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Infoblatt Wirtschaft Deutschlands


Überblick über Rohstoffvorkommen, Veredelungsstandorte, Industriezentren

Deutschland gilt nach wie vor als Industrienation, obwohl sowohl bei der Beschäftigung als auch bei der Wertschöpfung der Dienstleistungssektor prozentual stärker ist. Das erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2010 2.498,80 Mrd. Euro. Ein wichtiger Bereich der deutschen Wirtschaft ist die exportorientierte Industrie mit einer Vielzahl von Produkten. Das Exportvolumen betrug im Jahr 2010 959,5 Mrd. Euro gegenüber einem Importvolumen von 806,2 Mrd. Euro.

Exportgüter Anteil (2010)

Maschinen 18,1 %
Straßenfahrzeuge 15,9 %
Chemische Erzeugnisse (darunter Arzneimittel 5,3 %) 15,7 %
Elektrotechnik 9,5 %
Nahrungsmittel 4,2 %
Sonstige 36,6 %

Hergestellt werden vor allem Nahrungsmittel, Maschinen, chemische und elektrotechnische Erzeugnisse und Kraftfahrzeuge. Jedoch ist die wachsende Bedeutung des tertiären Sektors der Wirtschaft (Handel, Verkehr, öffentliche und private Dienstleistungen) in Deutschland wie in allen Industriestaaten bereits seit Jahrzehnten zu beobachten. Diese "Tertiärisierung" der Wirtschaft (zunehmende Bedeutung der Dienstleistungen) hat sich unter dem Einfluss der Globalisierung deutlich beschleunigt.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) Anteil (2010)

Dienstleistungen 71,3 %
Verarbeitendes Gewerbe 27,8 %
Land- und Forstwirtschaft 0,9 %

Erwerbstätige nach Wirtschaftssektor 2010 (in Tausend)

Tertiärer Sektor 29.745
Sekundärer Sektor 9.896
Primärer Sektor 849
Erwerbstätige im Inland insgesamt 40.490

Bodenschätze in Deutschland


  • Braunkohle: 3 Reviere im Rheinland, 2 in Helmstedt, 5 in der Lausitz und 3 in Mitteldeutschland. 2010 wurden in Deutschland 169,4 Mio. t Braunkohle gefördert. Damit ist Deutschland mit Abstand das bedeutendste Förderland der Welt bei Braunkohle.

  • Steinkohle: Rheinisch-westfälisches Industriegebiet, Ibbenbüren und Saarrevier. 2011 wurden in Deutschland 12,06 Mio. t Steinkohle gefördert, 41,1 Mio. t importiert und 189.000 t (2010) exportiert.

  • Erdgas: Vor allem in Niedersachsen. Norddeutsches Tiefland nordwestlich von Hannover, in Sachsen-Anhalt (südlich von Magdeburg), im Oberrheinischen Tiefland und im Bayerischen Alpenvorland. 2011 wurden in Deutschland 12,9 Mrd. m³ Erdgas gefördert.

  • Erdöl: Nördlich von Hannover, im Emsland und Schleswig-Holstein. 2011 wurden in Deutschland 2,7 Mio. t Erdöl gefördert.

  • Steinsalz: Nordöstlich von Hannover, nördlich von Helmstedt, in Bad Reichenhall und Berchtesgaden; Kalisalzlager östlich von Hannover, in Hessen, in Thüringen und in Südbaden. 2001 wurden in Deutschland 2,26 Mio. t Steinsalz gefördert.

  • Eisenerz: Rheinisches Schiefergebirge, Fränkische Alb, nördliches Harzvorland. 2005 wurden in Deutschland noch 362.002 t. Eisenerz gefördert, mittlerweile wurde die Förderung in Deutschland jedoch eingestellt.

Veredelungsstandorte


  • Braunkohle: Brikettfabriken und Großkraftwerke finden sich in unmittelbarer Nähe der Abbaugebiete. Im Rheinischen Revier existieren Braunkohlekraftwerke, in der Lausitz und im Raum Halle-Leipzig.

  • Steinkohle: Die Steinkohle besitzt große Bedeutung für die Energiegewinnung, in der chemischen Industrie und für die Stahlerzeugung. Traditionell liegen die größten Anlagen der Steinkohleveredelung im Ruhrrevier, nahe den Lagerstätten.

  • Stahl: Die größte Ansammlung von Stahlhütten und Schwerindustrie befindet sich im Ruhrgebiet.

  • Erdöl/Erdgas: Die wichtigsten Raffinerien befinden sich im Rhein-Ruhrgebiet, im Emsland (Lingen), in Schleswig-Holstein (Heide), in Schwedt, Ingolstadt und Karlsruhe.

