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Infoblatt Ernest Henry Shackleton (1874 - 1922)


Ernest Henry Shackleton - eine Kurzbiographie

Ernest Henry Shackleton wurde am 15. Februar 1874 im irischen Kilkea als Sohn des Farmers Henry Shackleton geboren. Der Vater entschloss sich zu einem Medizinstudium in Dublin und zog 1884 als Arzt mit seiner Familie nach London. Ernest, der bis zum elften Lebensjahr von Privatlehrern erzogen worden war, besuchte ab 1887 ein College.

Der Junge wurde gegen den Wunsch des Vaters nicht ebenfalls Arzt, sondern heuerte 1890 als 16-Jähriger in Liverpool bei der North Western Shipping Company als Schiffsjunge an und befuhr in den folgenden sechs Jahren die Weltmeere. 1896 qualifizierte sich der talentierte Seemann zum Offizier der Handelsmarine und machte bereits zwei Jahre später sein Kapitänspatent. Doch der ehrgeizige junge Mann wollte mehr erreichen und bewarb sich mit Erfolg um die Teilnahme an der Antarktisexpedition von Robert Falcon Scott.

Am 26. August 1901 verließ die Expedition mit der "Discovery" England und erreichte Ende November die Gewässer um Neuseeland. Es dauerte bis zum Januar 1902, ehe man den weißen Kontinent zum ersten Mal am Horizont sichtete. Schwere Mängel am Schiff und die dilettantische Führung der Expedition durch Scott hatten immer wieder zu Unterbrechungen der Reise gezwungen. Am östlichen Ende der Ross-Barriere entdeckte die Expedition neues Land, das King-Edwards-Land getauft wurde.

Shackleton wurde von Scott für den Marsch zum Südpol ausgewählt. Nach einer Überwinterung im arktischen Eis brachen Scott, Shackleton und Wilson im November 1902 als sog. Südtrupp zur Eroberung des Pols auf. Ende Dezember erreichten Scott und Wilson bei 82°17' s. Br. den südlichsten Punkt, den Menschen bis dahin je betreten hatten. Shackleton war nicht dabei, er wurde von Scott auf der vorletzten Station der Route mit dem Befehl zurückgelassen, das Lager zu sichern. In Wirklichkeit wollte Scott Shackleton demütigen, der sich als eigentlicher Führer der Expedition erwiesen hatte. Nach der Rückkehr war das Zerwürfnis zwischen den beiden offensichtlich und nicht mehr zu kitten. Fortan ging jeder seine eigenen Wege.

Während Scott die zweite Überwinterung in der Antarktis vorbereitete, kehrte Shackleton schwer enttäuscht nach England zurück. Sein Entschluss stand fest, er würde wieder in die Antarktis gehen, aber nur noch mit einer Expedition unter seiner Leitung. Die Gelegenheit dazu bot sich 1907, als ihm die Royal Geographical Society die notwendige Unterstützung für eine neue Antarktisexpedition gewährte. Sein Expeditionsschiff war die "Nimrod", die er in Norwegen genauso orderte wie Schlafsäcke, Schuhwerk, Skier und Schlitten. Auch neun Schlittenhunde gehörten zur Ausrüstung, aber entgegen den Ratschlägen Nansens setzte Shackleton auf mandschurische Ponys und auf Motorwagen.

Im Juli 1907 verließ die "Nimrod" mit 30 Mann Besatzung London und erreichte im November Neuseeland. Hier nahm man 10 kräftige Ponys, Kohle und Nahrungsmittel an Bord. Wegen heftiger Stürme erreichte die Expedition erst Mitte Januar 1908 das Ross-Meer. Da alle anderen Wege versperrt waren, steuerte Shackleton in den McMurdo-Sund und ließ an der Westküste der Ross-Insel das Winterquartier errichten. Sein erstes Forschungsziel bestand in der Besteigung des 3.794 Meter hohen Kraters Mount Erebus. Sechs Mann brachen zur Erstbesteigung auf, die am 10. März geschafft war.

