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Infoblatt Die Auswirkungen der Eroberung Mittel- und Südamerikas durch die Spanier im 16. / 17. Jahrhundert


Südamerika Kolonialherrschaft (Klett)

Das spanische Kolonialreich und seine Entdeckungen

Die Spanier trafen in der Neuen Welt auf indigene Völker, die Meister der Architektur, des landwirtschaftlichen Anbaus und der Kommunikationstechnik waren. Doch technisch – vor allem im Bezug auf Werkzeuge und Waffen – waren die Spanier den Inidigenen überlegen – und begründeten somit ihren Herrschaftsanspruch, mit dem sie die Gebiete der alteingesessenen Bevölkerung eroberten und sie in die Sklaverei drängten. Körperliche Arbeiten mussten fortan Indigene übernehmen, die zu Zehntausenden bei den unmenschlichen Strapazen oder Bergwerksunglücken ums Leben kamen.

Die Spanier etablierten in den von ihnen eroberten Gebieten Verwaltungseinheiten, die sog. Encomiendas. Während ein Teil dieser Bezirke an die Krone Tribute zahlen musste, wurden andere Bezirke an verdiente Offiziere vergeben, die ihre Encomiendas gnadenlos ausbeuteten.

Es war vor allem der Reichtum an Bodenschätzen, der das Interesse der Krone an den neuen Kolonien wach hielt. Entsprechend straff sollte die Kontrolle funktionieren, sodass nach den Konquistadoren eine ganze Armee von Beamten in die Neue Welt kam, um künftig die wirtschaftlichen Geschicke zu steuern. Die Konquistadoren hatten ausgedient und verloren ihren Einfluss.

Das spanische Kolonialreich

Mit der Eroberung Mittel- und Südamerikas begann die Zeit des Kolonialismus, die für lange Zeit zu einer Vorherrschaft der Europäer auf allen Kontinenten führte. Anders als die Portugiesen, die sich vor allem um die Seebeherrschung und dabei um den Seeweg nach Indien entlang der afrikanischen Küste bemühten, strebten die Spanier von Beginn an nach Eroberung von Ländereien. Deshalb reichten ihnen auch nicht einfache Stützpunkte an der Küste, sondern sie eroberten Mittel- und Südamerika mit Ausnahme Brasiliens flächenhaft.

In den ersten Jahrzehnten stand diese Eroberung durch die Konquistadoren ganz im Zeichen der schnellen Ausplünderung der unterworfenen Gebiete. Sie raubten die Besitztümer der einheimischen Bevölkerung und teilten diese unter den Spaniern auf. Die indigenen Völker wurden versklavt und mussten im Auftrag der Kolonialherren körperlich hart arbeiten. Auf Plantagen, beim Goldwaschen oder in den Silberminen verrichteten sie Zwangsarbeit, durch die viele starben.

Gegen diese Form der Versklavung protestierten die spanischen Missionare lange Zeit vergeblich. Vor allem der Theologe und Schriftsteller Bartolomé de Las Casas (1484/85 – 1566) setzte sich Anfang des 16. Jahrhunderts sehr für die entrechteten Einheimischen ein. Nicht zuletzt seinen zahlreichen Eingaben und seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken gewesen, dass Gesetze zum Schutz der Indigenen erlassen wurden, die sie von der Sklaverei befreiten. Allerdings war es auch der Vorschlag de Las Casas, statt der Indigenen Sklaven aus Afrika zu importieren und diese als Arbeiter einzusetzen – ein Vorschlag, den er später sehr bereute. Denn dadurch wurde ein Unrecht durch ein anderes ersetzt.

Nach der ersten Ausbeutungsphase konsolidierte sich die spanische Kolonialherrschaft und richtete eine Verwaltung ein, die künftig die Einhaltung der Schutzgesetze für die Indigenen überwachte und den Warenaustausch mit dem Mutterland organisierte. Südamerika wurde vor allem zur Silberprovinz der Spanier, die über Jahrhunderte hinweg ihre Staatskassen mit dem Silber der Anden füllten. Die Einheimischen durften zwar nicht mehr versklavt werden, doch galten sie nun als unmündige Schutzbefohlene – ein Status, der dem von Kindern entspricht. Gleichzeitig wurden sie zu Christen und zu spanischen Untertanen erzogen. Da Ehen zwischen Weißen und Indigenen erlaubt waren, vermischten sich allmählich die ethnischen Gruppen. So machte die spanische Kolonialherrschaft einen ganzen Kontinent zu einem europäisch geprägten Erdteil, der er bis heute geblieben ist.

Auswirkungen der Entdeckungen

Die umfangreichen Entdeckungen durch Spanier und Portugiesen am Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts veränderten die Welt. Durch die Kolonialgebiete und die nun bekannten Seewege dorthin entwickelte sich ein reger Handelsverkehr zwischen Europa und der Neuen Welt. Dafür büßten Mittelmeer, Nordsee und Ostsee erheblich an Bedeutung ein. Der Handel orientierte sich gen Westen, der Atlantik wurde zur Drehscheibe des internationalen Seehandels. Zahlreiche neue Produkte drängten auf den Markt; Kolonialwaren erzielten hohe Preise und der Bedarf wuchs ständig. Die Adelshäuser sehnten sich nach den exotischen Produkten und zahlten fast jeden Preis. Das reiche Bürgertum kopierte diesen Lebensstil und so fanden diese Waren eine immense Verbreitung. Damit wurde auch die europäische Lebensweise langsam verändert und der Anbau resp. die Nutzung der aus den Kolonien übernommenen Pflanzen prägen bis heute unsere Landwirtschaft: Kartoffel, Mais, Tabak und Tomaten.

Die Eroberung Mittel- und Südamerikas verlief auch unter dem Vorwand, das Evangelium verbreiten zu wollen. Dieses Motiv, was zunächst als Deckmantel für die Plünderung durch die Konquistadoren genutzt wurde, bekam unter den nachfolgenden Missionaren eine große Bedeutung. Es waren vor allem die Jesuiten, die Anhänger der Gesellschaft Jesu, die seit 1549 in Brasilien sogenannte Heiden bekehrten. Viele indigene Völker, denen Friedfertigkeit gepredigt worden war, bedeuteten für Sklavenjäger eine leichte Beute. Also organisierten die Jesuiten einen wirksamen Widerstand, indem sie die bekehrten Indigenen um sich sammelten und Festungsanlagen bauten. 1608 entstand aus dieser Initiative ein erstes Wehrdorf (reducción), dem zahlreiche weitere folgten. Hier lebten im Schutz einer Steinkirche die gläubigen Indigenen, betrieben Landwirtschaft und Handwerk, kleideten sich wie Europäer und übernahmen von den Jesuiten den christlichen Glauben und die europäische Lebensweise. Nach wiederholten Überfällen auf Wehrdörfer zogen zwei Jesuitenpater mit ca. 12.000 Gläubigen auf Flößen und zu Fuß in ein Gebiet zwischen Südbrasilien, Paraguay und Argentinien, das noch heute Missiones heißt. Hier befand sich die Hochburg der Jesuiten und man war vor Sklavenjägern sicher.


Im Kontext:
Indigene Völker Südamerikas zwischen Marginalisierung und Selbstbestimmung



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dietmar Wagener
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 05.02.2019


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