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Infoblatt Automobilindustrie in Zwickau


Regionalisierung des Automobilbaus in Sachsen (Klett)

Die Entwicklung Zwickaus als Standort der Automobilindustrie

Zwickau liegt im nördlichen Erzgebirgsvorland an der Mulde und zählt mit seinen knapp 93.000 Einwohnern zu den Oberzentren Sachsens. Zu DDR-Zeiten war die Stadt bekannt als Produktionsstandort des PKW "Trabant“. Heute sitzt in Zwickau nicht nur der Automobilkonzern Volkswagen Sachsen GmbH einschließlich der Zulieferindustrie für den Fahrzeugbau, sondern auch Betriebe der Arzneimittelherstellung, der Chemie-, Bau- und Elektroindustrie sowie des Maschinenbaus sind hier vertreten.
Gegenwärtig ist die Automobilbranche der umsatzstärkste Industriezweig Sachsens und beschäftigt ca. 70.000 Menschen in rund 750 Unternehmen (einschließlich Zulieferer-, Dienstleister- und Ausrüsterbetrieben). Besonders einflussreich sind die VW-Standorte in Zwickau, Chemnitz und Dresden sowie die Werke von Porsche und BMW in Leipzig.

Die Anfänge

Am 10. Mai 1904 ließ August Horch die "A. Horch & Cie. Motorenwerke AG“ in das Zwickauer Handelsregister eintragen und legte damit den Grundstein für den bedeutendsten Industriezweig der Region. 1910 gründete Horch mit "Audi“, der lateinischen Übersetzung von Horch, eine neue Firma. Trotz verschiedener fortschrittlicher Konstruktionen erreichte Audi nur einen geringen Absatz. Das wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen wurde 1928 vom DKW-Konzern aus Zschopau aufgekauft. Äußerst erfolgreich verlief die anschließende Präsentation des Kleinwagens DKW-Typ Front: Er war das erste Serienauto mit Vorderradantrieb.
Parallel zur Automobilherstellung entwickelte sich die Zulieferbranche im Zwickauer Raum. So gilt die 1898 gegründete Erzgebirgische Schnittwerkzeug- und Maschinenfabrik als Wiege der Umformtechnik. In zunehmendem Maße wurden bei Audi vorgefertigte Teile von außen bezogen; im Jahr 1931 arbeitete das Unternehmen bereits mit 249 Zulieferern zusammen.
1932 schlossen sich die vier Unternehmen Horch (Zwickau), Audi (Zwickau), DKW (Zschopau) und Wanderer (Chemnitz) zur Auto Union AG zusammen unter dem Zeichen der vier verschlungenen Ringe. Von 1938 bis Kriegsende zählte die Wehrmacht zu den Hauptkunden der Auto-Union und sorgte für ihren damaligen wirtschaftlichen Erfolg.

Von Kriegsende bis heute

Nach dem Krieg wurden die Werke der Auto-Union fast vollständig zerstört oder nach Russland abtransportiert. Erst 1956 präsentierte das Motorradwerk Zschopau (MZ), so die neue Bezeichnung des ehemaligen DKW-Werkes, das erste Motorrad nach dem Krieg.
Aufgrund der Materialknappheit – es fehlte vor allem an Stahlblech – wurde erst 1955 der Vorläufer des "Trabant“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Seine Karosserie bestand größtenteils aus Kunststoff. 1958 wurde der VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau gebildet. Fortan kamen aus Zwickau in erster Linie die "Trabbis". Seit 1988 wurden in Zwickau auch VW-Motoren für den Polo gebaut.
1990 fand die Grundsteinlegung für ein neues Werk in Mosel und die Gründung der Volkswagen Sachsen GmbH statt. 1998 verließen das Moseler Werk erstmals mehr als eine Viertelmillion Autos. Die Ansiedlung des größten deutschen Autoherstellers in der Region war nur möglich, weil dort qualifizierte und erfahrene Arbeitnehmer vorhanden waren. Der Erfolg des VW-Werkes ist aber auch eine Folge modernisierter Arbeitsorganisation, vor allem Just-in-time-Produktion. So erledigt VW Mosel nur etwa ein Fünftel aller Arbeiten im Werk, rund vier Fünftel der Arbeiten werden außerhalb ausgeführt. Zulieferer fertigen Komponenten und Modulvarianten, die rechtzeitig und an der richtigen Stelle in den Golf oder Passat eingebaut werden müssen. Da die Autos im Minutentakt von den Bändern laufen, stellt diese Art der Fertigung hohe logistische Anforderungen an die Zulieferer.

Heute ist die Volkswagen Sachsen GmbH mit 6.850 Beschäftigten das größte Unternehmen der Stadt Zwickau, welches zusätzlich regional über 20.000 weitere Arbeitsplätze in Zulieferfirmen, im Dienstleistungs- und Handelsbereich ermöglicht hat.
Zur VW Sachsen GmbH gehören die Fahrzeugfertigung Zwickau-Mosel mit einer täglichen Fertigungskapazität von 1.200 Fahrzeugen sowie die Motorenfertigung Chemnitz mit täglich 3.400 produzierten Motoren. In Zwickau selbst können täglich bis zu 90 Karosserien für Phaeton und Bentley sowie bis zu 1.350 Fahrzeuge der Modelle Golf und Passat Limousine hergestellt werden.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig, Wiebke Hebold
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 02.08.2012


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