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Infoblatt Die Inka


Ausdehnung des Inkareichs (Klett)

Das Inkareich - Geschichte, Kultur, Religion und Untergang

Die Inka sind ein Indianervolk, das vom 13. bis 16. Jahrhundert n. Chr. in einem riesigen Gebiet in den Anden an der Westküste Südamerikas herrschte. Mit "Inka" wurde ursprünglich der Herrscher des Volkes bezeichnet und nicht das Volk selbst. Im Laufe der Zeit wurde dieser Begriff aber für alle Bewohner des Inkareiches und ihre Kultur verwendet, auch da der ursprüngliche Name des Volkes noch immer unbekannt ist.

Das Inkareich und seine Geschichte

Kerngebiet des Inkareiches war das heutige Peru. Hauptstadt war Cuzco in der Hochebene Altiplano, 300 km vom heutigen Lima entfernt. Das fast 1 Mio. km² große Herrschaftsgebiet der Inkas erstreckte sich auf dem Höhepunkt ihrer Macht über Peru, Bolivien und Nordwestargentinien, im Süden bis nach Chile und im Norden über ganz Ecuador. Das riesige Reich umfasste Gebiete mit sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen – Küstenwüsten, feuchtheiße Bergregionen, Hochebenen und die kalten unwirtlichen Hochregionen der Anden.
Es ist überliefert, dass die Inka um 1000 n. Chr. zum ersten Mal im Gebiet der späteren Hauptstadt Cuzco auftauchten. Von dort eroberten sie innerhalb relativ kurzer Zeit ihr riesiges Reich. Die Herkunft des Inkavolkes ist unklar, möglicherweise stammen sie aus dem Amazonasgebiet. Die Inka selbst erklärten ihre Herkunft in einer Legende: Manco Cápac, Begründer der Inkadynastie, und seine Schwester Mama Ocllo entstiegen dem Titicacasee, um im Auftrag ihres Vaters, des Sonnengottes Inti, die Gebiete um die Hauptstadt Cuzco zu zivilisieren.
Der Inkastaat wurde ungefähr im Jahre 1200 n. Chr. gegründet. Insgesamt sollen dreizehn Herrscher im Reich der Inka an der Macht gewesen sein. Es sind aber nur zu den fünf letzten Herrschern gesicherte Erkenntnisse vorhanden. Die Inka eroberten neue Territorien oftmals gewaltsam und ermordeten Widerständler. Ihr Berufsheer bestand aus tausenden Soldaten. Zur Vorbeugung von Widerständen wurden unterworfene Völker von den Inka oftmals umgesiedelt und bewacht. Ein Teil jeder hinzugekommenen Volksgruppe musste dem Militär beitreten. Zur Zeit ihrer größten Macht unter dem zehnten Inka-Herrscher Túpac Yupanqui (1471 bis 1493) herrschten die Inka über 200 verschiedene ethnische Gruppen, insgesamt 10 Mio. Menschen.

Kultur

Aus einer europäischen/kolonialistischen Sicht wurden die indigenen Kulturen Südamerikas der Epoche zwischen der ersten Besiedlung Amerikas und der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus oftmals als primitiv angesehen. Die Kultur der Inka wird als besonders faszinierend angesehen, da sie als indigene, präkolumbische Kultur gilt, die besonders weit entwickelt und organisiert war. Teile des Inkavolkes lebten in Städten, so dass steinerne Zeugnisse ihres Lebens hinterlassen wurden, wie zum Beispiel die erst im 20. Jahrhundert entdeckte, gut erhaltene Inkastadt und bedeutendste Festung der Inka: Machu Picchu. Auch errichteten die Inka für die damalige Zeit beachtliche ingenieurtechnische Bauwerke wie Brücken, Kanäle und ein riesiges Straßennetz. Sie stellten ausgefeilte Waffen und Werkzeuge her und spielten auf kunstvollen Instrumenten, zum Beispiel der Tonflöte Okarina. Die breite Masse des Inkavolkes bestand aus Bauern, die die viel kleinere Gruppe der adligen Inka in den Städten versorgte. Die adligen Inka sorgten aber nicht nur dafür, dass ihr eigenes aufwändiges Stadtleben durch die Bauern gesichert war. Sie organisierten auch die Versorgung derer Bauern, die in unwirtlichen Regionen ackerten und Probleme hatten, sich selbst zu versorgen. Hungersnöte konnten so weitgehend verhindert werden. Im hügeligen Gebiet der Anden betrieben die Inka zumeist Terrassenfeldbau, um den verfügbaren Raum optimal auszunutzen. Auch das Wasser konnte sparsam genutzt werden, indem es von oben nach unten über die Terrassen geleitet wurde. Hauptsächliche Anbauprodukte waren Kartoffeln, Mais, Tabak und Quinoa sowie weitere Hülsenfrüchte und Knollengewächse.
Die Sprache der Inka war das Quechua. Geschrieben wurde in einer Knotenschrift, in der man sich durch unterschiedliche Knoten und Abstände zwischen ihnen an verschieden farbigen Bändern und Fäden ausdrückte. Geld und Steuern waren im Inkareich unbekannt. Stattdessen entwickelten die Inka ein Staatssystem, in welchem alle Leistungen für den Staat durch Arbeit erbracht wurden. Dieses System wurde von einem Beamtenstab organisiert. Jeder Bauer hatte ein Drittel seiner Zeit der Arbeit für den Staat zu widmen (Arbeitspflicht "Mitmak"), ein weiteres Drittel konnte er zur Versorgung der Familie nutzen. Das letzte Drittel diente der Ausübung des Sonnenkultes, den religiösen Riten der Inka. Nach diesem Prinzip wurde auch der Grund und Boden verteilt.

