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Spratly-Inseln – Konflikt um eine Inselgruppe im Südchinesischen Meer


Die über 1000 km lange Spratly-Inselgruppe im Südchinesischen Meer
besteht aus über 100 weit verstreuten Riffen, Inseln und Atollen. Die
größte von ihnen besitzt gerade einmal eine Fläche von 0,5 km2.
Keine der tropischen Inseln ragt höher als 4 m aus dem Ozean. Obwohl diese Inselgruppe für den
Menschen auf den ersten Blick unbrauchbar erscheint, ist sie
internationaler Zankapfel und Quelle wachsender Interessenkonflikte.

Keine der Inseln ist bewohnt, und doch melden seit Jahrzehnten eine ganze Reihe von Staaten Besitzansprüche an: die Republik China (Taiwan), die Volksrepublik China und Vietnam jeweils auf alle Inseln; Brunei, Malaysia und die Philippinen auf Teile der Inselgruppe. Um Tatsachen zu schaffen, haben all diese Staaten mit Ausnahme von Brunei bereits auf mehr als 40 Inseln militärische Anlagen errichtet.

Dabei liegen die Spratly-Inseln weit von den genannten Staaten entfernt. Am nächsten kommen sie den Philippinen (80 km), von Malaysia sind sie 160 km, von Vietnam 420 km entfernt, die Volksrepublik China befindet sich 900 km weit weg (Insel Hainan), Taiwan über 1300 km.

Der Grund: Die Inselgruppe hat eine große strategische Bedeutung. Sie liegt an einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Zudem werden dort große Erdöl- und Erdgasvorkommen vermutet. Wer die Spratly-Inseln besitzt, kontrolliert den Schiffsverkehr, erweitert den Aktionsradius seiner Streitkräfte und kann die Bodenschätze ausbeuten.

Geschichte des Konfliktes

Die Spratly-Inseln haben eine turbulente Geschichte: Benannt ist die Inselgruppe nach ihrem Entdecker, dem britischen Kapitän Richard Spratly. 1843 entdeckt, wurde die Inselgruppe 1864 von London zu einem Teil des Britischen Empire erklärt. Da Malaysia und Brunei ebenfalls dem britischen Weltreich angehörten, leiten sie bis heute Ansprüche auf einige südliche Teile der Inselgruppe ab.

1933 beanspruchte dann Frankreich die Spratly-Inseln als Teil seiner Kolonien in Indochina.

1939 besetzte Japan die Inselgruppe und errichtete einen U-Boot-Stützpunkt auf Taiping Dao, der größten Insel innerhalb der Spratly-Gruppe. Mit der Kapitulation im Jahr 1945 verzichtete Japan auf jeden Besitzanspruch. Frankreich bemühte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder um seine Kolonien in Indochina, unter ihnen die Spratly-Inseln.

Nach der Niederlage der nationalchinesischen Armee unter General Chiang Kai-shek und dem Abzug der Truppen vom Festland besetzten seine Truppen einige der Inseln. Sie stehen bis heute unter der Kontrolle Taiwans. Doch schon 1951 beanspruchte  die Volksrepublik China unter Mao-Tse-tung die Inselgruppe.

Nach der Niederlage im ersten Indochina-Krieg und dem Abzug der französischen Truppen verzichtete Frankreich offiziell auf die Spratly-Inseln. Daraufhin erklärten beide vietnamesischen Staaten Besitzansprüche.

1968 besetzten philippinische Truppen acht Inseln, 1973 – während des zweiten Indochina-Krieges (Vietnamkrieg) – erklärte Südvietnam die gesamte Inselgruppe zu seinem Eigentum, ein Jahr später besetzte es einige Inseln. Nach dem Abschluss des Pariser Friedensvertrages 1973, dem Abzug der US-Streitkräfte und der Wiedervereinigung Vietnams 1976, wurde der Anspruch auf die Inseln von der gesamt-vietnamesischen Regierung erneuert.

1978 stellte die philippinische Regierung große Teile der Gruppe unter philippinische Hoheit.

Ab 1980 vertrat die Volksrepublik China ihre Interessen in der Frage der Spratly-Inseln deutlich direkter und aggressiver: Sie besetzte einige der Inseln und führte mit einem eigens eingerichteten Marinecorps verstärkt Seemanöver im Südchinesischen Meer durch. In den folgenden Jahren kam es zu ernsten Konflikten mit Vietnam. 1988 starben bei einem Seegefecht 70 vietnamesische Marinesoldaten.


