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Infoblatt Sauna - ein Symbol Finnlands?


Finnische Sauna (Militz)

Die Sauna gilt den Finnen als nationales Symbol. Aber woher kommt die Tradition des Saunabadens?

Jedem Besucher Finnlands, ist sicherlich die besondere Beziehung der Finnen zur Sauna aufgefallen. Sie gilt als nationales Symbol – doch woher kommt die Tradition des Saunabadens?

Herkunft

Man kann zwar keinen genauen Ursprungsort bestimmen, doch weit verbreitet ist die Meinung, dass es schon vor über 1.000 Jahren im osteuropäischen Raum die Sitte des Badens im heißen Raum gab. In der Zeit des Mittelalters waren die sog. Badestuben auch in Mitteleuropa sehr beliebt, diese galten später jedoch als "sittenwidrig", wurden deshalb Ende des Mittelalters geschlossen und gerieten in Vergessenheit. Trotzdem bestand die Badekultur in Finnland und in weiten Teilen Russlands fort. Zwar gab es auch im Süden Europas eine hoch entwickelte Badekultur, wie die der Römer und auch im Orient war das türkische Dampfbad sehr verbreitet, aber der Verlauf dieser Badekulturen ist von Vergessenheit und Wiederauflebung geprägt. Das Saunabaden der Finnen ist jedoch seit Jahrhunderten in ihrem Alltagsleben integriert. So bemerkte schon 1640 der Professor für Geschichte und Politik Mikael Wexionius bei der Eröffnung der Akademie von Turku: "Sogar bei strengem Frost stürzen sie aus der Sauna und schöpfen entzückt und unter Lachen Wasser aus Brunnen, Fluss oder See und schütten es sich über die nackte Haut. Doch dabei härten sich ihre Körper ab und sind allen Anstrengungen gewachsen."

Saunaformen

Die ursprüngliche Form der Sauna war eine in die Erde oder in einen Hang gegrabene Grube. Mithilfe von Feuer wurden Steine erhitzt, welche die Wärme speicherten und die Gruben warm hielten. Das Saunabad konnte auch in Zelten oder Hütten über einer solchen Erdgrube abgehalten werden. Aber diese sog. "Bergbadestuben" wurden später nur noch von armen Leuten genutzt. Die wohl am weitesten verbreitete Form ist die des Blockhauses. In vielen Teilen Finnlands war es außerhalb eines Hofes positioniert, trotz Brandgefahr konnte man es aber auch im Inneren eines Hofes finden. Die Tür der Blockhütte befand sich in der Giebelwand des Hauses. Innen gab es einen Ofen und der beim Heizen entstandene Qualm wurde häufig mit einem Rauchabzug nach außen geleitet. War dieser nicht eingebaut, so ließ man die Tür oder – falls vorhanden – das Fenster einen Spalt offen. Mit Hilfe einer Treppe konnte man die Schwitzbänke besteigen, die ca. 1 m über dem Boden lagen und von Pfosten getragen wurden. Es war auch möglich, einen aus Balken hergestellten Aufbau vorzufinden, wie es heute oft der Fall ist. Außerdem gab es Bänke, auf die man sich setzte, wenn man sich mit der Badequaste (Büschel aus Birkenzweigen) schlug. Es ist nachvollziehbar, dass die Form, Größe und Anordnung der Sitzbänke oder des Ofens, je nach Bedarf oder Gefallen, unterschiedlich ausfallen konnten, somit gab es auch unterschiedliche Bräuche und Glaubensvorstellungen während des Saunabades.

