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Klett-Erklärfilm „Der Klimawandel“

Der Klimawandel in der gesellschaftlichen Debatte (Screenshot aus dem Klett-Erklärfilm; Quelle Abb./Film: creanovo, Axel Kempf, Hannover)

Warum ausgerechnet noch ein Erklärfilm zum Klimawandel? Zwar gibt es Informationen und Materialien zum Thema aktuell in großer und beinahe unüberschaubarer Vielzahl, doch nicht alles ist fachlich fundiert, anschaulich und schülernah zugleich. Schließlich geht es bei diesem Thema um nichts weniger, als die Schülerinnen und Schüler fit im Umgang mit einer der größten Herausforderungen unseres Jahrhunderts zu machen.

Spätestens seit den Demonstrationen der Jugendbewegung „Fridays for Future“ hat die Diskussion über den Klimawandel bzw. die Klimakrise alle gesellschaftlichen Bereiche erfasst. Der richtige Umgang mit dem Klimawandel wird von der Mehrheit der Bevölkerung hierzulande als eine der zentralen Zukunftsfragen angesehen. Gleichzeitig finden in der Öffentlichkeit kontroverse Debatten statt. Klimawandelleugner stehen Klimaschützern unversöhnlich gegenüber, Verschwörungstheorien sowie radikale politische Positionen kommen hinzu, und oft wird diese Auseinandersetzung dann polemisch und unsachlich ausgetragen.

Aufgrund der hohen Komplexität der zugrundeliegenden Prozesse sind die Sachzusammenhänge und die verwendeten Klimamodelle für viele Menschen nicht oder nur schwer zu verstehen bzw. fühlen sich viele Menschen unsicher. Gerade diese Unsicherheit bietet Klimawandelleugnern einen wichtigen Ansatzpunkt, um Zweifel zu sähen und den menschengemachten Klimawandel zu bestreiten oder kleinzureden.

Das Thema im Geographieunterricht


Der Anthropogene Treibhauseffekt (Screenshot aus dem Klett-Erklärfim)

Auch wenn es sich grundsätzlich um ein fachübergreifendes Thema handelt, hat sich doch gerade die Geographie in den letzten Jahren stark dem Thema Klimawandel angenommen und so findet es auch in den Lehrplänen für das Fach Geographie bzw. Erdkunde eine immer stärkere Berücksichtigung. Dabei geht es nicht nur um die naturwissenschaftliche Erklärung, sondern auch um die gesellschaftliche Relevanz. Damit leistet gerade unser Fach einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung und zur Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Aufgrund der existenziellen Bedeutung des Klimawandels und der hohen gesellschaftlichen und medialen Relevanz kann davon ausgegangen werden, dass die meisten Schülerinnen und Schüler entsprechend motiviert sind, sich mit dem Thema im Unterricht auseinanderzusetzen und darüber hinaus eine hohe Bereitschaft besitzen, politische Lösungsansätze zu diskutieren und auch eigene Handlungsmöglichkeiten auszuloten.

Andererseits fordert offensichtlich die Komplexität des Themas und der hohe Abstraktionsgrad der verwendeten Modelle die Schülerinnen und Schüler in hohem Maße heraus. So konnte Stephan Schuler in seiner Untersuchung der Alltagstheorien zu den Ursachen und Folgen des Klimawandels zeigen, dass selbst viele Schüler/innen der Jahrgangsstufe 12 nur über geringe bzw. auch fehlerhafte Kenntnisse zu den dem Klimawandel zugrundeliegenden Prozessen verfügen. So werden beispielsweise die Luftverschmutzung oder das Ozonloch als ursächlich für den Treibhauseffekt angesehen und Vorgänge des Strahlungsgeschehens verwechselt (Schuler 2011, S. 185ff.). Zwar hat sich in den Jahren nach 2011 die Präsenz des Themas in den Medien weiter erhöht und es steht oft auch mehr Unterrichtszeit dafür zur Verfügung, doch ist zu erwarten, dass weiterhin viele Schülerinnen und Schüler die oben beschriebenen Fehlvorstellungen bezüglich zentraler Prozesse des Klimawandels aufweisen.

Umso wichtiger ist es daher, den Schülerinnen und Schülern einerseits einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zum Thema zu ermöglichen bzw. ihnen didaktisch reduzierte, anschauliche Unterrichtsmaterialien anzubieten, andererseits aber das Thema in seiner ganzen Breite inhaltlich fundiert zu beleuchten. Der Einsatz eines geeigneten Erklärfilmes kann hier eine wertvolle Hilfe sein.

