Suche im TERRASSE-Archiv:

Infoblatt Istanbul


Istanbul (Corbis)

Die türkische Metropole im Überblick

Byzanz, Konstantinopel, Istanbul, diese drei Namen zeigen die wechselvolle Geschichte einer der ältesten Städte der Welt. Schon in der Steinzeit gab es größere Siedlungen am Bosporus, der Meerenge, die Mittelmeer und Schwarzes Meer verbindet. Griechen bauten hier um 660 v. Chr. die Stadt Byzantion. Der römische Kaiser Konstantin erhob 330 n. Chr. die Stadt unter dem Namen Konstantinopel zur Hauptstadt des Römischen Reichs. Als das römische Reich zerfiel, blieb die Stadt das Zentrum des Byzantinischen Reiches. Kaiser Justinian ließ um 530 n. Chr. die Hagia Sophia (Kirche zur heiligen Weisheit) erbauen. Sie ist die größte Kuppelkirche der Welt.

500 Jahre lang blieb die Stadt wichtigstes Macht- und Handelszentrum am Mittelmeer. Erst nachdem ein römisch-katholisches Kreuzritterheer die griechisch-orthodoxe Stadt 1204 weitgehend zerstörte, verlor Konstantinopel seine Bedeutung. 1453 eroberten osmanische Streitkräfte die Stadt. Die neuen Herrscher erklärten sie zur Hauptstadt ihres islamischen Reiches. In dieser Zeit entstand der riesige Sultanspalast Topkapi Sarayi, die weltberühmte Blaue Moschee und der größte überdachte Basar der Welt.

Das osmanische Reich hatte weltoffene Herrscher. Als 1492 in Spanien die Juden verfolgt wurden, schickte der damalige Sultan von Konstantinopel seine Flotte nach Spanien, um die Juden zu retten. Mehr als 50.000 Menschen holte er in sein Reich. Heute noch leben ihre Nachfahren in der Stadt, die zu einem Treffpunkt verschiedener Ethnien, Religionen und Kulturen wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel das osmanische Reich, unter der Regierung von Kemal Atatürk wurde die Türkei gegründet. Große Teile der griechischen Bevölkerung mussten das Land verlassen. Die Türkei wurde modernisiert: Trennung von Religion und Staat, Einführung von Demokratie mit Wahlrecht für Frauen, eines westlich orientierten Bildungs- und Rechtssystems und der lateinischen Schrift. Obwohl die Stadt, in Istanbul umbenannt, ihre Hauptstadtfunktion an Ankara verlor, entwickelte sie sich durch die Reformen zu einer modernen Metropole.
Heute ist Istanbul das Kultur- und Wirtschaftszentrum der Türkei. Istanbul generiert 40% des gesamten Imports der Türkei. Sie ist u.a. Hauptsitz des türkischen Presse- und Verlagswesens und ein wahrer Touristenmagnet mit mehreren Millionen Besuchern jährlich. Außerdem ist sie als Verkehrsmittelpunkt des Landes ein bedeutender Logistikstandort. Die Stadt bietet u.a. zwei große Flughäfen, mehrere Zentral- und Fern(-bus)bahnhöfe sowie einen stark frequentierten Schiffsverkehr. Istanbul erstreckt sich sowohl auf der europäischen als auch auf der asiatischen Seite des Bosporus und ist damit die einzige Metropole, die auf zwei Kontinenten liegt. Aufgrund ihrer Geschichte gilt sie als wichtige Verbindung zwischen Orient (Morgenland) und Okzident (Abendland), zwischen dem Westen und der islamischen Welt. Als führendes Bildungszentrum der Türkei besitzt Istanbul mehrere Universitäten, mehrere Hochschulen, weit über 4000 Schulen sowie zahlreiche wissenschaftliche Institute und ist Sitz des internationalen Forschungszentrums für islamische Geschichte, Kunst und Kultur. Gemeinsam mit Essen und Pécs wurde die Stadt für das Jahr 2010 zur Europäischen Kulturhauptstadt gewählt.

Im Stadtgebiet, das in 39 Stadtteile untergliedert ist, leben rund 13,1 Millionen Menschen, im Ballungsraum ca. 14 bis 16 Millionen. Aufgrund der stetigen, immensen Zuwanderung haben sich an der Peripherie zahlreiche illegale Wohnsiedlungen gebildet. Schätzungen gehen davon aus, dass dort mittlerweile ein Viertel der Bevölkerung Istanbuls lebt.

Durch die enorme Zuwanderung aus dem Umland sind die sozialen Gegensätze besonders signifikant und nirgendwo sonst ist der Bruch zwischen Tradition und Moderne so sichtbar wie hier. Durch das Nebeneinander und Miteinander verschiedener Kulturkreise ergeben sich zwangsweise Spannungen, die einem beim Besuch Istanbuls sofort auffallen. Mädchen mit Kopftüchern und verschleierte Frauen gehören ebenso zum Straßenbild, wie Teenager in Miniröcken und modern gestylte Frauen. In einigen Stadtvierteln glaubt man, in einem vergangenen Zeitalter zu leben, während ein paar Straßenzüge weiter ein buntes Treiben mit modernen Läden und Bars herrscht. Die Bedeutung als Handelsstadt kann man in kleinem Stil im größten überdachten Bazar der Welt, dem "Kapali Carsi" nachvollziehen. In mehr als 4.000 Geschäften, verbunden durch unzählige Gassen, bieten Händler Teppiche, Gold-, Silber- und Modeschmuck, Lederwaren, orientalische Gewürze und viele andere Güter an. Diese über Jahrtausende gewachsene, einzigartige Kombination verschiedener Kultureinflüsse veranlasste die UNESCO dazu, die historische Altstadt als Weltkulturerbe zu erklären.

Mit dem multikulturellen Charakter der Stadt beschäftigen sich schon seit Jahren zahlreiche Schriftsteller. Im Jahr 2006 wurde erstmals einem türkischen Schriftsteller der Literaturnobelpreis verliehen. Orhan Pamuk, der sich als Mittler zwischen Orient und Okzident und Gesellschaftskritiker versteht, erhielt für seine Werke diese Auszeichnung. Mit seinen Romanen schlägt er Brücken zwischen dem modernen europäischen Roman und der mystischen Tradition des Orients.




Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 23.08.2012


Zurück zur Terrasse