Nachgefragt: Wie organisieren Sie Ihren Unterrichtsalltag von zu Hause?

Wir haben Lehrkräfte gebeten, uns ihren Unterrichtsalltag in Zeiten der aktuellen Schulschließungen zu beschreiben. Die nachfolgenden Erfahrungsberichte spiegeln einen Teil dessen wider, wie der Fern-Unterricht aktuell bewältigt wird.Viele Fragen rund um Digitalisierung, Diagnose oder Differenzierung werden uns in den nächsten Wochen noch beschäftigen.

22.4.2020

Erfahrungen aus dem HomeOffice
 
Durch die Schulschließungen in NRW hat sich meine Arbeit größtenteils nach Hause verlagert. Die Schülerinnen und Schüler unserer Schule hatten bereits vor der Schließung den Auftrag Bücher, Lernpläne und Hefte mit nach Hause zu nehmen. Je eine Kollegin oder ein Kollege, sowie ein Mitglied der Schulleitung sind in der Notbetreuung. Hierzu konnten wir uns freiwillig melden. Das wurde gut und zügig organisiert, so haben alle stets einen Ansprechpartner und Planungssicherheit. Hier habe ich noch keine Erfahrungen gemacht.
 
An unserer Schule laden alle Kolleginnen und Kollegen Arbeitsanweisungen, notfalls auch Material ins Internet hoch. Die Arbeitsanweisungen beziehen sich dabei normalerweise auf die Bücher, teilweise verlinke ich aber auch das derzeit reichhaltig vorhandene Onlinematerial im Netz. Dies können Arbeitsblätter, Videos oder Textquellen sein. So kann ich differenziertes Material fachspezifisch anbieten.
 
Die Schülerinnen und Schüler haben Zugänge, mit denen sie die Aufgaben von der Homepage laden können. Auch diese Zugänge wurden bereits vor der Schließung verteilt. Für Fragen stehe ich den Schülerinnen und Schülern per E-Mail oder am Telefon zur Verfügung. Auch Videochats sind möglich, i.d.R. arbeiten die Schülerinnen und Schüler aber selbstständig und bisher auch zuverlässig.

Das erarbeitete Material senden die Jugendlichen per E-Mail an mich. Ich arbeite es durch und sende es kommentiert zurück, wenn sich Unklarheiten ergeben. Die gesamte Fülle an Aufgaben zu kommentieren ist mir zeitlich leider nicht möglich. Dies liegt daran, dass ich zusätzlich den Downloadbereich der Homepage pflege, Klausuren korrigieren muss und das schriftliche und mündliche Abitur mit meinem Abschlussjahrgang online vorbereite.
 
Ich habe den Eindruck, dass alle Betroffenen des Systems Schule versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und sehr lösungsorientiert arbeiten. Trotzdem freue ich mich bereits darauf, wenn die Schule wieder „normal“ weitergeht.

Sebastian K., Gesamtschule, Nordrhein-Westfalen

7.4.2020 - Seit der Schulschließung hat sich unser Schulbetrieb organisatorisch enorm verändert. Wir haben in der neuen Situation vieles dazugelernt, ausprobiert und angeschoben und sind heute an einem Punkt, wo wir mit gutem Gefühl sagen können, dass wir das Beste aus der Situation gemacht haben.

Ohne das tolle Kollegium und deren Einsatz könnten wir den Kontakt zu unseren Schülerinnen und Schülern in dieser Form nicht halten. Gefühlt stehen wir 24 Stunden an 7 Tagen zur Verfügung, nicht zuletzt aufgrund der Notbetreuung, für die wir kurzfristig einen Betreuungsmodell entwickeln konnten. Die Belastung ist für alle sehr hoch. Viele von uns arbeiten mit kleinen Kindern aus dem „Home-Office“ heraus und müssen dies trotz fehlender Dienst-Geräte oder Dienst-eMails bewerkstelligen. Es ist wichtig Pausen einzulegen und zu versuchen, zwischen der Arbeit zu Atmen und sich zu entspannen.

Kurz vor der Schließung haben wir an unserer Schule die Plattform Schulmanager einführen können. Durch die Nachrichtenfunktion erreichen wir knapp 90 % aller Eltern, um Aufgaben für unsere Schülerinnen und Schüler zu verschicken und wichtige Informationen der Schulleitung auf direktem Wege weiterzugeben. Die restlichen Eltern erreichen wir über den postalischen Weg oder durch Telefonate.

Wichtig ist uns, dass die Arbeitspläne für die Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern entlastend gestaltet sind. Wir wollen keinen in dieser Situation überfordern, viele Eltern sind tagsüber durch ihre Arbeit sehr eingespannt und stehen für die Hausaufgabenbetreuung nicht immer zur Verfügung. Arbeitsblätter im klassischen Sinne gibt es bei uns nicht. Übungsaufgaben sind enthalten, aber wir wollen den Lernstoff nicht einfach abarbeiten lassen. Typische Aufgaben bei uns sind z.B. Schau dir die Folge X von der Sendung mit der Maus an, berichte. Koche gemeinsam mit deinen Eltern und schreibe im Anschluss das Rezept für ein gemeinsames Klassenkochbuch auf. Höre ein Hörspiel.
Wir haben zudem ein Schul-Padlet eingerichtet. Dort finden die Schüler und Schülerinnen Hörspiele, Lesungen, Bastelideen u.v.m. Die Kinder dürfen darin auch eigene Vorschläge veröffentlichen.
Das klappt sehr gut, organisiert wird das von einer Kollegin. Glücklicherweise ist das Kollegium an unserer Schule digital sehr affin. Es werden sogar schon erste Erklärfilme produziert.

Um den Kontakt zu unseren Schülern zu halten, finden neben 1:1 Telefonaten zwischen Lehrkraft und Schüler auch Videokonferenzen über Jitsi Meet statt. Mehrfach in der Woche, oft zu festen Zeiten, treffen sich die Klassenlehrkräfte mit der gesamten Klasse, oder mit einer kleineren Gruppe. Darüber erhalten wir wichtige Rückmeldungen, wie unsere Schulkinder mit der Situation emotional zurechtkommen und wie und ob sie fachliche Hilfe benötigen. Eine Bewertung ist aber derzeitig völlig deplatziert. Die Ausstattung bei den Schülern und Schülerinnen zu Hause ist höchst unterschiedlich. Da wo es nicht ausreichend ist, werden wir, hoffentlich in Absprache mit unserem Schulträger, die Kinder aus unserem Schulbestand versorgen, immerhin sind das knapp über 50 Endgeräte.

