Suche im TERRASSE-Archiv:

Die deutsche Rentenversicherung unter Druck


M1 Familie in Deutschland (Shutterstock.com, iofoto, New York)

Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat der Generationenvertrag in Deutschland meist gut funktioniert: Die jüngere erwerbstätige Generation finanziert durch ihre laufenden Beiträge die Renten der älteren Generation. Allerdings ist dieses Prinzip längst ins Wanken geraten, seitdem es immer weniger junge Menschen gibt. Auf der anderen Seite steigt die Lebenserwartung kontinuierlich an, weshalb viele Menschen über einen immer längeren Zeitraum ihre Rente genießen. Wird die Belastung der Jungen zu groß? Droht Armut im Alter? Was kann der Staat tun?

Die Rentenversicherung unter Otto von Bismarck

Im Jahr 1889 wurde die deutsche Rentenversicherung (als ein Bestandteil der Invaliditäts- und Altersversicherung) durch Reichskanzler Otto von Bismarck aus der Taufe gehoben. Von da an hatten alle Deutschen ab dem 70. Lebensjahr eine gewisse finanzielle Absicherung. Ab 1891 wurden die ersten Renten ausgezahlt. Mit insgesamt fünf Mitarbeitern waren in den Anfängen der Rentenversicherung insgesamt rund 55.000 Versicherte zu betreuen.

Bismarcks Rente gilt heute noch als die erste staatliche Rentenversicherung der Welt. Allerdings ist das damalige System mit dem heutigen nicht zu vergleichen: Das Renteneintrittsalter lag bei 70 Jahren und somit zehn Jahre über der damaligen durchschnittlichen Lebenserwartung. Anders gesagt, es waren nur wenige Arbeiter, die für die damaligen Verhältnisse recht alt werden mussten, um überhaupt in den Genuss einer Altersrente zu kommen. Dafür mussten sie vorher mindestens 30 Jahre lang Beiträge gezahlt haben. Erwerbslosigkeit oder Schwangerschaften wurden nicht berücksichtigt. Im Schnitt bezog ein Rentner gerade mal zwei Jahre lang Rente, bevor er starb.

Wenig Geld für wenige Rentner

Die damalige Rente war lediglich eine finanzielle Ergänzung und nicht dazu gedacht, dem Rentenbezieher einen hohen Lebensstandard zu ermöglichen. Die durchschnittliche Rente war sehr niedrig und betrug nur ca. 18 Prozent des Normallohns. Eine Bindung an Inflation oder Wirtschaftswachstum gab es damals nicht. Auch war keine Hinterbliebenenversorgung vorgesehen. Wenn ein Mann vor dem Renteneintritt starb, hatte seine Witwe lediglich einen Anspruch auf die Hälfte der eingezahlten Beträge. Hatte er jedoch schon Beiträge bezogen und starb dann, bekam die Witwe nichts. Das erscheint heute als eher unsozial, aber das damalige System hatte einen entscheidenden Vorteil: Es war sehr kostengünstig, sodass die monatlichen Beiträge bei lediglich 1,7 Prozent des Arbeitsentgelts lagen (Vergleich 2016: 18,7 Prozent, 1997 und 1998 sogar 20,3 Prozent). Im Jahr 1895 bezahlten 27 Beitragszahler für einen Rentner, heute sind es gerade mal noch 1,4. Die Ausgaben für die Rentenversicherung betrugen damals weniger als ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das hatte zur Folge, dass die insgesamt eingezahlten Beiträge deutlich über den jährlichen Ausgaben lagen. Im Jahr 1914 überstiegen die Rücklagen der Rentenkasse bereits das Zehnfache der Auszahlungen.

Der Generationenvertrag

Die Grundlage des deutschen Rentensystems war und ist der Generationenvertrag. Er ist im Prinzip eine Art Solidarvertrag zwischen zwei Generationen der Bevölkerung: Der arbeitende Teil der Bevölkerung, die Beitragszahler, finanzieren mit ihren Beiträgen die Rentenzahlungen für den Teil der Bevölkerung, der altersbedingt bereits aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden ist. Die jetzt arbeitende und zahlende Generation darf umgekehrt erwarten, dass ihre spätere Rente durch die Beitragszahlungen der nachfolgenden Generation bezahlt wird. Somit ist der Generationenvertrag die Grundlage des deutschen Rentensystems; eine staatlich organisierte Pflichtversicherung, die zur Absicherung des Alters und zur Vorsorge gegen Altersarmut dient.

