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Infoblatt Machu Picchu


Machu Picchu (Essig)

Die verlorene Stadt der Inka

Entdeckung

Machu Picchu – in der Sprache Quechua "alter Gipfel" – ist eine vom Indianerstamm Inka errichtete Stadt im heutigen Peru in Südamerika. Nach dem endgültigen Untergang des Inkareiches 1572 wurde Machu Picchu von den Inka verlassen. Die spanischen Eroberer, die Peru bereits 1532 erreichten, konnten die Stadt trotz ausgiebiger Suche nicht finden. Erst 1911 wurden die Ruinen der Stadt vom amerikanischen Forscher und Yale-Professor Hiram Bingham wiederentdeckt. Eigentlich auf der Suche nach der Inkastadt Vilcabamba, stieß die Expeditionsgruppe der Yale-Universität 1911 auf das völlig von Vegetation überwucherte Machu Picchu. Nach Vilcabamba sollen die letzten Inka vor den Spaniern unter Francisco Pizarro geflohen sein. Zunächst wurde vermutet, Machu Picchu und Vilcabamba seien identisch. Heute ist bekannt, dass Vilcabamba einige Kilometer entfernt liegt. Inzwischen vermutet man, dass Machu Picchu sogar schon einige Jahre vor der Entdeckung durch Bingham von den Indios wiederentdeckt worden ist. Bingham war lediglich derjenige, der Machu Picchu durch seine Veröffentlichungen weltweit berühmt machte.
Machu Picchu zählt seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die gut erhaltene Ruinenstadt ist heute eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Südamerikas.

Geschichte und Errichtung der Stadt

Das Volk der Inka gründete um 1200 n. Chr. seinen Staat. Gründungspunkt und Hauptstadt war Cuzco in Peru, etwa 300 km vom heutigen Lima entfernt. Bis zur Besetzung durch die Spanier eroberten die Inka ein gewaltiges Reich von 1 Mio. km² und herrschten über 200 ethnische Gruppen. Die Inka bildeten ein immer größer werdendes Heer zur Expansion und Verteidigung ihres Reiches. Außerdem errichteten sie mehrere Festungsstädte. Eine davon war Machu Picchu, ca. 100 Kilometer von ihrer Hauptstadt Cuzco entfernt.
Machu Picchu liegt im Gebiet des Flusses Urubamba auf fast 2.400 Meter Höhe in den Anden und erstreckt sich über ein Areal von ungefähr 5 km². Die Stadt liegt so versteckt zwischen zwei Berggipfeln (dem alten Gipfel "Machu Picchu" und dem jungen Gipfel "Huayna Picchu"), dass sie von keinem Punkt im Tal aus zu sehen ist. Ihre Ruinen sind, im Gegensatz zu den meisten anderen Inkastädten, relativ gut erhalten, da sie so lange unentdeckt blieben und nicht den Plünderungen der Eroberer zum Opfer fielen. Machu Picchu ist ein Zeugnis der für den damaligen Wissenstand beachtlichen Baukunst und den immensen astronomischen Kenntnissen der Inka. Die Stadt soll 1450 unter Pachacútec Yupanqui, dem neunten König der Inka, errichtet worden sein. Sie enthält über 200 steinerne Bauten, sowohl Wohn- und Arbeitsgebäude (Bauernhütten, Handwerkerhäuser, Prunkbauten) als auch Tempelanlagen. Die geschickte Anordnung der Gebäude im unwegsamen Gelände rund um einen zentralen Platz zeugt von der Fähigkeit der Inka, ihre Städte an die natürlichen Gegebenheiten anzupassen. Große steinerne Treppenanlagen sind zu finden, die die Fortbewegung zwischen den vertikalen Ebenen der Stadt ermöglichten. Die Inka arbeiteten mit einer Bauweise, bei der die Steine exakt und ohne Mörtel ineinander gesetzt wurden. Diese Technik machte die Bauwerke der Inka extrem widerstandsfähig gegen Verwitterung und Zerfall. Die Stadt war in drei funktionale Einheiten geteilt, ein Bereich zur Ausübung der Religion, ein Bereich zur Beherbergung der unteren Schichten und ein Bereich für Angehörige des Adels und des Tempels. Zur Versorgung der Einwohner wurden Ackerbau und Viehzucht im hügeligen Areal der Stadt betrieben, vor allem im Bereich des "alten Gipfels" – Machu Picchu. Verschiedene Anlagen des Terrassenfeldbaus sind noch erhalten. Zur Wasserversorgung existierte ein ausgefeiltes Kanalsystem. Ferner fand man Grabanlagen mit über hundert Skeletten. Einige Jahre nach der Entdeckung der Stadt fand man einen Tunnel, mit dem die Inka den Fluss Urubamba unterquert hatten. Zur Ausübung ihrer Religion, des Sonnenkultes mit der Anbetung des Sonnengottes Inti, existierten in Machu Picchu mehrere Tempelanlagen und diverse Kultstätten. Das zeigt, dass Machu Picchu von erheblicher spiritueller Bedeutung für die Inka war. Auch astronomische Beobachtungsanlagen, unter anderem ein Turm, waren von den Inka konstruiert worden. Bis zu 1.000 Menschen konnte die Stadt vermutlich beherbergen.
Über die Funktion Machu Picchus im Inkareich ist nicht viel bekannt. Sicher ist, dass die Stadt, als Festung gebaut, ihre Bewohner schützen sollte und Verteidigungszwecken diente. Es könnte sein, dass Machu Picchu zur Zeit der spanischen Eroberung noch nicht fertiggestellt war und auch nie vollendet werden konnte, da die Inka ihre Stadt verließen. Aus welchen genauen Gründen sie allerdings aus Machu Picchu fortgingen, das doch von den Eroberungszügen verschont blieb, ist unklar.

Heutige Situation - Tourismus

Machu Picchu gilt als eine der archäologisch interessantesten Fundstätten Südamerikas und ist Perus meistbesuchte Touristenattraktion. Die Geschichte der Stadt ist voller Geheimnisse und Rätsel. Mystik des Sonnenkultes, Tempelanlagen und Kultplätze der Inka faszinieren die Besucher. Dies und die einmalige Gipfellage in der Montana Perus, morgens oft versteckt in den Wolken, machen Machu Picchu zu einem magischen Ort für Touristen. Über 800.000 überzeugen sich davon pro Jahr. Wissenschaftler warnen davor, dass zu große Besucherströme der einzigartigen Stadt schaden könnten, insbesondere aufgrund der Lage Machu Picchus in einer von Erdrutschen bedrohten Region. Auch die UNESCO setzt sich dafür ein, die Welterbestätte zu schützen und fordert eine Beschränkung der Besucherzahlen auf 800 pro Tag (derzeit liegt der Durchschnitt bei knapp 2.000 Besuchern täglich). Problematisch ist, dass der peruanische Staat am Tourismus finanziell stark partizipiert und diesen sogar noch ausweiten möchte. Der Bau einer geplanten Seilbahn konnte aber vorerst verhindert werden. Außerdem hat die peruanische Regierung die Zahl derer, die auf dem Machu-Picchu-Trail, einem etwa 40 km langen Teil des Wegesystems der Inka, bis zur Stadt wandern dürfen, auf 2.500 Besucher täglich limitiert. Für eine solche Wanderung muss lange im Voraus eine Lizenz beantragt werden, die nur in sehr begrenztem Maße und nur an geführte Gruppen vergeben wird. Planungen zum Bau einer Straße haben die Konflikte zwischen der UNESCO und den peruanischen Behörden weiter verschärft.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Sophia Rieck, Wiebke Hebold
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 15.04.2012


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