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Brauchen wir heutzutage noch Bargeld?


M1 (shutterstock.com, New York)

„Als ich jung war, glaubte ich, Geld sei das Wichtigste im Leben, jetzt, da ich alt bin, weiß ich, dass es das Wichtigste ist.“ So äußerte sich einmal der irische Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900). Ob er recht hatte oder nicht, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall spielt Geld in unserem täglichen Leben eine wichtige Rolle. Und es wandelt sich: Nicht erst seit gestern geht der Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen. Das hat viele Vorteile, aber auch mögliche Nachteile.

Viele Deutsche, vor allem ältere Bürger, hängen heute noch sehr am Bargeld. Aber alternative Bezahlver­fahren mit der Plastikkarte oder Smartphone-App werden immer beliebter. Was würde eigent­lich passieren, wenn das Bargeld abgeschafft werden würde? Während bei uns nach wie vor viel in bar bezahlt wird, haben beispielsweise Dänemark und Schwe­den ihren Zahlungsverkehr bereits radikal digitalisiert. Was spricht gegen und was für die Benutzung von Bargeld?

Argumente gegen Bargeld

  • Bargeld kostet viel Geld: Scheine müssen gedruckt, Münzen geprägt werden. Die sichere Aufbewahrung von Bargeld kostet ebenfalls Geld und erfordert zusätzliche Vorsorge wie Tresore u.Ä.
  • Der Transport von Bargeld verursacht laufende hohe Kosten.
  • Schwarzarbeit, Drogengeschäfte und Geldwäsche würden ohne Bargeld deutlich ab­nehmen. Als Gegenargument kann hier allerdings angeführt werden, dass es die Mög­lichkeit gibt, auf andere Währungen auszuweichen bzw. virtuelle Währungen wie Bitcoins dafür zu benutzen.
  • Die Geldpolitik der Deutschen Bundesbank funktioniert im Wesentlichen über Buch­geld. Wenn Sparer und Unternehmen ihr Geld nicht mehr auf Konten legen, sondern Bargeld horten, begrenzt das die Möglichkeiten der Bundesbank. Ohne Bargeld wäre die Durchschlagskraft der Bundesbank-Maßnahmen deutlich größer.

Argumente für Bargeld

  • Wer mit Bargeld bezahlt, hinterlässt keine elektronischen Spuren. Barzahlungen schützen somit die Privatsphäre.
  • In den Euro-Ländern wurden bisher Banknoten im Wert von mehr als einer Billion Euro heraus­gegeben. Davon werden aber nur 15 Prozent für Transaktionen genutzt, während die restlichen 85 Prozent gehortet werden, getreu dem Motto: „Nur Bares ist Wahres".
  • Viele Barzahler sind der Überzeugung, dass sie ihre Ausgaben durch Bargeld besser im Griff haben.
  • Bei der Zahlung mit Bargeld besteht keine Gefahr, dass Karten­daten und Geheimnummern (PIN) ausgespäht werden.
  • Viele Spenden werden nach wie vor in bar getätigt.

Deutschland = Bargeldland


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Deutschland ist nach wie vor das Bargeldland schlechthin. In keinem anderen Land wird noch so viel bar bezahlt. Neben den bereits genannten Gründen geben die Leute in Deutschland stets an, dass sie einfach das Gefühl mögen, Bargeld in der Hand zu halten.

Während die Abschaffung von Bargeld in Deutschland wie ein Horrorszenario erscheint –als das Ende der Freiheit und totales Ausgeliefertsein an den Staat –, wird sie z.B. in Schweden als angenehm und selbstverständlich empfunden. Dort werden heute schon nur noch zwei Prozent aller Transaktionen mit Bargeld getätigt, während es im Euro-Raum im Schnitt noch zehn Prozent sind. Auch werden im Euroraum nur noch 20 Prozent aller Einkäufe in bar bezahlt. Weltweit liegt der Schnitt bei 75 Prozent, in Deutschland sogar bei 79 Prozent. Viele schwedische Banken haben überhaupt kein Bargeld mehr und nehmen auch keines mehr an. Man kann davon ausgehen, dass Schweden schon in naher Zukunft eine praktisch bargeldlose Gesellschaft sein wird. In vielen Bereichen wird bereits jetzt kein Bargeld mehr akzeptiert. So dürfen etwa Händler die Annahme von Bargeld verweigern. Man kann auch keinen Busfahrschein mehr mit Bargeld kaufen. Selbst die Kollekte bim Gottesdienst ist mittlerweile komplett bargeldlos.

