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Erklärfilme für Einsteiger (Teil 2)

Erklärfilme erstellen

Legekarten für ein Beispiel

Beim Erstellen von Erklärfilmen gelten die gleichen didaktischen Gesetzmäßigkeiten wie bei allen anderen Arbeits- und Darstellungsmitteln in der Geographie. Sie müssen langsam, systematisch und spiralcurricular an die Lernenden herangetragen werden. Gerade Erklärfilme stellen einen hohen Anspruch an die Medienkompetenz der Lernenden. Daher ist die Einführung in die Methode des Erklärfilm-Erstellens zu Beginn für den Lehrenden sehr arbeitsintensiv. Betrachtet man den Mehraufwand jedoch als Investition in die Medienkompetenz der Lernenden, ist er jedoch äußerst lohnenswert. Mit unserem Starterkit können Sie gleich loslegen.

Dank selbst erstellter Erklärfilme erzielen die Lernenden auf inhaltlicher wie auch auf technischer Ebene schnelle Erfolge. Im handlungsorientierten Unterricht entsteht ein Produkt, welches die Lernenden in ihrer Selbstwirksamkeit stärkt und ihre Motivation für die Themen der Geographie fördert. Im Idealfall wollen die Schülerinnen und Schüler noch weitere Erklärfilme erstellen.
Doch nicht jedes Thema eignet sich gleichermaßen. Eine treffende Themenauswahl lässt sich mithilfe folgender Fragen erreichen:

  • Kann das Thema in weniger komplexe Teilthemen zerlegt werden, sodass dem Grundsatz „tell only one story“ nachgekommen werden kann?
  • Ist die Konzentration auf nur eine Kernaussage möglich?
  • Passt das Thema in das zeitliche Korsett des Erklärfilms?
  • Kann das Thema inhaltlich und sprachlich vom Lernenden aufgearbeitet werden?
  • Kann das Thema gut visualisiert werden? Sind dafür ausreichend Materialien vorhanden?

Starterkit mit Legetechnik am Beispiel „Vom Kakao zur Schokolade“

Das Starterkit besteht aus einem Storyboard (oder auch Storybook genannt) sowie aus einer Reihe von Legekarten. Für den Einsatz im Unterricht benötigt man zusätzlich ein Medium zum Aufnehmen des Films. Dafür können schuleigene Tablets zum Einsatz kommen oder unter bestimmten datenschutzrechtlichen Voraussetzungen das Handy der Lernenden. Die Lernenden werden in Dreier-Teams eingeteilt. Dabei werden folgende Rollen verteilt: Kameramann/frau, Kartenspieler/in und Vorleser/in. Für die Durchführung werden je nach Klassenstufe ein bis zwei Schulstunden benötigt.

Das Storyboard


M1 Storyboard „Vom Kakao zur Schokolade"

Grundlage für die Erstellung des Erklärfilms ist ein Drehbuch bzw. Storyboard. Dieses ist in zwei Spalten (M1) gegliedert, die den Aufnahmeablauf des Erklärfilms vorgeben und strukturieren. Die erste Spalte beinhaltet den gesprochenen Text, die zweite Spalte die zu legenden Karten. Jede Zeile beinhaltet einen Teilaspekt des Erklärfilms. Bei der Erstbegegnung ist es sinnvoll, alle oder die meisten Karten und Texte vorzugeben. Mit zunehmender Erfahrung können die Lernenden selbst Texte verfassen und Karten gestalten. Ferner können Lehrende mit differenzierten Vorgaben innerhalb der Klasse auch der Heterogenität der Schülerschaft gerecht werden.

Das Kartenset


M2 Kartenset

Das Kartenset besteht aus einer Reihe von Bildkarten, die das Thema visualisieren. Für die methodische Orientierung sind die Karten mit verschiedenen Symbolen gekennzeichnet:

  • Die Zahlen in der oberen linken Ecke legen die Reihenfolge der Karten fest.
  • Der Dokumentenstapel zeigt an, dass weitere Karten solange aufeinandergelegt werden, bis eine Karte mit offener Hand erscheint.
  • Die offene Hand steht für das „Wischen“. Mit Erscheinen dieses Symbols auf einer Karte werden alle bis dahin gelegten Karten weggewischt und eine neue Zeile des Storybooks wird bearbeitet.

