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Infoblatt Francisco Vazquez de Coronado (1510 - 1554)


Francisco Vazquez de Coronado - eine Kurzbiographie

Auf der Suche nach Schätzen und von missionarischem Eifer erfüllt, drangen seit dem 16. Jh. zahlreiche Expeditionen, von denen heute die meisten längst vergessen sind, in das Innere Nordamerikas vor. Eine der bemerkenswertesten Reisen auf der Suche nach dem sagenhaften Eldorado (Goldland/vergoldetes Land) unternahm der Spanier Francisco Vázquez de Coronado. Er erkundete zwischen 1540 bis 1542 riesige Gebiete im heutigen Südwesten der USA und stieß weit in die Plains vor, wo damals noch Menschen lebten, die zu Fuß den Bisons nachstellten.

Coronado erblickte 1510 im spanischen Salamanca das Licht der Welt. Den nicht erbberechtigten Sohn einer Adelsfamilie zog es wie viele seiner Landsleute nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus in die Neue Welt. Die Gelegenheit dazu ergab sich 1535, als Antonio de Mendoza zum Vizekönig von Neu-Spanien (Mexiko) berufen wurde. Coronado ging als dessen Adjutant mit nach Mexiko-Stadt, wo er die reiche Beatriz Estrada heiratete. Seinem Gönner Mendoza war er eine loyale Stütze, denn innerhalb von drei Jahren unterdrückte Coronado eine Sklavenrebellion und befriedete die Indianer. 1538 wurde er durch Mendoza zum Provinzgouverneur ernannt.

Am Hof des Vizekönigs gingen Gerüchte über das sagenhafte Goldland Eldorado um, das im Süden des nordamerikanischen Kontinents vermutet wurde. Sie fielen bei Mendoza auf fruchtbaren Boden. Schon 1539 schickte er eine erste Expedition aus, die die bisherigen Berichte überprüfen und erste genauere Eindrücke von der Lage in den vermuteten Gebieten sammeln sollte.

Offensichtlich waren deren Ergebnisse für den Vizekönig ermutigend, denn er rüstete gemeinsam mit Coronado eine wirklich ehrgeizig zu nennende Expedition aus. In den Quellen ist von 1.400 Männern die Rede, wobei die Zahl der Spanier bei ungefähr 300 lag – der restliche Teil der Expedition rekrutierte sich aus Indianern. Für Transport und Verpflegung wurden außerdem rund 1.500 Tiere mitgenommen, darunter neben Pferden auch Schafe, Schweine und Rinder.

Die riesige Karawane machte sich im April 1540 unter dem Befehl von Coronado auf den beschwerlichen und gefährlichen Weg. Auf zwei Expeditionsschiffen durchquerte man vom mexikanischen Compostela aus den Golf von Kalifornien und segelte an der amerikanischen Westküste nordwärts. Ende August erreichte der ganze Tross die Mündung des Colorado und den Fluss San Pedro in Südarizona, wo noch heute ein Denkmal an Coronado erinnert.

Nach der Landung schickte Coronado seine Truppen gegen die Indianer, die in den neu entdeckten Gebieten lebten. In teilweise verlustreichen Kämpfen besiegten die Spanier die Zuñi, die Hopi und die Tiwa. Trotz aller kriegerischen Erfolge suchten die Spanier nach dem Eigentlichen vergeblich: Gold war nirgends zu finden und von Eldorado fehlte jede Spur.

Coronado schickte jetzt Suchtrupps aus, die entlang des Colorado das gesamte Grenzgebiet zwischen den heutigen US-Bundesstaaten Kalifornien und Arizona durchkämmten. Einer dieser Trupps unter dem Kommando von García López de Cárdenas entdeckte den Grand Canyon in Arizona. Im Tal des Rio Grande, unweit der heutigen City Santa Fé, überwinterten die Spanier schließlich.

Von den Küstengebieten aus ließ Coronado im Frühjahr 1541 weiter nach Norden vorrücken. Aber es waren nur noch wenige Männer, die ihm folgten. Die meisten hatten sich aus dem Staub gemacht. Mit dem Rest marschierte Coronado weiter, doch statt der sagenhaften sieben goldenen Städte fanden die Spanier in Südkalifornien, New Mexico, Nordarizona, Nord-Texas, Utah, Oklahoma und Ostkansas einzig und allein die Dörfer von Indianern.

