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Infoblatt Australien - (Traum-)Land für Einwanderer?


Tabelle 1: Migrationsprogramm Australien: geplante Zuwanderung und bewilligte Visa 1996-2011

In den letzten 60 Jahren hat sich die Einwanderungspolitik Australiens stark gewandelt. 1945 wollte Australien für Einwanderer, besonders aus Großbritannien, attraktiv sein, um so das Bevölkerungswachstum anzukurbeln (erste Einführung des Migration Program). Später wurden auch andere Europäer außerhalb Großbritanniens sowie US-Amerikaner angeworben. Erst in den 1970er-Jahren stieg die Migration aus asiatischen Ländern an. Seit den 1980er-Jahren werden überwiegend (qualifizierte) Arbeitskräfte angeworben, um dem Bedarf der Wirtschaft mit ihrem Wachstum zu genügen.


Tabelle 2: Top Ten Herkunftsländer der Migranten nach Australien 2014

So wuchs die Zahl der außerhalb Australiens geborenen Einwohner stetig an (1947: 9,8%; 1971: 20%; 2010: 26%). Je nach wirtschaftlicher Situation wurden die geplanten Zahlen nach oben oder unten korrigiert (vgl. Tabelle 1).

Der Grund, weshalb man den Fokus verlagerte, war u.a., dass neue Migranten in der Lage sein sollten, Arbeit zu finden und wirtschaftlich unabhängig zu werden, damit sie dem Staat nicht zur Last fallen. In den 1990er-Jahren wurden außerdem striktere Regeln zu den Englischkenntnissen und der Anerkennung ausländischer Abschlüsse eingeführt, sodass sicher gestellt werden konnte, dass die Eignung für die qualifizierte Einwanderung gegeben ist.

Das „Migration Program“ besteht heute aus der qualifizierten Zuwanderung sowie dem Familiennachzug. Grundlage für die Nachfrage nach gesuchten Berufen ist die sogenannte „Skilled Occupation List“ (SOL) (https://www.immi.gov.au/Work/Pages/skilled-occupations-lists/sol.aspx), in der die gesuchten Berufe aufgelistet sind. Diese gehören im Moment hauptsächlich zum Gesundheits- und Ingenieurwesen, aber auch Köche, Bodenverleger oder Klempner werden gesucht. Diese Liste sowie das Alter, die Englischkenntnisse und auch die Berufserfahrung werden beim sogenannten Punktesystem berücksichtigt.

Da sich die Anzahl von Bewerbungen für bestimmte Berufe kontinuierlich erhöht hat, dürfen ausländische Fachkräfte nur ein Interesse bekunden und sich erst bewerben, wenn sie vom Immigrationsministerium dazu aufgefordert wurden, z.B. nachdem ein Arbeitgeber bestimmte Interessenten aus einem Online-Pool ausgewählt hat („Consolidated Sponsored Occupation List“ – CSOL; SOL ist ein Teil der CSOL) (www.immi.gov.au/Work/Pages/skilled-occupations-lists/csol.aspx).

1995/96 wurde zudem das „Regional Sponsored Migration Scheme (RSMS)“ eingeführt. Arbeitgeber in ländlichen Gegenden, in denen Arbeitskräftemangel herrscht, können Migranten, die ein befristetes Visum in Australien haben oder sich noch außerhalb Australiens befinden, anstellen. Die Einwanderer dürfen nicht älter als 50 Jahre sein und verpflichten sich, sich in dieser Gegend für mindestens 2 Jahre niederzulassen. Am Ende dieser Zeit dürfen sie sich für eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in Australien bewerben.

Die meisten Migranten kommen aus Großbritannien oder asiatischen Ländern (Tabelle 2). Aber es gibt auch Schattenseiten in der australischen Migrationspolitik. Im Juli 2014 wurde die Aktion „No Way“ eingeführt: Kein Bootsflüchtling soll mehr in Australien aufgenommen werden. Die Flüchtlingsboote werden entweder zurückgeschickt oder die an Land gekommenen Flüchtlinge werden u.a. in Flüchtlingslager nach Kambodscha oder Papua-Neuguinea gebracht. Eine Internetseite (www.customs.gov.au/site/offshore-communication-campaign-people-smuggling.asp), die dies in mehreren Sprachen ausführlich erklärt, wurde erstellt; außerdem „Werbefilme“, in denen ein australischer Marine Offizier ausführt, dass die Flüchtlinge keine Chance haben, illegal nach Australien einzureisen. Australiens Regierung steht dafür in der internationalen Kritik, hält aber nach wie vor an dieser Flüchtlingspolitik fest.

Quellen

Australian Bureau of Statistics (2015): Migration Summary.

http://www.abs.gov.au/ausstats/abs@.nsf/mf/3412.0/. Zugriff am 15.06.15

KAULISCH, THOMAS (2012): Australien. Migrationspolitik als Wachstumsmotor. Friedrich Ebert Stiftung.

http://library.fes.de/pdf-files/id/ipa/09365.pdf. Zugriff am 25.06.15.

SCHMIDT, UDO (2014): Abschreckungskampagne gegen Flüchtlinge Kein Weg führt nach Australien.

ARD Hörfunkstudio Singapur. http://www.tagesschau.de/ausland/australien-fluechtlinge-101.html. Zugriff am 15.06.15

SPINKS, HARRIET (2010): Australia’s Migration Program. Parliamentary Library.

http://www.aph.gov.au/About_Parliament/Parliamentary_Departments/Parliamentary_Library/pubs/BN/1011/AustMigration. Zugriff am 25.06.15



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