Methodisches Vorgehen in Gruppen

Bevor die Lernenden den Erklärfilm erstellen, sollte das Legen und Sprechen mehrfach eingeübt werden. Sobald das Team mit der Qualität zufrieden ist, kann die Aufnahme starten. Das Mikrofon des Aufnahmemediums sollte nah zum Sprecher geführt werden. Damit wird der gesprochene Text klarer und störende Nebengeräusche werden reduziert. Als Alternative kann die Erstellung des Erklärfilms als Hausaufgabe oder als Teil eines Portfolios erfolgen.

Mehrwert aus Sicht der Lehrenden und Lernenden

Erklärfilme liefern Erkenntnisse über das schülereigene Verstehen. Wenn man so will, können Erklärfilme die Möglichkeit geben, in die Köpfe der Schüler/innen hineinzublicken, und lassen somit diagnostische Rückschlüsse zu. Mit Sichtbarwerden ihrer Gedanken und der damit einhergehenden Offenlegung von Prä- oder auch Misskonzepten ergeben sich für die Lehrperson maßgebende Hinweise auf den Fordern- und Förderbedarf der Lernenden. Die inhaltliche Auseinandersetzung in der Gruppe fordert die Lernenden zur Ko-Konstruktion auf, die lerntheoretisch zur Steigerung der Lernqualität beiträgt. Mit anderen Worten: Schülerinnen und Schüler lernen von Gleichaltrigen schneller und mehr als im rein lehrerzentrierten Unterricht. Ferner können selbst erstellte Erklärfilme als Chance und Mittel im Umgang mit Heterogenität dienen und damit als Werkzeug für differenzierenden Unterricht eingesetzt werden.

Abschließende Bemerkung:
Erklärfilme sind keine Heilsbringer! Sie sind lediglich ein Medium innerhalb der vielfältigen geographischen Arbeits- und Dartstellungsmittel. Das richtige Maß zu finden, gilt auch für den Einsatz von Erklärfilmen. Ein Übermaß würde starke Abnutzung nach sich ziehen, sodass der Mehrwert darunter leiden kann. Dennoch sind Erklärfilme eine zeitgemäße, der Lebenswelt der Lernenden nahestehende und darüber hinaus didaktisch sinnvolle Art und Weise, methodisches und inhaltliches Lernen auf einen Nenner zu bringen.

Im Kontext:
Lernen durch Erklären – selbstgedrehte Erklärfilme am Unterrichtsbeispiel „Strategien und Maßnahmen zum Schutz der Erdatmosphäre in Politik und Gesellschaft“
Erklärfilme für Einsteiger (Teil 1)

Quellenangaben:
https://www.filmundschule.nrw.de/de/
https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2018/Studie/JIM2018_Gesamt.pdf
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (Hg.) (2018): JIM Studie. Stuttgart
Kriebisch, I/ Schnack, J (2016). Digitales Lernen, Einführung in den Themenschwerpunkt. In: Pädagogik 6/16.

Bildquellen: 1. Junge Frau mit Schokolade: stock.adobe.com (Victor Koldunov), Dublin; 2. Herz: ShutterStock.com RF (Wanner Bobbler), New York, NY; 3. Fragezeichen: ShutterStock.com RF (art4all), New York, NY; 4. The End: ShutterStock.com RF (Azat Valeev), New York, NY
Illustratoren: Steffen Jähde, Sundhagen


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Storyboard „Vom Kakao zur Schokolade" (application/octet-stream 3.3 MB)

Legekarten „Vom Kakao zur Schokolade" (application/octet-stream 3.2 MB)


Autorin/Autor:

Tobias Litz

Bereichsleiter Geistes- und Gesellschaftswissenschaften am Staatlichen Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Reutlingen

TERRASSE online
www.klett.de/terrasse
Datum: 17.04.2020


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