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Cluster der Geflügelproduktion im Oldenburger Münsterland – ein Modell für die Regionalentwicklung von Passivräumen?


Wortwolke "Cluster"

Der Osten Deutschlands entleert sich, altindustrielle Räume stehen vor dem Ruin und die deutsche Landwirtschaft sucht nach Wegen, im internationalen Konkurrenzkampf zu bestehen. Die Raumordnung Deutschlands steht also vor erheblichen Herausforderungen.
In diesem Unterrichtsvorschlag geht es um die kritische Auseinandersetzung mit Clustern als Mittel zur Raumentwicklung. Musterregionen wie das Oldenburger Münsterland dienen als Erarbeitungsgrundlage. Vorgesehen ist das Thema für die Sekundarstufe II mit einem zeitlichen Umfang von drei Stunden.

Sachinformationen

Regionen mit im Cluster angelegten Wirtschaftsstrukturen erweisen sich gegenüber Gebieten mit nicht vertikal integrierten Firmenstrukturen als wirtschaftlich erfolgreicher. Dies gilt für die beteiligten Unternehmen und die entsprechenden Regionen. 

Die räumliche Nähe der Firmen eines Bereichs spart Transportkosten und fördert Agglomerationsvorteile wie zwischenbetriebliche Kooperationen oder Innovationen. Zudem ist die Wertschöpfung an einem Produkt hoch, weil nicht nur Produktion, sondern auch Veredlung und Forschung vor Ort angesiedelt sind. Diese stehen über gemeinsame Interessen miteinander in Beziehung, da sie an einem Produkt arbeiten. So kann „erfolgreich“ produziert werden und die Betriebe halten dem Konkurrenzdruck auf dem offenen Markt stand. Dies ist gerade für Deutschlands Landwirtschaft relevant, weil deutsche Lohnkosten ein entscheidender Standortnachteil sind. 

Aber auch die beheimatende Region profitiert von der Clusterbildung, da stabile Wirtschaftstrukturen mit einer Vielzahl an Arbeitsplätzen (Verbesserung der Daseinsgrundfunktionen) und erhöhten Steuereinnahmen in Zusammenhang stehen.

Cluster dürfen aber nicht als universelle Strategie für die Entwicklung von Räumen betrachtet werden. Sie wirken sich zwar durchaus positiv auf die regionalökonomische Entwicklung aus und werden in der Regionalpolitik der Bundesrepublik daher auch gefördert. Ein Neubau auf „grüner Wiese“ ist allerdings nicht realistisch. Man kann das Prinzip der Clusterung nur auf Basis einer vorhandenen Grundstruktur (Infrastruktur, erste spezialisierte Betriebe, u.a.) einsetzen. Ebenso können tiefgreifende Umstrukturierungen der Wirtschaft eines Landes für monostrukturell organisierte Cluster gefährlich werden. Dies wurde in der Industriebranche des Ruhrgebiets sehr deutlich.

Die Agrarboomregion Südoldenburg, im Westen von Niedersachsen gelegen, gilt als Paradebeispiel erfolgreicher ökonomischer Zusammenarbeit im Cluster und wird im Bereich der Geflügelproduktion unter anderem von einem Großkonzern geprägt. Sieht man von ökologischen Problemen und Skandalen aufgrund der bei Massentierhaltung entstehenden Güllemengen sowie ethischer Konflikte bei der Haltung ab, kann man am Beispiel dieser Firma gut nachvollziehen, wie vertikal integriertes Arbeiten die Konkurrenzfähigkeit fördert und die Region in ihrer Entwicklung stärkt. Dank der entstandenen Arbeitsplätze und angesiedelten Unternehmen erzielt der ländlich geprägte Raum um die Stadt Vechta ein überdurchschnittlich hohes BIP und erfährt eine bemerkenswert positive Bevölkerungsentwicklung (+20% zwischen 1990 und 2010, vgl. Haack Weltatlas 2015, Karte 60.4). 

Das Thema im Unterricht

Im Unterricht der Oberstufe steht nachhaltiges Wirtschaften im Fokus der Betrachtung. Dieses Thema verbindet die zwei wichtigen Aspekte des Kerncurriculums Niedersachsen: Landwirtschaft und Raumordnung.
Die Schüler sollen die Vorteile der Clusterbildung kennenlernen und darauf aufbauend Stellung dazu nehmen, ob Cluster als Mittel zur Regionalentwicklung für ländliche Regionen eingesetzt werden können. Der zeitliche Aufwand beträgt drei Stunden.