Die Renten finanzierten sich unter Bismarck durch paritätische Beiträge der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber und durch einen Zuschuss durch das Reich. Diese Regelung hat sich bewährt und heute noch Bestand.

1914 – 1957: Zwischen Krieg, Inflation und Altersarmut

An der Rentenversicherung gingen die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges nicht spurlos vorbei. 1914 wurde die Wirtschaft auf Kriegsproduktion umgestellt, weshalb die Arbeitslosigkeit stieg und somit weniger Arbeitnehmer in die Invaliditäts- und Altersversicherung einzahlten. Außerdem stiegen durch die wachsende Zahl der Verletzten und Gefallenen die Ausgaben für Invaliden und Witwen. Trotzdem stand die Rentenversicherung Ende 1918 relativ gut da, sie brach zumindest nicht zusammen. Doch die Nachkriegsjahre und insbesondere die Hyperinflation von 1923 brachten die Rentenversicherung an den Rand des Ruins. Der Wert des Versicherungsvermögens schrumpfte zusammen. Viele Rentner drohten, zu verelenden. Das Rentensystem konnte 1924 durch die Umstellung auf ein Umlageverfahren vorübergehend stabilisiert werden. Renten wurden ab sofort aus laufenden Beträgen finanziert; anders als beim Kapitaldeckungsverfahren (Anwartschaftsdeckung) wurden nur noch geringe Rücklagen gebildet.

Die Weltwirtschaftskrise in den Jahren von 1929 bis 1932 machte der Rentenversicherung erneut schwer zu schaffen. Die hohe Arbeitslosigkeit und Lohnkürzungen ließen die Beiträge sinken. Auf der anderen Seite wuchs die Zahl der Versicherten und Rentenempfänger.

Im Nationalsozialismus wurde die bis 1934 gültige Selbstverwaltung der Rentenversicherungsträger (über Landesversicherungsanstalten) aufgelöst und durch das Führerprinzip ersetzt. Ein staatlich eingesetzter Leiter kontrollierte die Rentenversicherungsträger und drängte unliebsames Personal aus den Verwaltungen. Bis 1937 erholte sich die Wirtschaft wieder; Löhne und Beiträge stiegen. Die Defizite in der Rentenkasse aufgrund der Weltwirtschaftskrise waren jedoch immer noch hoch, was durch eine Rückkehr zum Kapitaldeckungsverfahren und durch Leistungsabbau gelöst werden sollte. Darüber hinaus wurden ab 1938 auch Selbstständige, zum Beispiel Handwerker, verpflichtet, in die „Volksversicherung“ einzuzahlen. Gleichzeitig wurden Juden und andere verfolgte Gruppen aus den Sozialversicherungen gedrängt; sie verloren ihre Leistungsansprüche.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Rentner dazu aufgerufen, ins Arbeitsleben zurückzukehren. Nach dem Krieg überführten die Alliierten die Reichsversicherungsanstalt wieder in Landesversicherungsanstalten; die Sozialversicherungsgesetze bestanden beinahe unverändert fort. Jedoch war die Kapitalbasis der Rentenversicherung praktisch zerstört. Aufgrund des niedrigen Rentenniveaus war Altersarmut in den Nachkriegsjahren in allen Besatzungszonen sehr verbreitet.

In der Sowjetischen Besatzungszone wurden 1947 die Sozialversicherungszweige (außer Arbeitslosenversicherung) in einer Einheitsversicherung zusammengefasst; es herrschte Versicherungspflicht. In der DDR stiegen die Alters-, Invaliden- und Hinterbliebenenrenten ab 1949 leicht.