Der Widerstand der Eingeborenen gegen die Europäer wuchs. Vor allem widersetzten sich die Indianer der christlichen Missionierung durch die Spanier, denen ihre waffentechnische Überlegenheit angesichts der zahlenmäßig weit überlegenen indianischen Gegner nichts mehr nutzte. Coronado musste erkennen, dass Eldorado ein Traum war. So befahl er schließlich den Rückzug. Im Frühjahr 1542 traf er mit ungefähr 100 Männern wieder in Mexiko-City ein. Der Rest seiner Leute erreichte die Stadt erst in den folgenden Monaten.

Sein Auftraggeber Mendoza war von den dürftigen Ergebnissen der aufwendigen Operation maßlos enttäuscht. Die Enttäuschung schlug offenbar in Wut um, denn der Vizekönig klagte seinen früheren Protegè an und zitierte ihn vor das Gericht. Doch entgegen den damals üblichen Ausgängen solcher "Gerichtsverfahren" gelang es Coronado nicht nur seine Haut zu retten, sondern er erlangte sogar seine früheren Ämter wieder zurück.

Die Expedition Francisco de Coronados war für die damaligen auf Reichtümer versessenen spanischen Konquistadoren eine einzige Enttäuschung, aber bei der geografischen Erkundung Nordamerikas bildete diese Expedition einen Meilenstein. Bis heute halten alle von der Expedition entdeckten US-amerikanischen Bundesstaaten das Andenken an Francisco de Coronado in Ehren.

Sein Leben in Zahlen und Fakten


  • 1510
    Coronado wurde im spanischen Salamanca geboren. Im Alter von 25 Jahren segelte er in die Neue Welt und lebte in Mexiko-Stadt.

  • 1538
    Dort heiratete er und wurde zum Gouverneur der Provinz Neu Galizien ernannt.

  • 1540
    Auf der Jagd nach den sagenhaften sieben Städten Cibola führte Coronado eine Expedition in den Südwesten der Vereinigten Staaten (Arizona, New Mexiko, Oklahoma, Nordtexas). Die Expedition, an der 1.400 Männer beteiligt waren, verließ Mexiko im Jahr 1540. Lopez de Cárdenas, ein Offizier in der Armee Coronados, der einen Trupp zum Colorado River führte, entdeckte an diesem Fluss als erster Europäer den Grand Canyon. Coronado überwinterte in der Nähe des Rio Grande.

  • 1541 bis 1542
    Angetrieben wurden Coronado und seine Abenteurer von der Gier nach Gold. Sie suchten das sagenhafte Eldorado, konnten aber weder das Goldland noch andere Schätze finden. Schon nach einem Jahr kehrten deshalb die meisten Spanier Coronado den Rücken. Er selbst aber setzte die Erkundung des nordamerikanischen Südens noch bis 1542 fort. Er folgte dem Colorado nordwärts, erforschte Südkalifornien, New Mexico, Nordarizona, Nord-Texas, Utah, Oklahoma und Ostkansas und beanspruchte die neuen Gebiete für die spanische Krone.
    Während ihrer Expedition trafen die Spanier immer wieder auf den Widerstand der Indianer, den sie – ganz in der Tradition der Konquistadoren – mit Gewalt zu brechen versuchten. Erstmals machten die Südeuropäer während ihrer Expedition auch Bekanntschaft mit dem Wildreichtum Nordamerikas und waren besonders von den riesigen Bisonherden beeindruckt. In zwei Jahren sammelten Coronado und die etwa 300 verbliebenen Begleiter erste verlässlichere Informationen über den Süden der heutigen USA.

  • 1554
    Trotz des Misserfolgs seiner Suche nach Gold in Nordamerika konnte Coronado seine gesellschaftliche Stellung in Mexiko-Stadt halten. Versuche seiner Gegner, ihn ins Gefängnis zu bringen, schlugen letztlich fehl. Der Spanier, der zu den allerersten Europäern gehörte, die von Mexiko aus – entlang der Westküste – in den Süden des nordamerikanischen Festlands vordrangen, starb am 22. September 1554.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Klaus-Uwe Koch
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 04.06.2012


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