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Infoblatt Handwerk


Die bedeutendsten Gewerbezweige und ihre wirtschaftliche Bedeutung

Das Handwerk ist eine gewerbliche Organisationsform und ein Berufsstand, bei dem die Handarbeit ein dominierendes Kennzeichen ist. Das Produkt oder die Dienstleistung wird meist auf Bestellung unmittelbar für den Verbraucher hergestellt. Im Gegensatz zur Industrie ist beim Handwerk also die Einzelfertigung bzw. individuelle Dienstleistung vorherrschend. Wer Handwerker ist oder wer ein sonstiges Gewerbe betreibt, das wird in der Handwerksordnung festgelegt. Traditionell ist das Handwerk in Mitteleuropa sehr stark organisiert (Stichwort "Zunft"). Jeder Handwerksbetrieb ist Pflichtmitglied in der für ihn zuständigen Berufsgenossenschaft und Handwerkskammer. Die Handwerksrolle ist ein von der zuständigen Handwerkskammer geführtes Verzeichnis, in dem alle selbstständigen Handwerker des Bezirks eingetragen sind. In der Handwerksordnung (HandwO oder HwO) wiederum werden die Regelungen für die Ausübung eines Handwerks bestimmt. Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist die Vielseitigkeit der Handwerker (Lehrling - Geselle - Meister). Sie beherrschen alle Handgriffe, die bei der Herstellung der Güter und Dienstleistungen im jeweiligen Handwerk anfallen. So sind Arbeitsteiligkeit und Massenproduktion für das Handwerk eher untypisch.

Bedeutendste Gewerbezweige

Das Handwerk umfasst eine große Vielfalt von Berufen. Bis 1998 gab es insgesamt 127 Handwerksberufe. Durch Zusammenlegung einer Reihe von artverwandten Berufen mit der Handwerksrechtsnovelle von 1998 ist die Zahl auf 94 gesunken. So wurden beispielsweise die Handwerker "Maurer", "Beton- und Stahlbetonbauer" sowie "Feuerungs- und Schornsteinbauer" zu einem neuen Handwerk mit der Bezeichnung "Maurer und Betonbauer" zusammengefasst. Es wird generell nach zulassungspflichtigem (41 eingetragene Berufe), zulassungsfreiem (53) und handwerksähnlichem Gewerbe (57) unterschieden. Es gibt sieben Gewerbegruppen: das Bauhauptgewerbe, das Ausbaugewerbe, Handwerke für den gewerblichen Bedarf, Kraftfahrzeuggewerbe, Lebensmittelgewerbe, Gesundheitsgewerbe und Handwerke für den privaten Bedarf. Das Bau- und Ausbaugewerbe erwirtschaftet den höchsten Umsatz und stellt 27,8 % der Betriebe. Die meisten Betriebe (28 %) sind im Elektro- und Metallgewerbe angesiedelt. 19 % aller Betriebe zählen zur Gruppe der Gesundheits- und Körperpflege sowie der chemischen und Reinigung (Stand 2011).
Die fünf bedeutendsten Gewerke (Berufe) des zulassungspflichtigen Handwerks nach Zahl der Unternehmen sind Frisöre, Elektrotechniker, Kraftfahrzeugtechniker, Installateure und Heizungsbauer sowie Maurer und Betonbauer (Stand 2011).

Wirtschaftliche Bedeutung

Das Handwerk ist nach wie vor einer der typischen Bereiche des deutschen Mittelstandes. Die wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks lässt sich beispielsweise an der Zahl der Beschäftigten und Handwerksunternehmen ablesen. Die Daten stammen u. a. aus der Handwerkszählung. Die letzten Handwerkszählungen fanden 1995 und 2008 statt. Die Daten der Zählung von 2008 wurden im Juli 2011 vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht. Darüber hinaus werden im Rahmen einer vierteljährlichen Stichprobenerhebung Daten zur Beurteilung der kurzfristigen Entwicklung ermittelt. Es wurde 2011 beispielsweise festgestellt, dass 60,6 % der Unternehmen aus weniger als fünf Mitarbeitern bestehen. Dazu zählen auch Inhaber und unbezahlt mithelfende Familienangehörige. Im Handwerk gibt es aber nicht nur Kleinst- und Kleinunternehmen, sondern Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten. Deren Anteil liegt zwar nur bei 2,1 %, dennoch nehmen sie aufgrund der hohen Mitarbeiterquote eine wichtige Position ein.
Der wirtschaftlich hohe Stellenwert des deutschen Handwerks wird durch folgende statistischen Werte deutlich. In 1.000.385 Betrieben (Stand 31.12.2011) arbeiten 5,16 Millionen Menschen. 417.318 Lehrlinge erhalten dort eine qualifizierte Ausbildung. Im Jahr 2011 erreichte der Umsatz im Handwerk fast 500 Milliarden Euro. Das Handwerk engagiert sich bei der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen, setzt sich für ein hohes Ausbildungsniveau ein und bietet über 150 Ausbildungsberufe an. So wurden für das Ausbildungsjahr 2011 153.222 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich, Wiebke Hebold
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.07.2012


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