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Infoblatt Deutsche Automobilindustrie


Deutsche Autoindustrie (Klett)

Wirtschaftliche Bedeutung und Automobilstandorte in Deutschland

Eine der wichtigsten Industriebranchen in Deutschland ist die Automobilindustrie. Dieser Wirtschaftszweig der Schwerindustrie stellt Kraftfahrzeuge, Anhänger, Aufbauten, Container, Kfz-Teile und -zubehör her. Der Schwerpunkt liegt hierbei im Bereich Personenkraftwagen (Anteil: rund 90 Prozent). Zur Entstehung von Einkommen und Beschäftigung in Deutschland tragen entscheidend Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Nutzung des Automobils bei. Die Automobilindustrie entstand mit der Entwicklung des Automobils gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Zu den Pionieren der Automobilindustrie gehören die deutschen Ingenieure Carl Benz, Gottlieb Daimler, Wilhelm Maybach und Siegfried Marcus. Mit der Massenproduktion von Kraftfahrzeugen (vor allem durch die Fließbandfertigung des US-Amerikaners Henry Ford) erlangte der Wirtschaftszweig einen bedeutenden Aufschwung, der sich bis heute dynamisch gestaltet. Das Prinzip des damaligen Automobils blieb bis heute erhalten. Hinzu kommen jedoch ständig technische Neuerungen beim Produkt Auto und zahlreiche Innovationen beim Produktionsprozess. Kennzeichnend für die Automobilindustrie ist ein hoher Grad der Unternehmenskonzentration durch den Zwang zur Großserienproduktion und ein hoher Automatisierungsgrad verbunden mit einem großen Aufwand an technischen Ressourcen und Mitarbeitern. Nur sehr wenige Modelle werden noch in aufwändiger Handarbeit hergestellt.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Bundesrepublik Deutschland ist gemessen am Jahresumsatz der zweitgrößte Automobilproduzent nach Japan und vor den USA. Der Jahresumsatz im Jahr 2014 betrug 368 Mrd. Euro gegenüber 362 Mrd. Euro im Vorjahr. Die weiteren wirtschaftlichen Eckdaten lesen sich ebenfalls wie eine Erfolgsstory. So wurden im Inland ungefähr 5,9 Millionen Automobile produziert. Insgesamt belief sich die Weltmarktproduktion deutscher Hersteller auf ca. 14,7 Mio. Kraftfahrzeuge. Bei 74,7 Millionen Neuwagen weltweit im Jahr 2014 stammt so fast jedes fünfte Auto, welches 2014 weltweit produziert wurde, aus deutscher Produktion. Bei Neuzulassungen im westeuropäischen Markt lag der Anteil der Kraftwagen aus deutscher Fabrikation bei knapp 50 Prozent. Von den im Inland produzierten PKW gingen im Jahr 2014 64 Prozent in den Export. Große Wachstumsmärkte sind vor allem Osteuropa und Asien (China, Indien). Damit ist die deutsche Automobilindustrie die stärkste deutsche Exportbranche.
Das gute Auslandsgeschäft ist mitverantwortlich für das hohe Beschäftigungsniveau in der deutschen Automobilindustrie. In der deutschen Automobilindustrie waren 2014 rund 775.000 Beschäftigte tätig. Werden die indirekt Beschäftigten hinzugezählt, so sind in der Bundesrepublik ca. 1,5 Millionen Beschäftigte von der Automobilbranche abhängig. Dieser Wert der indirekten Beschäftigung ergibt sich durch die zunehmende Verschlankung der Produktionsprozesse und die damit verbundene Konzentration der Automobilhersteller auf die Kernfertigung. Die Wertschöpfungsverteilung zwischen den Fahrzeugherstellern, Zulieferern und Vorlieferanten hat sich in den letzten Jahren zugunsten der Zulieferer gravierend verändert. Aufgrund der niedrigen Fertigungstiefe ergibt sich ein hoher und differenzierter Vorleistungsbedarf. Zahlreiche andere Branchen partizipieren dadurch mittelbar an der Wertschöpfung in der Automobilproduktion. So werden die Investitionsgüter, Material- und Teilelieferungen zur laufenden Produktion z. B. von der chemischen Industrie, der Textilindustrie, vom Maschinenbau und der elektrotechnischen Industrie hergestellt. Darüber hinaus tragen Dienstleistungsbranchen wie Ingenieurbüros, Speditionen und Verkehrsbetriebe zur Entstehung eines Automobils bei. Die Beschäftigungswirkung des Automobils reicht aber noch wesentlich weiter. Viele Beschäftigte verdanken ihren Arbeitsplatz der Nutzung des Automobils, denn der Automobil-Handel, Tankstellen, Automobilwartung und -reparatur schaffen auch Arbeitsplätze. Außerdem werden durch die Nutzer von Kraftwagen auch Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Automobil nachgefragt. Dazu gehören Banken, Versicherungen und Behörden, um nur einige zu nennen. Weiterhin gibt es zahlreiche Branchen, die für ihre Ausübung Kraftwagen zwingend benötigen, wie beispielsweise das Taxi- und Speditionsgewerbe. Die Automobilindustrie hat aber nicht nur bedeutende Beschäftigungseffekte, sondern verbunden mit der Entwicklung, Herstellung, dem Vertrieb und der Nutzung des Automobils entsteht nahezu ein Fünftel der nationalen Bruttowertschöpfung.

