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Infoblatt Charles Lindbergh (1902 - 1974)


Charles Lindbergh - eine Kurzbiographie

Charles Augustus Lindbergh wurde am 4. Februar 1902 in Detroit, USA, geboren. Sein Vater war Rechtsanwalt und Kongressabgeordneter, seine Mutter Chemie-Lehrerin. Der Sohn schwedischer Einwanderer interessierte sich schon als Kind für die Technik, besonders für Motoren und Maschinen.

Deshalb nahm er wohl auch ein Maschinenbaustudium auf, das er aber 1922 wegen schlechter Leistungen abbrach. Weil ihn offensichtlich die praktische Technik mehr interessierte als die graue Theorie, nahm Lindbergh an einem Pilotenkurs der Nebraska Aircraft Corporation teil. Allerdings durfte er nach nur wenigen Flugstunden nicht zum abschließenden Alleinflug aufsteigen, denn ihm fehlten die als Kaution dafür zu hinterlegenden 500 Dollar.

Bis 1924 zog Lindbergh mit einer Art Flugzeugschau durchs Land, flog jedoch zunächst nicht selbst, sondern sprang mit dem Fallschirm. Von dem dabei verdienten Geld konnte er sich dann sein erstes eigenes Flugzeug kaufen und erwarb mit der "Jenny", so hieß die Maschine, erste Flugerfahrungen. Um seine Flugkünste zu verbessern, ging er zu den amerikanischen Heeresfliegern (United States Army Air Service). 1925 bestand er als Jahrgangsbester die Abschlussprüfung. Anschließend wurde Lindbergh Postpilot und flog auf der Strecke zwischen St. Louis und Chicago.

Das reichte dem ehrgeizigen jungen Mann jedoch bei weitem nicht. Er verfolgte andere Ziele. Der Amerikaner wusste, dass man einen Preis von 25.000 Dollar für denjenigen ausgeschrieben hatte, der als Erster ohne Zwischenlandung von Amerika nach Europa flog. Was man dazu zuallererst brauchte, war ein wirklich taugliches Flugzeug. Dessen Konstruktion gab Lindbergh bei der Ryan Airlines, einem kleinen Flugzeughersteller in Detroit, in Auftrag. Am 28. April 1927 war das einmotorige Flugzeug nach nur zweimonatiger Bauzeit fertig.

Jetzt wollte Lindbergh keine Zeit mehr verlieren. Er ließ seine "Spirit of St. Louis" an die amerikanische Ostküste transportieren. Vom New Yorker Roosevelt-Flugplatz stieg die Maschine am 20. Mai 1927 um genau 7.54 Uhr zu dem waghalsigen Versuch der ersten Nonstop-Überquerung des Atlantiks auf. Die anschließenden über 33 Stunden, in denen Lindbergh allein auf sich und sein Flugzeug gestellt war, machten den Amerikaner zu einem der gefeiertsten Flugpioniere überhaupt. Ihm gelang, was vorher in 66 Versuchen misslungen war: Am 28. Mai landete die "Spirit of St. Louis" mit ihrem Piloten in stockdunkler Nacht um 22.15 Uhr wohlbehalten auf dem Pariser Flugplatz Le Bourget.

Was die dort begeisterten 200.000 Franzosen noch in der Ankunftsnacht und Millionen Menschen in den darauf folgenden Tagen und Wochen feierten, war eine der beeindruckendsten technischen und menschlichen Leistungen in der damals noch jungen Geschichte der Fliegerei. Für die Technik stand das Flugzeug, ein einmotoriger Eindecker mit dem neu konstruierten Wright-Whirlwind-Motor als eigentlicher Schlüssel zum Erfolg. Dieser Motor besaß 220 PS und konnte die Maschine auf eine Reisegeschwindigkeit von 200 km/h beschleunigen.

Dass der Flug aber ein Erfolg werden konnte, hing letztlich vom Piloten ab. Lindbergh hatte seine Vorbereitungen akribisch getroffen und war auch ein hohes Risiko eingegangen. So verzichtete er beispielsweise auf ein Funkgerät und einen Sextanten zur Navigation. Das brachte erhebliche Gewichtsersparnis. Die "Spirit of St. Louis" wog beim Abflug in New York aufgetankt nur 2.380 Kilogramm, doch drei Viertel des Gesamtgewichts entfielen auf 1.705 Liter Treibstoff und das notwendige Öl. In der Leichtigkeit lag einer der Gründe, warum dem Amerikaner die erste Nonstop-Überquerung des Atlantik schließlich gelang.

Nach dem Start in New York, den schon Tausende von Schaulustigen bejubelten, war Lindbergh zwar in seinem Flugzeug allein, aber die ganze Welt nahm Anteil an dem spektakulären Vorhaben. Möglich machte dies das Radio, vor dem Millionen saßen und jeder neuen Nachricht über das Flugzeug und seinen Piloten entgegenfieberten. Die Details des Fluges wurden allerdings erst später bekannt.

So auch die Anekdote aus der 27. Flugstunde. Lindbergh hatte seine Flugroute von Neufundland über Irland und Großbritannien bis zum Ärmelkanal und schließlich nach Paris ausgewählt. Am Festland konnte er sich letztmals beim Überfliegen Neufundlands orientieren. Danach folgten einsame Stunden, in denen er über den grauen Wassern des Atlantiks dahinflog. In eben jener 27. Flugstunde entdeckte er unter sich ein kleines Fischerboot. Mit abgestelltem Motor soll er zu den Fischern hinab gesegelt sein und ihnen aus dem geöffneten Cockpit die Frage zugeschrieen haben: "Wo bitte geht's nach Irland?" Die völlig verdutzten Fischer blieben sprachlos, so dass der Pilot auf gut Glück weiterflog. An der Südspitze Irlands sichtete er schließlich Land und wusste jetzt, dass er auf dem richtigen Weg war und den gefährlichsten Teil der Reise hinter sich hatte.