Religion - Der Sonnenkult

Die Inka bezeichneten sich als die Söhne der Sonne. Wichtigster Gott war der Sonnengott Inti, von dem die gesamte Inkadynastie abstammt. Der Inka-Herrscher wurde als direkter Abkömmling des Sonnengottes verehrt. Zusätzlich existierte eine Vielzahl weiterer Gottheiten, wie der Schöpfergott Viracocha und die Erdgöttin Pachamama. Außerdem verehrten die Inka die Natur und ihre Ahnen. Mitglieder der Königsfamilie wurden nach ihrem Tod mumifiziert. Überall im Reich wurden Sonnentempel und Kultplätze erbaut. Wichtigstes religiöses Fest war die Wintersonnenwende, bei der für gute Ernten gebetet wurde.
Als Zeichen seiner göttlichen Herkunft heiratete ein neuer Inkakönig traditionell seine Schwester zum Zeitpunkt der Krönung. Sie wurde so zur Königin, der Coya. Allen anderen Männern war es streng verboten eine Verwandte zu heiraten. Da die Adligen – im Gegensatz zu den Bauern – in Polygamie leben durften, heiratete der König meistens noch weitere Frauen, oft die Töchter von Fürsten, die strategisch wichtige Gebiete regierten. Auch mit diesen Frauen bekam er Kinder. Der Nachfolger des Königs wurde allerdings von Verwandten ausschließlich unter den Söhnen der Königin, der Coya, ausgewählt. Die Inka gaben ihre Macht entsprechend genauso in einer Dynastie weiter, wie es viele europäische Herrscher taten. Allerdings hatte der Erstgeborene nicht automatisch das Recht auf die Thronfolge.

Untergang

Der 1527 verstorbene Inkakönig Huayna Cápac hatte das Inkareich und seine Macht unter seinen beiden Söhnen Atahualpa und Huáscar aufgeteilt. Zwischen den beiden Söhnen und Herrschern entbrannte nach dem Tod des Königs ein brutaler Bruderkrieg um die Erbfolge. Dies löste wiederum ein Bürgerkrieg aus, da die Mütter beider Brüder unterschiedlichen Volksgruppen entstammten, die unter den beiden Königen gegeneinander kämpften. Außerdem waren viele Volksgruppen unzufrieden durch die schnelle und brutale Expansion der Inkaherrscher. Neben dem brutalen Krieg, der viele Opfer forderte, wurde das Inkareich von Epidemien heimgesucht, die sich rasant auf dem südamerikanischen Kontinent ausbreiteten. Als 1532 der spanische Eroberer Francisco Pizarro die peruanische Küste erreichte, fand er das Volk der Inka nachhaltig geschwächt vor. Atahualpa hatte zwar gegen seinen Bruder gesiegt, aber keine Chance gegen das ihm technologisch und taktisch weit überlegene Heer der Spanier. Es war zwar zahlenmäßig sehr viel kleiner als das Inkaheer, konnte die gutgläubigen Inka aber schnell einschüchtern und überlisten. 1533 wurde Atahualpa von den Spaniern hingerichtet. Im gleichen Jahr wurde auch die Hauptstadt Cuzco von den Spaniern eingenommen. Einige, von den Inka unterworfene Stämme, stellten sich gleich auf die Seite der Eroberer, andere Teile des Inkavolkes leisteten erbitterten Widerstand. 1572 schließlich hatten die Spanier die Macht endgültig erobert, das Inkareich wurde zur spanischen Kolonie.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Sophia Rieck
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 15.04.2012


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