Lernvoraussetzungen
- Ziele und Maßnahmen der deutschen Raumordnung und Raumplanung
- Merkmale des Strukturwandels der deutschen Landwirtschaft: Intensivierung und Mechanisierung in der Landwirtschaft, Gemeinsame Agrarpolitik, Strukturschwäche ländlicher Räume, Landflucht, geringe Wertschöpfung im Agrarsektor
- Merkmale von Aktiv- und Passivräumen

Didaktische Reduktion: Die Vielschichtigkeit des Themas erfordert didaktische Reduktionen. Die Stundenanlage fokussiert auf die ökonomischen Vorteile der Clusterbildung und stellt soziale und ökologische Aspekte kaum dar. Diese Dimensionen können vorentlastet oder im Nachhinein behandelt werden. Auch folgende, für Cluster eigentlich typische Aspekte, werden in der Stunde didaktisch reduziert: Forschung und Innovation, Rolle der Partner aus der Politik. 

Stunden 1-2
Der Einstieg (Stunde 1-2) in die Thematik erfolgt über die Sammlung der Herausforderungen deutscher Landwirte. Dies dient dazu, deutlich zu machen, dass für die Zukunft der deutschen Landwirtschaft neue Strategien entwickelt werden müssen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können (Problematisierung). Wichtig ist an dieser Stelle, dass die Lehrkraft heraushebt, dass auch der ländliche Raum an die Konkurrenzfähigkeit der Landwirtschaft gebunden ist und für periphere Räume die Probleme Verödung, Abwanderung, und Vergreisung bestehen. Der Lehrer leitet auf die Region Oldenburger Münsterland über, die zunächst mithilfe der Karte 1, S.12 im Haack Weltatlas 2015 verortet wird. Es handelt sich zu größten Teilen um einen ländlichen Raum.

Um Motivation für die Erarbeitung der Strategien (s.o.) der Region zu erzeugen, präsentiert der Lehrer wichtige Strukturdaten der Region (Viehmastregion mit einem BIP von 112 % im Bundesvergleich, positiver Bevölkerungssaldo, Produktion eines Masthähnchens für 10 % weniger als andernorts) am Smartboard oder OHP und die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass das Oldenburger Münsterland für eine „nicht städtische Region“ eine überraschend positive Entwicklung im BIP und der Bevölkerungsentwicklung zeigt und zudem phänomenal günstig Geflügel produziert. Dies wird an der Tafel notiert (s. Tafelbild). Nachdem das Interesse geweckt wurde, ist es möglich, hier eine Hypothesenphase (Ideen) und eine Wegfindungsphase (Welche Materialen brauche ich, um meine Hypothesen zu überprüfen?) anzuschließen. 

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten während der folgenden Erarbeitung mithilfe der Materialien am Stundenthema in Partner- oder Kleingruppenarbeit. Die Ergebnisse der Arbeitsphase können mithilfe und anhand der Arbeitsmaterialien vor dem Plenum präsentiert werden (s. Tafelbild). Empfehlenswert ist eine plakative Präsentationsform wie die Touch-Turn-Talk-Methode: Touch (beschriftete DINA4-Seite mit Schlüsselwort anhängen), Turn (Umdrehen), Talk (erst nach der Drehung, und wenn die Zuschauer den Zettel gesehen haben, reden).

Um die Ergebnisse der Stunde zu sichern, empfiehlt sich eine konsolidierende Hausaufgabe, ehe in der folgenden dritten Stunde die Cluster als Raumordnungsmaßnahme kritisch betrachtet werden können. 

Stunde 3
Der Einstieg (Stunde 3) erfolgt über den Hausaufgabenvergleich. Damit werden die Erkenntnisse der vergangenen Stunde (s. Tafelbild) für alle wieder präsent. Der Lehrer denkt mit dem Kurs anschließend über die Problemsituation des ländlichen Raums nach (Abwanderung, Verödung ...) und entwirft die Frage, ob Cluster als Mittel zur Raumentwicklung eingesetzt werden können. Nach einer Ideensammlung erarbeiten die SuS mit dem „Arbeitsblatt – Cluster als Mittel zur Raumentwicklung“ jeder für sich eine Antwort auf die Frage. In GA kann in der Placemat-Methode ein Gruppenergebnis erstellt und anschließend präsentiert werden. Die Schülerinnen und Schüler notieren auf der Placemat jeder in seiner Ecke die Erkenntnisse zur Frage. In der Mitte des Tischdeckchens wird anschließend ein Gruppenergebnis formuliert (z.B. OHP-Folie). In einer Präsentation werden die Schülerergebnisse dargestellt und im Plenum bei Bedarf abschließend die Stundenfrage beantwortet. 

Hausaufgabe
Die Schülerinnen und Schüler recherchieren ein weiteres Cluster in Deutschland und stellen in der Hausaufgabe schriftlich dar, wie dieses aufgebaut ist und inwiefern die Region davon profitiert.
Beispiele für den Lehrer: Schwarzwälder Uhrenindustrie, Cluster Life Sciences Mitteldeutschland.
Alternativ kann der Lehrer Beispiele für Cluster in Deutschland auch in den Unterricht mitbringen und die Schülerinnen und Schüler erarbeiten die Beispiele in GA.


Im Kontext:
Infoblatt Cluster



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