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Infoblatt Die Philosophie des Platons


Im Zentrum seiner Ideenlehre steht das Gute, das er als Ursprung und Ziel allen Seins sowie als die Idee aller Ideen verstand.

Alles, was Platon geschrieben hat, blieb erhalten. Dadurch kennen wir heute nicht nur seine philosophischen Anschauungen bis ins Einzelne, sondern wissen auch, dass Platon sich mit seinen Dialogen zugleich zu den genialen Dichtern seiner Zeit gehörte.

Seine philosophischen Werke schrieb Platon in der sog. sokratischen Dialogform, d. h. zwei oder mehrere Personen tragen ihre philosophischen Gedanken vor, diskutieren und kritisieren sie. Durch die Dialoge blieb für die Nachwelt auch der ganze philosophische Ideengehalt von Sokrates erhalten, der selbst nie etwas aufgezeichnet und schriftlich hinterlassen hat.

Nach ihrer Entstehungszeit wird das Werk Platons in frühe, mittlere und späte Dialoge eingeteilt. Die frühen Dialoge beinhalten die sokratische Dialektik. Die Schriften der mittleren Periode umfassen Betrachtungen zur Ethik (Gorgias), über Erkenntnis (Menon), die Verteidigungsrede von Sokrates (Apologia), die Verteidigung der staatlichen Gesetze (Kriton), die Todesszene von Sokrates (Phaidon), Gespräche über Schönheit und Liebe (Symposion) und schließlich die Politaia – das Hauptwerk des Philosophen. In seinen späten Werken setzte sich Platon kritisch mit den Theorien anderer griechischer Philosophen wie Heraklit, Parmenides, Philebos, Timaios und Nomoi auseinander.

Platons Philosophie besteht aus vier markanten Teilen – Ideenlehre, Erkenntnistheorie, Ethik und Staatslehre – und basiert auf der Überzeugung, dass absolute Erkenntnis möglich ist. Generell gibt es nach Platon zwei Welten – die unveränderliche Welt der Ideen und die körperliche, alltägliche Welt, die vergänglich ist. Die körperliche Welt ist der Welt des Geistes bzw. der Ideen untergeordnet. Außerdem unterscheidet er zwischen dem wahrhaft oder vollkommen Wirklichen und dem Abbild des Wirklichen. Das wahrhaft oder vollkommen Wirkliche ist ewig und unveränderlich. Dagegen ist die physische Welt ein bloßes Abbild des Wirklichen.

Das Ziel der Philosophie bzw. des Menschen besteht für Platon darin, das wahrhaft oder vollkommen Wirkliche zu erkennen. Die ideale Welt kann nicht empirisch (Empirie: Erfahrung), d. h. durch die menschlichen Sinne erkannt werden. Sinneserkenntnisse können laut Platon zwar mehr oder weniger wahrscheinlich sein, Gewissheit über die ideale Welt vermitteln sie aber nicht.

Platon ging von einem Reich ewiger und unverwandelbarer Wahrheiten (Wesenheiten) aus, die er Ideen nannte. Eine Idee war für ihn ein Urbild, nach dem die sichtbare Welt geformt wurde. Ideen existieren in jedem Fall objektiv, d. h. sie sind da, unabhängig davon, ob sie erkannt werden oder nicht. Im Zentrum seiner Ideenlehre steht das Gute, das er als Ursprung und Ziel allen Seins sowie als die Idee aller Ideen verstand.

Gestalt nimmt die Idee durch "Weltbilder" (Demiurgen) nach den Gesetzen der planvollen Vernunft in der materiellen Welt an. Die Idee ist das Ursprüngliche bzw. die Urform überhaupt. Dagegen stellen Behauptungen oder Aussagen über die sichtbare Welt lediglich Meinungen dar. Selbst wenn diese Meinungen begründet sind, gelten sie nach Platon nicht als Erkenntnis. Allein die Vernunft gewährt gesicherte Erkenntnisse. Solche (wieder) gefundenen rationalen Erkenntnisse oder Einsichten entsprechen dann den ewigen Ideen, aus denen sich die wirkliche Welt zusammensetzt.

Platon unterschied vier Arten von Erkenntnis, die aufeinander aufbauen: das Vermuten, das Glauben, das vernünftige Nachdenken und das Einsehen. Aufgabe des Menschen ist es, vom Vermuten zur Einsicht zu gelangen. Dabei hilft der Philosoph.

Anschaulich gemacht hat Platon seine Lehre von den Ideen und der Erkenntnis mit dem Höhlengleichnis: Menschen gleichen in Höhlen geketteten Wesen, die die Wirklichkeit nie gesehen haben und auch nicht sehen können. In der Höhle gibt es eine Lichtquelle und sie halten die Schatten von künstlichen Gegenständen für die alleinige Wirklichkeit. Doch in jedem Menschen steckt noch ganz tief die Erinnerung an eine andere Welt und manche Menschen haben das Bedürfnis, diese Welt zu finden. Sie machen sich auf die Suche und begeben sich langsam und sehr mühevoll aus der Höhle nach oben. Hier finden sie die "richtige" Welt, in der es die Sonne, Gegenstände und Schatten (Welt der Ideen) gibt. Zuerst sind diese Menschen geblendet, dann erkennen sie langsam ihre Umgebung. Sie sehen die Zusammenhänge und haben die Aufgabe, das Erlebte den anderen zu zeigen. Wer Erkenntnis gewonnen hat, ist moralisch verpflichtet, die anderen nach oben – ins Licht – zu führen.

