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Infoblatt Frederick A. Cook (1865 - 1940)


Frederick A. Cook - eine Kurzbiographie

Frederick Cook wurde in Hortonville, New York, geboren und war seiner Herkunft nach Deutscher. Er studierte Medizin und wurde Arzt, der sich jedoch schon sehr zeitig auf die Aufgaben eines Schiffsarztes spezialisierte. Der Tod seiner Frau 1890 gab wohl den letzten Anstoß, sich endgültig für ein Leben als Entdecker und Polarforscher zu entscheiden.

Als Schiffsarzt nahm Cook seit 1891 an einer Reihe von Expeditionen mit namhaften Polarforschern wie Edward Peary und Roald Amundsen teil. Seine Fähigkeiten und Erfahrungen wurden geschätzt. Er bewies Umsicht, Tatkraft und Mut, verlor auch in gefährlichen Situationen nicht den Kopf. So gelang es ihm beispielsweise 1894 nach dem Verlust eines Expeditionsschiffes, die Mannschaft in einem Beiboot, über 90 Meilen durch gefährliches Packeis manövrierend, aus der lebensbedrohlichen Situation herauszuführen.

1902 war er wieder an Pearys Seite bei einem neuerlichen Versuch, den Nordpol endlich zu bezwingen. Er zog aus dieser Expedition die Schlussfolgerung, dass der von Peary favorisierte Weg zum Pol über Grönland und anschließend über das Packeis falsch sei. Cook wollte sein Glück von Alaska aus probieren. Dort geschah erstmals etwas Merkwürdiges: 1906 vermeldete Cook, er habe den Mount McKinley, den höchsten Berg Nordamerikas, bestiegen. Seine Angaben wurden bezweifelt und erwiesen sich später tatsächlich als falsch. Das erste Misstrauen in seine Person war aufgebaut. Misstrauen in seine Leistungen sollte für den weiteren Lebensweg des Forschers und Entdeckers bestimmend werden.

Am 3. Juli 1907 machte sich Cook auf seinen Weg zum "großen Nagel", wie die Inuit den Nordpol nennen. Mit der "John R. Bradley" unter Kapitän Moses Bartlett verließ er Gloucester, ging am 27. August in Annoatok auf Grönland an Land und überwinterte dort. Der Schiffsarzt hatte sich offenbar eines Besseren besonnen und war auf die traditionelle Route aus den gemeinsamen Expeditionstagen mit Peary zurückgekehrt. Als er seinen Weg vom Basislager aus in die Eiswüste antrat, begleiteten ihn 10 Inuit auf 11 Schlitten mit über 100 Hunden. Schon bald verlor sich seine Spur völlig. Das Jahr 1908 ging ohne jedes Lebenszeichen vom Amerikaner dahin. Cook schien auf immer im Eis verschollen.

Da traf 1909 im entlegensten Winkel Grönlands in Begleitung zweier Eskimos ein Mann buchstäblich aus dem Nichts ein. Es war der verschollene und längst für tot gehaltene Cook. Was er berichtete, war nicht nur erstaunlich, sondern in vielem unfassbar. Am 21. April 1908 wollte Cook den Nordpol bezwungen haben. Und ein ganzes Jahr hätte er gebraucht, um aus dem nordischen Eis wieder heraus und nach Grönland zu finden.

Ein ganzes langes Jahr im Eis, auf sich alleingestellt, ohne technische Hilfsmittel, am Ende auch ohne Hunde, die geopfert werden mussten? Nahrungsmittel und Munition gingen verloren. Cook schlug sich mit seinen zwei Eskimos durch im täglichen Kampf mit den Elementen, mit wilden Tieren, mit dem Hunger, mit der ewigen Nacht, mit Treibeis und Eisbergen. So jedenfalls schilderte es der Arzt in seinen Erinnerungen später.

Da waren Zweifel vorprogrammiert. Und am meisten gezweifelt und geargwöhnt wurde in seiner Heimat, in die er 1909 zurückkehrte. Er kam aus Kopenhagen und verkündete am 1. September in New York, dass er den Nordpol als erster Mensch bezwungen habe. Fünf Tage nach ihm trat Robert E. Peary mit derselben Behauptung an die Öffentlichkeit.