Unsere Schülerinnen und Schüler kommen aus höchst unterschiedlichen Elternhäusern. Die Lern-Voraussetzungen sind extrem verschieden. Wir horchen von jeher in die familiären Situationen hinein, aber aktuell ängstigt die Situation viele Kinder und auch Lehrkräfte. Sollte der Unterricht nach den Osterferien wieder starten, werden wir den Kindern zu allererst auf emotionaler Ebene begegnen. Viel Raum für Gefühle, Erlebnisse, Ängste, Sorgen, Hoffnungen und Bedürfnisse geben und sich Zeit nehmen wieder in einen strukturierten Alltag zurückzukehren. Für uns alle gilt: emotional vor sozial vor kognitiv.

Welche Probleme aus der Schulschließung noch auf uns zukommen, wissen wir nicht. Viele Fragen können wir heute noch nicht beantworten. Wie werden später die Übergänge geschaffen? Welche sozialen und kognitiven Kompetenzen sind verloren gegangen? Wir können und müssen uns auf den Weg machen und während der Planung und Umsetzung genau hinschauen und hinhören.
Ich bin optimistisch und glücklicherweise kann ich mich hierzu täglich via Zoom mit anderen Schulleitungen in einem mittlerweile seht vertrauten Rahmen austauschen.

Anna Fröhlich, Schulleiterin Grundschule, NRW

4.4.2020


Seit dem Wechsel vom Präsenzunterricht zum Homeschooling mit Beginn der Coronakrise bin ich sehr froh, dass ich an einer „digitalen Schule“ mit einer verhältnismäßig guten technischen Ausstattung unterrichte. Daher profitieren ich und vor allem natürlich die Schüler von der Erfahrung, die wir seit knapp 10 Jahren gemeinsam sammeln konnten. Die letzten beiden Schulwochen liefen in den iPad-Klassen, die ich unterrichte, daher ungefähr so ab:

mebis (die digitale Unterrichtsplattform des bay. Kultusministeriums) ist auch weiterhin das zentrale Element über das ich den Schülern sämtliche Unterrichtsinhalte zukommen lasse. Leider wurde die Plattform gleich zu Beginn der Schulschließung durch DDoS-Angriffe lahmgelegt. Dies hat es in der ersten Woche nahezu unmöglich gemacht, für SuS zu normalen Tageszeiten auf die Plattform zuzugreifen. Zusätzlich habe ich daher die Materialien über die schuleigene Nextcloud zur Verfügung gestellt. Die 7. Klasse, die auf Red Line über die Klett Lernen App als eBook pro in digitaler Form aufrufen kann, hat hier besondere Vorteile. So können die SuS z. B. zusätzliche Übungen bearbeiten und vor allem auf sämtliche Hörtexte und Videos zugreifen, was ihnen gerade in der aktuellen Phase den notwendigen authentischen und zum Lehrwerk passenden sprachlichen Input gibt.

Ab der zweiten Woche war mebis dann aber wieder verlässlich nutzbar. Material konnte wieder wie gewohnt den Schülern zugänglich gemacht werden, Hausaufgaben hochgeladen und Feedback/Korrekturen gegeben werden. Viele Lehrkräfte traten spätestens dann über (Video)chatkonferenzen (jitsi/riot) mit ihren Klassen in Kontakt. Auch dies funktionierte in meinen Klassen problemlos. Ein kleines Team von „Experten“ an der Schule stand darüber hinaus ständig für Fragen technischer Art zu den o. g. Tools zur Verfügung.

Ich denke, dass gerade diese Kombination aus der guten technischen Ausstattung, der für alle Beteiligten gewinnbringenden Erfahrung aus den letzten Jahre und der flexiblen Erreichbarkeit von Experten innerhalb des Kollegiums dazu geführt hat, dass ein erstes Fazit durchaus positiv ausfallen darf.

Da ich meinen Unterricht auch schon vor der Schulschließung fast ausschließlich in Mebis und mit dem eBook abgebildet habe, unterscheidet sich die Vorbereitung und Bereitstellung der Materialien eigentlich gar nicht mehr so stark vom normalen Schulalltag. Trotzdem kann die aktuelle Art des Unterrichtens die direkte und persönliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht natürlich nicht ersetzen und ich hoffe auf eine baldige Rückkehr zum persönlichen Kontakt mit den SchülerInnen in der Schule.

Johannes Offinger, Realschule am Europakanal, Erlangen


3.4.2020 - Die Gesamtschule, an der ich arbeite, ist noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen. Zwar verfügen wir über einige I-Pads im Klassensatz und moodle-Grundlagen, aber sowohl der Unterricht im Normalfall als auch der Unterricht während der Schulschließungen schleichen aufgrund unserer Ausstattung den digitalen Möglichkeiten hinterher. Daher haben wir die pragmatische Variante gewählt und unterrichten unsere Schüler*innen aktuell per Email.

Einmal pro Woche verteilen die Klassenlehrer*innen Aufgaben per Email an die Schüler*innen. Diese erhalten sie von den Fachlehrer*innen. Schon das bedeutet in einem Kurssystem viele verschiedene Emails, die an alle Schüler*innen weitergeleitet werden. Die Schüler*innen müssen also zunächst sortieren, welche Aufgaben sie für ihre Kurse erledigen müssen.

Die Arbeitsaufträge basieren hauptsächlich auf den Lehrwerken, die die Schüler*innen mit nach Hause genommen haben. Nur zu Übungszwecken verweise ich für mein Fach Deutsch auf passende Internetseiten. Zusätzliche Emailanhänge mit Arbeitsblättern zu verschicken, hat sich als nicht praktikabel erwiesen. Die Eltern haben zurückgemeldet, dass sie mit dem Ausdrucken nicht hinterherkommen. Tatsächlich gibt es auch nicht in jedem Haushalt einen funktionierenden Drucker.

Ich baue pro Woche mindestens eine Hausaufgabe ein, die ich per Fotoanhang an eine Email zurückbekommen möchte. Diese Hausaufgabe baut auf den übrigen Aufgaben auf und bietet so für mich die Kontrolle, ob die Aufgaben gemacht und verstanden wurden. Zwischendurch besteht natürlich die Möglichkeit für Rückfragen per Email, die jedoch nicht sehr intensiv genutzt wird. Am Ende einer Woche mahne ich die fehlenden Hausaufgaben an. Da viele Emails über die Eltern weitergegeben werden, haben so auch die Eltern die Information, wenn etwas fehlt. Die angemahnten Hausaufgaben wurden übrigens sehr schnell nachgeliefert!

