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Infoblatt Obst und Gemüse


Vom Gemüseanbau zum Verkauf (Klett)

Obst- und Gemüseanbau im Überblick

Früher waren Obst und Gemüse nur kurz nach der Erntesaison verfügbar. Sie wurden nahe der großen Ballungszentren angebaut, um Transportkosten zu sparen und die verderbliche Ware möglichst schnell zu den Verbrauchern transportieren zu können. Durch verbesserte Methoden der Haltbarmachung und durch die Entwicklung des weltweiten Warenverkehrs können wir heute das ganze Jahr über frisches Obst und Gemüse genießen. Selbst in Gebieten, wo früher weder Obst noch Gemüse wuchsen, entstanden nach dem 2. Weltkrieg wichtige Produktionsstätten, z. B. in Israel. Möglich wurde diese Entwicklung durch die Erfindung und Weiterentwicklung von Bewässerungsmethoden, Pflanzenzüchtung und Transportmitteln. Die großen europäischen Anbaubetriebe, die Deutschland heute mit Obst und Gemüse versorgen, befinden sich hauptsächlich in den Niederlanden, Belgien, Spanien, Frankreich und Italien. Einerseits verfügen diese Länder zumeist über ein für den Pflanzenanbau besseres Klima, aber auch über eine weiterentwickelte Technologie und Logistik. Die Entwicklung kostengünstiger Luftfracht hat dazu geführt, dass auch tropische Obstsorten in Europa verfügbar sind.

Gemüseanbau

Als Gemüse bezeichnet man verschiedenste Pflanzenteile, die sowohl gekocht oder konserviert als auch roh in Form von Salaten zubereitet werden und als Nahrung dienen. Im Unterschied zu Obst und Nüssen, die meist von Bäumen und Sträuchern stammen, werden als Gemüsepflanzen meist einjährige, krautige Gewächse verwendet. Gemüse ist eine wichtige Quelle von Mineralstoffen und Vitaminen. Zum Gemüse zählen Blattpflanzen, Wurzel- oder Hackfrüchte und eine Reihe anderer Pflanzen. Die meisten Gemüsesorten werden in den gemäßigten Klimazonen angebaut. Als Beispiel für ein typisches beliebtes Gemüse kann die Tomate dienen. Während man früher von den Tomaten annahm, dass sie giftig sind, gehören sie heute zu den am häufigsten angebauten Gemüsepflanzen. Sie liefern wertvolle mineralische Nährstoffe und die Vitamine A und C. Die in Deutschland erhältlichen Tomaten stammen im Sommer aus Deutschland selbst, im restlichen Jahr aus Italien und Spanien oder den Niederlanden. Während Tomaten in den Mittelmeerländern aufgrund des wärmeren Klimas gut gedeihen, nehmen die Niederlande eine Sonderrolle ein. Dort ist der Gemüseanbau hocheffektiv und traditionell auf den Export ausgerichtet. Einen besonders großen Anteil an der Produktion von Gemüse nimmt der Anbau in Gewächshäusern ein. In den kälteren Jahreszeiten werden diese zusätzlich beheizt. In den modernsten Gewächshäusern wird die Versorgung der Pflanzen mit Licht und Nährstoffen computergesteuert geregelt. Oftmals wachsen diese nicht mehr auf Erde, sondern auf Watte, die mit einer Nährlösung getränkt wird.

Obstanbau

Obst wird hauptsächlich in den gemäßigten, subtropischen und tropischen Gebieten der Welt angebaut. Die wichtigsten Obstsorten der gemäßigten Breiten sind Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Pflaumen und Kirschen. In den subtropischen Gebieten werden Orangen, Zitronen, Limonen, Tangerinen, Oliven und Feigen angebaut. Zu den wichtigsten tropischen Obstsorten gehören Bananen, Avocados, Mangos, Datteln, Ananas und Papayas. Die Anbaumethoden der einzelnen Obstarten unterscheiden sich und hängen von Boden, Klima und dem verfügbaren Dünger ab. Um eine hohe Qualität und somit einen hohen Gewinn zu erzielen, müssen Insekten und Krankheiten unbedingt unter Kontrolle gehalten werden. Dazu verwendet man chemische Mittel, Insektizide und Herbizide. In jüngerer Zeit werden auch Methoden der gezielten Schädlingsbekämpfung, wie etwa die sorgfältige Überwachung der Schädlingspopulationen angewendet. Die meisten Obstarten werden von Hand geerntet. Es existieren kaum mechanische Hilfsmittel für die Ernte.
Das Lieblingsobst der Deutschen, die Banane, wächst als eine baumartige Staude in fast allen tropischen Ländern. Die Früchte wachsen in Bündeln zu je ca. 11 kg und enthalten hauptsächlich Wasser und Kohlenhydrate. Bananen werden geerntet, wenn sie noch grün sind und gelangen auf speziellen Schiffen zu den Verbrauchern. Auf ihrer wochenlangen Reise von Südamerika oder Afrika nach Europa und Nordamerika sind sie in klimatisierten Laderäumen untergebracht, wo sie langsam reifen. Kommen sie dann in ihren Zielländern an, sind sie gelb, aber noch nicht überreif. Wer bei sich zu Hause einmal Bananen über mehrere Tage aufbewahrt, der weiß, wie schnell diese überlagern. Der Erntezeitpunkt, das Klima im Laderaum und die Reisezeit müssen also genau aufeinander abgestimmt sein. Für den Anbau von Äpfeln berühmt sind das Elbtal nördlich von Dresden oder auch das Alte Land bei Hamburg. Um die Äpfel nicht alle im Herbst verkaufen zu müssen, werden sie sorgfältig gelagert. Unter klimatisierten Bedingungen halten sie sich einige Monate. Diese Technik verhilft den Erzeugern zu höheren Preisen und den Verbrauchern zu einer längeren Verfügbarkeit heimischer Äpfel. In jüngster Zeit gelangen auch immer mehr neuseeländische Äpfel auf den europäischen Markt. Das hat seine Ursache im billigen Seetransport und in der Unterschiedlichkeit von Nord- und Südsommer. Gehen die Äpfelvorräte Europas im Frühjahr zur Neige, werden die Äpfel der Südhalbkugel gerade reif. Die Konsumenten sind dann bereit, für einen neuseeländüischen Apfel auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 18.05.2012


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