Im Westen wurde das gegliederte System wiederhergestellt. In der Bundesrepublik stiegen die Löhne im Zuge des „Wirtschaftswunders“ wieder an, allerdings litten in den 1950er-Jahren etwa 4,5 Millionen Rentner unter wirtschaftlicher Not. Denn die Renten wurden damals nicht laufend an die allgemeine Lohnentwicklung angepasst. 1957 kam es dann zu einer Rentenreform, bei der das bisherige Kapitaldeckungsverfahren abgeschafft und ein Umlageverfahren eingeführt wurde. Als unmittelbare Folge stiegen die Renten, auch weil sie jetzt an die Entwicklung des Bruttolohns angepasst wurden. Die Basis dafür war und ist heute noch die Belastung der jüngeren Generation. Das heißt, die aktuell arbeitende Generation zahlt die laufenden Renten der beziehenden Generation. Das hat danach auch viele Jahre lang gut funktioniert.

Die Veränderungen der Demografie


M2 Entwicklung von Geburten- und Sterberate in Deutschland
(Grafik: Diana Jäckel)

Aufgrund der stetigen Veränderungen der Demografie in Deutschland gerät der ursprüngliche Generationenvertrag allerdings immer mehr ins Wanken. Seit dem sogenannten Pillenknick Mitte der 1960er-Jahre herrscht in Deutschland eine sehr niedrige Geburtenrate. Gleichzeitig sterben seit den 1970er-Jahren weniger Menschen in Deutschland, als geboren werden. Die Geburtenrate liegt somit unter die Sterberate. Die Bevölkerungszahl ging nur aufgrund der Zuwanderung nach Deutschland nicht zurück.
Seit 2015 gehen die ersten geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Zwischen 2025 und 2035 folgt die demografisch größte Alterskohorte der jetzt Erwerbstätigen. Da die Lebenserwartung der Menschen steigt, wird sich die Dauer ihres Rentenbezugs im Vergleich zu jetzigen Rentnern noch mal erhöhen. Als die deutlich kleineren Jahrgänge in das Erwerbsleben einstiegen, nahm auch die Anzahl der Beitragszahler ab.
Das alles hat zur Folge, dass der Generationenvertrag aufgrund der massiven Verschiebungen innerhalb der einzelnen Generationen nicht mehr funktionieren kann. Und das wiederum führt zu immer größer werdenden Finanzierungsproblemen in der Rentenversicherung. Aktuell zahlen noch die geburtenstarken Jahrgänge in die Kasse ein, aber die Änderungen auf beiden Seiten – immer weniger Beitragszahler und mehr Rentenempfänger – führen bereits jetzt zu großen Problemen.

Private Absicherung notwendiger denn je











M3 Altersaufbau der deutschen Bevölkerung 2014
(Grafik: Diana Jäckel)

Aus den genannten Gründen werden viele Menschen in Deutschland im Rentenalter nicht über genügende finanzielle Mittel verfügen. Insbesondere Frauen, die aufgrund ihrer Familienplanung ganz oder teilweise ihre Berufstätigkeit aufgegeben haben, konnten dadurch nicht genügend in die Rentenkasse einzahlen und werden im Alter nur mit einer sehr geringen gesetzlichen Rente rechnen können. Auch wer lange studiert hat oder über eine längere Zeit arbeitslos war, wird im Alter eine deutlich kleinere Rente beziehen. Zwar ist die gesetzliche Rente nach wie vor die wichtigste Altersversorgung. 2015 waren in Deutschland ca. 17 Millionen Menschen mindestens 65 Jahre alt, von denen fast 75 Prozent Leistungen aus der gesetzlichen Rentenkasse beziehen. Viele haben und brauchen aber bereits jetzt zusätzliche Einkünfte wie Betriebsrenten, Zinseinkünfte oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, um einen gewissen Lebensstandard auch im Alter halten zu können.