Nachdem der Südpolarwinter überstanden war, begannen im August 1908 die Vorbereitungen für den Marsch zum magnetischen Südpol, den ein Drei-Mann-Team am 5. Oktober in Angriff nahm. Der Trupp erreichte Anfang Dezember den Drygalski-Gletscher und am 16. Januar 1909 den magnetischen Südpol. Er nahm im Auftrag von Shackleton auch das Victoria-Land für die britische Krone in Besitz.

Bereits Ende Oktober 1908 hatten sich Shackleton, Wild, Adams und Marshall zur Eroberung des Südpols aufgemacht. Über das Ross-Schelfeis erreichten sie Mitte November das Depot A. Bei 81°8' s. Br. errichteten die Männer das Depot B. Hier musste das erste von den vier verbliebenen Ponys wegen Erschöpfung erschossen werden. Doch es ging weiter südwärts bis auf 82°18' s. Br. Damit war Scotts Rekord gebrochen – ein Triumph für Shackleton. Der weitere Weg zum Südpol erwies sich für Shackleton und seine Männer als unbezwingbar. Bei 88°23' s. Br. und 162° ö. L. erreichten sie am 9. Januar 1909 den südlichsten Punkt ihrer Reise. Sie hatten sämtliche Ponys verloren, waren selbst am Ende ihrer Kräfte und verfügten kaum noch über Vorräte. Hinzu kamen schwere Schneestürme, die ein Weiterkommen unmöglich machten. Gezeichnet von Hunger und Ruhr, kämpften sie sich zurück. Am 4. März 1909 war die komplette Expedition wieder vereint und fuhr mit der "Nimrod" nordwärts über Neuseeland in das heimatliche England, wo Shackleton und seine Männer grandios empfangen wurden. Im Dezember erhielt Shackleton vom König den Adelstitel.

Der nunmehrige Sir Ernest Shackleton hatte neben dem Ruhm allerdings auch Schulden. So musste er mit Vorträgen über seine Expedition Geld verdienen. Aber er schmiedete neue Pläne. Als die Nachricht von der Eroberung des Südpols durch Amundsen um die Welt ging, blieb Shackleton nur noch ein lohnenswertes Ziel: die Durchquerung des gesamten antarktischen Kontinents. 1914, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, waren die Vorbereitungen beendet. Mit den beiden Schiffen "Endurance" und "Aurora" erreichte die Große Transantarktisexpedition im November Antarktika. Hier trennte man sich und die "Endurance" ging auf Kurs zur Vahsel-Bay. Doch schon im Januar 1915 fror das Schiff im Packeis fest. Shackleton blieb keine Wahl, er musste im Eis überwintern. Die Zeit vertrieb man sich neben Forschungsarbeiten u. a. mit Hundeschlittenwettfahrten.

Im Oktober 1915 musste die "Endurance" aufgegeben werden, das Packeis hatte sie zermalmt. Sämtliche Ausrüstung und alle Vorräte konnten aber gerettet werden. Shackleton suchte verzweifelt nach einem Ausweg, denn er und seine Männer befanden sich auf einer riesigen Eisplatte, die langsam, aber sicher dem offenen Meer zutrieb. Fast vier Monate hielt die Expedition tatenlos auf dem triftenden Eisfloß in der Weddellsee aus. Die Nahrungsmittel wurden so knapp, dass Shackleton sämtliche Schlittenhunde erschießen lassen musste. Endlich sichtete man im März 1916 Joinville-Island, die äußerste Spitze der antarktischen Halbinsel, und trieb durch eine günstige Strömung Anfang April bis vor Clarence- und Elephant-Island. Hier befahl Shackleton den Umstieg in die drei Rettungsboote, denn "seine" triftende Eisscholle war bereits mehrmals gebrochen und bot keine Sicherheit mehr. Die Männer mussten das Risiko eingehen und mit dem unberechenbaren Packeis kämpfen. Mehrmals waren sie dem Tode näher als dem Leben. Aber am 16. April 1916 landeten alle drei Boote unversehrt auf Elephant-Island.

