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Infoblatt Fairtrade


TransFair-Sortiment (TransFair)

Der Begriff „fair“ ist positiv besetzt: Man verhält sich fair beim Sport, man achtet und respektiert seinen Gegner und/oder Mitspieler, man ist anständig. Im Handel wird eine große Anzahl von Produkten angeboten, die sich „fair“ nennen und für einen gerechten Handel zwischen Industrie- und Entwicklungsländern stehen. Häufig wird dabei die Bezeichnung „Fairtrade“ verwendet.

Begrifflichkeiten

Mit allen Begrifflichkeiten um den fairen Handel werden die Aktivitäten, Organisationen und Vertragswerke umschrieben, die den Handel zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern so gestalten wollen, dass die konventionellen Handelsbeziehungen aufgebrochen und ein Handel auf Augenhöhe betrieben wird.

Folgende Begriffe sind üblich:

  • Der „faire Handel“ ist eine allgemeine Bezeichnung für gerechtes und anständiges Verhalten bei Geschäftsbeziehungen auf allen Ebenen, sei es lokal, sei es global.
  • Der „Faire Handel“ ist eine umfassende Benennung aller Organisationen, Unternehmen oder Institutionen, die die Kriterien des Fairen Handels erfüllen und umsetzen. Die Kriterien (s.u.) sind festgelegt worden von z.B. der World Fair Trade Organization (WFTO) oder dem Dachverband Fairtrade International (FLO).
  • „Fair Trade“ und „Fairer Handel“ werden synonym gebraucht.
  • „Fairtrade“ ist erkennbar am blau-grünen Produktsiegel, das viele faire Produkte tragen. Es wird in Deutschland von der Organisation Transfair vergeben, orientiert an den Kriterien der FLO. Fairtrade ist ein Zertifizierungssystem, mit dessen Hilfe die Handelsbeziehungen in ein Regelwerk gefasst werden sollen. Fairtrade und verwandte Begriffe mit „fair“ im Namen sind allerdings nicht rechtlich geschützt.

Der Grundgedanke

Die konventionelle Wertschöpfungskette bei Produkten und Rohstoffen beruht stets auf gering bezahlten Arbeitern oder auf landwirtschaftlichen Produzenten, die viel arbeiten, aber oftmals von dem Erlös ihrer Produkte kaum leben, erst recht keine Familie ernähren können. Die Gewinne werden gemacht im Zwischen- und Großhandel. Der Verbraucher am Ende der Kette zahlt dann einen Preis, der entweder sehr hoch oder aber sehr niedrig ist, aber dennoch alle Gewinne beinhaltet, die zwischenzeitlich abgeschöpft worden sind.

Die Situation der Produzenten und Arbeiter am Anfang aller Handelsprozesse, zum größten Teil in den Entwicklungsländern ansässig, wurde schon vor gut 50 Jahren als unfair empfunden. Seitdem bemühen sich Organisationen in den Industriestaaten des Nordens, faire Handelsbeziehungen aufzubauen.

In Deutschland hat die 1975 aus kirchlichen Jugendorganisationen beider Konfessionen hervorgegangene „Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt“, kurz Gepa, Beziehungen zu mehr als 120 kleinbäuerlichen Genossenschaften in Asien, Afrika und Amerika aufgebaut. Der Vertrieb der Produkte in Deutschland erfolgt in über 900 Weltläden.

Das Fairtrade-Zertifizierungssystem

Im Jahr 2001 haben sich die Dachorganisationen auf folgende Definition des Fairen Handels geeinigt:

„Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzentinnen und Produzenten und Arbeiterinnen und Arbeiter - insbesondere in den Ländern des Südens - leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Die Organisationen des Fairen Handels engagieren sich, bestärkt von Verbrauchern, aktiv für die Unterstützung der Produzenten, für die Bewusstseinsbildung sowie für Kampagnen zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.“ (zitiert nach Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; www.bmz.de/de/themen/fairer_handel/prinzip/)

Zwei Maßnahmen stehen im Mittelpunkt:

a) Der Fairtrade-Mindestpreis

Damit wird den Produzenten ein Mindestpreis garantiert, der die Produktionskosten für eine nachhaltige Produktion decken soll. Dieser Garantiepreis sollte stets über dem Weltmarktpreis für dieses Produkt liegen. Falls der Weltmarktpreis den Garantiepreis übersteigt, muss der höhere Preis gezahlt werden. Damit stellt der Mindestpreis eine finanzielle Absicherung der Produzenten dar.

b) Die Fairtrade-Prämie

Diese zusätzlich gezahlte Prämie soll die Bauern oder Arbeiter befähigen, gemeinschaftliche soziale Projekte zur langfristigen Verbesserung ihrer Situation planen, finanzieren und umsetzen zu können.