Aktuelle Entwicklungen der Automobilindustrie in Deutschland

Unternehmen wie Volkswagen, BMW und DaimlerChrysler, die im Wettbewerb der globalen Automobilindustrie eine bedeutende Rolle spielen, haben ihren Stammsitz in der Bundesrepublik. Die jeweiligen Unternehmen unterhalten neben ihrem Stammsitz weitere große Produktionsstätten, die für die jeweiligen Regionen meist prägend sind. So ist z. B. die DaimlerChrysler AG in Stuttgart und Umgebung beheimatet, die Opel AG in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern, BMW in München, Regensburg und seit 2005 auch in Leipzig, die VW AG in Wolfsburg, Hannover, Ingolstadt und Zwickau-Mosel. Stellvertretend für die zahlreichen Standorte der Automobilindustrie werden an dieser Stelle die Produktionsstätten Wolfsburg und Eisenach näher vorgestellt.
Einer der bedeutendsten Automobilstandorte in der Bundesrepublik ist Wolfsburg mit dem Stammsitz der Volkswagen AG (VW AG). Im Zusammenhang mit der Gründung des Automobilwerkes 1938 begann erst die Entwicklung der heutigen Stadt Wolfsburg. Das Wolfsburger Stammwerk ist die größte zusammenhängende Automobilfabrik der Welt. Es verfügt über eine Fertigungskapazität von rund 4.000 Fahrzeugen am Tag. 2014 verließen rund 836 000 Fahrzeuge das Werk. Ende 2014 arbeiteten ca. 72.500 Menschen bei der VW AG in Wolfsburg. Neben der PKW-Produktion ist die Komponentenfertigung ein wichtiges Standbein des Wolfsburger Werkes. Die hier produzierten Komponenten werden selbst verbaut und auch an andere Standorte geliefert. Weitere Produktionsstandorte in Deutschland sind die Gläserne Manufaktur in Dresden, Emden, Hannover und Zwickau-Mosel. Das Produktionswerk wird durch zahlreiche Fertigungs- und Montagewerke im Ausland ergänzt. Durch die Fortführung der VW-Käferproduktion wurde beispielsweise das VW-Werk in Puebla (Mexiko) bekannt.
Ein weiterer bedeutender Standort der Automobilindustrie ist das westthüringische Eisenach. Die Anfänge reichen bis in das Jahr 1896 zurück. Ab 1898 begann die serienmäßige Produktion des Motorenwagens "Wartburg". 1928 wurde das Werk von der BMW AG München übernommen. Dieser Zusammenschluss stellte sich als äußerst fruchtbar heraus, denn das Thüringer BMW-Zweigwerk erarbeitete sich im Sportwagen-Sektor einen ausgezeichneten Ruf. Die erfolgreiche BMW-Ära endete 1952 mit der Überführung der Eisenacher Werke in Volkseigentum. Nach der politischen Wende 1989 kam es zu einer Umstrukturierung des Automobilstandortes Eisenach. Die alten Produktionsanlagen wurden abgerissen oder an andere Firmen verkauft. Die Adam Opel AG errichtete ein neues Automobilwerk und produzierte ab 1992 dort Opel-Fahrzeuge. Das reine Montagewerk gilt als eine der produktivsten Fertigungsstätten in Europa. Etwa 1.800 Mitarbeiter (Juni 2015) sind im Eisenacher Opel-Werk beschäftigt und damit gehört das Werk zu den größten Industriebetrieben Thüringens. Im unmittelbaren Umfeld des Opel-Werkes haben sich noch zahlreiche Zulieferer angesiedelt, bei denen weitere, geschätzte 3.000 Beschäftigte ihr Einkommen erwirtschaften. Größter Arbeitgeber unter ihnen ist das Bosch-Werk Eisenach mit etwa 1.700 Beschäftigten.


Im Kontext:
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