Suche im TERRASSE-Archiv:

Fit für die Zukunft: Geldanlage und Altersvorsorge


M1 Vermögensaufbau selbstverständlich?
(shutterstock.com, Cube29, New York)

Den Zeitpunkt des eigenen Todes genau zu kennen, ist praktisch unmöglich. Wäre es möglich, so wäre vieles einfacher: Man wüsste von Anfang an, wie viel Vermögen gebraucht wird und wie viel man davon für die Altersvorsorge auf die Seite legen muss. Im Idealfall würde man praktisch „mit dem letzten Cent“ von die­ser Welt gehen. Noch schwieriger als die Frage nach der Lebenserwartung ist der Vermögensbe­darf: Hier beeinflussen Faktoren wie Inflation, Steuern, Rendite, Verfügbarkeit, Zu­satznutzen, Gesetzesänderungen, demografischer Wandel und vieles mehr die Altersvor­sorge. Und immer besteht dabei die Gefahr, dass der Geldfluss enden könnte, be­vor man gestorben ist.
Sich mit dem Thema Geldanlage und Altersvorsorge auseinanderzusetzen, be­deutet, sich heute bereits ernsthaft mit dem Morgen zu beschäftigen. Wie weit da­bei der individuelle Blick in die Zukunft reicht, hängt insbesondere von den Spar­zielen ab: Sollen kurz- oder mittelfristig kleinere oder größere Wünsche realisiert werden oder geht es rein um die finanzielle Absicherung des Alters? Je lang­fristiger und größer die Ziele sind, desto wichtiger ist es, in überschaubaren Etap­pen zu planen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Die gesetzliche Rente

Die Pflicht zur Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung ist gesetzlich festgelegt. Dementsprechend sind die Beiträge und die Dauer geregelt. Deutsch­land hat sich 1957 für ein Umlageverfahren entschieden: Die Renten werden durch laufende Beitragszahlungen der Verdienenden aufgebracht und an die aus dem Arbeitsprozess Ausgeschiedenen ausgezahlt. Die heutige Generation der Beitragszahler kommt also für die Altersversorgung der heutigen Rentner auf – in der Erwartung, dass die folgende Generation die gleiche Verpflichtung übernimmt. Dieser „Generationenvertrag“ zeigte im Laufe der Zeit insbesondere aufgrund des demografischen Wandels jedoch seine Schwachstellen. In Deutschland werden zu wenige Kinder geboren, während der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung steigt. Die Beiträge der Versicherten reichen daher künftig nicht mehr aus, um die Renten der Älteren zu finanzieren.

Im Jahr 2030 wird aller Wahr­scheinlichkeit nach die gesetzliche Rente durchschnittlich nur noch ca. 43 Prozent des letzten Nettoeinkommens betragen. Kamen vor 50 Jahren noch sechs Ren­tenzahler auf einen Rentenempfänger, so ist das Verhältnis nun zwei zu eins. Das bedeutet, es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder erhalten die künftigen Rentner weniger oder man muss mehr in die Rentenkassen einzahlen, sprich, die Renten­versicherungsbeträge und damit die Abzüge bei der Gehaltsabrechnung erhöhen sich. Um die Einzahler zu entlasten, hat sich die Politik für die erste Variante entschie­den. Das heißt, die zusätzliche private Altersvorsorge wird immer wichtiger.

Private Vorsorge

Gesetzliche Rente plus Versicherungsvertrag – fertig ist die Altersvorsorge? Diese Zeiten sind vorbei. Private Vorsorge wird unerlässlich, wenngleich es die perfekte Vorsorge nicht gibt. Denn für die private Rentenversicherung bekommen Sparer, die im Jahr 2016 einen Vertrag abschließen, höchstens noch 1,25 Prozent Zinsen garantiert. Wer als Arbeitnehmer nicht mit einer Erbschaft rechnen kann oder durch den Ar­beitgeber eine Betriebsrente bekommt, hat somit ein doppeltes Problem: 1. Die niedrigen Zinsen machen die private Altersvorsorge eher unattraktiv und 2. wird die Lücke in der gesetzlichen Versorgung immer größer. Selbst Rentenerhö­hungen können das Problem in Zukunft nicht mehr lösen.