Der deutsche Staat in der Klemme

Durch die demografische Entwicklung in Deutschland steigen die staatlichen Ausgaben. Dass die Steuereinnahmen aufgrund der guten Konjunktur ebenfalls steigen, ist kurzfristig beruhigend, aber mittelfristig wird das nicht so bleiben. Irgendwann werden auch wieder wirtschaftlich schwächere Jahre kommen, für die heute bereits finanziell vorgesorgt werden müsste. Danach sieht es aber aktuell nicht aus, sodass für den Staat die Gefahr besteht, in ernste Finanzschwierigkeiten zu kommen. Voraussichtlich werden die Einkommens- und Umsatzsteueraufkommen in den nächsten Jahren sinken. Den langsamer wachsenden Staatseinnahmen stehen dann immer schneller steigende Staatsausgaben gegenüber, weil die Deutschen immer älter werden und weniger Kinder bekommen. Daran ändert auch die in den letzten Jahren hohe Zuwanderung wenig.
Die Anzahl der Erwerbstätigen nimmt langfristig immer mehr ab, da die Babyboomer-Jahrgänge verstärkt in Rente gehen. Damit verbunden ist dann auch ein abnehmendes Konsumverhalten: Ältere Menschen kaufen und konsumieren weniger als junge. Dadurch sinken die staatlichen Einnahmen aus der Umsatzsteuer. Ein schwächerer Konsum wiederum führt zu einem schwächeren Wirtschaftswachstum und das wiederum zu weniger Steuereinnahmen.

Exkurs 1: Japan


M4 Altersaufbau der japanischen Bevölkerung 1950, 2000 und 2050
(Grafik: Diana Jäckel)

Die in Deutschland seit vielen Jahren diskutierte Gefahr einer Überalterung der Bevölkerung ist in Japan bereits Realität. Hier kann man schon heute beobachten, was es bedeutet, wenn eine Wohlstandsgesellschaft vergreist. In Japan sind bereits mehr als ein Viertel der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der Einwohner stetig ab und das, obwohl Japan weltweit die höchste Lebenserwartung hat. Allein 2015 überstiegen die Todesfälle die Geburten um fast 300.000 Einwohner. Hinzu kommt, dass Japan nicht viel von Einwanderung hält. Traditionsgemäß legen Japaner viel Wert auf die Erhaltung der eigenen Kultur. Genau wie in Deutschland hat auch Japan seine Rentenversicherung in der Zeit des Wirtschaftswunders eingeführt, ebenfalls unter der Voraussetzung, dass die späteren Generationen ausreichen werden, um die Renten zu finanzieren. Jetzt muss dringend über Veränderungen nachgedacht werden.
So sieht man nach Feierabend viele über 70-Jährige noch in einfachen Tätigkeiten arbeiten. Von den über 75-jährigen Japanern arbeiten immer noch ca. 16 Prozent. Alte Menschen arbeiten auf Baustellen und in Büros. Dabei geht es nicht nur um das Schicksal der Alten. Der Gesellschaft Japans ist die Perspektive abhandengekommen. Jeder Alte, der ausfällt, bedeutet, dass die Jungen länger arbeiten müssen. So müssen die Jungen enorme Kosten für Betreuung und Pflege tragen, ohne selbst die Aussicht zu haben, dass ihnen diese Leistungen später einmal selbst zuteilwerden. Die Folge ist, dass die junge Generation von Hoffnungslosigkeit geplagt wird. Viele heiraten deshalb nicht und wohnen immer noch bei den Eltern. Manche begehen unter der Last Selbstmord. Nicht ohne Grund gibt es nur in der japanischen Sprache speziell einen Begriff für den Tod durch Überarbeitung: „Karoshi“. Er bedeutet den plötzlichen berufsbezogenen Tod durch Herzinfarkt oder Schlaganfall, ausgelöst durch permanenten Stress bei der Arbeit.

Die Vergreisung bringt die japanische Bevölkerung aus ihrem Gleichgewicht. Und dabei leiden beide, Jung und Alt. Viele alte Japaner beziehen nur eine niedrige Rente. Trotzdem beantragen sie aber keine Sozialhilfe, da sie dazu erzogen worden sind, dem Staat nicht zur Last zu fallen. So kommt es, dass viele von ihnen nicht mehr genug Geld haben, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie kommen mit ihren Mietzahlungen in Verzug und schließlich stellt man ihnen sogar den Strom ab. Manche werden dann tot in ihrer Wohnung gefunden. Auch diese Art zu sterben hat in Japan einen eigenen Begriff: „Kadokushi“.