Den richtigen Weg fand Lindbergh auch ohne die sonst üblichen mechanisch-technischen Hilfsmittel. Bei der Ankunft über Irland war er lediglich acht Kilometer von seinem vorausberechneten Idealkurs abgekommen – eine hervorragende navigatorische und fliegerische Leistung. Über Wasser musste er insgesamt 16 Stunden navigieren. Zur Einsamkeit in luftiger Höhe kamen während des ganzen Fluges noch der Kampf gegen den Schlaf, gegen die Vereisung des Flugzeugs und gegen Luftturbulenzen.

Doch Lindbergh schaffte das scheinbar Unmögliche. Selbst das letzte große Hindernis – das dunkle Paris – konnte den Erfolg nicht mehr verhindern. Den Weg zum Landeplatz fand der völlig übermüdete und am Rande seiner körperlichen Kräfte stehende Amerikaner dank der Leuchtreklame des französischen Citroën-Autokonzerns auf dem Eiffelturm. Als 92. Pilot hatte er den Atlantik überquert, aber er war der Erste, dem das im Alleinflug ohne Zwischenstopp und über die Rekorddistanz von 5.780 Kilometern gelungen war.

Später machte der Flugpionier erneut Schlagzeilen. 1932 wurde sein Sohn entführt und ermordet. Wegen dieses tragischen Schicksalsschlages und um dem ständigen Rummel um seine Person zu entgehen, hielt er sich bis 1939 zusammen mit seiner Frau vorwiegend in Europa auf. Hier konstruierte der Amerikaner gemeinsam mit dem Arzt und Nobelpreisträger Alexis Carrel eine Vorform der Herz-Lungen-Maschine. Als sich Lindbergh 1941 gegen den Kriegseintritt der USA stellte, wurde er der Parteinahme für Deutschland beschuldigt und musste die US-Army verlassen. Trotzdem unterstützte er den Kampf seines Landes während des Zweiten Weltkrieges als Berater im Flugzeugbau und durch Einsätze in der amerikanischen Luftwaffe im Pazifik und in Europa.

Die Irritationen zwischen Lindbergh und seinem Heimatland waren 1954 endgültig aus dem Weg geräumt. In diesem Jahr erhielt er für die von ihm veröffentlichte Autobiografie den Pulitzer Preis – eine der wertvollsten amerikanischen Auszeichnungen in Literatur und Journalistik. Am 26. August 1974 starb Lindbergh auf Hawaii an den Folgen eines Krebsleidens. Er ging als Pionier in die Geschichte der Luftfahrt ein.

Sein Leben in Zahlen und Fakten


  • geb. 1902
    Charles Augustus Lindbergh wird am 4. Februar als Sohn schwedischer Einwanderer in Detroit geboren. Sein Vater ist Rechtsanwalt und Kongressabgeordneter, seine Mutter Chemie-Lehrerin.

  • 1922 bis 1924
    Da sich Lindbergh schon als Junge für Motoren und Maschinen interessiert hat, studiert er Maschinenbau. Dieses Studium bricht er ab und durchläuft eine Ausbildung zum Piloten. Anschließend zieht er als Kunstflieger durch die USA.

  • 1925/26
    Der 23-jährige geht zu den amerikanischen Heeresfliegern (United States Army Air Service). Hier erhält er eine solide Flugausbildung, die er 1926 als Bester seines Jahrgangs abschließt. Danach ist Lindbergh Postflieger. Erstmals beschäftigt er sich ernsthaft mit der Idee eines Nonstop-Flugs von New York nach Paris.

  • 1927
    Das dazu notwendige Flugzeug muss erst noch konstruiert und gebaut werden. Damit beauftragt Lindbergh den Flugzeugbauer Ryan Airlines. Das Unternehmen baut eine einmotorige Maschine, die im April 1927 fertig ist. Sie erhält den Namen "Spirit of St. Louis" und wird im Mai 1927 an die Ostküste der USA transportiert.

  • 27. / 28. Mai 1927
    Um 7.54 Uhr startet Lindbergh vom Roosevelt-Flugplatz in New York zu seiner Atlantiküberquerung. Nach 33,5 Stunden landet er auf dem Flughafen Le Bourget in Paris. Damit hat der Amerikaner als erster Mensch den Großen Teich zwischen den USA und Europa ohne Zwischenlandung überquert und geht in die Geschichte der Luftfahrt als einer der großen Flugpioniere ein.

  • 1929 bis 1932
    Der jetzt weltweit berühmte amerikanische Volksheld heiratet. Seine Frau, Anne Morrow Lindbergh, begleitet ihren Mann auf späteren Flügen als Kopilotin und Funkerin. Das Familienglück der beiden, die zusammen fünf Kinder haben, wird 1932 durch die Entführung und Ermordung ihres dritten Kindes auf tragische Weise zerstört.

  • 1941 bis 1945
    Lindbergh spricht sich gegen den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg aus. Daraufhin muss er sein Kommando als Brigadegeneral niederlegen, nimmt später aber doch an Kampfeinsätzen im Pazifik und in Europa teil.

  • 1954
    Die von Lindbergh geschriebene Autobiografie wird zu einem Bestseller. Der Autor erhält dafür den Pulitzer Preis.

  • 1974
    Am 26. August 1974 stirbt der Flugpionier Charles Lindbergh auf Hawaii.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Klaus-Uwe Koch
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 04.06.2012


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