Fiery-Cross-Riff am 23.11.2014

Mittlerweile investiert die Volksrepublik China massiv in die Aufschüttung verschiedener Inseln und die Errichtung von Stützpunkten. Ziel ist der Bau von Landebahnen für Militärflugzeuge. Auch Vietnam baut seit 2005 die Insel Southwest Cay im Norden der Spratly-Inseln aus. Ein Schiedsgerichtsverfahren vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag lehnt Peking ab. Die chinesische Regierung betrachtet die Spratly-Inseln als Teil seiner Provinz Hainan.

Eine „Verletzung der chinesischen Hoheit“ durch die US-Marine wurde 2015 von der chinesischen Regierung als „Provokation“ und möglicherweise als Grund für kriegerische Handlungen bezeichnet. Die USA ignorieren die Gebietsansprüche Chinas im Südchinesischen Meer und ließen als Reaktion u.a. ein US-Marineschiff durch das Gebiet fahren. Sie erklärten, weiterhin in der Region präsent zu sein und verwiesen auf das Recht der freien Schifffahrt in internationalen Gewässern.

Am 12. Juli 2016 hat ein UN-Schiedsgericht in Den Haag die chinesische Position im Territorialkonflikt zurückgewiesen. Die Philippinen hatten gegen China nach dem UN-Seerechtsübereinkommen UNCLOS geklagt, das 1994 in Kraft trat und auch von China ratifiziert worden ist. China hat jedoch von vornherein die Zuständigkeit des Gerichts nicht anerkannt und kündigte an, das Urteil zu ignorieren. Die Philippinen signalisierten Verhandlungsbereitschaft. Die USA verteidigten zwar das internationale Recht, haben aber das Seerechtsübereinkommen selbst nicht ratifiziert. Gleichwohl muss die internationale Gemeinschaft aufgrund der Regelverletzung Chinas reagieren. Die europäischen Staaten könnten im Konflikt um das Südchinesische Meer eine vermittelnde Rolle spielen.

Sand schafft Fakten


Fiery-Cross-Riff am 5.3.2015

Seit einigen Jahren arbeitet China daran, mehrere Riffe zu langen Sandbänken aufzuschütten, die als Startbahnen und andere militärische Einrichtungen dienen sollen. Lebende Korallenriffe werden dabei zugeschüttet. Des Weiteren werden riesige Mengen Sand benötigt. Neben den politischen und militärischen Gesichtspunkten kommt damit der Umweltaspekt dazu.

Zum Bauen geeigneter Sand wird weltweit immer knapper. Da die unermesslichen Sandvorräte in den Wüsten der Erde nicht für Bauzwecke geeignet sind, greift die Bauwirtschaft auf die immer geringer werdenden Vorkommen von Fluss- und Küstensand zurück. – Dies ist mit großen Zerstörungen natürlicher Lebensräume verbunden. Um die riesigen Sandaufschüttungen auf den Spratly-Inseln bewerkstelligen zu können, wird systematisch Sand vom Meeresboden abgesaugt – mit verheerenden Folgen für die betroffenen Meeresabschnitte.



Quellenangaben:
aktualisiert am 13.07.2016


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K. Goedecke schrieb am 23.03.2016

Sehr geehrter Herr Gruhn,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir werden das Thema mal prüfen.
Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion!
Kathrin Goedecke

Chagos-Archipel schrieb am 19.03.2016

Ich möchte den Fokus einmal auf ein ähnliches Problem lenken, wobei ich nicht weiß, ob von Klett schon darüber berichtet wurde. Im Indischen Ozean liegt das Chagos-Archipel, auf dem sich seit 1971 ein US-amerikanischer Militärstützpunkt befindet. Die 5000 Ur-Einwohner dieser Inselgruppe wurden zwangsumgesiedelt, d.h. sie wurden nicht gefragt. Bis heute kämpfen sie bei verschiedenen Gerichten für ihre Rückkehr, bisher allerdings vergeblich. Da es sich hier nicht nur um bedrohte Korallenbänke wie im Fall der Spratly-Inseln handelt, sondern um real existierende menschliche Schicksale, ist eine Grundvoraussetzung für eine ausgedehntere Berichterstattung gegeben. Merkwürdigerweise interessieren sich aber die Politiker und Medien nicht sonderlich für diese Problematik, für die unbewohnten Spratly-Inseln aber umso mehr. Das ist eine Logik, der schwer zu folgen ist.
Mit freundlichem Gruß
Andreas Gruhn