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Infoblatt Henry Morton Stanley (1841 - 1904)

Henry Morton Stanley (1841 - 1904)


Henry Morton Stanley - eine Kurzbiographie

Henry Morton Stanley wurde am 28. Januar 1841 in Denbigh in Wales als John Rowland in äußerst ärmlichen Verhältnissen geboren. Der Vater starb früh, die Mutter kümmerte sich nicht um den Jungen, so dass er zunächst beim Großvater, nach dessen Tod aber im Armenhaus aufwuchs. Als junger Mann schlug sich Stanley als Schafhirte, Laufbursche und Kabinenboy auf einem amerikanischen Postschiff durchs Leben. 1858 floh er in New Orleans vom Schiff und wurde vom Kaufmann Henry Stanley aufgegriffen. Beeindruckt von der Intelligenz Stanleys, nahm der Kaufmann den 17-jährigen Burschen auf, der in den Folgejahren die todkranke Mrs. Stanley aufopferungsvoll pflegte. Das kinderlose Ehepaar adoptierte den Waliser als Henry Morton Stanley.

Im amerikanischen Sezessionskrieg kämpfte Stanley auf Seiten der Südstaaten und geriet 1862 in Gefangenschaft. Danach wusste er nicht, wie er seinen Lebensunterhalt verdienen sollte. Da kam ihm die Idee, seine Erlebnisse zu veröffentlichen, und er wurde Journalist. Der Direktor des "New York Herald", James Gordon Bennett, stellte Stanley 1869 mit dem Auftrag ein, den verschollenen Afrikaforscher Livingstone zu finden. Doch zunächst reiste der Reporter auftragsgemäß zur Eröffnung des Suez-Kanals, dann nach Jerusalem, Odessa und über Teheran schließlich nach Indien und zu den Seychellen.

So konnte Stanley erst 1870 auf der Insel Sansibar seine Such-Expedition vorbereiten. Er warb ein Expeditionskorps an und rüstete es mit Booten, Seilen, Zelten, Kochgeräten, Flinten und Munition aus. Hinzu kamen Gastgeschenke und Tauschwaren für die Eingeborenen wie Tuch, Glasperlen und Eisendraht. Die ganze Ausrüstung wurde von Packeseln transportiert. Als im September die Vorbereitungen endlich abgeschlossen waren, erlitt Stanley einen lebensgefährlichen Fieberanfall, konnte ihn aber überwinden. Er war fest entschlossen, Livingstone um jeden Preis zu finden.

Nach dem Übersetzen von Sansibar auf das Festland brach die Karawane im März 1871 endlich von der ostafrikanischen Küstenstadt Bagamoyo (Tansania) ins Innere des Landes auf. Sie folgte dem alten arabischen Sklavenhandelsweg in Richtung Tanganjikasee. Der Marsch führte durch Sumpf und Urwald, durch überschwemmte Savannen und über Flüsse, die mit Hilfe schwankender Notbrücken aus Ästen und Stricken überquert wurden. Überfälle und Unfälle, Erschöpfung und Krankheiten setzten den Reisenden zu. Doch Stanley hielt unbeirrt an seinem Ziel fest, das er im November 1871 (andere Angaben sprechen vom Oktober) endlich erreicht hatte. In Ujiji, einem Sklavenhändlerdorf am Ostufer des Tanganyikasees, fand Stanley den verschollenen Livingstone. Nach mehr als tausend Kilometern Fußmarsch durch Busch und Savanne hatte er außerdem als erster Europäer die beiden Flüsse Lualaba und Kongo entdeckt.

Die zwei Männer verbrachten die folgenden fünf Monate zusammen. Der ältere Livingstone war Missionar und Afrikaforscher aus Leidenschaft, Stanley, der Kriegskorrespondent und Reisejournalist, dagegen eher ein Draufgänger und Abenteurer. Trotz dieser Unterschiede wurden beide Freunde fürs Leben. Gemeinsam forschten sie nach den Nilquellen und kehrten im März 1872 von ihrer Reise zurück. Im heimatlichen New York wurden Stanleys Berichte zunächst mit Skepsis aufgenommen. Doch schließlich fand der Forscher allgemeine Anerkennung. Sein Buch über die erfolgreiche Suche nach Livingstone wurde ein Bestseller. Die englische königliche geographische Society verlieh ihm eine Goldmedaille für die Erkundung Westafrikas.

Als Livingstone 1873 plötzlich starb, war für Stanley der weitere Lebensweg vorgezeichnet: Er musste das Lebenswerk seines Lehrmeisters fortsetzen und die Entdeckung Afrikas vollenden. 1874 lagen erste Pläne für eine zweite Afrikaexpedition vor, die sein Gönner Bennet mit allen erforderlichen Mitteln unterstützte. Stanley wollte erkunden, ob der Victoriasee die Hauptquelle des Nils war, außerdem die Quelle des Kongo finden und Ostafrika geographisch genauer erforschen. Im Februar 1875 begann die Expedition. Stanley drang zum Victoriasee vor und erkundete das Gewässer mit einem Boot. Er fuhr nordwärts in das Gebiet des heutigen Uganda und entdeckte einen weiteren großen See, den er Lake Edward nannte.

