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Infoblatt Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg


Geschichte, Anlagen und Gebäude des Reichsparteitagsgeländes

1927 hielten die Nationalsozialisten ihren ersten sog. "Reichsparteitag“ im Nürnberger Luitpoldhain ab. 1933 bestimmten sie Nürnberg zur "Stadt der Reichsparteitage“. Sie erfanden eine Verbindung zwischen der NS-Bewegung und der großen Vergangenheit der Reichsstadt Nürnberg, wo Kaiser geherrscht und die mittelalterlichen Reichstage abgehalten wurden. Deshalb fanden hier bis 1938 alljährlich die Reichsparteitage der NSDAP statt. Die Veranstaltungen dauerten eine Woche, bis zu eine Million Menschen wohnten ihnen bei. Im Mittelpunkt der Reichsparteitage standen Massenkundgebungen und Aufmärsche, oft im Beisein von Adolf Hitler.

Das Reichsparteitaggelände

Das Reichsparteitagsgelände entstand ab 1934 im Südosten Nürnbergs auf einer Fläche von rund 24,5 km². Dies entspricht etwa der 15-fachen Größe der Nürnberger Altstadt. Das bisher vor allem als Naherholungsgebiet dienende Freigelände wurde vom NS-Architekten Albert Speer komplett umgeplant.
Die Gesamtanlage und einzelne Bauten des Reichsparteitagsgeländes dienten der nationalsozialistischen Machtdemonstration nach innen und außen. Mit ihren riesigen Dimensionen zielten Gelände und Architektur darauf ab, dem einzelnen Parteitagsbesucher die Teilhabe an etwas Großem und Bedeutendem zu suggerieren und ihm zugleich den Eindruck eigener Bedeutungslosigkeit zu vermitteln. Alle Bauten verherrlichten die beiden Zentralmythen des Dritten Reichs: den Führermythos, der Hitler als von der "Vorsehung“ gesandten nationalen Erlöser erscheinen ließ, und den Mythos einer auf erhebenden Gemeinschaftserlebnissen und Gefühlen beruhenden "Volksgemeinschaft“. Der geschickte Einsatz von Lichteffekten verstärkte noch die architektonische Botschaft der Parteitagsbauten. Eine nächtliche Lichtregie, darunter der sog. "Lichtdom“ aus 130 gen Himmel gerichteten Flakscheinwerfern, sollte den Bauten ein weihevolles Aussehen verleihen und der gesamten Szenerie eine sakrale Atmosphäre geben. Beim Bau der Anlagen wurden überwiegend Natursteine verwendet, die mit Hilfe von Zwangsarbeitern gewonnen wurden. Tausende von ihnen starben an Krankheiten, Entkräftung und Folter.

Bauten

Die Luitpoldarena ist der nördlichste Punkt der Anlage. Sie diente als Ort für Massenaufmärsche von SA und SS sowie dem nationalsozialistischen Toten- und Opferkult. Daneben stand die Luitpoldhalle, dort fanden ab 1935 die NSDAP-Parteikongresse statt. Im Bereich des teilweise zugeschütteten Dutzendteiches entstand die gigantische Kongresshalle, die an die großartigen Bauten Roms erinnern sollte. Ein freitragendes Dach sollte einen Innenraum überspannen, der für 50.000 Menschen konzipiert war. Der größte erhaltene NS-Monumentalbau blieb unvollendet. Heute beherbergt er unter anderem das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Das Zeppelinfeld ist neben der Luitpoldarena das einzige fertig gestellte Bauwerk auf dem Gelände. Es fasste bis zu 160.000 Menschen. 34 Fahnentürme verhalfen ihm zu einer burgähnlichen Anmutung. Die Große Straße durchquerte den Dutzendteich und war zwei Kilometer lang und 95 Meter breit. Sie sollte dem Vorbeimarsch von 50 Meter breiten Wehrmachtsformationen dienen. Beim Blick von der Aufmarschstraße lag die Burg immer voraus. Bewegte sich der Zug vom Parteitagsgelände in die Altstadt, so hatten die Untertanen stets die Größe und Bedeutung der "Stadt der Reichstage“ und somit die vermeintliche Größe der NSDAP vor Augen.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 09.05.2012


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