Die niedrigen Zinsen dürfen aber kein Argument dafür sein, sich mit dem Thema Geld und Altersvorsorge nicht zu beschäftigen oder immer wieder aufzu­schieben. Im Gegenteil, die Zeit ist ein entscheidender Faktor bei der Altersvor­sorge. Denn je länger der Zeitraum ist, desto mehr können Anleger selbst mit kleinen Raten erreichen.

Der Staat fördert die zusätzliche private Altersvorsorge in Form der Riester-Rente und der Rürup-Rente:

  • Die Riester-Rente ist infolge der Rentenreform von 2001 eingeführt worden und seit 2002 in Kraft. Der Sparer zahlt in der Regel vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Einkommens ein und erhält auf diese Beiträge eine staatliche Zulage von bis zu 154 Euro jährlich sowie ggf. Kinderzulagen.  Daneben gibt es steuerliche Vorteile. Der Name geht auf den damaligen Bundesminister für Arbeit, Walter Riester, zurück, der diese Art der freiwilligen Altersvorsorge entwickelt hat. Für die Nutzung solcher Altersvorsorgeverträge hat sich der Begriff „riestern“ eingebürgert.

  • Die Rürup-Rente ist eine zweite steuerlich begünstigte Form der privaten Altersvorsorge, die von dem Ökonomen Bert Rürup erfunden wurde. Sie ist eine Privatrente für Selbstständige bzw. insbesondere für Personen, die in der Ansparphase ein höheres Einkommen haben oder mangels Pflichtver­sicherung zur gesetzlichen Rentenversicherung keine Riester-Rente in Anspruch nehmen können. Bei der Rürup-Rente kann der Sparer deutlich höhere Beiträge steuerlich geltend machen. Im Gegensatz zur gesetzlichen Rente ist die Rürup-Rente nicht umlagefinanziert, sondern kapitalgedeckt.

Betriebliche Vorsorge

Manche Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit einer betrieblichen Altersvorsorge. Dabei wird der Beitrag direkt vom Bruttogehalt abgezweigt und z. B. in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds eingezahlt. Daraus ergeben sich steuerliche Vorteile sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber. Staatliche Zulagen kann es geben, sie hängen aber vom Vertrag ab. Der Arbeitnehmer kann sich die Anlageform nicht aussuchen. Risiken für den Arbeitnehmer können sich ergeben, wenn er vorzeitig aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet. Deshalb soll es zunehmend möglich sein, einen Vertrag zur betrieblichen Vorsorge beim neuen Arbeitgeber fortzuführen.

Lebensrisiken absichern, unterschiedliche Interessen und individuelle Beratung

Viele Deutsche sparen nicht zu wenig, sondern zu wenig zielgerichtet. Um die Existenz zu sichern und zu schützen, muss stets berücksichtigt werden, dass es immer zu ungeplanten und schnellen Veränderungen kommen kann, die den ur­sprünglichen Plan teilweise radikal verändern können. Im Normalfall geht davon aus, dass man im Laufe seines Lebens auch genug Zeit hat, um die notwendigen Anlagen anzusparen und in Versicherungen einzuzahlen.

In erster Linie hängt die Absicherung der Existenz von den individuellen Lebens­umständen und -plänen ab. Singles haben andere Verpflichtungen und Verant­wortung als Eltern; Männer haben andere Träume als Frauen; junge Menschen wünschen sich andere Dinge als ältere Menschen. Aber unabhängig davon gibt als Faustregel: Jeder Haushalt sollte für Notfälle immer eine Notreserve in Höhe von ca. drei Nettomonatsgehältern liquide und schnell verfügbar haben. Darüber hinaus empfiehlt sich eine Haftpflichtversicherung, damit Schäden, die man ver­schuldet hat, nicht das Vermögen kosten. Schließlich muss auch immer die Mög­lichkeit der Berufsunfähigkeit berücksichtigt werden, die ebenfalls durch eine Versicherung abgesichert werden sollte.