Im Frühjahr 1876 erreichte er beim Ort Nyangwe den Tanganyikasee und damit den weitesten inländischen Punkt, bis zu dem die Expedition vorgedrungen war. Wegen andauernder bewaffneter Auseinandersetzungen mit arabischen Kämpfern verließen Stanley und seine Männer das gefährliche Gebiet und kehrten an den Ausgangsort der Expedition, Kisangani (vormals Stanleyville) in Zaire, zurück. Anschließend reiste die Expedition per Boot auf dem Kongo in mehreren Monaten und über fast 2.000 Kilometer in Richtung Atlantik. Dabei entdeckte Stanley einen See, der später seinen Namen trug, und machte auch die Erfahrung, dass der Fluss seine Richtung mehrmals scharf ändert – zunächst von Ost nach West, dann aber von Nord nach Süd fließt. Im August 1877 erreichte die große Kongo-Expedition bei Boma den Atlantik. Mehr als die Hälfte der Expeditionsteilnehmer war bei dieser Reise ums Leben gekommen.

Seine nächste Expedition führte Stanley 1879 im Auftrag König Leopold II. von Belgien durch. Er machte sich auf den Weg in den Kongo und erforschte in den folgenden fünf Jahren zentralafrikanische Territorien im heutigen Zaire. Wegen der Unbefahrbarkeit des Kongo beschrieb Stanley mögliche Landwege, auf denen später nachfolgende Forscher in das Innere Afrikas vordrangen.

1887 brach Stanley zu seiner letzten Expedition nach Afrika auf. Dieses Mal galt es, den verschwundenen deutschen Afrikaforscher Eduard Schnitzer zu finden, der sich nach seinem Übertritt zum Islam als Emin Pasha einen Namen als Afrikaforscher gemacht hatte. Man vermutete Pascha im Sudan. Stanley brach im März von der Mündung des Kongo aus mit 800 Mann auf, die in zwei Gruppen marschierten. Dem Kongo aufwärts folgend, erreichten sie den Fluss Aruwimi und das Ituri, eines der dichtesten und undurchdringlichsten Waldgebiete Afrikas. Hier trafen sie auf Pygmäen, die die Europäer mit ihren Giftpfeilen bekämpften. Allein in diesen Kämpfen starben 52 Männer. Im Dezember kam die Expedition am Albert-See an. In diesem Gebiet stieß Stanley im April 1888 endlich auf Emin Pascha. Der sah sich aber gar nicht in Gefahr und folgte 1889 nur unwillig der Stanleyschen Expedition nach Bagamoyo an der afrikanischen Ostküste.

Stanley hatte bei der Suche nach dem Deutschen zwei Drittel seiner Männer verloren. Er selbst war erkrankt und brauchte ärztliche Hilfe. Für den gezahlten hohen Preis hatte Stanley aber nicht nur Emin Pascha, sondern – bei der Suche nach einem Teil seiner Männer im Gebiet des Ituri – auch die Ruwenzori-Berge gefunden, in denen der Weiße Nil entspringt.

Stanley ging nach England zurück, wo er 1890 heiratete und 1892 eingebürgert wurde. Er war durch die erfolgreiche Suche nach Livingstone berühmt geworden. Als erster Afrikaforscher hatte er den Kongo in seiner ganzen Länge befahren und das Rätsel um die Nilquellen gelöst. Sein Name ging in die Geschichte der Afrikaforschung ein. Wegen seiner außerordentlichen Strenge, die er bei der Führung der Expeditionen und gegenüber den Eingeborenen an den Tag legte, blieb Stanley bis heute jedoch als Expeditionsleiter umstritten. Die Afrikaner nannten ihn "Bula Matari" – Knochenbrecher.

Sein Leben in Zahlen und Fakten


  • geb. 1841
    Henry Morton Stanley wurde als John Rowland am 29. Januar bei Denbigh in Wales geboren.

  • 1858
    Er verließ Wales und ging nach New Orleans, Louisiana. Dort fand er Arbeit beim amerikanischen Kaufmann Henry Stanley, dessen Namen er annahm. Im amerikanischen Sezessionskrieg (1861 - 1865) diente Stanley in der Armee der Konföderierten (Südstaaten). Danach arbeitete er als Korrespondent.

  • 1869
    Der Verleger James Gordon Bennett schickte Stanley als Reporter zur Einweihung des Suez-Kanals nach Ägypten und beauftragte ihn, den schottischen Missionar und den Forscher David Livingstone zu finden, der auf der Suche nach den Quellen des Nils verschollen war.

  • 1871/72
    Mit einer großen Expedition, die in Sansibar begann, brach er im Januar 1871 in das Innere des afrikanischen Kontinents auf. Im November fand er den verschollenen Livingstone nahe des Fleckens Ujiji. Im Mai 1872 kehrten die beiden Männer, die Freunde geworden waren, nach Sansibar zurück.

  • 1874
    Nach dem Tode Livingstones (1873) kehrte Stanley, der das Interesse am Journalismus verloren, statt dessen aber seinen Forscherdrang für Afrika entdeckt hatte, nach Sansibar zurück. Von dort aus stieß er mit einer Expedition und über 350 Begleitern, von denen die Hälfte während des langen Marsches starb, bis zum Victoriasee vor. Danach folgte er dem Lauf des Kongo bis zum Atlantik.

  • 1879 - 1884
    In einer fünfjährigen Expedition erforschte Stanley den Kongo.

  • 1887
    Stanley verließ Afrika und kehrte als angesehener Forscher nach London heim. Er schrieb Bücher und Reiseberichte, in denen er seine Entdeckungen und Erlebnisse in Afrika beschrieb.

  • 1904
    Stanley starb im Mai in London.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Klaus-Uwe Koch
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2005
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 10.06.2012


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