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Infoblatt Arktis


Arktis (Klett)

Geographische Einordnung, Klima, Wirtschaft, Forschung

Geographische Einordnung

Der Bereich der Arktis ist geographisch nicht eindeutig festgelegt, er wird auf verschiedene Weise abgegrenzt. Ein Ansatz sieht die Grenze der Arktis an der planetarischen Baumgrenze, also der maximalen nördlichen Ausbreitung des Baumbewuchses. Das Zentrum der Arktis wird vom Nordpolarmeer gebildet, das wiederum nahezu völlig von Festland umschlossen ist. Die größten Landgebiete der Arktis liegen in Nordskandinavien, Russland, Alaska und Kanada. Zahlreiche Inseln zählen dazu, darunter Grönland, Island und Spitzbergen. Im Gegensatz zur Antarktis verfügt die Arktis über eine reichhaltige Flora und Fauna, vor allem in den eisfreien Gebieten (z. B. der Westküste Grönlands). Einige Teile der Arktis sind ständig von Eis bedeckt. Die Ureinwohner der Arktis teilen sich auf in Inuit, Alëuten und Indianer (Grönland, Nordamerika), Saami (Nordskandinavien) und 20 weitere ethnische Gruppen in den Arktisregionen Russlands.

Klima

Der arktische Winter ist lang und kalt, der Sommer kurz und kühl. Der nördliche Polarkreis markiert eine Zone, in der an mindestens einem Tag im Winter die Sonne nicht über die Horizontlinie steigt (Polarnacht) und an mindestens einem Tag im Sommer nicht untergeht (Polartag, "Mitternachtssonne"); mit zunehmender Annäherung an den Nordpol verlängern sich diese Phasen. Auf der Eiskappe Grönlands herrscht im Winter eine durchschnittliche Temperatur von - 33 °C, während in den angrenzenden Küstensiedlungen, wo das Klima infolge relativ warmer Meeresströmungen deutlich milder ist, im gleichen Zeitraum die Durchschnittstemperatur um - 7 °C oder darüber liegt. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt weniger als 250 mm. Der geographische Nordpol ist nicht der kälteste Ort der Arktis, da der Einfluss des Meeres dort zu gemäßigteren Bedingungen führt. Der nördliche Kältepol liegt bei Oimjakon in Ostsibirien. Die tiefste dort gemessene Temperatur betrug - 69,9 °C.

Bodenschätze und Wirtschaft

In der Arktis existieren umfangreiche Vorkommen von Erdöl, Erdgas, Eisen-, Nickel-, Zink-, Uran-, und Zinnerz sowie Diamanten, Gold, Kryolith und Steinkohle. Alle diese Rohstoffe werden mehr oder minder intensiv ausgebeutet. Im Gegensatz zur Antarktis verfügt der bewohnte Teil der Arktis über eine eigene Wirtschaft. Besonders der Abbau von Rohstoffen, deren Verarbeitung und eine ausgeprägte Fischereiwirtschaft im Nordmeer sind bedeutende Zweige. Die Haltung von Rentierherden nimmt im Norden Skandinaviens und Russlands eine wichtige Stellung ein, in geringerem Ausmaß auch in den arktischen Teilen Alaskas, Kanadas und Grönlands. In Island werden seit einigen Jahrzehnten verstärkt Treibhäuser angelegt, die mit geothermischer Energie beheizt werden.
Mit den sich zurückziehenden Eismassen fällt die Arktis jedoch immer stärker in den wirtschaftlichen und somit auch politischen Fokus der Anrainerstaaten Dänemark, Norwegen, Russland, Kanada und USA. Wissenschaftler vermuten unter dem arktischen Eispanzer bis zu 90 Mrd. Barrel Erdöl sowie etwa ein Drittel des bis heute noch nicht geförderten Erdgases. Dabei geht es den Staaten in erster Linie um die Förderung der Bodenschätze jenseits der 200-Seemeilen-Grenze, die aber nur dort möglich ist, wo die untermeerischen Gesteinsformationen Teil des eigenen Festlandssockels sind. Daher unternahm Russland im Juli und August 2007 eine spektakuläre Expedition zum Grund des Eismeeres, um eben diesen Beweis für den Lomonossow-Rücken anzutreten. Allerdings erbrachte die Expedition kein Ergebnis, da die Probebohrungen mit max. 400 m eine zu geringe Tiefe aufwiesen und lediglich Sediment zu Tage förderten. Die Reaktionen der anderen betroffenen Staaten folgten mit der Anmeldung eigener Ansprüche umgehend, doch einigte man sich im Mai 2008 in einer gemeinsamen Erklärung darauf, etwaige konkurrierende Besitzansprüche unter Führung der UNO zu regeln, um jegliche Konfrontation zu vermeiden
. Neben den ungeklärten territorialen Fragen gibt es weitere Hemmnisse, die einer Erdöl- und Erdgasförderung in arktischen Gewässern entgegen stehen. Zum einen ist die Erschließung der Rohstoffvorkommen in bis zu 4.000 m Meerestiefe technisch aufwendig und daher mit großen finanziellen Belastungen verbunden. Die Endverbraucherpreise müssen für eine lohnenswerte Ausbeutung also entsprechend hoch sein. Auf der anderen Seite müssten sehr strenge Umweltauflagen erfüllt werden, da sich kalte Ökosysteme nur langsam erholen und so besonders durch Unfälle gefährdet sind.

Forschung

Während des 2. Weltkrieges wurden mehrere Luftstützpunkte und Wetterstationen in Alaska, der kanadischen Arktis und auf Grönland eingerichtet. 1947 wurde auf Kap Barrow (Alaska) eine Forschungsstation gegründet. Die erste amerikanische Forschungsstation auf Treibeis wurde zu Beginn des Jahres 1952 von Joseph O. Fletcher aufgebaut. Seit Ende der 1970er Jahre beschränkt sich die Erforschung der Arktis auf das systematische Sammeln von Daten und wissenschaftliche Forschung. Der Zugang zur Arktis gestaltet sich heute durch den möglichen Einsatz von Flugzeugen, Eisbrechern und U-Booten vergleichsweise einfach.
Kombinierte Messungen von U-Booten und Satelliten haben ergeben, dass sich die Eismenge der Arktis in den vergangenen 20 Jahren um ca. 20 % verringert hat. Die bisher geringste Eisbedeckung seit Beginn zuverlässiger Messungen im Jahr 1973 wurde im Sommer 2012 gemessen. Waren in den 1990er Jahren zum Ende des arktischen Sommers noch 8 Millionen Quadratkilometer mit Eis bedeckt, so verringerte sich die Fläche beim Rekordtiefstand auf 3,37 Millionen Quadratkilometer.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig, Kristian Uhlenbrock
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 04.10.2012


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