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Infoblatt Die Erhebungen des Hegaus


Entstehung und eiszeitliche Überformung der Erhebungen des Hegaus

Der Hegau ist eine Landschaft in Südwestdeutschland, nordwestlich von Singen zwischen Bodensee, Donau, Schwäbischer Alb, Schwarzwald und Rhein. Die Oberflächenform des Hegaus wird von vulkanischen Kuppen geprägt. Die höchsten sind Hohenhewen (846 Meter), Hohenstoffeln (845 Meter), Hohentwiel (688 Meter) und Hohenkrähen (645 Meter). Diese Vulkankuppen erheben sich über tertiären Molasseschichten, Deckentuffen und pleistozänen Moränen-Ablagerungen.
Der Berg Hohentwiel, Hausberg der westlich vom Bodensee gelegenen Kreisstadt Singen, ist die wichtigste touristische Attraktion der Region. Er ist der bekannteste Berg des Hegaus und erhebt sich 250 m über das Tal der Hegauer Aach. Als mächtiger Klotz prägt er die Beckenlandschaft, die zahlreiche weitere Berge versammelt; so kommt der Name "Hegau“ von "Höhen“.

Feuer...

Die Erhebungen des Hegaus sind Vulkanschlote. Der Hohentwiel ist der Rest einer sog. Stoßkuppe, die sich bildet, wenn Magmamassen aus dem Erdinneren empor drängen, nicht zum Ausbruch kommen und dann erkalten. Gebildet hat sich der Hohentwiel aus Phonolith, einem durch die hohe Temperatur und den großen Druck des Magmas sehr harten Gestein. Im Tertiär entstanden diverse Schwächezonen in der Erdkruste. Es kam zu einer vulkanischen Tätigkeit, deren Höhepunkt vor etwa 14 Millionen Jahren war. Heiße Magma aus dem Erdinneren erreichte die Erdoberfläche und lagerte sich dort in Form von Lavaströmen, Tufflagen und vulkanischen Bomben ab. Die Vulkanite (Basalte, Phonolithe und Tuffe) haben im Tertiär in Förderschloten die Schichten der Molasse durchschlagen und sind in Schloten erstarrt.

...und Eis

Erst im Quartär erhielt der Hegau seinen "letzten Schliff“. In diesem Zeitalter setzte eine Abkühlung ein, die hauptsächlich auf der Nordhalbkugel für mehrmalige, phasenweise Vorstöße der Gletscher in das Vorland der Gebirge verantwortlich war. Dabei kam es zur Ablagerung verschiedener Moränen, aber auch von Schottern der Schmelzwasserflüsse. Die Hauptphasen der Eiszeiten werden im nördlichen Voralpenland nach den Flüssen Biber, Donau, Günz, Mindel, Riß und Würm benannt.
Für die Gestaltung des Hegaus spielen die Gletschervorstöße aus den Alpen eine entscheidende Rolle. Die Eissohle des gewaltigen Rheingletschers fraß sich in die Tertiärschichten der Oberen Süßwassermolasse und die Vulkantuffe. Sie hobelte und schmirgelte mit ihrer Bodenfracht die damalige Landoberfläche ab und verbreiterte so die Täler und Senken. Allerdings widerstanden die harten vulkanischen Bildungen dem Angriff des Eises. Dadurch wurden die Vulkanschlote allmählich regelrecht "freigeschaufelt“: Die Hegau-Berge sind also "Vulkanruinen“, deren heutige Formen durch Abtragung des umliegenden Geländes entstanden sind. In den Warmzeiten zwischen den einzelnen Kaltzeiten zogen sich die Gletscher wie heute in die Hochgebirge zurück. Die einzelnen Gletscher- und Schmelzwasservorstöße bewirkten jeweils eine Abrasion (Abtragung) der in der vergangenen Eiszeit abgelagerten Sedimentfracht. Jeweils jüngere Schmelzwässer tieften sich in älteres Material ein.
Heute finden wir ältere quartäre Schotter bevorzugt auf den Höhenrücken, während die Schotter und Moränen der jüngeren Kaltzeiten in den Tälern und Senken zu finden sind. Die zu Beginn des Quartärs bis auf 800 bis 900 Meter herausragende Hochfläche wurde auf diese Weise zerschnitten. Neben einzelnen Bergrücken entstanden in den Senken durch die vorstoßenden Gletscher oft tiefe Becken, von denen das Bodenseebecken das bedeutendste ist. Erst durch die Abtragungen in den letzten 10.000 Jahren, seit dem Ende der letzten Kaltzeit, entstand das heutige Landschaftsbild des Hegaus.



Quellenangaben:
Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 08.04.2012


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