Neben diesen beiden zentralen Grundsätzen gibt es noch einige weitere Leitziele:

  • Mitwirkung und Mitbestimmung der Produzenten und Arbeiter, insbesondere Selbstbestimmung über die Verwendung des Mehrerlöses aus dem fairen Handel,
  • Aufbau und Pflege langfristiger Handelsbeziehungen auf der Grundlage von Dialog, Transparenz und Respekt,
  • Einhaltung von Arbeitsschutzrechten,
  • Verbot von Kinder- oder Zwangsarbeit,
  • Gleichberechtigung von Frauen,
  • nachhaltige Produktion und schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen, wenn auch ökologische Landwirtschaft z.B. nicht zwingend vorgeschrieben ist,
  • Bildungs- und Kampagnenarbeit.

Wirtschaftliche Bedeutung des Fairen Handels


Tabelle Fairtrade Deutschland 2015

Die Bedeutung des Fairen Handels in Deutschland nimmt stetig zu, hat aber insgesamt nur einen Marktanteil von unter 2 Prozent. 

Der Schwerpunkt des Handels liegt auf landwirtschaftlichen Gütern, die aus Entwicklungsländern importiert werden. Die Produktpalette reicht vom allgemein bekannten Kaffee, Tee Bananen und weiteren Südfrüchten, Kakao, Schokolade, Zucker, Honig bis hin zu Wein und Textilien aus Baumwolle. Blumen, und dabei hauptsächlich Rosen, stellen ein stark wachsendes Segment dar. Dazu kommen noch handwerkliche Erzeugnisse. 

Im Jahre 2015 wurden mit Fairtrade-Produkten in Deutschland 978 Millionen Euro umgesetzt, was eine Steigerung von 18% gegenüber dem Vorjahr bedeutete. Kaffee hat dabei mit gut 37% den größten Anteil am Umsatz. Inzwischen stellen fair gehandelte Produkte aus Europa, insbesondere Milch, Mehl und Backwaren, einen Anteil von 5% am Gesamtumsatz.

Vom Fairtrade-System profitieren mehr als 1,6 Millionen Landwirte und Arbeiter, die sich auf 1.228 Produzentenorganisationen in 74 verschiedenen Ländern verteilen. 88% der Fairtrade-Produzenten sind dabei in kleinbäuerlichen Kooperativen organisiert. An sie flossen 2015 16 Millionen Euro als Fairtrade-Prämien für gemeinschaftliche Projekte.

Auswirkungen des Fairen Handels in den Entwicklungsländern

Über die Auswirkungen des Fairen Handels wird kontrovers diskutiert. Etliche Studien kommen zu dem Schluss, dass die Fairtrade-Ziele weitgehend greifen würden, d.h. die Einnahmen kleinerer Hersteller werden verbessert und stabilisiert, die Lebensqualität und das Selbstbewusstsein nehmen zu, es wird ein erheblicher Entwicklungsbeitrag geleistet.

Kritiker bemängeln u.a., dass die Produzenten für die Zertifizierung Lizenzkosten zahlen müssen, was den Gewinn über die höheren Preise der Produkte verringern würde. Zudem würden durch den Mindestpreis die normalen Preisbildungsmechanismen außer Kraft gesetzt. Grundsätzlich wird bemängelt, dass der Begriff „fair“ impliziert, jeder andere Handel sei unfair und damit diskriminiert.


Im Kontext:
Infoblatt TransFair-Kaffee



Quellenangaben:
Literatur:
Fairtrade Deutschland, Jahres- und Wirkungsbericht 2015/16. Köln 2016
Weiterführende Links:
Klett Infoblatt TransFair-Kaffee: www.klett.de/alias/1003446
Bundesvorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ): Jugend handelt fair
www.fair4you-online.de
GEPA Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH
www.gepa.de/p/
TransFair – Verein zur Förderung des Fairen Handels in der Einen Welt
www.fairtrade-deutschland.de/
Bundeszentrale für politische Bildung: Fairer Handel?
www.bpb.de/apuz/146110/fairer-handel-suesse-schokolade-aus-bitteren-bohnen?p=all
Forum Fairer Handel e.V.
www.forum-fairer-handel.de/fairer-handel/zahlen-fakten/
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Fairer Handel
www.bmz.de/de/themen/fairer_handel/prinzip/index.html
Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst
Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.
www.brot-fuer-die-welt.de/themen/fairer-handel/?gclid=CNjo0O_qltQCFc-6GwodnWEMmw


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