Auch Südkorea tut alles, um eine bargeldlose Gesellschaft zu werden. Dort will man die Bürger dazu bewegen, auf Münzen zu verzichten und stattdessen sogenannte „T Money“-Karten zu benutzen. Mit diesen Karten kann man die U-Bahn, das Taxi und in 30.000 Ge­schäften bezahlen. Wie Schweden ist auch Südkorea auf dem Weg zu einer bargeldlosen Gesellschaft.

Bargeld oder Karte: Womit bezahlt man am schnellsten?

Was dauert an der Supermarktkasse länger: die Bezahlung mit Bargeld oder mit Karte? Kunden, die mit Bargeld bezahlen, brauchen im Durchschnitt 15 bis 25 Sekunden, eine Kartenzahlung dauert dagegen rund 30 Sekunden. Beim elektronischen Lastschriftverfahren sind es nochmal zwei Sekunden weniger. Das bedeutet, die Geschwindigkeiten von Karten- und Barzahlungen nähern sich immer stärker an. Noch ist die Barzahlung etwas schneller, allerdings hängt das auch stark von dem jeweiligen Geschäft ab. In manchen Geschäften haben die Kassiererinnen das Wechselgeld schon in der Hand, bevor der Kunde seinen Geldschein hingelegt hat. In anderen Geschäften dagegen ist manchmal die Kartenzahlung schneller, weil das Kassensystem gut funktioniert.

Bargeld und Hygiene

Geld wird teilweise auch als etwas sehr Schmutziges empfunden. Bereits im späten 19. Jahrhundert gab es erste wissenschaftliche Literatur zum Thema Geld und Hygiene. Bargeld ist in der Tat eine sehr unreine Angelegenheit, denn es wandert im wörtlichen Sinne von Hand zu Hand. Münzen sind noch deutlich sauberer als Papiergeld, da sie nicht nur eine glattere Oberfläche haben, sondern das enthaltene Kupfer zusätzlich antibakteriell wirkt und Mikroorganismen zerstört. Insbesondere auf Geldscheinen finden sich jedoch viele Keime wie zum Beispiel Salmonellenerreger und Grippeviren. Das liegt daran, dass die Oberfläche von Geldscheinen nicht so glatt ist, wie vielfach angenommen wird, und Keime gut haften bleiben. Durch Falten und Knicken der Scheine wird diese Möglichkeit noch verstärkt.

Entscheidend für die Sauberkeit von Geldscheinen ist auch das Material, aus dem sie hergestellt werden. In Europa und den USA bestehen sie aus Baumwolle, hier können sich Erreger relativ gut festsetzen. In Neuseeland und Australien bestehen Geldscheine aus Polymeren, was dazu führt, dass diese Scheine deutlich sauberer sind. In Mexiko gibt es sogar Geldscheine aus Plastik.

Das am meisten mit Keimen belastete Geld stammt ausgerechnet aus dem Land, dem die Erfindung des Papiergeldes nachgesagt wird: China. Es gibt aber auch deutliche Unterschiede innerhalb der EU: Die Niederlande haben ein viel saubereres Papiergeld als Irland – und das, obwohl in der ganzen EU die gleichen Auflagen bezüglich der Qualität für Euro-Banknoten gelten. Der Grund dafür liegt darin, dass Scheine in den Niederlanden maschinell auf Beschädigungen und Verschmutzungen untersucht und gegebenenfalls aussortiert werden, bevor Kunden sie aus den Geldautomaten ziehen können.

Trotz aller Unreinheiten ist es aber eher unwahrscheinlich, durch den Kontakt mit Bank­noten durch Viren oder Bakterien krank zu werden. In der Regel sind Banknoten trocken, Bakterien benötigen aber Feuchtigkeit und Wärme, um überleben und sich vermehren zu können. Von daher weist die Oberfläche von Bargeld nicht mehr Krankheitserreger auf als zum Beispiel Obst vom Wochenmarkt. Allerdings nimmt die Anzahl der Erreger mit dem Alter der Geldscheine zu. Aus diesem Grund werden sie innerhalb weniger Jahre wieder aus dem Verkehr gezogen und durch neue Scheine ersetzt. Davon abgesehen, weisen die Tastaturen von Geldautomaten, auf denen Bankkunden ihre PIN eingeben, oft genauso viele Erreger auf wie die nahe gelegenen öffentlichen Toilet­ten.

Darf man Geldscheine eigentlich bekritzeln?

