Suche im TERRASSE-Archiv:

Wie entsteht ein Schulbuch? Bericht einer Schülerin

Wie entsteht ein Schulbuch? Bericht einer Schülerin


Ein Schulbuch herzustellen ist ein langwieriger, spannender und wichtiger Prozess. Schließlich sollen sowohl Lehrer als auch Schüler gut mit dem fertigen Werk arbeiten können. Wie viel Arbeit tatsächlich in so einem Buch steckt, war mir bislang nicht klar.

Wie so ein Schulbuch entsteht, bekommen wir in der Schule nicht wirklich mit. Wir lesen die Texte, gucken uns die Bilder an und brüten über den Aufgaben. Im besten Fall fällt uns eine Lösung ein. Das Buch ist da - das ist einfach so. Kaum ein Schüler dürfte sich die Frage stellen, was alles nötig ist, um so ein Buch in den Händen zu halten. Ehrlich gesagt habe ich nicht angenommen, dass man so viele Menschen braucht, um ein Schulbuch zu entwerfen, zu schreiben, zu überarbeiten und vorzustellen. (Ebenso wenig, wie ich erwartet habe, dass ein solches von dem Verlag überhaupt entworfen und an den Schulen vorgestellt wird.)

Interessant fand ich neben den einzelnen Abteilungen, dass die Flure nach Bereich eingeteilt sind, was ja durchaus Sinn ergibt. Außerdem ist die Teamarbeit beeindruckend. Jeder bringt Wissen, Kreativität, Erfahrung, Anmerkungen usw. ein. Dabei scheint es allen Spaß zu machen. Ganz nebenbei unterhält man sich und ist insgesamt im Umgang miteinander sehr freundlich, das Ganze gleicht schon fast einer Familie und ist sicherlich fördernd für die Zusammenarbeit.

Überrascht war ich davon, dass Bilder und Texte angemeldet werden müssen, bevor man sie verwenden darf. Und bis man die Genehmigung hat, dauert es noch einmal ca. zwei Monate.

Viele Beteiligte

Die Berufsgruppen im Einzelnen sind auch nicht uninteressant. Da gibt es zum Beispiel die Redakteure, die die Fäden wie ein Marionettenspieler in der Hand halten und gemeinsam mit Autoren zunächst das Konzept entwickeln. Sie müssen immer den Überblick behalten und schlussendlich die Imprimatur unterschreiben, damit gedruckt werden kann. Ich kann mir vorstellen, dass die vielen Besprechungen und die Verknüpfung von Ideen unterschiedlichster Personen bestimmt Spaß machen, selbst wenn man sich an einen Lehrplan halten muss.

Außerdem war es für mich neu, dass die Autoren ganz normale Lehrer sind, wie wir sie jeden Tag an unserer Schule sehen. Natürlich kann nicht jeder Lehrer, der seinen Unterricht toll gestaltet, auch toll schreiben. Zudem muss man in die Treffen und das Schreiben recht viel Zeit investieren und auch die hat nicht jeder Lehrer.

Handwerkszeug der Schulbuchmacher

Etwas vollkommen Neues waren die Korrekturzeichen, mit denen die Redakteure die noch nicht fertigen Texte korrigieren. Es hat eine Weile gedauert, aber auch Spaß gemacht, sich durch die Duden-Seiten für Textkorrektur zu kämpfen und die Zeichen immer wieder nachzuschlagen und selbst zu benutzen. Etwas später ging das schon ein wenig einfacher, wenn auch noch nicht wirklich leicht, von der Hand. Noch spannender war es, sprachlich unelegante Sätze umzuformulieren.

Aber auch „Testperson“ für Arbeitsblätter zu sein, hatte einen gewissen Reiz, denn so konnte ich ausprobieren, ob alle Aufgaben klar und verständlich formuliert sind oder ob hier und da vielleicht noch Zeilen eingefügt werden müssen.

Auch die HerstellerInnen machen einen interessanten Job.  Faszinierend war es, einen riesigen Druckbogen zu sehen, da die Anordnung der Seiten darauf vollkommen willkürlich scheint. Wenn er dann gefaltet ist, erkennt man jedoch, dass hinter diesem Chaos System steckt.

Bildassistenz ist ebenfalls spannend, da man die passenden Bilder erst einmal finden und dann auch noch abklären muss, ob rechtlich alles stimmt. Ich hätte nicht gedacht, dass das so viel Arbeit ist. Ich habe selbst eine Bildrecherche durchgeführt und absolut nichts zu dem Thema gefunden.
Es gibt auch ein bestimmtes System, in dem alles ganz genau gespeichert ist. Wird ein Bild in einem Schülerband zweimal verwendet, muss es auch zweimal bezahlt werden. Durch Verträge ist jedoch geregelt, dass dieses auch in einem zukünftigen Schülerband verwendet werden darf. Daher versuchen die Bildassistenten auch zunächst Bilder zu finden, die honorarfrei verwendbar sind, eine ziemlich aufwendige Sache.

Die Produktpalette

Die Produktion beschränkt sich nicht nur auf Schülerbände. Es werden Arbeitshefte, Lehrerbände und sogar Hörspiele hergestellt. Sich letztere anzuhören und den Text mit dem des Manuskripts abzugleichen, hat besonders viel Spaß gemacht. Denn im Bereich Geschichte war es schön, diese verpackt in kleine Dialoge zu hören. Hierbei wurden die Autoren dieser Hörspiele ziemlich kreativ. So werden Mr. Watt die Pläne für seine neue Dampfmaschine gestohlen, der kleine Nisir fällt in einen Kanal oder das Quartier der Edelweißpiraten wird entdeckt. Trotz dieser Geschichten war immer ziemlich klar, um welchen historischen Punkt es hierbei geht. Ich denke, das ist eine gute Möglichkeit, gerade jüngeren Schülerinnen oder Schülern, die sich sonst nicht für Geschichte interessieren, die Themen näherzubringen. Außerdem kann man sich, wenn man lernt, vieles einfacher anhand eines Beispiels merken und der Unterricht ist dank der Hörspiele nicht mehr so eintönig.

Meine Bilanz

Zusammengefasst ist alles sehr groß und jeder hat viel zu tun, auch wenn es ein recht kleines Unternehmen ist. Korrekturdurchgänge, Analysen, Layoutentwürfe und Recherchen, alles wird so lange wiederholt, bis man ein möglichst gutes Buch erschaffen hat. Dabei gibt es noch nicht einmal eine Garantie, dass dieses sich dann auch verkauft.

Ich denke, unsere Lehrer und auch wir Schüler wissen Schulbücher und andere Bildungsmedien teilweise nicht richtig zu schätzen,  da wir den Aufwand dahinter nicht kennen. Ich zumindest werde ein solches in Zukunft sicherlich mit etwas anderen Augen sehen.


Im Kontext:
Das TERRA-Tagebuch: So entsteht ein Schulbuch



Zurück zur Terrasse

Ihr Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden