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Animationen für den Erdkundeunterricht

Selbst ist der Erdkundelehrer


Youtube-Kanal „Marcohenner“

- selbst erstellte Animationen für den Geografieunterricht
- Youtube als Unterrichsmedium
- ein Blick hinter die Kulissen des Youtube-Kanal „Marcohenner“

„Wirres Flattern mit den Armen“ nannte es ein Kollege, als dieser mich vor Jahren durch das Fenster im Erdkunderaum sah. Ich versuchte gerade, die Passatzirkulation einer 7. Klasse näher zu bringen und wusste spätestens in dem Moment, dass es Zeit war, Tafelbildern, Folien und endlosen Lehrfilmen etwas unter die Arme zu greifen. Eine einfache, gleichwohl ansprechende Animation sollte her. Meine Suche danach endete jedoch erfolglos.

Die Alternative war klar: Selbst ist der Erdkundelehrer.

Das Ziel: animierte Inhalte möglichst kurz und bündig erklärt, eventuell trendige Hintergrundmusik und keinen nervigen Sprecher.

Nach ein paar Experimenten war die erste, wenn auch noch nicht perfekte, 70 Sekunden lange Animation zur Passatzirkulation fertig gestellt. Durch positive Rückmeldungen von Schülern motiviert, stellte ich die ersten Animationen bei Youtube ein. Bereits nach einigen Wochen und so richtig dann nach Beginn des neuen Schuljahres war die Resonanz so groß geworden, dass weitere Teilaspekte, vor allem des Curriculums der 7. und 10. Klassen, in animierter Form folgten. Zu Anfang des letzten Schuljahres begann ich, sowohl durch Anfragen von Kollegen als auch durch eine Kooperation mit dem ThILLM (Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien) motiviert, eine neue Playlist unter dem Titel „Erdkundeanimationen für Lehrer“ anzulegen, in welcher die bereits veröffentlichten Animationen ohne Musik und ohne Erklärungen Lehrern oder Interessierten zur Verfügung gestellt werden.
Die bisher 40 Animationen hatten bis heute (Februar 2015) bereits mehr als 170.000 Youtube-Aufrufe auf meinem Youtube-Kanal „Marcohenner“.

Themenfindung und Umsetzung


Screenshot: Erstellung einer Animation mit Adobe Flash

Die Ideen für neue Animationen ergeben sich normalerweise aus dem Unterrichtsalltag. So war es zum Beispiel auch bei den Planungen für eine Einheit zu atmosphärischen Prozessen: In diesem Bereich hatte ich bereits in den vergangenen Jahren eine Animation zum Durchlauf einer Warmfront bzw. einer Kaltfront vermisst. Nun sollte also eine eigene Animation aushelfen.

Die Entstehung einer solchen Animation läuft dabei wie folgt ab:

Zuerst gibt es eine kurze Planungsphase. Das Thema wird abgegrenzt und die grundlegenden Inhalte werden in einfacher Textform, je zwei bis vier Sätze pro Teilschritt, vorbereit.


Screenshot: Konvertierung der Flash-Datei

Steht das inhaltliche Grundgerüst, geht es mit „Adobe Flash“ an die grafische Umsetzung. Dabei spielen meist bewegte Pfeilsequenzen und selbst gestaltete, häufig sehr einfache Grafiken eine Rolle. Sie werden auf der Zeitleiste in ihrer Form, Größe und Ausrichtung verändert, sodass beim Abspielen dieser zuvor erstellten Elemente eine Animation entsteht.

Im Fall der Warmfront war dies zum Beispiel die sich fortbewegende Warmluft. Hier wurde ein roter Pfeil, der seine Lage und beim Aufstieg auf die Kaltluft auch seine Form verändert, auf der Zeitleiste animiert. Die bei diesem Prozess entstehenden Wolkenarten wurden durch kleine, selbst gezeichnete Grafiken dargestellt, die beim Aufgleiten der Warmfront im Animationsprogramm erst eingeblendet und dann in Ihrer Größe verändert wurden.