Institution für Gesundheit, Glaube und Mystik

Sauna – das scheint für die Finnen eine Institution zu sein, mehr noch: ein Heiligtum. So besagt auch ein altes Sprichwort: "In der Sauna soll man sich benehmen wie in einer Kirche", daher ziemte es sich nicht in der Sauna zu streiten, zu fluchen oder sich laut zu unterhalten. In dieser Weise konnte die Sauna zu einer Quelle der Ruhe und Entspannung werden und oft wurde nach einem Saunagang ein revitalisierendes Gefühl verspürt, das alle Anspannung und Erschöpfung verschwinden ließ. Gerade in früheren Zeiten stand als Hauptaspekt der Sauna die Reinigung des Körpers von Schmutz, aber auch von Krankheiten im Vordergrund. Denn bei Temperaturen um 70 - 90 °C wurde auch allerlei Ungeziefer abgetötet. Bei dieser extremen Hitze verliert der Körper bis zu 1 Liter Wasser, dabei werden viele Giftstoffe und Krankheitserreger "ausgeschwitzt", der Körper wird entschlackt. Außerdem weiten sich die Blutgefäße, durch das schlagen mit dem Badequast werden Endorphine (Glückshormone) ausgeschüttet, was das Gefühl der Glückseligkeit nach dem Saunagang erklärt. Der extreme Wechsel zwischen sehr hohen und sehr niedrigen Temperaturen reizt den Körper sehr stark, führt aber zur Stärkung des Immunsystems und zur höheren Resistenz gegenüber Krankheitserregern. Kein Wunder, dass das Sprichwort "Wenn Sauna, Schnaps und Teer einen nicht heilen, so führt die Krankheit zum Tode" weit verbreitet ist. Außerdem weist es darauf hin, dass man besonders in früheren Zeiten auch Kranke in die Sauna brachte. Dann schüttete man Wasser auf den Ofen, es entstand Dampf und man wandte sich mit Gebeten oder gar Zaubersprüchen zur Heilung an die Geister. Stellt man sich dies bildlich vor, kommt unweigerlich ein Gefühl von Mystik auf.

Ort des Lebens, der Familie und des Todes

Da die Sauna meist der sauberste Ort in einem Gehöft war, zogen sich häufig werdende Mütter in die Sauna zurück, um nicht nur Ruhe und Schutz zu finden, sondern auch um ihre Kinder dort zu gebären. So bekommt die Sauna auch eine tiefe Bedeutung als Ort des Todes und der Geburt. Aber auch im alltäglichen Familienleben war und ist die Sauna tief integriert. Wurde sonst das Saunabad getrennt nach Geschlechtern eingenommen, so war es bei der Familie schon eine Art Versammlung, bei der vom jüngsten bis zum ältesten Familienmitglied alle teilnahmen. Es sollen sogar Geschäftsverhandlungen in der Sauna geführt worden sein. Da das Saunabad alle wichtigen Bereiche im Leben tangierte, ist es umso verständlicher, dass das Thema Sauna und die damit verbundenen Bräuche und Rituale von vielen Dichtern und Schriftstellern immer wieder aufgenommen wurden. Aber die wahrscheinlich bedeutendste Erwähnung findet man im finnischen Nationalepos Kalevala, denn die darin erwähnten Helden nahmen vor ihren Taten ein Saunabad. Umso mehr ist dadurch die Position der Sauna als nationales Symbol Finnlands gefestigt.

Die Sauna wird populär

Weltweites Interesse am Saunabad zogen die finnischen Läufer durch ihre hervorragenden Leistungen während der Olympischen Spiele 1924 in Paris auf sich. So wurde die Sauna auch in Deutschland populär und in Zeitungen und Prospekten wurde geworben: "Wollen sie Himmel und Hölle auf einmal erleben, dann gehen sie in die finnische Sauna".
Heute gibt es eine große Auswahl an Wellness-Angeboten, wobei die Sauna besonders aufgrund der Entschlackung und Entspannung des Körpers sehr beliebt ist. Auch die Zahl der Saunaeinrichtungen in den privaten Haushalten Deutschlands steigt. Aber wie sagt man in Finnland: "Wo auch immer 3 Finnen zusammenkommen wird es innerhalb von 3 Wochen eine Sauna geben". Dieses Sprichwort deutet schon auf die enorme Anzahl der Saunaeinrichtungen hin, denn heute findet man mehr als 1,7 Millionen Saunas in Finnland vor – bei rund 5 Millionen Einwohnern. Saunieren ist also durch alle gesellschaftlichen Schichten Finnlands noch immer eine sehr lebendige Tradition. Entsprechend gibt es auch einen speziellen Feiertag: den zweiten Samstag im Juni.
Zwar ist die Sauna keine Erfindung der Finnen selbst, aber im Verlauf der Jahrhunderte wurde sie zu einem Teil ihrer Kultur, ihrer Geschichte und ihres Lebens. Die Sauna – sie ist wahrhaftig ein Symbol finnischer Lebensweise.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Laura Braun
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 11.03.2012


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