In seiner Ethik (Lehre von den Werten) geht Platon von zwei klar abgegrenzten Welten aus: dem Körper und der Seele. Die Seele ist für Platon unsterblich, sie ist vergleichbar mit den Ideen, die unvergänglich sind. Sie existierte schon vor der Geburt des Menschen und auch nach seinem Tod.

Die Seele stammt aus der Sphäre des Göttlichen (Vernünftigen). Sie teilt sich in Göttliches (Vernunft) und Weltliches (Mut ist das Edle; Begierde ist das Niedere). Sie ist in den Leib eingesperrt und gleicht einer Krankheit. (Platon: "Der Körper ist das Grab der Seele".) Das Ziel des irdischen Lebens besteht in der Rückkehr der Seele in ihren Urzustand.

Jedem der drei Seelenteile – Vernunft, Mut, Begierde – ordnet Platon eine Tugend zu: Weisheit, Tapferkeit und Mäßigung. Aufgabe des Vernünftigen in der menschlichen Seele ist es, weise zu sein. Aufgabe des Mutes ist es, der Vernunft zu gehorchen. Und schließlich ist es Aufgabe der Begierde, sich der Vernunft zu beugen. Wenn alle drei Seelenteile ihr rechtes Maß erfüllen, dann ist die übergeordnete Tugend der Gerechtigkeit erreicht. Alle vier Tugenden werden bis heute Kardinaltugenden genannt.

Platon formulierte als Lebensziel des Menschen, das Gute zu erstreben und die Ideen zu sehen, also sich um das Geistige zu kümmern. Wem das gelingt, ist ein Leben nach dem Tod sicher, denn die Seele des Vernünftigen geht in das Reich des rein Geistigen ein. Der Unvernünftige gelangt hingegen dort nicht hin, sondern muss Buße tun. Gutes zu erstreben und die Ideen zu sehen ging bei Platon untrennbar mit dem permanenten Streben nach Erkenntnis einher. In diesem Streben sah er das beste und lohnenswerteste Leben überhaupt.

Bis in unsere Gegenwart hinein sind die Aussagen Platons über den Staat aktuell geblieben. Ausgangspunkt seiner Staatslehre ist die Aussage, dass es grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Individuum und Gesellschaft gibt. Der Grieche untersuchte nicht die realen Zustände im Griechenland seiner Zeit, sondern schuf in seinem Werk "Politeia" das Modell eines bestmöglichen Staates. Dieser Idealstaat war – wie die Seele – in drei Teile untergliedert: den herrschenden Stand, den Stand der Wächter und den Stand der anderen Bürger. Jedem Stand waren jeweils Tugenden zugeordnet.

Der herrschende Stand hatte für die Weisheit zu sorgen. Weil nur die Weisen Sorge um die richtige Lebensweise der Bürger tragen können, müssen an der Spitze des Staates Philosophen (Lehrstand) stehen. Platon sprach von der Weisheit der Philosophenkönige. Der Stand der Wächter (Wehrstand) sorgte für die Verteidigung nach innen und nach außen. Die Tugenden der Wächter hießen Mut und Tapferkeit. Der Stand der anderen Bürger wie Handwerker, Kaufleute, Bauern hatte die Gemeinschaft zu versorgen und bildete den Nährstand. Seine Tugend war die Mäßigung. Die angestrebte Gerechtigkeit in diesem Idealstaat wurde dann erreicht, wenn alle drei Stände in Harmonie zueinander standen.

Bemerkenswert ist, dass der Idealstaat von Platon keinen Privatbesitz kannte. Die familiären Beziehungen waren durch eine Gütergemeinschaft geregelt, weil sie nach Ansicht des Philosophen am besten geeignet war, eigennütziges Denken von vornherein auszuschließen. Überhaupt sollten Frauen und Kinder allen gemeinsam sein. Die Zeugung von Kindern sollte gar nach einem Ausleseprinzip erfolgen.

Platons Idealstaat ist nie umgesetzt worden. Auch seine eigenen Versuche, ein von einem weisen Philosophenkönig regiertes Staatswesen zu schaffen, schlugen sämtlich fehl. Wohl auch unter dem Eindruck dieser praktischen Erfahrungen rückte der Grieche in seinem Alterswerk "Gesetze" von der Idee des idealen Herrschers ab. An seine Stelle trat nun ein Staat, der durch Gesetze geregelt wurde. Eine elementare Voraussetzung für das Funktionieren eines solchen Staatswesens sah Platon aber darin, dass die Gesetze für jedermann verständlich geschrieben sein mussten. Nur wenn der Bürger die ihm auferlegten Gesetze versteht, ist er bereit und fähig, sie auch mitzutragen – eine bis heute gültige Forderung.

Überhaupt prägte die Philosophie Platons die gesamte abendländische Gedanken- und Wertewelt bis in die Moderne. Zunächst von den Philosophen Philo, Judaeus und Plotin weiterentwickelt, spielte sie später sowohl bei der Entwicklung des Christentums als auch in der islamischen Gedankenwelt des Mittelalters eine entscheidende Rolle. Nachhaltig beeinflussten Platons Ideen die Zeit der Renaissance (Wiedergeburt) und wirken seither bis in die heutigen modernen Gesellschaften hinein. Allerdings sind sich die meisten dessen kaum bewusst.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Klaus-Uwe Koch
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 27.05.2012


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