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Klimawandel – was jeder von uns tun kann


Wissenschaftler gehen davon aus, dass jeder Einzelne von uns täglich 80 bis 100 Entscheidungen für den Klimaschutz treffen kann. Das klingt anstrengend, weshalb es besser sei, den Klimaschutz in die täglichen Routinen einzubauen. Dazu einige Vorschläge

Vom Wissen zum Handeln


CO2-Emissionen

Die Risiken des Klimawandels zu kennen und entsprechend zu handeln, sind zwei verschiedene Aspekte. Wissen führt nicht automatisch zum Handeln, denn vielfach bleiben die Risiken abstrakt. Dabei spielt der Blickwinkel eine Rolle: Ein Bürger der Malediven fühlt sich sehr wahrscheinlich um ein Vielfaches bedrohter durch den Anstieg des Meeresspiegels als ein Bürger aus der Mitte Deutschlands. Andererseits sind die G20-Staaten, also die 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Erde plus EU, für 75 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich; ihr Handeln ist somit entscheidend.

Ziel ist es, die Pro-Kopf-Emissionen zu senken. So haben Schweizer Forscher das Ziel einer „2000-Watt-Gesellschaft“ formuliert. Das entspricht einer Tonne CO2-Ausstoß pro Person und Jahr. Bei Emissionen deutlich darüber würde sich das Klima drastisch verändern. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Verbrauch pro Kopf bei ca. 6700 Watt, in den USA sogar über 12 000 Watt.

China beispielsweise emittiert zwar insgesamt mit Abstand am meisten Treibhausgase (2010: 22 Prozent der weltweiten Emissionen). Aber die Pro-Kopf-Emissionen sind hier deutlich geringer als in den USA, Saudi-Arabien, Australien, Kanada, Südkorea, aber auch Deutschland oder Großbritannien. Dies bedeutet, dass wir alle Anstrengungen bemühen sollten, unsere eigenen Emissionen zu senken.

Ideen für den Alltag

Pulli statt Privatsauna

 
 
 
 

  • Die Raumtemperatur von 21 auf 20 °C zu senken, kann bis zu 360 kg CO2 im Jahr einsparen.
  • Während des Lüftens sollte man die Heizung immer abdrehen.
  • Regelmäßiges Händewaschen ist wichtig. Aber um Keime mittels Temperatur zu töten, müsste das Wasser kochend heiß sein. Kaltes Wasser zu nutzen spart hingegen Energie und die Seife wirkt auch so.
  • Beim Baden werden bis zu 150 l warmes Wasser verbraucht, beim Duschen hingegen nur 70 l. Das Vollbad sollte daher gelegentlicher Luxus sein; jeder kann so bis zu 45 kg CO2 im Jahr einsparen.
  • Vielleicht sind die Häuser der Zukunft intelligent und helfen beim Wasser-, Heizenergie- und Stromsparen. Bis dahin bringt es viel, nur die Wohnräume zu beheizen oder zu erleuchten, in denen man sich aufhält.

Schlaue Leuchten im Haushalt

 
 
 
 

  • Im Gegensatz zu herkömmlichen Glühlampen erfüllen LEDs und Energiesparlampen den Raum mit purem Licht und nicht auch mit Wärme. Sie verbrauchen 80 bis 90 Prozent weniger Strom, halten bis zu 20-mal länger und sparen somit auch Geld.
  • Geräte nicht im Stand-by-Modus zu lassen, sondern ganz abzuschalten, spart laut Deutscher Energie-Agentur im Jahr pro Gerät ca. 115 Euro.
  • Meist ist Kleidung nur leicht verschmutzt. Sie bei 30 statt bei 60 °C zu waschen, spart ein Drittel des Stroms ein.
  • Mit dem Wechsel zu einem Ökostrom-Anbieter erhöht sich der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix und man unterstützt den Bau neuer Wind-, Solar-, Biomasse- und Wasserkraftwerke.