Fast alle Schüler*innen erreichen wir auf diesem Weg, allerdings gibt es einzelne Familien, die auch auf Nachfrage keine Email-Adresse angegeben haben oder Schüler*innen, die keine Hausaufgaben schicken.


Dr. C. Nagode, Gesamtschule, NRW

3.4.2020 - Ich bin Lehrerin für Biologie und Chemie an einer Gemeinschaftsschule. Ich arbeite normalerweise in Vollzeit, während mein Mann sich Zuhause um unsere zwei Kinder kümmert. In der jetzigen „Corona-Zeit“ ist unser Alltag völlig anders. Ich arbeite aber nicht nur von Zuhause aus, sondern nutze die Zeit auch, um noch einiges in der Schule – allein – zu erledigen.

Am Vormittag muss ich zuerst die E-Mails checken und schauen, ob Schüler*innen mir geschrieben haben. Wir haben – schon immer  - einen Schulserver (IServ), über den wir mit den Schülern kommunizieren können. Über diesen Server schicken wir den Schülern jetzt Aufgaben, sammeln Fertiggestelltes ein oder beantworten Fragen.

Wir haben das an der Schule so organisiert, dass die jeweiligen Fachlehrer die Aufgaben an die Klassenlehrkraft weiterleiten. Die Klassenlehrkraft sammelt die Aufgaben dann und verschickt sie gebündelt an die eigene Klasse. Die Schüler*innen erhalten die Aufgaben für die gesamte Woche, so dass nicht jeder täglich in IServ reinschauen muss. Schüler*innen, die keinen Internet-Zugang haben, bekommen die Aufgaben per Post zugeschickt.

In meiner 8. Klasse nehmen wir beispielsweise in Biologie gerade das Thema „Nervensystem und Gehirn“ durch. Der Arbeitsauftrag für die erste Woche bestand darin, ein Arbeitsblatt zum Bau der Nervenzelle mit Hilfe der Buchseite (auf zwei unterschiedlichen Niveaustufen) zu bearbeiten. Für die zweite Woche lautet die Aufgabe, ein Modell einer Nervenzelle aus selbst gewählten Materialien zu bauen, zu fotografieren und mir das Foto zu schicken.

In Klasse 10 in Chemie habe ich gerade das Thema „Säuren und Laugen“ bearbeitet. Hier mussten sich die Schüler Zuhause „die Neutralisation“ selbst erarbeiten. Zunächst sollten sie hierfür die Buchseiten lesen und die dazugehörigen Aufgaben lösen. Zum Veranschaulichen hatte ich ihnen dann den Link zum Youtube-Kanal „Musstewissen Chemie“ geschickt, damit sie sich dort das passende Lern-Video anschauen.

Nachdem ich heute morgen mehrere Fragen  beantwortet, diverse Aufgaben von Schüler*innen durgeschaut, korrigiert und bewertet habe, bin ich in die Schule gefahren. Ich nutze die Zeit in der Schule gerade, um die Chemiesammlung aufzuräumen. Denn das Gebäude, in dem sich mein Chemieraum zur Zeit befindet, wird (wahrscheinlich) im Herbst abgerissen und dann durch einen Neubau ersetzt. Daher muss ich alles dafür vorbereiten, ins andere Gebäude umzuziehen.


W. Lehmacher, Gemeinschaftsschule, Schleswig-Holstein

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27.3.2020 - Seit einer Woche verbringe ich nun mehrere Stunden vor meinem Bildschirm und zerbreche mir den Kopf, wie ich meine Schülerinnen und Schüler mit adäquaten Aufgaben versorgen kann, ihnen aus der Ferne etwas beibringen kann und sie nicht nur beschäftige. Ich möchte sie motivieren, weder unter- noch überfordern, für sie da sein, ihnen helfen, Feedback geben, bei Fragen für sie ansprechbar sein. Und das alles für all meine Klassen und Kurse. Kann ich das schaffen? Und dann denke ich, zerbrich dir nicht zu viel den Kopf. Natürlich schaffst du das!

Ich sehe das Potential der neuen Lernwege und freue mich, andere Dinge auszuprobieren. Eigentlich bin ich kein Freud von Redewendungen. Aber an dieser Stelle möchte ich doch eine anführen: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und was für meine Schülerinnen und Schüler gilt, heißt es jetzt auch für mich: Neues lernen und entdecken sowie neugierig sein. Und dann merke ich, wie viel Spaß und Freude auch digitales Lehren und Lernen machen kann – es gibt schier unendlich viele Möglichkeiten: die altbekannten Arbeitsblätter und Schulbücher – nun kombiniert mit QR-Codes (https://www.qrcode-generator.de), über die meine Schülerinnen und Schüler Videos und Lernapps (https://learningapps.org) aufrufen können. Das Internet bietet viele Möglichkeiten, Unterricht zu digitalisieren. Ich bekomme Lust auf mehr und werde sicherlich noch das ein oder andere entdecken und ausprobieren.

Ich verschicke Mails und stelle Materialien und Aufgaben auf einer Lernplattform zur Verfügung. Und schon wenige Stunden später ist mein Postfach voller E-Mails. Die Schülerinnen und Schüler waren fleißig und schicken mir ihre bearbeiteten Arbeitsblätter zurück. Nun stehe ich vor einer neuen Herausforderung: Wie soll ich das alles korrigieren und allen eine Rückmeldung geben? Aber darüber mache ich mir morgen Gedanken. Und seien wir mal ehrlich, Herausforderungen gehören zu unserer täglichen Arbeit. Jetzt sehen diese nur anders aus.

Heute Morgen finde ich als erstes eine Mail einer Schülerin in meinem Postfach, die mir im Namen der gesamten Jahrgangsstufe eine Rückmeldung über den aktuellen Stand des digitalen Lernens aus Schülersicht gibt – mit der Bitte, über aufgetretene Probleme mit meinen Kolleginnen und Kollegen zu sprechen. Mich freut das entgegengebrachte Vertrauen der Schülerinnen und Schüler, sich mit diesem Anliegen an mich zu wenden und es zeigt mir, wie wichtig der persönliche Kontakt und das „Gespräch“ sind.
Gleichzeitig wird mir auch bewusst, vor welchen Herausforderungen die Schülerinnen und Schüler stehen und was Lernen ohne persönlichen Austausch und gemeinsames Miteinander für sie bedeutet. Sie fühlen sich teilweise schlichtweg überfordert – von der Fülle der Materialien und Aufgaben, die die normale Unterrichtszeit überschreiten. Sie haben Verständnisschwierigkeiten, vor allem wenn es darum geht, sich neue Lerninhalte zu erschließen, und ihnen fehlt der Austausch untereinander und die Kommunikation mit den Lehrkräften.

