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Infoblatt VW - Volkswagen AG


Volkswagenwerk und Autostadt in Wolfsburg (Volkswagen AG)

Entwicklung, Standorte und Kennzahlen

Unternehmensgeschichte

Die Ausgangsidee war die Konstruktion eines Automobils, was sparsam im Verbrauch sein sollte und dauerhaft 100 km/h fahren konnte. Außerdem sollte es mit vier Sitzen für Familien geeignet sein. Ein Österreicher, Ferdinand Porsche, bekam den Entwicklungsauftrag vom Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie im Juni 1934 für einen Prototypen. Porsche betrieb bereits ein eigenes Konstruktionsbüro in Stuttgart. Adolf Hitler forderte zudem, dass das neue Modell zu einem "volkstümlichen Preis" angeboten werden soll und nicht mehr als 1000 RM (Reichsmark) kosten dürfe. Bestehende Automobilhersteller hielten diese Preisvorgabe für nicht realisierbar. Deshalb wurde die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront (DAF) von Hitler mit dem Bau der Automobilfabrik beauftragt. Als offizielles Gründungsdatum gilt der 28. Mai 1937, als die "Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH" gegründet wurde. Ein Jahr später erfolgte die Umbenennung in "Volkswagenwerk GmbH". Das einzige Modell sollte der sog. KdF-Wagen (KdF = Kraft durch Freude) mit einem Kaufpreis von 990 RM sein. Der kalkulierte Preis lag 1939 aber bereits bei der doppelten Summe.

Der Standort für das neue Automobilwerk wurde mehr oder weniger zufällig ausgewählt. Im dünn besiedelten und ländlichen Raum südlich von Gifhorn (Niedersachsen) wurden das Werk und die "Stadt des KdF-Wagens" für die Arbeiter völlig neu gegründet. Die Grundsteinlegung für die neuen Fertigungsanlagen erfolgte im Mai 1938 an der Nordseite des Mittellandkanals. Der Standort lag äußerst verkehrsgünstig und zentral gelegen im damaligen Deutschen Reich. Die überregionale Anbindung war durch die heutige Bundesautobahn 2 Berlin-Hannover, die Eisenbahnstrecke Berlin-Ruhrgebiet und den Mittellandkanal gegeben. Allerdings mussten sowohl der Autobahnanschluss als auch die Anbindung an die Eisenbahnstrecke für die geplante Stadt erst noch geschaffen werden. Von Ferdinand Porsche wurden die Produktionsanlagen im neuen Werk optimal angeordnet, damit die strengen Preisvorgaben eingehalten werden konnten. Porsche setzte wie sein Vorbild Ford (USA) konsequent auf Fließbandfertigung. Zu einer planmäßigen Produktion kam es aber nicht mehr. Aufgrund der Vorbereitung zum Zweiten Weltkrieg wurde der benötigte Stahl in der Rüstung eingesetzt und es wurden letztlich nur wenige KdF-Wagen, die wegen ihrer Form später den Namen VW-Käfer erhielten, hergestellt. Während des 2. Weltkrieges wurden im Werk nur noch Rüstungsgüter produziert. Mehr als 20.000 Kriegsgefangene mussten dort Zwangsarbeit leisten. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren mehr als zwei Drittel der Produktionsanlagen durch alliierte Luftangriffe zerstört. Im September 1998 richtete die Volkswagen AG in Kenntnis der damaligen Geschehnisse einen humanitären Fonds für die Zwangsarbeiter ein. Mehr als 2.000 Personen erhielten Leistungen aus diesem Fonds.

