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Infoblatt Wartburg


Wartburg (Corel-Corporation)

Bau und wichtige geschichtliche Ereignisse auf der Wartburg

Es gibt wahrscheinlich nur wenige Burgen, mit denen so viele Legenden verbunden werden wie mit der Wartburg bei Eisenach. Schon die Erbauung durch Ludwig den Springer im 11. Jahrhundert ist eine Geschichte für sich: Der Landgraf hatte an dem Berg Gefallen gefunden und soll der Legende nach spontan den Entschluss gefasst haben, dort eine Burg bauen zu lassen. Der Berg befand sich aber im Besitz eines anderen Grundherrn. Ludwig der Springer ging trickreich vor. Er ließ den Berg mit Erde aus seiner Landgrafschaft auffüllen, um später im Rechtsstreit zu behaupten, dass die Burg auf seiner Erde errichtet worden sei. Aus der langen und ereignisreichen Geschichte der Wartburg sollen hier zwei Ereignisse besonders erwähnt werden.

Luther auf der Wartburg

Von 1521 bis 1522 wohnte ein besonderer Gast auf der Wartburg: Martin Luther. Da er seit dem Reichstag zu Worms mit einem Bann belegt worden war, befand sich der Reformator in einer außerordentlich gefahrvollen Lage. Sein Schutzherr, der Wittenberger Kurfürst Friedrich der Weise, griff zu einer List. Offen konnte er Luther nicht unterstützen, da das den Konflikt mit der Papstkirche und dem Kaiser verschärft hätte. Deshalb ließ er eine Entführung vortäuschen: Luther wurde auf dem Rückweg von Worms in der Nähe von Schweina von Abgesandten des Kurfürsten überfallen und auf die Wartburg gebracht. So konnte sich Luther seinen tatsächlichen Häschern entziehen.
Auf der Wartburg lebte Luther für mehrere Monate als Junker Jörg. Er nutzte die Zeit, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Welche Bedeutung diese Leistung für die Popularisierung der Bibel hatte, liegt auf der Hand. Damit verband sich aber auch noch eine weitere Leistung: Da die Übersetzung – Luther legte ihr die im Wittenberger Raum übliche obersächsische Sprache zugrunde – im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet wurde, nahm der Reformator auch Einfluss auf die Herausbildung einer einheitlichen deutschen Sprache.

Wartburgfest 1817

300 Jahre nach dem Beginn der Reformation und vier Jahre nach der Leipziger Völkerschlacht schrieben Studenten ein weiteres Kapitel der Wartburg-Geschichte. Auf Initiative der Jenaischen Burschenschaft versammelten sich etwa 500 studentische Vertreter und einige Professoren von 13 evangelischen Universitäten zu einer patriotischen Demonstration. Um dem Verbot politischer Versammlungen zu entgehen, diente die Erinnerungsfeier für die 300 Jahre zurückliegende Reformation und die Völkerschlacht bei Leipzig (1813) als willkommener Anlass der Zusammenkunft.
Die Teilnehmer forderten die nationale Einheit Deutschlands und protestierten gegen die Politik der Restauration. Luthers Verbrennung der päpstlichen Bannandrohungsbulle nacheifernd, warfen sie 28 reaktionäre Schriften und etliche Symbole des Obrigkeitsstaates (Zopf, Schnürleib, Korporalstock) ins Feuer. Als erste gesamtdeutsche Antwort der bürgerlich-intellektuellen Opposition auf die konservative politische und gesellschaftliche Situation nach dem Wiener Kongress (1814/15) stieß die Zusammenkunft auf große öffentliche Resonanz.
Das Wartburgfest ging als die erste bürgerlich-demokratischen Versammlung Deutschlands in die Geschichte ein. Nun gewann die Wartburg erst recht Bedeutung als nationales Symbol.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 31.03.2012


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