Als Gegenmaßnahme setzt Japan verstärkt auf Roboter und das Internet. In zehn bis 20 Jahren will man die Hälfte aller Arbeitsplätze durch intelligente Maschinen ersetzen. Allerdings mangelt es hier an ausreichend vielen IT-Spezialisten. Noch problematischer sieht es im Handwerk aus. 23.000 Betriebe wurden allein im Jahr 2015 geschlossen, weil sich keine Nachfolger fanden.

Exkurs 2: USA

Auch wenn die Wirtschaft in den USA gut läuft, so sieht es bei der US-Altersvorsorge schlecht aus. Der nächste US-Präsident Donald Trump wird sich dem großen Thema Rentenproblem stellen müssen. Traditionell lebt der typische amerikanische Arbeitnehmer von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck. Dementsprechend sorgt er kaum für seine Rente vor. Der durchschnittliche US-Haushalt hat für seine Altersabsicherung ganze 2.500 Dollar angespart. Selbst die 55- bis 64-Jährigen, deren Rentenantritt mehr oder weniger bald ansteht, haben sich nicht annähernd finanziell auf ihr Rentenalter vorbereitet. Ihr angespartes Vermögen beträgt durchschnittlich 14.500 Dollar. Das reicht gerade mal aus, um die Ausgaben von drei Monaten zu decken. Doch was kommt danach? Betrachtet man nur die Haushalte, die wirklich für ihre Altersvorsorge gespart haben, so ergibt sich hier ein durchschnittlicher Wert von immerhin 104.000 Dollar. Das reicht ungefähr für zwei Jahre.

Diese Zahlen zeigen deutlich die großen Vermögensunterschiede in den USA. Viele Amerikaner haben keinerlei Altersvorsorge getroffen. Wenn in den nächsten Jahren wie in Deutschland die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen werden, wird das zu einer enormen Krise führen. Die staatliche Rente in den USA deckt in der Regel nur 35 Prozent des Einkommens ab, das ein Haushalt vor dem Renteneintritt hatte. Dazu kommt, dass die staatliche Rentenkasse der USA große Probleme hat. Seit Jahren sind die jährlichen Aus¬gaben größer als die Einnahmen. Voraussichtlich im Jahr 2034 (oder sogar früher) wird der Rentenkasse das Geld ausgehen. Auch wächst die Wirtschaft der USA seit Jahren deutlich schwächer als prognostiziert, während insbesondere vor allem schlecht bezahlte Tätigkeiten geschaffen werden. Deren Verdienstmöglichkeiten liegen unter den Ausgaben, die notwendig sind, um eine Familie zu ernähren.

Ca. 51 Prozent aller Arbeitnehmer in den USA verdienen pro Jahr weniger als 30.000 Dollar. Davon müssen dann noch die Steuern bezahlt werden. Tatsächlich müssten mindestens knapp 50.000 Dollar verdient werden, damit eine vierköpfige Familie einen durchschnittlichen Lebensstandard erhalten kann. Da wundert es nicht, dass ca. 62 Prozent aller US-Bürger weniger als 1.000 Dollar auf dem Sparbuch hat. Viele können ihren Lebensstandard nur durch immer neue Schulden halten. Da rückt ein langfristiges Denken an das Rentenalter in den Hintergrund.

Einkommensunterschiede in der deutschen Bevölkerung

Bei den deutschen Rentnern gibt es ebenfalls große Einkommensunterschiede (laut Alterssicherungsbericht 2016): Männer haben im Schnitt ein Alterseinkommen von ca.1.700 Euro, Frauen durchschnittlich fast 600 Euro weniger. Beamte verfügen über eine überdurchschnittliche Alterspension von 2.300 Euro netto pro Monat, während fast die Hälfte aller ehemaligen Selbstständigen nur über ein Nettoeinkommen von weniger als 1.000 Euro verfügt.

