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Infoblatt Pedro Álvares Cabral (1467/68 - 1520/26)


Pedro Álvares Cabral - eine Kurzbiographie

Pedro Álvares Cabral ging in die Geschichte der großen geografischen Entdeckungen als Entdecker Brasiliens ein. Dies verdankte er jedoch nur einem Zufall, denn als Cabral 1500 die Küstengewässer des südamerikanischen Landes durchsegelte, war er eigentlich auf dem Weg nach Indien und glaubte zunächst, dass das von ihm entdeckte Land höchstens ein kleines Eiland sein konnte.

Geboren wurde der Seefahrer 1467 oder 1468 als Sohn eines alten Adelsgeschlechts im portugiesischen Belmonte. Alle heute noch bekannten Fakten über ihn hängen ganz eng mit jener Reise zusammen, die er 1500 im Auftrag des portugiesischen Königs Manuel I. nach Ostindien unternahm. Cabral sollte weitere indische Gebiete erobern, Handelsstützpunkte errichten sowie orientalische Güter, vor allem Gewürze, nach Europa bringen.

Die Mission war schwierig und gefährlich zugleich, denn sein Vorgänger – Vasco da Gama – hatte alles andere als nur gute Erfahrungen in Indien gemacht und war in schwere Kämpfe mit den Einheimischen geraten. Deshalb bestand die von Cabral geführte portugiesische Flottille aus zehn Kriegskaravellen und drei kleineren Schiffen. Cabral wurde bewusst mit dem Oberkommando des Unternehmens betraut, denn er war ein ausgezeichneter Soldat und Kommandeur. Auch die Mannschaft von insgesamt 1.500 Mann bestand zum größten Teil aus Soldaten, aber auch aus Handwerkern, Priestern und Händlern. Mit an Bord waren außerdem ein Arzt und ein Übersetzer.

Am 9. März 1500 stach der große Tross in See und segelte zunächst bis zu den Kapverdischen Inseln. Im Gegensatz zu anderen portugiesischen Seefahrern schlug Cabral einen deutlich westlicheren Kurs als bisher üblich ein. Wahrscheinlich wollte er die windstillen Küsten vor Guinea umgehen, geriet aber in den Äquatorialstrom, der die Expeditionsschiffe gegen die südamerikanische Küste trieb.

Ende April – die Angaben schwanken zwischen dem 20. und 24. April – sichtete Cabral unbekanntes Land. Nach dem Bericht des Schreibers von Cabral erblickte man "einen sehr hohen und runden Hügel", den die Portugiesen "Monte Pascoal" tauften, und kurz danach "flaches Land mit üppigem Wald". Cabral glaubte eine Insel entdeckt zu haben und nannte sie "Ilha de Vera Cruz" (Insel des wahren Kreuzes). Er nahm alle entdeckten Ländereien für die portugiesische Krone in Besitz.

Beim Landgang trafen die Portugiesen auf die einheimischen Indianer. Sie waren unbekleidet, mit Pfeil und Bogen ausgerüstet, vollkommen friedlich und hatten keinerlei Scheu vor den Europäern. Sie wagten es sogar, deren Schiffe zu betreten und dort zu schlafen. Cabral, der sich das Verhalten der Indios nicht erklären konnte, blieb ihnen gegenüber äußerst misstrauisch.

Nachdem ein Schiff mit der Nachricht von der zufälligen Entdeckung ins heimatliche Portugal geschickt worden war, machte sich Cabral umgehend auf den Weg nach Indien. Während der Reise verlor er Ende Mai vier seiner Schiffe und deren gesamte Besatzung. Unter den Toten war auch der berühmte portugiesische Seefahrer Bartolomeo Diaz. Schließlich landete die Expedition im indischen Calicut.

Dort mussten sich die Portugiesen eines Aufstandes erwehren, den konkurrierende arabische Kaufleute angezettelt hatten. Cabral ließ die im Hafen liegenden indischen Schiffe in Brand setzen und die Stadt Calicut beschießen. Nach verlustreichen Kämpfen, die Portugiesen hatten 50 Mann verloren, segelte die Armada südwärts bis nach Kotschin. Hier empfing der regierende Radschah die Portugiesen freundlich. Cabral gelang es, erstmals feste Handelsbeziehungen zwischen Indien und Portugal zu knüpfen.

Ende Juni 1501 kehrten Cabral und der Rest seiner Männer nach Portugal zurück. Übrig geblieben waren vier oder sechs Schiffe – die Angaben schwanken. Doch trotz der Verluste überstieg der Gewinn aus dem Verkauf der mitgebrachten indischen Waren die Ausrüstungs- und Unterhaltungskosten der Expedition deutlich.

