Juli 2019

Ami(e)s de la Bonne Chanson, bonjour!

Der Mann ist längst eine Chansongröße – und das eigentlich schon fast 20 Jahre: Yves Jamait. Wie kommt es, dass ihn hierzulande keiner kennt? Mysterium.

Das ist manchmal ganz schön schwer zu erklären. Da macht einer Platten seit Anfang des Jahrtausends, hat in Frankreich schon alle großen Säle und Hallen gefüllt, die Zeniths, die Arènes und sogar das Olympia – letzteres sogar mehrfach. Er hat mit seinen großen Vorbildern gesungen – und mit den ganzen Leuten, die seit 2000 im Chanson groß geworden sind. Hier in Deutschland aber, wo doch alle auf Chanson stehen – grade wenn es noch ursprünglich ist wie bei Yves Jamait – da kennt ihn fast niemand. Mysterium in der Tat!

Auch in seinen Geschichten merkt man die großen Vorbilder, die Yves Jamait in seinen intensiven Konzerten erzählt und die er auf CD gepresst hat: Maxime Le Forestier, Charles Aznavour, Allain Leprest, Anne Sylvestre von den Altvorderen lassen grüßen, Aldebert, Agnès Bihl oder Sarclo von seinen Zeitgenossen – all diese teilen eine Sicht auf die Welt, die man gerne als REALISTISCH bezeichnet. Auch wenn sie voller Poesie ist. Aber eben auch engagiert.

Es wird also Zeit, Yves Jamait zu entdecken – heute mithilfe von Youtube und Internettextseiten überhaupt kein Problem mehr. Und wenn ihn manche ironisch die "Schildmütze des französischen Chansons" nennen, weil er immer eine aufhat, dann sollten sie mal in seinen sogenannten Realismus reinhören: Einsamkeit, Bars, die Arbeiterkultur, Besäufnisse, Liebe, Trennung, Melancholie – dieser Mann formt die Tristesse des Lebens in eine Hymne für die Demütigen um – und ist vielleicht einer der Authentischsten im Chanson, die auch noch was zu sagen haben. Mit "Mon Totem" legt er sein 7. Album vor… es lohnt sich, ihm endlich zuzuhören.

Links zum Thema

Jeden Dienstagabend präsentiert Monsieur Chanson die ganze Vielfalt des frankophonen Chansons in www.sr2.de/rendezvous-chanson.

RendezVous Chanson

Yves Jamait

Zur Person

Gerd Heger, Pfälzer aus der Nähe von Oggersheim, auf halbem Weg nach Paris in Saarbrücken gelandet. Dort Radiomann, also Journalist, Moderator und Musikprogrammgestalter, seit 1988, nebenbei Autor, Musiker und (Nicht-ganz-) Dichter. Als Monsieur Chanson ist er ein profunder Kenner der aktuellen frankophonen Musik, deren Vielfalt er in seiner wöchentlichen Sendung RendezVous Chanson auf SR2 KulturRadio präsentiert.