Industriezentren

  • Der größte Industriestandort Deutschlands liegt in Nordrhein-Westfalen. Zu ihm gehören das Stahl produzierende Ruhrgebiet und weitere große Industriebezirke wie Aachen, Köln und Düsseldorf mit chemischer Industrie, Metallverarbeitung sowie Maschinen- und Kraftfahrzeugbau.
  • Eine andere große Industrieregion liegt am Zusammenfluss von Rhein und Main. Zu ihr gehören die Städte Frankfurt, Wiesbaden, Mainz und Offenbach mit Metall verarbeitender Industrie, chemischer, pharmazeutischer, Elektro- und Autoindustrie.
  • Südlich davon erstreckt sich entlang des Rheins ein bedeutender Industriebezirk mit den Zentren Mannheim, Ludwigshafen und Karlsruhe mit chemischer Industrie, Maschinenbau und Baumaterialien.
  • Stuttgart ist der Mittelpunkt einer Region mit Fahrzeug- und Maschinenbau sowie Elektro-, Textil- und optischer Industrie.
  • In der Münchner Region sind Flugzeug-, Auto-, Rüstungs- und Bekleidungsindustrie, Genussmittelindustrie und zahlreiche Verlagshäuser beheimatet.
  • Weitere Industriegebiete liegen im Nordwesten und Norden Deutschlands. Zu ihnen gehört die Region Hannover-Braunschweig mit Stahl-, Auto- und chemischer Industrie sowie die Seehäfen Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Lübeck und Kiel, die als Umschlagplätze für nationale und internationale Wirtschaftsgüter zahlreichen Industrien (z. B. Erdölraffinerien, Nahrungsmittel, Schiffbau) als Standort dienen.
  • In Wolfsburg befindet sich mit dem Volkswagenwerk der bedeutendste deutsche Automobilhersteller. Wolfsburg ist als Einzelstandort vollständig von der Automobilproduktion abhängig und gleichzeitig ganz und gar auf diese eingestellt. (Agglomeration der Zulieferindustrie, "VW-Autostadt"). Räumliche Konzentrationen von Automobil- und Zulieferbetrieben gibt es daneben z.B. noch im Raum Hannover und in Emden, Köln, Bochum, Stuttgart, Sindelfingen, Baunatal, Rüsselsheim, Ingolstadt und Regensburg.

Die Industriezentren Ostdeutschlands sind von ihrer wirtschaftlichen Leistungskraft her nicht mit den westdeutschen Gebieten vergleichbar. Die wichtigsten Zentren befinden sich dort vor allem in den Bundesländern Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im südlichen Brandenburg.

  • Viele chemische Fabriken sind in der Region von Dessau, Halle und Leipzig (Schkopau, Wolfen, Bitterfeld, Leuna) konzentriert.
  • Die Stadt Schwedt an der Oder stellt einen Einzelstandort dar, der in großem Maße von einer Raffinerie abhängig ist. Diese verarbeitet Erdöl, das über Pipelines aus Russland kommt.
  • Zentren des Fahrzeugbaus in Ostdeutschland sind Eisenach, Zwickau und Ludwigsfelde.
  • Optische Instrumente und Präzisionsgeräte werden in Jena und Görlitz hergestellt. Jena ist ein wichtiger Standort der Glasindustrie.
  • In Rostock (Warnemünde), in Wismar und Stralsund gibt es Werften.

  • Berlin: Bundeshauptstadt, Verwaltung, Headquarterstandort internationaler Unternehmen.

  • Frankfurt: Banken, Versicherungen, Werbeagenturen, Unternehmenshauptverwaltungen, Medienwirtschaft (Rundfunk, Fernsehen, Zeitungen überregionaler Bedeutung), Messe- und Kongresswesen, Flughafen.

  • München: Forschung und Entwicklung, Headquarterstandort internationaler Unternehmen, Consulting, Versicherungen.

  • Halle-Leipzig: Starkes Wachstum des tertiären Sektors seit Beginn der 1990er Jahre, v. a. Messe, Handel, Consulting, Banken.

  • Dem Rhein-Ruhrgebiet kommt im Rahmen des Strukturwandels weg von der Schwerindustrie hin zu dienstleistungsorientierten Gewerben immer mehr Bedeutung zu.

  • Köln: Medienbranche.

  • Düsseldorf: Landeshauptstadt, Mode, Messen, Verwaltung.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig, Mirko Ellrich, Wiebke Hebold
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 18.04.2012


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