Anlageberatung und Altersvorsorge sollten die Interessen des Kunden mög­lichst wirkungsvoll und umfassend befriedigen. Eine Beratung, die nicht im In­teresse des Kunden ist, wirkt sich nicht positiv für die Bank bzw. die Versicherung aus. Andererseits ist die Beratung aber auch den allgemeinen Zielen der Ge­schäftspolitik der jeweiligen Bank, Versicherung oder Bausparkasse unterworfen. Sie hat auf die Erhaltung und den Ausbau der Marktstellung in der Gesellschaft zu achten und muss Erträge erzielen.

Die Grenzen der Beratung werden gezogen durch das Wissen des einzelnen Be­raters, die Geschäftspolitik der Gesellschaft, die Unvorhersehbarkeit der politi­schen und wirtschaftlichen Entwicklung, der Zinssätze und die gesetzlichen Rege­lungen über die Rechts- und Steuerberatung. Banken dürfen ihren Kunden Rat über alle steuerlichen und rechtlichen Fragen erteilen, die unmittelbar mit der Vermögensberatung oder einer bestimmten Kapitalanlage in Zusammenhang stehen. Beratungsfälle, bei denen Rechts- und Steuerfragen im Mittelpunkt stehen, sind dagegen Anwälten und Steuerberatern vorbehalten, z.B. darf eine Bank seine Kunden nicht beim Ausfüllen der Steuererklärung beraten.

Für den Kunden empfiehlt sich, nicht nur einem einzigen Anlageberater zu vertrauen, sondern sich mannigfaltig zu informieren. Ebenso sollten Sparer nicht alles auf eine Karte setzen, sondern verschiedene Anlage- und Vorsorgemöglichkeiten für sich in Betracht ziehen.

Vermögensübersicht


M2 Beispiel für eine Vermögensübersicht

Zu Beginn jeder Vermögensberatung steht die individuelle Vermögensübersicht. Mit deren Hilfe verschafft man sich einen ersten Überblick über die eigenen Vermögensverhältnisse und die Grundlage für die weiteren Schritte in Richtung Vermögensaufbau und Altersversorge.

Grundsätze der Geld- und Kapitalanlage


M3 Ziele einer Geld- oder Kapitalanlage

Die Ziele einer Geld- oder Kapitalanlage unterliegen verschiedenen Kriterien. Das bedeutet, dass zwischen den einzelnen Zielen ein Spannungsverhältnis herrscht; die Berücksichtigung eines Zieles geht in der Regel auf Kosten eines oder meh­rerer anderer Ziele der Anlage.

1. Sicherheit

Die Sicherheit einer Anlage bedeutet den Erhalt des angesparten Vermögens und hängt von den Risiken ab, denen sie unterworfen ist. Risiken sind in der Zukunft liegende Unsicherheiten und Gefahren, wie z.B.:

  • Kursrisiken,
  • Zinsänderungs- und Ertragsrisiken,
  • Rückzahlungsrisiken,
  • Geldwert- und Währungsrisiken.

2. Rentabilität

Die Rentabilität einer Geld- und Vermögensanlage richtet sich nach ihren Erträgen und nach den Kosten, die sie verursacht. Als Erträge kommen in Frage:

  • laufende, vertraglich fest vereinbarte Erträge (Zinsen, Mieten),
  • laufende variable Erträge (Gewinnanteile, Dividenden),
  • staatliche Zuwendungen (Prämien, Steuergutschriften),
  • Kurs- und Veräußerungsgewinne.

Maßstab für die Beurteilung der Rentabilität einer Geld- oder Kapitalanlage ist die Rendite, d.h. das Verhältnis des jährlichen Ertrages bezogen auf den Kapitalein­satz. Für den Anleger ist vor allem die „Rendite nach Steuern“ entscheidend, denn Zinseinnahmen sind als Einkünfte aus Kapitalvermögen der Einkommensteuer unterworfen.

3. Liquidität

Die Liquidität, also die Verfügbarkeit einer Geld- und Kapitalanlage, richtet sich nach der Möglichkeit, die Anlage in Bargeld umzuwandeln. Eine Anlage ist umso liquider, je schneller und einfacher sie in Bargeld umgewandelt werden kann. Bei den meisten Anlagen ist die Liquidität leicht zu bestimmen. Bei Anlagen auf Kon­ten beispielsweise hängt sie von der vertraglichen Kündigungsfrist ab. Schwierig ist die Einschätzung der Liquidität bei Immobilien oder Beteiligungen.