Was bleibt für mich persönlich hängen?


3.4.2020 - Digitales Lernen bedeutet nicht, die Schülerinnen und Schüler mit Aufgaben und Materialien zu überhäufen. Wenn meine Unterrichtsstunde 45 Minuten dauert, dann sollten die digital zur Verfügung gestellten Aufgaben auch in dieser Zeit zu schaffen sein. Digitales Lernen hat seine eigenen Regeln und Spezifika. Es ist mehr, als Materialien per Mail zu verschicken oder auf einer Lernplattform bereitzustellen. Die Schülerinnen und Schüler müssen wissen, was wichtig ist, und brauchen Orientierung und Unterstützung.

Schülerinnen und Schüler brauchen ein Feedback und wollen gelobt werden. Also schreibe ich gleich mal eine E-Mail an alle und bedanke mich für die geleistete Arbeit, motiviere sie durchzuhalten und sage ihnen, wie sehr ich mich freue, sie hoffentlich bald wieder im Unterricht begrüßen zu dürfen.
Und dann weiß ich auch wieder umso mehr, warum ich Lehrerin geworden bin.

Wie soll ich das alles korrigieren und allen eine Rückmeldung geben?

Ich kann es kaum bewältigen, alle eingegangenen Arbeiten zu korrigieren und jeder Schülerin und jedem Schüler eine persönliche und individuelle Rückmeldung zu geben – das übersteigt meine zeitlichen Ressourcen. Aber ich weiß auch, dass Lernen nur über Feedback und Rückmeldung funktionieren kann… Eine Lösung muss her. Ich sichte also alle Antworten und Lösungen der Schülerinnen und Schüler und prüfe, ob es gemeinsame Fehlerschwerpunkte gibt. Dann erstelle ich eine Musterlösung und gebe allen gemeinsam ein Feedback. Ich lobe sie für die rechtzeitige Abgabe und stelle ihnen dann die Musterlösung zur Verfügung. Damit gebe ich die Verantwortung an die Schülerinnen und Schüler zurück und ermögliche ihnen, eigenverantwortliches Lernen. Es funktioniert gut. Die Lernenden rufen die Musterlösungen auf der Lernplattform ab und ich bleibe zuversichtlich, dass sie diese nutzen.

Für meine 10. Klasse überlege ich mir etwas anderes. Sie haben die Aufgabe, einen Schulbuchtext zu lesen – „Die Homologe Reihe der Alkane“. Wie kann ich sicherstellen, dass sie die wesentlichen Inhalte verstanden haben? Ich erstelle ein Arbeitsblatt mit Wahr-Falsch-Aussagen. Alle richtigen Aussagen ergeben am Ende ein Lösungswort und den Schülerinnen und Schülern wird gleichzeitig eine Lösungskontrolle ermöglicht. Die Aufgabe erscheint auf den ersten Blick einfach, aber nur wenn sie den Text wirklich gelesen und verstanden haben, können sie wahre und falsche Aussagen voneinander unterscheiden.

Und dann suche ich auf youtube ein passendes Video – und es gibt ihn tatsächlich den Alkane-Song. Nicht wirklich schön, aber dafür vielleicht umso einprägsamer :-)


M. Weber, Integrierte Sekundarschule, Berlin

2.4.2020 - Direkt nach der Schulschließung erreichten mich viele Nachrichten über meinen YouTube-Kanal, die im Prinzip alle die gleiche Frage enthielten: „Schule zu – und was machst du jetzt?“ Zum Glück hatten wir als Schule uns diese Frage bereits schon einige Tage vorher gestellt und unser Team von Kollegen, die die „Taskforce Corona“ bildeten, hatten sich vorbereitet.

Als Gemeinschaftsschule ist das selbstständige Arbeiten eine wichtige Säule unseres Konzeptes und in „Lernzeiten“ taten die Schüler bzw. Lernpartner, wie sie bei uns heißen, genau das: eigenverantwortliches Lernen und Üben anhand von Plänen, den „Lernpaketen“.
Trotz dieser guten Voraussetzung für das Lernen zu Hause, fragten auch wir uns, wie wir zeiteffektiv, sinnvoll und übersichtlich Aufgaben bereitstellen können um die Lernpartner bestmöglich in dieser Zeit zu versorgen und sie nicht alleine zu lassen.

Als Stufenverantwortliche für die Lernstufen 9 und 10 senden mir einmal wöchentlich die Klassenlehrer einen Plan in Form unserer Lernpakete mitsamt Arbeitsblättern zu. Dieser enthält alle Aufgaben und Arbeitsaufträge, die die Kolleginnen und Kollegen der einzelnen Fächer dem Klassenlehrer geschickt haben. Diese Pläne werden dann zu festen Zeiten auf der Schulhomepage veröffentlicht. So weiß jeder, wann er wo alle Aufgaben zur Verfügung hat.

Wir setzen auf Vielfalt und Abwechslung: von den klassischen Aufgaben im Buch über Online-Übungen bis hin zu selbstgedrehten Videos ist alles dabei. Über diesen langen Zeitraum hinweg müssen Wege gefunden werden die Motivation der Lernpartner weiterhin hoch zu halten.

Bei allen Bildungsoptionen, die den Schülern geboten werden, darf der pädagogische Auftrag nicht vergessen werden: regelmäßige „Words of Encouragement“ – kurze Worte der Aufmunterung – werden über die Schulhomepage den Lernpartner von ihren Klassenlehrern mitgegeben. Es ist für alle keine leichte Zeit und man darf den Blick auf diejenigen nicht verlieren, denen jetzt Struktur und Halt fehlt. Videokonferenzen per „Zoom“ und Chats per „schul.cloud“ helfen uns den Kontakt zu den Kindern nicht zu verlieren, aber auch als Kollegen miteinander vernetzt zu bleiben und sich zu unterstützen.

Marijke Hörger – Schulzentrum Stetten a.k.M. – YouTube: teacher’s diary

2.4.2020 - Der digitale Fernunterricht stellt uns alle vor große neue Herausforderungen. Umso schöner ist es, dass wir an unserer Schule nun noch stärker zusammenarbeiten. Über verschiedene Plattformen werden Tipps und Materialien ausgetauscht und auch per Telefon stehen wir in einem regen Austausch.