Nach 497 Tagen hatte die Expedition wieder festen Boden unter den Füßen, bloß gerettet war sie noch nicht. Elephant-Island lag an keiner Schiffsroute, selbst Walfänger kreuzten nicht in diesen Gestaden. Wieder fällte Shackleton die rettende Entscheidung: In einem winzigen Rettungsboot machte er sich mit einigen Männern auf den Weg und landete nach 17 Tagen und einer 800 Meilen langen Fahrt durch eisige Gewässer tatsächlich auf South Georgia Island, wo eine Walfangstation am 20. Mai 1916 den ausgehungerten, unter Erfrierungen leidenden Polarforscher und seine Begleiter aufnahm. Mit Unterstützung der Walfänger schlug er sich bis zu den Falklandinseln durch. Von dort telegrafierte er nach England, doch die britische Regierung verweigerte ihm ein Schiff, mit dem er die auf Elephant-Island zurückgebliebenen Männer bergen konnte.

Shackleton nahm die Hilfe der Regierungen Uruguays und Chiles an. Seine beiden ersten Rettungsversuche scheiterten an den widrigen Wetter- und Eisverhältnissen. Doch der dritte Versuch war von Erfolg gekrönt. Am 30. August erreichte er das ersehnte Eiland und wurde von seinen 22 Männern stürmisch begrüßt. Shackleton fiel ein Stein vom Herzen, die Rettung war geglückt und er hatte keinen einzigen seiner Männer verloren.

Ein Jahr später war er zurück in der Heimat, doch in England wurden 1917 nur Kriegshelden gefeiert, keine Antarktis-Helden. Shackleton blieb unbeachtet und machte eine kurze Vortragsreise durch die USA. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges veröffentlichte er 1919 seinen Expeditionsbericht, suchte aber ruhelos nach neuen Alternativen. Mit der "Quest" stach er 1921 ein letztes Mal in Richtung South Georgia. Dort starb Sir Ernest Henry Shackleton am 5. Januar 1922. In die Geschichte der Antarktiseroberung ging Shackleton weder als großer Polbezwinger noch als genialer Polarforscher ein. Sein Name steht bis heute für einen der größten Führer von Polarexpeditionen, dem das Wohl seiner Männer mehr galt als jeder Expeditionserfolg.

Sein Leben in Zahlen und Fakten


  • geb. 1874
    Als Sohn eines Farmers wurde Ernest Henry Shackleton am 15. Februar 1874 im irischen Kilkea geboren. Mit elf Jahren kam er nach London. Als 16-Jähriger begann er als Schiffsjunge seine Karriere in der britischen Handelsmarine.

  • 1896 bis 1898
    Zum Offizier aufgestiegen, der auch im Besitz eines Kapitänspatents war, bewarb sich Shackleton erfolgreich um die Teilnahme an der britischen Antarktisexpedition unter der Leitung von Robert Falcon Scott.

  • 1901 bis 1903
    Shackleton bewährte sich als umsichtiger Antarktisforscher. Gemeinsam mit Scott erreichte er den bis dahin südlichsten Punkt, den Menschen in der Antarktis je betreten hatten. Aufgrund der unüberbrückbaren Differenzen mit Scott musste Shackleton die Expedition vorzeitig abbrechen.

  • 1907 bis 1909
    Als Leiter seiner eigenen Antarktisexpedition eroberte Shackleton mit seinen Männern den magnetischen Südpol. Der Versuch, den geografischen Südpol zu erreichen scheiterte zwar, aber Shackletons Expedition wurde bei ihrer Rückkehr enthusiastisch gefeiert. Shackleton selbst erhielt vom englischen König den Adelstitel.

  • 1914 bis 1916
    Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges führte Shackleton eine weitere Expedition in die Antarktis. Nach einer Überwinterung musste er sein Schiff aufgeben. Die Expedition konnte zwar Proviant und Ausrüstung retten, trieb aber auf einer Eisscholle dem offenen Meer entgegen. Im Frühjahr 1916 schlugen sich die Männer mit Rettungsbooten bis Elephant-Island durch. Von dort machte sich Shackleton auf eine 800 Meilen lange Fahrt, um Hilfe zu holen. Erst Ende August konnte er seine zurückgebliebenen Männer auf Elephant-Island endgültig retten.

  • 1917
    Kaum beachtet kehrte der Polarforscher nach England zurück.

  • 1921/22
    Mit der "Quest" machte sich Sir Ernest Henry Shackleton 1921 ein letztes Mal in Richtung South Georgia auf, wo er am 5. Januar 1922 starb.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Klaus-Uwe Koch
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 03.06.2012


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