Eine Anlageform, die alle drei Kriterien gleichermaßen gut erfüllt, gibt es nicht. Das bedeutet, dass die stärkere Berücksichtigung eines Kriteriums immer zulasten eines oder der beiden anderen Kriterien geht. So führt beispielsweise ein höherer Ertrag automatisch zu einer geringeren Sicherheit.

Das Ziel für eine ideale Anlagestrategie und Altersvorsorge kann somit nur sein, das richtige (Spannungs-)Verhältnis zwischen den drei Punkten Sicherheit, Renta­bilität und Liquidität zu finden.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Gesichtspunkte, die ebenfalls bei einer seriö­sen und zweckgerichteten Kapitalanlage berücksichtigt werden müssen.

4. Steuerliche Überlegungen

Die Besteuerung der Geld- oder Kapitalanlage und ihrer Erträge ist bei allen Anlageüberlegungen zu bedenken. Steuerersparnis kann unter bestimmten steuer­lichen Voraussetzungen ein entscheidendes Anlageziel sein. Hierbei spielt eine Rolle:

  • der individuelle Einkommensteuersatz des einzelnen Kapitalanlegers,
  • die allgemeine Besteuerung bestimmter Vermögenswerte (Grundvermögen),
  • die allgemeine Besteuerung bestimmter Erträge aus Geld- und Kapitalanlagen (Erträge aus Vermietung und Verpachtung),
  • steuerliche Begünstigungen bestimmter Kapitalanlagen (Lebensversicherung, Bausparen).

5. Zielkonflikte

Sicherheit, Rentabilität, Liquidität und niedrige Besteuerung stehen ebenfalls zu­einander in einem Spannungsverhältnis. Sie lassen sich praktisch nie bei einer Anlageform gleichzeitig erreichen. Deshalb gilt meistens:

  • Hohe Renditen lassen sich nur durch hohe Risiken erzielen.
  • Sicherheit muss mit Rentabilitätsverlusten erkauft werden.
  • Langfristige Anlagen bringen häufig höhere Renditen als kurzfristige Anlagen.
  • Steuerbegünstigte Anlagen sind mit langen Bindungsfristen verbunden.

Beispiel:

Geld auf dem Sparbuch ist einerseits sehr sicher und relativ liquide, andererseits ist die Verzinsung im Vergleich zu fast allen anderen Anlageformen sehr niedrig. Mit Aktien lassen sich meistens die höchsten Renditen erzielen. Auch können sie börsentäglich verkauft und somit liquidiert werden. Allerdings kann man hier teil­weise oder sogar vollständig das gesamte eingesetzte Geld verlieren.

Jeder Anleger muss daher für sich individuell Prioritäten setzen, d.h. für seine An­lagen eine Rangordnung der Ziele festlegen. Daraus ergibt sich dann die für seine festgelegten Prioritäten geeignete Anlageform.

Alternative Anlagen

Neben den klassischen Kapitalanlagemöglichkeiten bzw. Möglichkeiten der Alters­vorsorge wie gesetzliche Rente, Betriebsrente, Riester- und Rürup-Rente sowie Miet- und Zinseinnahmen gibt es weitere alternative Anlageformen. Diese sollten aber nicht als einzige Anlageform oder alleinige Altersvorsorge dienen. Die folgenden Anlagemöglichkeiten sind eher Ergänzungen, die individuell in Betracht gezogen werden können. Eine nicht ganz unwichtige Voraussetzung ist sicher erst einmal ein bestimmtes Vermögen. Auch bei alternativen Investments gilt der alte Grundsatz, dass man nicht das gesamte Kapital vollstän­dig in eine einzelne Anlageform steckt.

1. Lebenszyklusfonds

Neben der gesetzlichen Rente sparen viele Leute für Ihr Alter in Form von Lebens­versicherungen. Speziell in Deutschland ist diese Altersvorsorge sehr beliebt. Doch angesichts der historisch niedrigen Zinsen schauen sich immer mehr Men­schen nach Alternativen um, die mehr Rendite versprechen. Die Möglichkeit dafür bieten sogenannte Lebenszyklusfonds. Diese Fonds sind normale Investment­fonds mit einer festen Laufzeit, allerdings ändern sie im Laufe der Jahre ihre Anlagestrategie. Während sie zu Beginn risikoorientierter ausgelegt sind, wird gegen Ende der Laufzeit mehr Wert auf Sicherheit gelegt.