Im Prinzip ja, da Banknoten grundsätzlich das Eigentum desjenigen sind, der sie hat. Sie sind kein Staatseigentum und gehören auch nicht (mehr) der Deutschen Bundesbank. Aus diesem Grund ist das Zerstören von Geldscheinen in Deutschland auch keine Straftat. Allerdings wird ein Schein durch eine Kritzelei entwertet. Je nach Art der Kritzelei (zum Beispiel Telefonnummer oder Adresse) verstößt man unter Umständen gegen den Daten­schutz. Ein beschriebener Euro-Schein gilt als mutwillig beschädigt und wird deshalb wert­los. Solche beschädigten Banknoten werden auch nicht von der Deutschen Bundesbank ersetzt. Von daher sind Kritzeleien auf Euro-Banknoten im Prinzip eine kostspielige Angelegenheit, da jede Kassiererin im Supermarkt die Annahme einer bekritzelten Banknote zurecht verweigern kann. Umgekehrt kann sich auch jeder Kunde weigern, einen solchen Schein anzunehmen. In der Regel landen bekritzelte Scheine aber bei der Deutschen Bundesbank, die sie dann aus dem Verkehr zieht. Die Bundesbank ersetzt auch beschädigte Scheine, wenn man mehr als die Hälfte des Scheines vorlegen oder nachweisen kann, dass der fehlende größere Teil vernichtet wurde.

Regionale Währungen

Während auf der einen Seite über die Abschaffung des Bargeldes heftig diskutiert wird, entstehen auf der anderen Seite gleichzeitig immer mehr Regionalwährungen (auch Regiogeld oder Regionalgeld genannt). Allein in Deutschland gibt es mittlerweile 46 Regionen mit eigenem Bargeld, also mit einer eigenen lokalen Parallelwährung. Diese haben so schöne Namen wie Minuto, Bergtaler, Bürgerblüte, Carlo, Chiemgauer, Coinstatt, Elbtaler, Engelgeld, Freitaler oder Sterntaler. Mit dem Chiemgauer beispielsweise kann man zwischen Rosenheim und Traunstein in Bayern in ca. 600 Geschäften bezahlen. Ungefähr 3.000 Kunden benutzen bereits diese Parallelwährung, die an den Euro gekoppelt ist. Der Wert eines Chiemgauers entspricht genau dem eines Euros. Allerdings lässt sich die Parallelwährung nur in der entsprechenden Region nutzen, da sie nur der örtlichen Wirtschaft zugutekommen soll, um dadurch die lokalen Händler und Geschäfte zu stärken. Deshalb ist die Regionalwährung so gestaltet, dass man sie schnell ausgeben muss – sie verliert stetig an Wert. So sind zum Beispiel die Geldscheine des Chiemgauers nur sechs Monate lang gültig. Danach müssen sie mithilfe einer Klebemarke verlängert werden. Mittlerweile ist die Umlaufgeschwindigkeit des Chiemgauers dreimal so hoch wie die des Euro. Dadurch hat er eine deutlich größere Wertschöpfung* als der Euro. Im Jahr 2014 wurden mit nur 600.000 Chiemgauern Waren und Dienstleistungen im Wert von 3,1 Millionen Euro bezahlt. Die Deutsche Bundesbank unterstützt Projekte wie den Chiemgauer, weil auch die regionalen Banknoten fäl­schungssicher sein müssen.

*Wertschöpfung: Die Verkehrsgleichung M · V = P · T (Geldmenge · Umlaufgeschwindigkeit = Preisniveau · Transaktion) besagt, dass alle Transaktionen durch eine bestimmbare Geldmenge (in Form von Banknoten und Mün­zen) durchgeführt werden.

Das Thema im Unterricht

Das Thema Geld und die verschiedenen Zahlungsmöglichkeiten werden vornehmlich im Wirtschafts-, Politik- bzw. Sozialkundeunterricht behandelt. Darüber hinaus sind die Alltagserfahrungen jedes Verbrauchers betroffen, über die es zu reflektieren lohnt. Die Schülerinnen und Schüler verfügen über die Kompetenz, ihr eigenes Verbraucherverhalten zu beschreiben und treffen somit auch Entscheidungen in Bezug auf ihren privaten Geldverkehr. Dabei unterscheiden sie die verschiedenen Arten des Zahlungsverkehrs wie Barzahlung, Überweisung, Bankkarte, Kreditkarte und elektronische Zahlungssysteme.



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