In der Nachkriegszeit übernahm zunächst die britische Militärregierung die Leitung des Werks. Die Zukunft der Automobilproduktion war ungewiss. Eine Demontage des Werks und Weiterführung der Produktion an ausländischen Standorten schienen möglich. Ein britischer Offizier rettete den Standort, weil er das Werk mit Aufträgen versorgte. 1946 rollten schon die ersten VW-Käfer vom Band und sowohl das Unternehmen als auch die Produkte erhielten offiziell den Namen Volkswagen. Bereits im Mai 1945 wurde die Stadt nach dem gleichnamigen Schloss bzw. Wohnplatz in "Wolfsburg" umbenannt. Durch die erfolgreiche Wiederaufnahme der Automobilproduktion erhielt die Stadt Wolfsburg entscheidende Wachstumsimpulse. Im Jahr 1951 bekam Wolfsburg den Status einer kreisfreien Stadt (ehemals Landkreis Gifhorn). Der ein millionste Käfer lief 1955 vom Band. Wohnten im Mai 1939 ca. 6.800 Einwohner in Wolfsburg, so waren es im September 1956 schon 45.400 und heute (2015) mehr als 124.000 Menschen.

1949 wurde die Treuhänderschaft über Volkswagen der Bundesregierung übertragen. Das Land Niedersachsen übernahm die Verwaltung des Werks. Bereits Anfang der 1950er Jahre begann die Internationalisierung des Unternehmens. So wurden eigenständige Verkaufs- und Produktionsstätten in Kanada (1952) und Brasilien (1953) gegründet. Die Volkswagenwerk GmbH wurde im August 1960 schließlich in eine Aktiengesellschaft ("Volkswagen AG") umgewandelt. Die öffentliche Hand erhielt Anteile und konnte trotz der Privatisierung weiterhin entscheidenden Einfluss auf das Unternehmen ausüben. 1964 erschloss VW mit der Eröffnung des Produktionswerks im mexikanischen Puebla weitere Teile des lateinamerikanischen Markts. Im Januar 1965 erwarb die VW AG die Daimler-Benz-Tochter "Auto Union GmbH". Als selbstständige Tochter firmierte sie ab 1985 unter dem Namen "Audi AG" und deckte hauptsächlich das Marktsegment der Oberklasse für Volkswagen ab. Anfang der 1970er Jahre wurde Volkswagen nach weiteren Internationalisierungsbestrebungen Produktionsweltmeister. Mit 15.007.034 montierten Wagen brach der VW-Käfer den Rekord des bis dahin am häufigsten produzierten Modells. Ab 1974 ging das neue Modell VW Golf als legitimer Nachfolger des VW-Käfer an den Start. Die Käfer-Produktion wurde aus Kostengründen nach Mexiko verlagert und dort noch bis 2003 fortgeführt. In den 1980er Jahren erwarb die VW AG Anteile am spanischen Automobilhersteller SEAT und integrierte ihn als dritte eigenständige Tochter in den Konzern. Außerdem startete die VW AG ihr Engagement in China, um den asiatischen Markt zu erobern und kostengünstig zu produzieren. 1988 lief dort die Produktion an. Den Zugang zum osteuropäischen Markt sicherte sich die VW AG durch den Erwerb des tschechischen Automobilherstellers ŠKODA im Jahre 1990. In Ostdeutschland gründete VW mehrere Gesellschaften und errichte am Traditionsstandort Zwickau das VW-Werk Mosel. 1993 wurde Ferdinand Piëch, ein Enkel von F. Porsche, Vorsitzender im Vorstand der VW AG. Im Jahr 1999 wurde der Grundstein für die "Gläserne Manufaktur" in Dresden gelegt, in welcher heute die Luxusmarke Phaeton produziert wird.