M4
(shutterstock.com, Jaroslav Machacek, New York)

2. Gold

Gold ist praktisch seit Menschengedenken eine beliebte Kapitalanlage. Der Kauf von Goldmünzen oder Goldbarren ist für viele Anleger attraktiv. Von großer Be­deutung ist dabei die Aufbewahrung. Manche Anleger deponieren ihre Goldbarren in einem Bankschließfach. Dabei besteht allerdings das Risiko, dass man im Krisenfall nicht an sein Gold rankommen könnte, wenn z. B. der Staat Notstands­gesetze erlassen sollte, die den Zugang zum Schließfach einschränken oder die Entnahme von Gold verbieten. Eine Alternative zum Bankschließfach ist die La­gerung in einem Wertlager der Goldhändler. Allerdings kann auch hier nicht aus­geschlossen werden, dass der Staat im Krisenfall einen Zugriff auf das Gold un­terbindet. Eine weitere Alternative ist die Lagerung von Gold zu Hause in einem Tresor, nach dem Motto: „Nur was ich in der Hand habe, ist sicher.“


M5
(Richardfabi, 19 February 2006 - Public Domain, https://commons.wikimedia.org)

3. Münzen

Der Wert von Anlagemünzen steigt und sinkt – wie man es bei deren hohen Edel­metallanteilen erwartet – im Gleichschritt mit dem Kurs des Metalls, aus dem sie geprägt sind. Anlagemünzen ähneln in dieser Hinsicht gewöhnlichen Edelmetallinvestments. Der große Vorteil von Münzen als Anlageobjekt ist, dass die Anleger sie selbst verwahren können. Je nach Goldinvestment beispielsweise zahlen die Anleger für die Verwahrung ihres Investments oder bekommen es erst gar nicht zusehen. Bei Münzen hingegen hat man die Dinge buchstäblich selbst in der Hand. Anleger sollten auf Münzen mit Sammlerwert setzen. Bislang sind Samm­lermünzen als alternatives Investment noch nicht sehr populär. Auf der anderen Seite bietet das natürlich Chancen, vor allen anderen in Münzen zu investieren.


M6
(iStockphoto, Anton Sokolov, Calgary Alberta)

4. Oldtimer

Eine ganze Reihe alter Autos hat in den letzten Jahren eine enorme Wertsteigerung erfahren. Beim Wertzuwachs kommt es auf die Nachfrage an, den Zustand und die Seltenheit des Wagens. Ähnlich wie bei Wertpapieren gilt beim Wagen­kauf zum Zwecke der Geldvermehrung: Erst recherchieren, dann kaufen. Glück­licherweise listen gängige Old- und Youngtimer-Magazine in so gut wie jeder Aus­gabe aktuelle Marktpreise auf; alternativ bieten sich Online-Datenbanken oder der Besuch in Oldtimer-Autohäusern an, um sich zu informieren.

Autos als Geldanlage haben aber auch ihre Nachteile. Größter Schwachpunkt ist die Illiquidität. Aktien oder festverzinsliche Wertpapiere lassen sich börsentäglich und auch teilweise wieder schnell liquidieren, bei Automobilen muss erst ein kaufwilliger Interessent gefunden werden, der dann auch pünktlich bezahlt. Außerdem fallen bei einem Autoinvestments zusätzliche Kosten an: Eine Garage wäre aufgrund der Gefahr von Roststellen quasi Pflicht, das bedeutet, dass eine Mietgarage oder ein Dauerparkplatz je nach Region oder Stadt sehr teuer sein kann und somit die Rendite schmälert.