Autos abhängen

 
 
 
 

  • Bleibt das Auto an zwei Tagen in der Woche stehen, senkt das die CO2-Emissionen um ca. 1,8 t pro Jahr.
  • Radfahren ist neben dem Laufen die sauberste Art, sich fortzubewegen. In der Stadt sind Radfahrer sogar oft schneller als Autofahrer, denn sie können einige Abkürzungen nehmen oder am Stau vorbeifahren.
  • Für längere Strecken bietet sich der Fernbus an oder, noch besser, der Zug.
  • Elektroautos könnten die Fortbewegungsmittel der Zukunft sein. Sie müssen fast nie gewartet werden und sind emissionsfrei.

Weniger ist mehr

 
 
 
 

  • Während 1950 jeder Deutsche durchschnittlich etwa 26 kg Fleisch im Jahr verzehrte, sind es heute fast 60 kg. Das fördert nicht nur die Massentierhaltung, sondern belastet auch das Klima. So entstehen z. B. für 1 kg Rindfleisch etwa 36 kg CO2. Fleisch zu essen, sollte wieder etwas Besonderes werden. Bei Biofleisch kann der Verbraucher zudem sichergehen, dass die Tiere ein gutes Leben hatten und für den Futtermittelanbau keine Pestizide eingesetzt wurden.
  • Über 18 Millionen t Lebensmittel werden in Deutschland pro Jahr weggeworfen, obwohl sie noch genießbar gewesen wären. Das bedeutet nicht nur eine enorme Ressourcenverschwendung angesichts der etwa 800 Millionen hungernder Menschen weltweit. Der WWF geht (in der Studie „Das große Wegschmeißen“ von 2015) auch davon aus, dass mindestens zehn Millionen t weggeworfener Lebensmittel vermeidbar wären, und das bedeutet: 2,6 Millionen ha Fläche wurden umsonst bewirtschaftet und 48 Millionen t CO2 unnütz in die Atmosphäre freigesetzt.
  • Sofern man Lebensmittel einmal wegwirft, sollten sie kompostiert oder zur Erzeugung von Biogas genutzt werden.

Saisonal und regional statt Erdbeeren im Winter

  • Erdbeeren werden in Deutschland nur von Anfang Mai bis Ende Juni geerntet. In den restlichen Monaten müssen sie aufwendig von weit her angeliefert werden. Das kostet sehr viel Energie für Transport und Kühlung. Ähnlich ist es bei Spargel, grünen Salaten, Tomaten, Gurken oder Brokkoli. Regionale Wintergemüse sind z. B. Grünkohl, Kohlrabi, Rosenkohl und Rotkohl. Weißkohl und Kürbis gibt es bis November, werden dann aber hier eingelagert. Auch Äpfel werden in Deutschland eingelagert.
  • Bio-Lebensmittel haben eine bessere CO2-Bilanz als herkömmlich erzeugte Lebensmittel – aber nur, wenn die Produkte aus der Region stammen und nicht von weit her eingeflogen wurden.
  • Auf dem Wochenmarkt bieten Händler aus der Nähe ihre Waren an. Es lohnt sich, bei ihnen einzukaufen.

Jute statt Plaste


(iStockphoto (kcline), Calgary, Alberta)

Jeder Deutsche verbraucht 65 Plastiktüten pro Jahr, das macht mehr als fünf Milliarden für ganz Deutschland. Für die ganze Welt werden 600 Milliarden Tüten pro Jahr hergestellt. Für jede dieser Tüten wird 80 ml Erdöl benötigt. Daher sollte man eigene Taschen und Beutel mit zum Einkaufen nehmen, fertig abgepackte Lebensmittel möglichst meiden und lieber an die Frischetheke gehen.

Aus Alt mach Neu


(shutterstock.com (Falcon Eyes), New York)

Bestimmt gibt es noch viel mehr Ideen, wie tägliche Routinen und Klimaschutz zusammengehen …


Im Kontext:
Infoblatt Kyoto-Protokoll
Infoblatt Klimawandel
Infoblatt Klimakonferenz Paris 2015



Quellenangaben:
Zeichnungen: Wolfgang Schaar, Grafing
Bearbeitungsdatum: 06.01.2016


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