Kennzahlen und Standorte

Wie an der Unternehmensgeschichte bereits deutlich wird, ist die VW AG ein Konzern mit weltweit verteilten Standorten. Der Sitz des Unternehmens befindet sich nach wie vor im niedersächsischen Wolfsburg. In 31 Ländern weltweit betreibt die Volkswagen AG 119 Produktionsstandorte, darunter in 20 europäischen Ländern. Zu letzteren zählen z. B. Schweden, Belgien, Großbritannien, Spanien, die Tschechische Republik, Polen und Ungarn. Die übrigen Produktionsstandorte befinden sich in Amerika, Asien und Afrika. In Deutschland liegen mit 271.000 Beschäftigten die meisten Standorte (mehr als 20). Die VW AG produziert u. a. in Wolfsburg, dem Stammwerk, Hannover, Kassel, Braunschweig, Emden, Osnabrück, Salzgitter, Zwickau-Mosel, Chemnitz und Dresden. Das Tochterunternehmen Audi AG hat zwei Produktionsstätten in Neckarsulm und Ingolstadt. Insgesamt hat VW AG eine Belegschaft von weltweit etwa 592.600 Beschäftigten (Stand Mai 2015), die 2014 pro Tag ca. 41.000 Fahrzeuge produzierten. Im Geschäftsjahr 2014 wurden 10,137 Mio. Fahrzeuge an die Kunden ausgeliefert. Damit hat die VW AG einen Weltmarktanteil von 13,6 Prozent. In Europa als größtem Automobilmarkt der Welt stammt mehr als ein Viertel aller neuen Pkw (25,4 Prozent) aus dem Volkswagen Konzern.
Der VW Konzern konnte damit 2014 insgesamt einen Umsatz von 202 Milliarden Euro erzielen, das entspricht einem Plus von 2,8 % im Vergleich zum Vorjahr.

Produkte und Geschäftsfelder

In 153 Ländern ist die VW AG mit ihren Produkten präsent. Der Konzern gliedert sich in mehrere Unternehmensteile. Der Unternehmensbereich Automobile setzt sich aus den zwei Bereichen „Pkw und leichte Nutzfahrzeuge“ sowie „Lkw und Busse, Power Engineering“ zusammen. Es gehören zwölf Marken zum Konzern: Zur Markengruppe Volkswagen zählen die Produkte von Volkswagen PKW, Škoda, Bentley und Bugatti. Der Markengruppe Audi sind die Unternehmensteile Audi, SEAT und Lamborghini zugehörig. Die Nutzfahrzeuge untergliedern sich in Volkswagen Nutzfahrzeuge und Volkswagen Marine (Bootsmotoren), Scania und MAN. Hinzu kommt noch die Motorradmarke Ducati.
Zu dem Unternehmensbereich Finanzdienstleistungen zählen u.a. die Volkswagen Financial Services AG, die Volkswagen Bank und Volkswagen Leasing dazu.

Ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte des VW-Konzerns mit noch nicht absehbaren Folgen ist seit September 2015 der sogenannte VW-Abgasskandal. Die US-Umweltbehörde EPA deckte auf, dass VW in ihren Diesel-Fahrzeugen eine Motorsoftware verwendete, die im Prüfzyklus günstigere Abgaswerte lieferte als in der normalen Fahrpraxis. Mit dieser Manipulation umging der Konzern die strengen amerikanischen Abgasnormen. Die Manipulations-Software betrifft aber nicht nur VW-Diesel-Fahrzeuge in den USA, sondern weltweit etwa elf Millionen Fahrzeuge bei drei Motorentypen. In der Folge dieser Enthüllungen verlor die VW-Aktie an den Finanzmärkten sofort fast ein Viertel ihres Wertes. Der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn trat zurück. Eine endgültige Aufklärung der Vorgänge rund um die Software-Manipulationen seitens des Konzerns steht aber noch aus. Aufgrund von Strafanzeigen fanden in zahlreichen VW-Werken und –niederlassungen in mehreren Staaten daher staatsanwaltliche Durchsuchungen statt. Neben dem riesigen Image-Schaden und Rückgang der Umsätze drohen VW immense Schadenersatzforderungen in zweistelliger Milliardenhöhe. Diese entstehen vor allem durch die Rückrufaktionen für die betroffenen Fahrzeuge, durch Schadenersatzforderungen von Fahrzeugbesitzern und vor allem durch zahlreiche Sammelklagen aus den USA, bei denen auch die Gesundheitsfolgen des höheren Stickoxid- und Feinstaubausstoßes der manipulierten Motoren ins Spiel gebracht werden dürften.


Im Kontext:
Infoblatt Feinstaub und Stickoxide



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