So konnte das ganze Unternehmen am Ende als ein Erfolg verbucht werden. Trotzdem erhielt Cabral von seinem König in den Folgejahren kein Kommando mehr. Die Gründe dafür liegen bis heute im Dunkeln. Cabral selbst zog sich vom öffentlichen Leben zurück und starb (1520 oder 1526) vergessen in der Stadt Santarém. In Lissabon wurde eine Straße nach ihm benannt. Brasilien ehrt seinen Entdecker u. a. durch ein Denkmal in Rio de Janeiro.

Die Entdeckung Brasiliens durch Cabral hatte weniger geografische, dafür um so mehr politische Bedeutung. Im Vertrag von Tordessillas hatten Spanien und Portugal im Juni 1494 eine Nord-Süd-Trennlinie ihrer Einflusssphären festgelegt. Sie verlief etwa 1.700 Kilometer westlich der Kapverdischen Inseln. Alle Gebiete westwärts dieser Linie sollten Spanien, alle Gebiete östlich davon Portugal gehören. Spanien sicherte sich so die Vorherrschaft über den gerade entdeckten amerikanischen Kontinent, während Portugal seine Rechte auf den Seeweg nach Indien und an allen auf der Route dorthin gelegenen Gebiete schützen wollte. Cabral aber erkannte sofort, dass mit seiner Entdeckung ein Gebiet gefunden war, das Portugal den Zugang in jenen Teil der Neuen Welt öffnete, der im Vertrag von 1494 ausschließlich den Spaniern vorbehalten war.

Portugal selbst interessierte sich für die Entdeckung Cabrals zunächst herzlich wenig. Selbst als klar wurde, dass Cabral keine kleine Insel, sondern ein riesiges Land entdeckt hatte, das man nun "Terra de Vera Cruz" nannte, blieb allein Indien noch über Jahrzehnte das Ziel aller kolonialen portugiesischen Anstrengungen.

Doch mit den immer offensichtlicher werdenden ökonomischen Vorteilen, die die von Cabral entdeckten Ländereien dem Mutterland boten, trat an die Stelle der Ignoranz ein stetig wachsendes Interesse. Ein Beleg dafür ist der Name "Brasilien" selbst. Er ist von "Pau-Brasil", dem Brasil-Holz, abgeleitet, das die neuen Herren in den folgenden Jahrhunderten massenhaft zu ihrem eigenen Vorteil ausbeuteten.

Sein Leben in Zahlen und Fakten


  • geb. 1467/68
    Pedro Álvares Cabral wurde 1467 oder 1468 als Nachkomme eines alten portugiesischen Adelsgeschlechts in der Stadt Belmonte geboren.

  • März 1500
    Der Portugiese erhielt von König Manuel I. das Kommando über eine Expedition nach Indien. Dort sollte er die portugiesischen Positionen ausbauen, vor allem feste Handelsverbindungen anknüpfen. Da man in Portugal um die Gefährlichkeit des Unternehmens wusste, wurde der erfahrene Soldat Cabral als Kommandeur ausgewählt. Ihm unterstanden rund 1.500 Mann, mit denen er im März nach Indien aufbrach.

  • April 1500
    Cabral wählte für die Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung eine weit westwärts führende Route. Wahrscheinlich auf der Höhe von Guinea geriet seine Flotte in den Äquatorialstrom, der die Schiffe immer weiter westwärts trieb. Nach mehr als einem Monat sichteten die Portugiesen Land, das sie zuerst für eine Insel hielten. Cabral nahm die neu entdeckten Gebiete für seinen König in Besitz und nannte sie "Ilha de Vera Cruz". Keiner der Portugiesen ahnte, dass sie Brasilien – das größte Land Südamerikas – entdeckt hatten.

  • Mai 1500
    Cabral schickte ein Schiff an den portugiesischen Hof zurück, um dort über das entdeckte Land zu informieren. Er selbst begab sich mit dem größten Teil seiner Flottille auf den Weg nach Indien, das er unter zum Teil beträchtlichen Verlusten schließlich erreichte. Nach zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzungen gelang es Cabral in schwierigen Verhandlungen, Portugal die ersten festen Handelsstützpunkte in Indien zu sichern.

  • Juni 1501
    Mit vier oder sechs Schiffen – die Angaben sind unterschiedlich – kehrte Cabral nach Portugal zurück. Trotz der hohen Verluste an Mensch und Material war die Expedition wirtschaftlich ein Erfolg, denn der Verkauf der aus Indien importierten Waren warf noch einen beträchtlichen Gewinn ab.

  • 1520 oder 1526
    Nach dem Ende der Expedition erhielt Cabral kein neues Kommando mehr. Er zog sich zurück und geriet genauso in Vergessenheit wie das von ihm entdeckte Brasilien, dessen Wert in Portugal erst Jahrzehnte später erkannt wurde. Der Entdecker Brasiliens starb einsam und völlig unbeachtet in der Stadt Santarém. Bis heute ist sein genaues Todesjahr (1520 oder 1526) unklar.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Klaus-Uwe Koch
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 04.06.2012


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