dient zur Herstellung von Tischtennisbällen, Kämmen und Bürsten, Textilien, Filmen, Möbel- und Autoteilen (Schaltknöpfe, Zierleisten, Beschläge, Sitzflächen, Lampenschirme), Brillengestellen, Stiften, Telefonen, Spielzeug, Koffern, Zahnrädern, Isoliermaterialien, Folien etc.. Prinzipiell kann man in allen Bereichen (die es vor 150 Jahren schon gab) die Materialien verwenden, die vor der verstärkten Nutzung von Erdöl verwendet wurden, also statt Plastikgeschirr Porzellan, Holz oder Glas, statt Verpackungsmaterial aus Erdölprodukten Papiertüten, Pappkartons oder Stoffbeutel.

Andere Erdölprodukte

Lacke, Farben, Kerzen, Kosmetika, Seife, Klebstoffe, Waschmittel, Shampoos, Duschbäder und Schaumbäder lassen sich statt mit Erdöl auch auf der Basis von Pflanzenölen aus Sonnenblumenkernen, Rapssamen, Leinsamen, Nüssen oder aus tierischen Produkten wie Schweineschmalz, Rindertalg, Wollwachs von Schafen oder Bienenwachs herstellen. Pflanzliche und tierische Öle und Fette sind sogar als Ausgangsstoffe für Hydraulikflüssigkeiten und Schmierstoffe für Fahrzeuge und Maschinen verwendbar.
Auch Kohlenhydrate eignen sich als Ausgangsstoff für Produkte, die bisher aus Erdöl hergestellt wurden. Geschirrspülmittel auf der Basis von Zuckerverbindungen (Alkylpolyglycoside, kurz APGs) sind seit einigen Jahren im Einsatz und aus Stärke lässt sich beispielsweise Kleister erzeugen.
Synthetische Fasern können durch Pflanzenfasern ersetzt werden, deren Eigenschaften in Zukunft etwa mit biotechnologischen Verfahren verbessert werden könnten.
Synthetisch hergestellte Arzneimittel sind wahrscheinlich noch lange vom Erdöl abhängig, weil es wesentlich teurer ist, die Wirkstoffe aus Pflanzen zu extrahieren. Aber auch hier könnte die Biotechnologie einen Ausweg bieten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es viele Möglichkeiten gibt, Erdöl zu ersetzen. Wenn die Erdölversorgung also allmählich versiegt, wird es uns gut gelingen, mit anderen Quellen zu leben, sei es nun in 20 oder in 150 Jahren.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Maria Zeike
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 19.03.2012


Zurück zur Terrasse