Erklärfilme im Unterricht

Erklärfilme bieten sich vor allem dann als Unterrichtsmedium an, wenn Texte und Abbildungen nicht ausreichen, komplexe oder sehr abstrakte Sachverhalte anschaulich und knapp zu erläutern (Krämer und Böhrs 2017, S. 255).

Sie wirken multisensorisch, d.h. durch die Verknüpfung von bewegten Bildern, dem gesprochenen Wort und Textelementen sprechen sie mehrere Sinne gleichzeitig an und können so die kognitive Belastung der Lernenden reduzieren sowie auch verschiedenen Lernstilen gerecht werden. Wie Stefanie Findeisen, Sebastian Horn und Jürgen Seifried im Rahmen einer Auswertung mehrerer Studien gezeigt haben, können Erkärvideos durch die multisensorische Wirkung, eine ansprechende Gestaltung, die Auswahl einer geeigneten erklärenden Person und den Einsatz interaktiver Elemente nicht nur die Motivation und Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler steigern, sondern auch den Lernerfolg an sich erhöhen (Findeisen et al. 2019, S. 29f.).

Zur Gliederung des Films


Was kann ich tun, um den Klimawandel zu begrenzen? (Screenshot aus dem Klett-Erklärfilm)

Durch die multisensorische Wirkung von Erklärfilmen wird die Aufmerksamkeit der Lernenden stark gefordert. Empirische Befunde zeigen, dass Erklärfilme daher möglichst eine Länge von sechs Minuten nicht überschreiten sollten, da danach die Aufmerksamkeit vieler Schülerinnen und Schüler absinkt (Findeisen et al. 2019, S. 29). "
Aus diesem Grund wird der Erklärfilm „Der Klimawandel“ nicht nur als Gesamtfilm von elf Minuten Länge zur Verfügung gestellt, sondern auch in drei separaten Teilfilmen: „Auswirkungen des Klimawandels“, „Ursachen des Klimawandels“ und „Handlungsstrategien“.

Um die Schülerinnen und Schüler nicht zu überfordern, wurde darauf verzichtet, sofort deduktiv mit den komplexen Ursachen des Klimawandels in die Thematik einzusteigen. Gerade der induktive Weg geht altersangemessen auf das Erfahr- und Beobachtbare ein, interessiert und motiviert. Der Lernweg wird damit streng an den Schülern orientiert, das Thema quasi „von hinten nach vorne“ bearbeitet: Die Annäherung an das Thema erfolgt konsequent über die Auswirkungen des Klimawandels. Davon ausgehend, werden im zweiten Teilfilm die Ursachen der globalen Erwärmung beleuchtet, genau diese Fragestellungen sind dann den Schülern wichtig. Ziel der ersten beiden Teilfilme ist es, dass die Schülerinnen und Schüler sich die Auswirkungen und Ursachen des Klimawandels erschließen sollen. Im letzten Teilfilm werden die einzelnen Handlungsstrategien im Umgang mit den Klimawandel kritisch miteinander verglichen. Ziel dieses Teilfilmes ist es, die Lerner zu befähigen, Strategien zum gesellschaftlichen Umgang mit dem Klimawandel zu beurteilen und sie zu motivieren, selbst einen Betrag zum Schutz des Klimas zu leisten.

Begleitmaterial als Erschließungshilfe

Empirische Befunde belegen, dass die Lernerfolge mit Erklärfilmen dann besonders groß sind, wenn interaktive Elemente oder geeignete Zusatzmaterialien den Lernenden eine individuelle und aktive Verarbeitung der dargebotenen Inhalte ermöglichen (Findeisen et al. 2019, S. 23ff.). Einerseits ist der Erklärfilm zum Klimawandel so strukturiert, dass er sich sinnvoll teilen und wiederholen lässt. Wichtiger noch sind aber die passgenauen Begleitmaterialien, die über den Digitalen Unterrichtsassistenten zur Verfügung gestellt werden.