Glücklicherweise arbeiteten wir an unserer Schule schon vor der Schulschließung in einige Klassen mit der Plattform itslearning. Hier kann man als Lehrkraft mit jedem Kurs separat kommunizieren, Aufgaben und Materialien einstellen und Fristen für eine Abgabe der Arbeitsergebnisse setzen.
Leider haben jedoch nur einzelne Klassen Zugriff auf diese Plattform (Notebookklassen und Oberstufenkurse), so dass wir auch auf andere Kommunikationswege zurückgreifen müssen. So gibt es zusätzlich zu itslearning noch den Messenger-Dienst von WebUntis. Einige Kolleg*innen verschicken ihre Aufgaben auch per E-Mail-Verteiler oder über eine*n Kontaktschüler*in, der*die die Aufgaben dann per Whatsapp an den Rest der Klasse weiterleitet. Die Vielzahl der Kommunikationswege ist jedoch sowohl für Schüler*innen als auch für Kolleg*innen etwas unübersichtlich, so dass wir für die Zeit nach der Schulschließung auf eine Ausweitung der itslearning-Lizenzen für alle Lerngruppen hoffen.

Im Fremdsprachenunterricht bieten sich folgende Online-Tools besonders an: Kahoot, Quizlet und Padlet. Darüber hinaus bieten sich als Aufgabenformate das Verfassen von Emails und anderen Textsorten und das Aufnehmen von Audios oder Podcasts an.

Insbesondere leistungsschwache Schüler*innen sind mit dem Maß an Eigenverantwortung, die nun von ihnen gefordert wird, schnell überfordert. Die Arbeit mit Wochenplänen und Lerntagebüchern kann hier helfen, Struktur in den Arbeitsprozess zu bringen.

Um die Schüler*innen über den doch recht langen Zeitraum zu motivieren, versuchen wir jedem ein kurzes individuelles Feedback zu geben, entweder über itslearning oder per Mail bzw. Messenger. Natürlich ist es auch möglich, die Schüler*innen eine Selbstkorrektur vornehmen zu lassen, wenn ihnen die entsprechenden Lösungen zur Verfügung gestellt werden.

Alles in allem versuchen wir die neue Situation als Chance zu sehen, neue Formen des Lehrens und Lernens auszuprobieren und hoffen, dass die Digitalisierung der Schule nach den landesweiten Schulschließungen mit neuer Energie voranschreitet.

Frau Partzsch und Frau Pessozki, Friedensburgoberschule, Berlin

1.4.2020

Liebe alle!
Als Erdkundelehrer an einer Realschule+ in Rheinland-Pfalz bin ich wie viele andere in der Situation, SchülerInnen mit Materialien auszustatten, um dem Bildungsauftrag nachzukommen – wohlwissend, dass einführende Gespräche, verbindende Anmerkungen, witzige und persönliche Kommunikationsmuster, erklärende Aspekte nicht wie bisher stattfinden können. Die Persönlichkeit des Lehrers ist damit (teilweise) ausgeschaltet – eben genau das, was Unterricht sonst im Wesentlichen prägt.  

Trotz dieser schwierigen Ausgangsbedingungen bleibe ich auf der Basis des bei mir an der Schule eingeführten Lehrwerks (Terra RP, ISBN 978-3-12-104220-3) folgenden Unterrichtsprinzipien treu:
-    Einhalten einer didaktischen Struktur unter Beachtung kleiner logischer Schritte
-    vernünftige Portionen, um nicht zu demotivieren
-    kindgemäße Aufgabenstellungen (auch mal fernab der Operatorenbildungsmuster)

Meine Aufgaben (siehe unten) habe ich per Mail an meine SchülerInnen versendet. Dies jedoch nicht direkt an jeden einzelnen Schüler, sondern über die Homepage der Schule. Dort wurde zuvor für jede Klasse ein Ordner eingerichtet, in dem die SchülerInnen einsehen können, welche/r LehrerIn welche Aufgabe entwickelt hat. Dies hat für Lehrer den Vorteil, dass persönliche Anfragen weitestgehend außen vor bleiben, vorausgesetzt, die Aufgaben sind klar und verständlich formuliert. Natürlich koordiniert das Einstellen eine Lehrkraft, d.h., die Aufgaben werden an ihn persönlich gemailt. Meine ersten beiden Beispiele, die in zwei Tranchen aufgeteilt wurden, sind beigefügt.

Teil I: Orientieren im eigenen Bundesland
Arbeite mit deinem TERRA-Erdkundebuch Band 1 auf S. 36/37: 
1.    Lies dir die Texte auf S. 36 durch. Notiere dir wichtige Stichpunkte.
2.    Vergleiche die Texte mit den Bildern M 1 und M 4: WelcheAspekte aus den Texten sind auch in den Bildern zu sehen? Beispiel: „Der Rhein war schon immer ein wichtiger Handelsweg. … Daher wurden viele Burgen entlang des Rheins …“. Das passt zu Bild M1, auf dem die Marksburg zu sehen ist.
3.    Pause die Lernkarte M 5 in dein Heft ab und finde mithilfe des Atlas (oder des Internets) die richtigen Lösungen (A…E, a…d, 1…13)
4.    Bearbeite die Aufgabe 3.

Didaktische Hintergründe der Aufgaben:
Über das Einlesen erhalten die Schüler/Innen eine informierende Grundlage über ausgewählte Sehenswürdigkeiten in Rheinland-Pfalz.  Die Stichpunkte sichern die Inhalte und fördern die Behaltensleistung. Die Aufgabe 2 bezieht sich direkt auf Aufgabe 1 und verzahnt die Bilderfolgen mit dem geschriebenen Text. Mit der intensiven Analyse der Bilder soll bewirkt werden, dass die 4 Landschaftsaufnahmen nicht zum schmückenden Beiwerk verkommen. Das Abpausen in Aufgabe 3 fördert das genaue Arbeiten und zielt auf das Üben topografischer Kompetenzen ab. Zur Einbindung der Eltern zum Thema „Typisch Rheinland-Pfalz“ kann Aufgabe 3 einbezogen werden.