In den sofort einsetzenden Auseinandersetzungen und hitzigen Kontroversen hatte Cook bald immer weniger Fürsprecher. Die Geschichte um die vermeintliche Besteigung des Mount McKinley wurde ebenso wieder hervorgekramt wie andere Ungereimtheiten aus Cooks Leben. Das offizielle Amerika erhob Peary auf den Schild, erkannte ihn als Bezwinger des "großen Nagels" an.

Für Cook wurde die Situation in den USA immer unerträglicher. Zum Lügner abgestempelt, musste er aus Amerika fliehen. Im europäischen Exil fand er zwar mehr Verständnis, konnte aber auch hier die Zweifel an seiner Geschichte von der Eroberung des Nordpols nie ganz ausräumen. Schließlich zog er sich endgültig ins Schweigen zurück und vertraute seine Erinnerungen dem Papier an. Cook starb 1940 als einer der umstrittensten Forscher und Entdecker.

Sein Leben in Zahlen und Fakten


  • geb. 1865
    Frederick A. Cook erblickte in Hortonville, US-Staat New York, das Licht der Welt. Er studierte und wurde Arzt. Sehr früh interessierte er sich für die Arktis.

  • 1890/91
    Nach dem Tod seiner Frau verschrieb sich Cook völlig der Polarforschung. 1891 nahm er an einer Nordgrönlandexpedition unter Leitung von Robert E. Peary teil. Der spätere unerbittliche Konkurrent um die Anerkennung der Nordpolbezwingung schätzte den Schiffsarzt Cook als ruhig, geduldig und besonnen ein.

  • 1893/94
    Während einer Expedition manövriert Cook nach dem Verlust eines der beiden Expeditionsschiffe ein Beiboot über 90 Meilen aus dem Polareis in das offene Polarmeer. In Anerkennung dieser Leistung wurde er zum Präsidenten des "Arktischen Clubs von Amerika" gewählt.

  • 1897
    Der Schiffsarzt Cook nimmt an der Expedition von Roald Amundsen mit der "Belgica" teil, wo ihm der Norweger "unfehlbare Hoffnung und festen Mut" bescheinigte.

  • 1898
    Als Schiffsarzt setzte Frederick Cook während einer Antarktisexpedition künstliches Licht zur Therapie der Schiffsbesatzung während der langen Nächte im Winter ein.

  • 1902
    Cook war einer der Begleiter Pearys bei einem gescheiterten Versuch, den Pol zu erreichen.

  • 1906
    Bei der Suche nach einer neuen Route zum Nordpol favorisierte der Amerikaner im Gegensatz zu seinem Landsmann Peary den Landweg. Er suchte den Zugang vor allem über Alaska, wo er den Mount McKinley, den höchsten Berg Nordamerikas bestiegen haben will. Seine Angaben hielten aber einer Prüfung nicht Stand.

  • 1907
    Am 3. Juli verließ Cook mit der "John R. Bradley" unter Kapitän Moses Bartlett Gloucester, ging im August in Annoatok (Grönland) an Land und überwinterte dort.

  • 1908
    Nach eigenen Angaben erreichte Cook am 21. April als erster Mensch den Nordpol. Seine Darstellungen und Argumente wurden von Anfang an kontrovers diskutiert und sind bis heute umstritten.

  • 1908/09
    Cook reiste über Grönland und Dänemark (Kopenhagen) nach New York zurück, wo er am 1. September die Eroberung des Nordpols verkündete, fünf Tage früher als Peary. Nach heftigen Auseinandersetzungen musste er die USA verlassen und ging nach Europa. In der Folgezeit entbrannte ein bis heute unentschiedener Streit darüber, wer wirklich als erster Mensch den Nordpol eroberte. In den USA entschied man sich für Peary und attackierte Cook in mehreren Medienkampagnien. In Europa tendierte man eher zu Cooks Darstellung.

  • 1940
    Am 5. August starb der umstrittene amerikanische Polarforscher.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Klaus-Uwe Koch
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 03.06.2012


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