  • Eine Kopiervorlage enthält den Text zum Mitlesen. Dieser ist als Inklusionsmaterial v.a. für solche Schülerinnen und Schüler geeignet, die mit dem Hören und Sehen Probleme haben oder für die das zusätzliche Mitlesen eine Hilfe bei der Informationsverarbeitung darstellt.
  • Darüber hinaus sollen Arbeitsblätter zum Hörverstehen die Konzentration auf zentrale Aspekte des Films lenken und so die Sicherung der Inhalte vorbreiten.
  • Das zentrale Begleitmaterial sind die Arbeitsblätter zur Sicherung und Vertiefung, die in zwei Niveaustufen angeboten werden. Das einfache Niveau bietet Lösungshilfen in Form von Scaffolds, während die Aufgaben des schwierigeren Niveaus ohne Lösungshilfen angeboten werden.
  • Zusätzliche Infoblätter sollen es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, Ihre Kompetenzen zu erweitern und zu vertiefen. Gerade die Arbeitsblätter bieten Möglichkeiten, auch höhere Anforderungsbereiche des Erklärens und Analysierens zu erreichen.

Fazit zum Einsatz im Unterricht

Der Erklärfilm bzw. die Teilfilme können im Unterricht flexibel eingesetzt werden. So sind einzelne Abschnitte geeignet, im Rahmen eines Einstiegs in die Unterrichtseinheit zum Klimawandel die Schülerinnen und Schüler zu motivieren, sich auf das Thema einzulassen bzw. Gesprächsanlässe zu bieten.

Der Schwerpunkt der Einsatzmöglichkeiten liegt allerdings im Erschließen neuer Inhalte bzw. der Sicherung von Kompetenzen. Durch die Texte zum Mitlesen, die Arbeitsblätter zum Hörverstehen, die Arbeitsblätter zur Sicherung sowie durch die Möglichkeit, die Filme jederzeit zu unterbrechen bzw. einzelne Abschnitte zu wiederholen, wird ein individualisiertes Lernen im eigenen Tempo unter effektiver Ausnutzung verschiedener Lernkanäle ermöglicht. Gerade leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler erhalten durch die kompakte visualisierte Zusammenfassung zusätzliche Hilfen beim Verstehen und Erinnern der Inhalte.

Aber auch weitere kreative Möglichkeiten zur Unterstützung des Lernprozesses sind denkbar und werden unterstützt: So können die Schüler auch das eigenständige Erstellen von Texten zu Filmsequenzen auf der Grundlage von eingeführten Fachbegriffen vornehmen oder auch die Gestaltung von Lückentexten üben. Da durch die Erstellung eigener Filmsequenzen der individuelle Lernprozess stark unterstützt werden kann, bietet es sich an, die vorliegenden Erklärfilme zum Ausgangspunkt eigener, von Schüler/innen erstellter Filme zu Unterrichtsinhalten werden zu lassen. Diese Methode wird unter anderem in vielen Terra-Schülerbüchern eingeführt.

So bietet das Medium Erklärfilm eine Chance, dieses emotional aufgeladene und in seiner Komplexität schwer zu erfassende Thema auf eine schülerorientierte Art anschaulich und zugleich sachlich fundiert darzustellen. Hierbei können Lernprozesse angestoßen und die Schülerinnen und Schüler motiviert werden, mehr über das Thema zu erfahren und eigene Handlungsmöglichkeiten zu reflektieren.


Klett-Erklärfilm „Der Klimawandel“


Im Kontext:
Infoblatt Klimawandel
Infoblatt Klimawandel und dessen Auswirkungen auf Deutschland
Klimawandel – was jeder von uns tun kann
Wolken und Klimawandel
Infoblatt Geoengineering – gezielte Eingriffe in das Klimasystem

Quellenangaben:
Stefanie Findeisen, Sebastian Horn und Jürgen Seifried: Lernen durch Videos – Empirische Befunde zur Gestaltung von Erklärvideos, in: MedienPädagogik 10/2019, S. 16-36; unter: https://doi.org/10.21240/mpaed/00/2019.10.01.X.
Andreas Krämer und Sandra Böhrs: How Do Consumers Evaluate Explainer Videos? An Empirical Study on the Effectiveness and Efficiency of Different Explainer Video Formats, in: Journal of Education and Learning, Vol. 6, No. 1, 2017, S. 254-266.
Stephan Schuler: Alltagstheorien zu den Ursachen und Folgen des globalen Klimawandels. Erhebung und Analyse von Schülervorstellungen aus geographiedidaktischer Perspektive. Bochumer Universitätsverlag Westdeutscher Universitätsverlag 2011


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Autorin/Autor:

Jens Bickel

Gymnasiallehrer für Geographie und Geschichte, seit 2003 Redakteur im Programmbereich Geographie beim Ernst Klett Verlag in Leipzig, betreut u.a. Schülerbücher der TERRA-Reihe
Kontakt: j.bickel@klett.de

TERRASSE online
www.klett.de/terrasse
Datum: 27.11.2020


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