Teil II: Fokussierung des eigenen Lebensraumes (der in der jetzigen Phase eine besondere Rolle einnimmt)
Du hast durch das Bearbeiten von Teil I gelernt, dass Rheinland-Pfalz viele tolle Sehenswürdigkeiten hat. Außerdem weißt du im Idealfall jetzt, wo welche Stadt liegt und wie die größten Flüsse heißen. Jetzt schauen wir, „wie“ es sich „wo“ in unserem Bundesland leben lässt. Dazu gibt es wieder tolles Material in TERRA – auf den Seiten 38/39. – Los geht’s!

1.    Finde drei passende Adjektive für die Bilder M 1 bis M 4 auf den Seiten 38/39.
2.    Zähle
a)    die Stockwerke in M 2,
b)    die Autos in M 3,
c)    die Blumen in M 4 (kleiner Aprilscherz ;-)
d)    Welche Erkenntnis leitest du daraus ab?
3.    Schreibe T 1 ab!
4.    Löse die Aufgaben 1a und 1b. Schreibe die Vor- und Nachteile in eine Tabelle.
5.    in Haus M 2 lebenWie ist deine Meinung zum Leben in der Stadt? Beziehe die Tabelle aus Aufgabe 3 mit ein. Begründe deine Meinung.

Didaktische Hintergründe der Aufgaben:
Aufgabe 1 erfordert über das Finden von Adjektiven eine intensive Bildbetrachtung und führt gleichzeitig ins Thema „Stadt“ ein. Das Zählen dient der Aufgabenabwechslung und zielt auf die Förderung der Motivation ab. Im besten Fall löst das Zählen auch die Erkenntnis aus, dass das Haus sehr hoch ist und die Autos zu viele sind oder anders: In der Stadt leben und arbeiten viele Menschen. Über den Text T1 (= Aufgabe 3) erfährt die thematische Arbeit eine Art didaktische „Klammerung“ und zeigt die Vorzüge und Nachteile des Stadtlebens auf, bevor mit Aufgabe 4 nach der eigenen Meinung der SchülerInnen gefragt wird. Diese sollen durch das Abschreiben von T 3 (= Aufgabe 6) abgesichert werden.

Persönliche Anmerkungen:
Für diese Aufgaben habe ich meinen SchülerInnen zwei Wochen Bearbeitungszeit  zur Verfügung gestellt. Nachfragen kamen keine. Natürlich geht die thematische Arbeit weiter. Wie, das kann gerne im nächsten Teil eingesehen werden.

Viele Grüße, Dr. Rüdiger Klein, Koblenz

30.3.2020 - Die technischen Möglichkeiten der Schule, an der ich derzeit unterrichte, sind nicht sehr groß. Die Kommunikation mit den Schülern muss sich im Wesentlichen auf ein wöchentliches Versenden von Aufgabenpaketen beschränken. Das bedeutet im Prinzip erzwungenen Wochenplanunterricht.

Nun ist es natürlich aus vielen Gründen sinnvoll, auch im „normalen“ Präsenzunterricht immer wieder einmal Phasen selbstständigen Lernens (Lernatelier, Lernbüro, Lernzirkel, Lerntheke, (Wochen-) Planarbeit, Werkstattunterricht, etc.) zu integrieren, aber gegenwärtig bekommt die Arbeit mit Lernplänen als ausschließliche Unterrichtsform natürlich einen wesentlich höheren Stellenwert. Wichtig ist dabei, besonders anfangs und besonders weniger lernstarke Schüler nicht damit zu überfordern, dass Planung und Steuerung zu komplexer Unterrichtsvorhaben komplett in ihre Hände gelegt werden.

Einen guten Zwischenschritt zwischen starker Lehrersteuerung und vollständiger Lernerautonomie stellen meiner Erfahrung nach so genannte Lernwegelisten dar. Lernwegelisten zeichnen im Prinzip den vom Lehrenden geplanten Lernweg vor und nutzen dafür primär die den Lernern sowieso zur Verfügung stehenden Materialien des Lehrwerks. Gegebenenfalls können natürlich weitere Materialien hinzugefügt werden. Dabei können die Lernwege für unterschiedliche Lerner durchaus differenziert angelegt sein. Wichtig ist, dass alle Lernwege zu einem gemeinsamen Lernziel führen, dessen Erreichung durch ein finales Produkt dokumentiert und dem Lehrer zur Überprüfung / Bewertung zugesandt werden kann.

Zu den Lehrwerken Orange Line, Red Line und Blue Line sind solche Lernwegelisten bereits in Form adaptierbarer Lernpläne vorbereitet. Da jede Unit des Schülerbuchs aus sechs kompetenzorientierten Unterrichtsvorhaben besteht, gibt es zu jeder Unit sechs Lernpläne. Jeder Lernplan enthält Übersichten über das empfohlene Material auf drei Niveaus, so dass leicht auch  differenzierte Lernwegelisten erstellt werden können.

Unten sehen Sie das Beispiel eines Lernplanes aus Orange Line 2. Mir helfen die Lernpläne sehr, individuelle Wochenpläne für meine Schülerinnen und Schüler zusammenzustellen.

Frank Haß / Autor, Herausgeber und Lehrer

 Lernplan zu Orange Line 2 (PDF, 381.81 KB)

25.3.2020 - Den Mathematik- und Informatikunterricht für meine Klassen organisiere ich über meinen eigenen Youtube-Kanal, den ich seit zwei Jahren intensiv pflege. Ich bin ein starker Befürworter des „Flipped Classroom“ und der digitalen Unterstützung mittels Lernvideos im Unterricht.

Meine Klassen sind also während der Schulschließung gut mit digital unterstützenden Materialien versorgt. Für diese Phase haben die Schülerinnen und Schüler meiner Schule klassische, kleinschrittige Wochenpläne erhalten. Sollte die digitale Unterstützung für meine Schülerinnen und Schüler durch meinen Youtube-Kanal nicht ausreichen, haben sie die Möglichkeit, mich per Email zu kontaktieren. Viele Fragen und Unklarheiten lassen sich so oder durch eine kurze Videokonferenz in kleinen Gruppen klären und beseitigen.

Ich unterstütze in dieser Zeit auch meine Kolleginnen und Kollegen. Beispielsweise habe ich als Hilfe für jene, die gerade die 8. Klassen in Mathe unterrichten, in der vergangenen Woche eine Reihe von Videos zum Thema „Lineare Gleichungssysteme“ erstellt und veröffentlicht. Die Videos erstelle ich mit „ActivePresenterPro“ von „Atomi“. Hiermit filme ich am Rechner dynamische  Bildschirminhalte, während ich parallel dazu Erklärungen aufnehme. Dadurch entstehen Stück für Stück meine ca. 5-minütigen Lernvideos.