Lösungsmöglichkeiten des Staates


  • Eine Möglichkeit zur Verbesserung der angespannten Situation ist die derzeit gute Finanzlage, um eine Art von Demografie-Rücklage zu bilden. Als Vorbild können die staatlichen Pensionsfonds dienen, mit denen für die künftigen Pensionsansprüche der Beamten vorgesorgt wird.

  • Gleichzeitig wird der Staat früher oder später nicht umhinkommen, die Lebensarbeitszeit wieder zu verlängern. Wenn es immer weniger Menschen gibt, die für immer mehr Rentner aufkommen müssen, so ist das nur zu schaffen, wenn die Anzahl der Jahre vergrößert wird, in denen in die Rentenkasse eingezahlt wird. Das Renteneintrittsalter (2016: durchschnittlich 64,2 Jahre) müsste demnach erhöht werden. Damit würde insgesamt länger und mehr eingezahlt und kürzer und weniger für die Rentenzahlungen entnommen werden.

  • Ein weiterer Lösungsansatz ist die Abschaffung der Finanzierung der Renten durch ein System aus Arbeits- und Lohnnebenkosten, um stattdessen ein steuerfinanziertes soziales System einzuführen.

  • Die Erwerbstätigenquote der Frauen im Alter zwischen 15 und unter 65 Jahren liegt bei 69 Prozent. Davon arbeiteten im Jahr 2014 nur 53 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Vollzeit. Von den nicht berufstätigen Müttern wären 58 Prozent gerne berufstätig. Der Staat sollte deshalb Möglichkeiten schaffen, um diese Potenziale besser zu nutzen.

  • Eine häufig gestellte Forderung für eine Reform des Umlageverfahrens ist die Einbeziehung von Bevölkerungsgruppen, die bisher nicht in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Damit sind insbesondere Beamte und Selbstständige gemeint.

  • Oft wird der Staat aufgefordert, mehr für den Abbau von Arbeitslosigkeit zu tun. Jeder Euro, der an einen arbeitslosen Mitbürger bezahlt werden muss, könnte eingespart werden, wenn es dem Staat gelänge, diesen schneller und dauerhaft in Lohn und Brot zu bringen. Das würde zu einer Entlastung der Arbeitslosenversicherung führen. Die dadurch eingesparten Beträge zusammen mit denen des neu beschäftigten Arbeitnehmers könnten dadurch in die Rentenkasse gezahlt werden. Allerdings ist die Arbeitslosenquote immer auch von der Konjunktur abhängig, wodurch die Gestaltungsspielräume des Staates per se eingeschränkt werden.

  • Eine weitere Möglichkeit, das Rentenniveau einigermaßen zu halten und die zahlende Generation nicht noch weiter zu belasten, könnte durch eine verstärkte Zuwanderung (von insbesondere vielen jungen und gut ausgebildeten Einwanderern) bestehen. Dadurch könnte sich der Bevölkerungsbaum in Deutschland etwas zugunsten der Jungen verändern und somit zu etwas Entspannung der Generationen führen.

  • Einen gewissen Beitrag, das Rentenproblem zu beheben, könnte auch die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung in der Wirtschaft leisten. Die zunehmenden Effekte einer fortschrittlichen und arbeitssparenden Technologie könnten immer mehr menschliche Arbeit ersetzen und somit den demografischen Wandel abmildern helfen. So ist es heute schon technisch möglich, dass Züge ohne Lokführer fahren, indem ein Automat die Arbeit übernimmt. Selbstfahrende Autos könnten den Beruf des Busfahrers überflüssig werden lassen. Es gibt also eine Reihe von Leistungen, die künftig anstatt von Menschen von Maschinen oder digitalen Signalen erbracht werden könnten. Dadurch würde die Arbeitsproduktivität sogar steigen und weniger Menschen wären nötig, um das künftige Bruttosozialprodukt zu erwirtschaften. Allerdings sind solche technischen Vorhersagen immer sehr vage und von daher mit etwas Vorsicht zu betrachten.


Im Kontext:
Fit für die Zukunft: Geldanlage und Altersvorsorge



Zurück zur Terrasse