Steht dann, nach einigen Stunden Arbeit, die Animation, die nicht länger als zwei Minuten sein sollte, werden die vorbereiteten Textbausteine an die jeweils relevanten Stellen in der Animation gesetzt und bei Bedarf angepasst. Bei der Warmfront waren es schließlich 40 Sekunden Animation mit drei aufeinanderfolgenden Textelementen.

Soll bei der Animation eine Hintergrundmusik eingefügt werden (beim Beispiel der Warmfront habe ich diesmal keine Musik verwendet), suche ich lizenzfreie Musik junger Künstler auf „Soundcloud“ und passe diese durch das Audiobearbeitungsprogramm „Audacity“ an die Länge der Animation an. Danach wird die exportierte mp3-Datei in Flash zum Projekt hinzugefügt. und (schon ;-)) ist die Animation fertig.

Die Flash-Datei wird nun per Videokonverter in ein für Mediaplayer verständliches Format gebracht (meist *.mov) und dann schließlich auf Youtube hochgeladen.  

Favoriten?


Screenshot: Die Entstehung von dynamischen Hoch-und Tiefdruckgebieten.

Unter den von mir bis jetzt erstellten Animationen gibt es natürlich persönliche Favoriten. Da wäre zum einen der erste Klassiker „Die Passatzirkulation“, welche mir den Anschub gab, weitere Animationen zu erstellen. Aber auch die komplexeren Animationen wie „Die Entstehung von dynamischen Tiefdruckgebieten“ und „Die planetarische Zirkulation a.k.a. die allgemeine Zirkulation der Atmosphäre „AZA"“, die ich nach langer Animationsarbeit im August bzw. im Oktober 2014 hochladen konnte, gehören zu meinen „Lieblingen“.

Wir würden uns über Ihre Meinung freuen!

Wie finden Sie die Animationen im Youtube-Kanal? Kommentieren Sie doch einfach diesen Beitrag oder schreiben Sie uns, welche Animationen Ihnen am besten gefallen haben oder welche Animationen Sie sich noch wünschen würden.

Ihre Terrasse Redaktion



Quellenangaben:
Terrasse online
Autor: Marco Gäbel
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2015
Seite: www.klett.de/terrasse
Bearbeitungsdatum: 10.02.2015


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I. P. schrieb am 22.02.2015

Ich finde die kurzen Videos super, um Erklärungen zusammenzufassen und zu visualisieren. Sie zeigen auf sehr anschauliche Art zum Teil komplexe Phänomene. Gerade klimatische Sachverhalte können meiner Meinung nach mit solchen Videos verständlicher bei den Schülern ankommen - aufgrund der Kürze und der vereinfachten Visualisierung.
Einige der Videos enthalten jedoch ein bisschen zu viel Text, der selbst für die Oberstufe schwer zu fassen ist in Kürze der Zeit der Clips. Es wäre daher schöner, den Text durch Stichworte oder kürzere Informationen zu ersetzen, damit der Effekt der vereinfachten Darstellung nicht "verpufft".
Alles in allem: Super Idee!

gesehen, erprobt und für gut befunden schrieb am 17.02.2015

bitte mehr davon auch für anthropogeographische Themen

Brauchbares, anschauliches Material schrieb am 17.02.2015

Mir ging es des öfteren schon so wie dem Autor des Artikels, was vernünftige Animationen für den Unterricht anbelangt. Die Animationen sind gut einsetzbar (was ich natürlich gleich gemacht habe...die SchülerInnen haben das geschätzt), visualisieren die Vorgänge schön. Absolut weiter zu empfehlen!

Klasse! Tolle Animationen! Mehr davon! schrieb am 17.02.2015

Hallo lieber Marco Gäbel,
bin auch Geo-/Englischlehrer und unterrichte liebend gerne mit
Animationen aus Youtube oder als Swf-Dateien und würde liebend
gerne noch mehr davon haben. (z.B. Bodenschätze, Globalisierung, ...)
Dass du auch noch ne Anleitung zum Selbermachen dazu geschrieben hast ist
noch besser. Gerne versuche ich es auch!
Vielen Dank, Franz