Die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen nutzen für ihre Prüfungsvorbereitung die Lernvideos, die in den vergangenen sechs Monaten in meiner Zusammenarbeit mit dem Klett-Verlag entstanden sind (https://www.klett.de/inhalt/lehrwerk-online/80173). Gerade jetzt bietet diese Kombination von klassischem Mathematikbuch und digitaler Unterstützung eine tolle Möglichkeit, sich trotz aller Widrigkeiten auf die Realschulabschlussprüfung in Mathematik vorzubereiten.

Die Kolleginnen und Kollegen meiner Schule stehen sowohl untereinander als auch mit ihren Schülerinnen und Schülern per E-Mail, auch per Videokonferenz, in regelmäßigem Kontakt und Austausch. Für die Videokonferenzen haben wir verschiedene Plattformen ausprobiert und haben uns schließlich für „ZoomMeeting“ entschieden, weil dieses gerade für die Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern wertvolle Zusatzfunktionen bietet. Dazu gehören die Möglichkeit, als Sitzungsleiter Teilnehmende „stummzuschalten“ oder auch die Option als Teilnehmender „die Hand heben“ zu können. Des Weiteren lassen sich einfach Bildschirminhalte sowie Dateien teilen. Als Lehrer habe ich mich mit meiner Email-Adresse bei „ZoomMeeting“ registriert, für Schülerinnen und Schüler ist das als „lediglich“ Teilnehmende nicht erforderlich.

Markus Mauch, Realschullehrer, Ten-Brink-Schule Rielasingen-Worblingen, Gemeinschaftsschule

25.3.2020 - Ich bin Fachlehrer in der Realschule Plus für das Fach Physik (in Klassen 9) und Technik (in Klassen 11 und 12).
Bei den 12ern hatte ich am letzten Schultag am 13.3.2020 das Glück, dass ich morgens noch gehört habe, dass das Saarland ab der nächsten Woche die Schulen schließen würde. Ich vermutete, dass unser Bundesland Rheinland-Pfalz dies ebenfalls machen würde. Da die 12. Klassen kurz vor der Abschlussprüfung stehen, bin ich sehr früh zur Schule gefahren und habe den Kopierer durch massenhaft Kopien (Aufgaben und Musterlösungen) für die Wiederholung zum Qualmen gebracht. Da ich beide 12.Klassen an dem Tag noch hatte, konnte ich den Schülerinnen und Schülern die Kopien austeilen und die Arbeitsaufträge erklären. Meine E-Mail-Adresse kannten die Schülerinnen und Schüler bereits. Bisher gab es allerdings so gut wie keine Rückfragen: Die Musterlösungen sind sehr gut selbsterklärend.

Nach den Osterferien (20.04.2020) sollen die Schülerinnen und Schüler damit fertig sein. Falls dann wieder Schule sein sollte, gehe ich auf evtl. Fragen zu den Aufgaben ein. Sollte dann immer noch die Schule geschlossen sein, so werde ich den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, mir Fragen per E-Mail zu senden. Weiterhin werde ich Ihnen noch weitere Wiederholungsaufgaben zu anderen prüfungsrelevanten Themen zukommen lassen.

Bei der 11. Klasse bin ich Klassenlehrer. Dadurch habe ich auch alle E-Mail-Adressen der Schüler (alle männlich) und der Eltern. Meine Klasse erhielt über diesen Verteiler Aufgaben zur Elektrotechnik. Diese Aufgaben habe ich aus Schulbüchern und dem Internet zusammengestellt. Dieses zweiseitige Arbeitsblatt hatte am Anfang folgenden Aufbau:
1.    Informieren Sie sich über geeignete Quellen (altes Physikbuch, Internet, Tabellenbuch, …) über folgende Themen und schreiben Sie die wichtigsten Informationen auf. In der ersten Fachstunde nach den Osterferien werden Ergebnisse von einigen Schülern eingesammelt und bewertet.

a)    Spannung
b)    Messung der Spannung
c)    Schaltung von Batterien
d)    Elektrischer Widerstand
e)    Wovon ist der Widerstand eines Leiters abhängig?
f)    Temperaturabhängige Widerstände
g)    Ohmsches Gesetz
h)    Elektrische Leistung
i)    Reihenschaltung von Widerständen

Danach folgen die eben erwähnten Aufgaben von a bis v, die ich aus den Schulbüchern und dem Internet übernommen habe. Da die Lerninhalte eigentlich schon im Physikunterricht der Klassen 9 und 10 behandelt wurden, dürften die Schüler hiermit wenig Probleme haben. Rückfragen gab es bisher erst eine.

Falls nach den Ferien wieder Schulbetrieb möglich ist, werden einige Aufgaben eingesammelt und bewertet. Sollte dies nicht der Fall sein, so müssen mir die Schüler ihre Aufgaben per E-Mail (Foto) schicken. Es würden dann weitere Aufgaben folgen (Parallelschaltung von Widerständen, gemischte Schaltungen, elektrische Leistung, Stromkosten, Trafo).

In den 9.Klassen habe ich Aufgaben per E-Mail an die beiden Klassen geschickt. Weiterhin wurden die Aufgaben auch auf der Schulhomepage veröffentlicht. Ich habe die Aufgaben aus dem eingeführten Schulbuch von Klett (PRISMA Physik 7-10 RLP) übernommen.
Das Buch eignet sich gut zum Selbststudium, durch die Sachtexte sind die Aufgaben oftmals selbsterklärend. Ich habe hier Aufgaben aus dem Bereichen E-Lehre und Wärmelehre genommen. Normalerweise hätten wir die E-Lehre in der Schule bald abgeschlossen, nun müssen die Schülerinnen und Schüler die letzten Themen und die Zusammenfassung selbständig erarbeiten.
Wenn nach der Schulschließung wieder Unterricht stattfinden sollte, werde ich einige Aufgaben stichprobenhaft aussuchen und bewerten. Zudem werden diese Aufgaben im Plenum besprochen.

Sollte die Schulschließung länger dauern, so wird die Schule gemeinsam eine Lösung finden, wie die Lehrerinnen und Lehrer die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler erhalten. Wie das dann gemacht wird, weiß ich allerdings auch nicht. Die Schülerinnen und Schüler erhalten dann weitere Aufgaben aus dem Schulbuch zum Themenfeld Wärmelehre.