M7
(Thinkstock, iStock/sybanto, München)

5. Holzinvestment

Immer öfter werden Holz- und Waldinvestments als nachhaltigere Alternative zu herkömmlichen Geldanlagen beworben. Tatsächlich kann ein Investment in Holz beruhigend für das Gewissen und gut für die Geldbörse sein, denn ein direktes Holzinvestment ist recht inflationssicher und von den Schwankungen an den Märk­ten größtenteils abgekoppelt. Allerdings müssen Anleger dafür einen langen Atem haben. Denn bis die Hölzer geschlagen werden können, müssen je nach Baumart mindestens 20 Jahre vergehen, manche Holzsorten benötigen sogar 140 Jahre und mehr. Darüber hinaus erhält man Erträge meist erst dann, wenn der Baum auch gefällt ist. Schnelle Gewinne sind somit mit einem Holzinvestment nicht zu erzielen.


M8
(iStockphoto, PenelopeB, Calgary, Alberta)

6. Wasser als Anlage

Die Erde ist zu über 70 Prozent mit Wasser bedeckt, insgesamt gibt es 1.384 Mio. km³. Doch nach Abzug von Salzwasser (97,3 Prozent), Gletschereis und Perma­frost bleiben davon gerade noch 0,5 Prozent nutzbares Süßwasser. Und nur 0,007 Prozent sind laut UNO direkt als Trinkwasser geeignet. Die vorhandene Wasser­menge bleibt im Prinzip stets gleich, wird aber auf immer mehr Menschen verteilt. Nach Schätzungen der OECD wird sich der Wasserverbrauch von 2000 bis 2050 mehr als verdoppeln; auch weil steigender Reichtum mehr Verbrauch generiert. Es wird deshalb damit gerechnet, dass bereits im Jahr 2030 der Wasserbedarf um 40 Prozent höher sein werde als das Angebot. Reinigung, Aufbereitung, Vertei­lung, sparsame Nutzung und Erschließung neuer Quellen, wie die Entsalzung von Meerwasser, werden deshalb immer wichtiger und können somit auch als Invest­ment betrachtet werden.

Wasserfonds profitieren von Investitionen in einen Problembereich. Sie kaufen nicht Wasserrechte in einem Gebiet mit Wassermangel, sondern sie investieren in Versorger und Wasser-Aufbereiter in Regionen, in denen es Nachholbedarf gibt und Investitionen deshalb erfolgreich sein dürften. Wasserfonds sind spätzyklisch – das bedeutet, sie machen nur einen Teil der Abschwünge mit, profitieren aber nor­malerweise voll an einem Aufschwung.


M9
(Fotolia.com, sester1848, New York)

7. Parkhäuser

Jede Deutsche gibt rund 60 Euro pro Jahr für das Parken in einem Parkhaus aus (laut einer Unternehmensstudie der APCOA Parking Holding von 2013). Die Monatsmiete für einen Stellplatz liegt in Bal­lungszentren sogar im dreistelligen Bereich. Ob Stellplatz oder Garage, Investoren haben bereits seit einiger Zeit erkannt, dass Parkflächen wertvoll sind und sich somit auch als Kapitalanlage eignen können. Wie bei anderen Immobilien entscheidet auch bei Parkhäusern über die Rendite vor allem eines: die Lage. Wertsteigerungen werden in der Regel nur in urbanen Regionen erzielt. Auch hier gilt, dass Parkflächen in Geschäfts- oder Wohngebie­ten natürlich gefragter sind. Auch wenn der Platz für parkende Autos in urbanen Regionen physisch begrenzt ist, Nachfrage und Preis sind es nicht. Als ange­hender Parkplatz-Investor sollte man also auch Informationen über die Stadtent­wicklung in der Umgebung einholen.

Parkhäuser, diese dunklen und unansehnlichen Immobilien, gelten mittlerweile als wahre „Cash-Cows“. In Deutschland stehen ca. 53,7 Millionen zugelassene Fahr­zeuge die meiste Zeit des Tages auf Parkplätzen. Die Zahl der Fahrzeuge auf Europas Straßen ist so groß wie nie und die Tendenz steigt, auch weltweit.

Das Geschäft mit den Parkflächen wird also wachsen. Spezialisierte Fonds finan­zieren ganze Parkhäuser oder kaufen Parkflächen im großen Stil. 2013 wurden etwa 3,5 Millionen Parkflächen in Deutschland von privaten Unternehmen betrie­ben. Die fünf größten Parkhausbetreiber in Deutschland setzten im Jahr 2013 jähr­lich zusammen rund 2,3 Milliarden Euro um.



Zurück zur Terrasse