Patrick Letschert, Ernst-Barlach Realschule Plus mit FOS Technik und Gestaltung in Höhr-Grenzhausen, Rheinland-Pfalz

25.3.2020

Phyphox bietet eine Menge von Möglichkeiten mit den vorhandenen Sensoren des Smartphones zu experimentieren. Man kann also Arbeitsaufträge erstellen und die Schüler*innen können selbst einen Versuch vorbereiten. Dokumentieren können die Schüler*innen, indem sie diesen Versuch mit einem Video aufnehmen und erklären. Beispiel unter: https://youtu.be/fm1QcDtdRX8

Istopmotion oder stopmotion 
Das Daumenkino war gestern, jetzt können Schüler*innen mit diesen Apps eigene Erklärfilme selbst produzieren und evtl. hochladen.

Zahlreiche Physik-Erklärvideos der Universität Paderborn finden sich unter: https://physik.uni-paderborn.de/reinhold/paderborner-videos/erklaervideos/. Die Filme eignen sich bei allen Themenbereichen im Physikunterricht. Passend zu den Videos gibt es Arbeitsblätter, Tipps aus der Praxis, sowie eine Low-Cost-Variante, mit dem die Schüler*innen die Filme selber produzieren können.

AR = Augmented Reality
Mittlerweile gibt es verschiedene Apps, die AR nutzen. Daraus ergeben sich Möglichkeiten zur Visualisierung von physikalischen Modellvorstellungen.

Solar: eine schöne App, um den SuS das Sonnensystem und unsere Planeten näher zu bringen.

BigBangAR: Diese App ist leider nur in Englisch, zeigt aber sehr gut etwas über den Beginn unseres Universums. Deswegen eher etwas für ältere Jahrgänge (ab dem 8. Jahrgang).

D. Trapphagen (Dipl. Ing.), Lehrer für Physik und Technik, Gesamtschule NRW

24.3.2020 - Ich selber erteile in diesem Jahr keinen Unterricht, bin aber über meine Fortbildungstätigkeit mit vielen Kolleginnen und Kollegen verbunden. Die Fortbildungsveranstaltungen in nächster Nähe wurden zumeist abgesagt. Einige Formate konnten in virtuelle Formate übertragen werden. Das heißt, dass wir mithilfe von Zoom-Meetings kooperieren und unsere hausinterne Cloud für den Austausch nutzen (Planungsabsprachen, Runden zur Ideenfindung, redaktionelles Arbeiten). Durch die Option von Zoom zum Screen-Sharing konnten wir auch Unterrichtsentwürfe präsentieren und konstruktives Feedback einholen. Überhaupt sind der Kontakt, die Anteilnahme und das aufmerksame Zuhören im Augenblick m.E. die dringlichsten Aufgaben. Denn das „normale“ Leben geht ja irgendwie weiter.

Viele Schulen setzen auf moodle. Alternativ werden Cloud-Lösungen angewendet, LandesschulCloud, IServ etc. Und dann natürlich Emails und Kontakte über Messenger. Die Aufgabenumfänge sind enorm. Viele Schülerinnen und Schüler leiden über Unmengen von Aufgabenblöcken. Dabei fehlen vor allem kommunikative und kollaborative Ideen und Strukturen. Hier rächt es sich, wenn man zu stark auf frontale Formen gesetzt hat und es jetzt an kollaborativen Formen mangelt. Aber auch dafür muss man die technischen Kenntnisse haben und die lassen sich nicht von heut auf morgen und dann noch aus der Distanz erwerben (siehe Fortbildungen).

Buch-Lösungen bieten hier einen sicheren medialen Fundus. Religion ist aber ein kleines Fach und oftmals sind die Bücher in der Schule. So muss Unterricht ohne Bücher gestaltet werden. Ob Schule und Lehrkräfte an der Krise lernen, wird sich zeigen. Auch finden die ersten Videokonferenzen ihren Weg in die Schule, dann aber zumeist in den Oberstufen, wenn das Abi zu einer Bedrohung wird. Hier folgt man m.E dem FlippedClassroom-Ansatz.

Trotz aller Widrigkeiten habe ich gerade den Eindruck, dass sich die Lage konsolidiert und die Aufregungen weichen. Das macht den Kopf klarer und es finden sich strukturierte und didaktisch klug überlegte Vorgehensweisen. Mal sehen, wie sich die Lage in drei Wochen entwickelt hat.

Andreas Ziemer, Ausbildner und Lehrkraft für Religion, Niedersachsen

21.3.2020 - Ich unterrichte an einer beruflichen Schule und bin dort Moodle-Administratorin. In den letzten Tagen waren wir hauptsächlich unter Hochdruck dabei, die stark überlastete Plattform von einem alten Server auf einen neuen zu migrieren, wobei wir die Gelegenheit nutzten und alle Nutzerdaten neu aufsetzten. Zuvor hatten wir nur vereinzelt Lehrkräfte, die die Lernplattform nutzten und die Klassenlisten waren auch eher vereinzelt mit Mailadressen eingepflegt ... Nun sind alle Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler dabei und wir bekommen täglich neue Anfragen zur Erstellung neuer Kurse.

Seit die Plattform zumeist fehlerfrei läuft, habe ich Fernaufgaben für meine Klassen und Tutorials für mein Kollegium erstellt. Die Hilfestellungen für Lehrkräfte umfassen:

  • Tutorials für die „Trainer/innen“ und „Manager/innen, sowie für eine neue Hilfsadministratorin
  • Wir haben einen neuen Mailverteiler für uns Moodleadmins (wir sind mittlerweile zu dritt und können so zeitnah und ohne Doppelungen Kurserstellungsanträge oder Fehlermeldungen bearbeiten), unter dem wir alle erreichbar sind.
  • Sammlungen mit hilfreichen Webseiten (siehe unten bei Medienzentrum).

In meinen eigenen Unterrichtsmoodlekursen habe ich verschiedene Module erstellt, um den Stoff weiterhin vermitteln und Leistungsmessungen vornehmen zu können:

  • Ich habe mithilfe von PowerPoint aus meinen geplanten Unterrichts-Einstiegspräsentationen Videos erstellt, in denen ich die Inhalte vermittle. Dazu habe ich Fragebögen generiert, mithilfe derer ich kontrollieren kann, ob die Inhalte bearbeitet und verstanden wurden.
  • Auch externe Lernvideos bette ich ein und stelle dazu Aufgaben wie Kreuzworträtsel, Fragebögen mit Eingabefeldern und Multiple-Choice-Tests.
  • Für Kunst habe ich eine Praxisaufgabe gestellt, die als abfotografiertes Bild per Units Messenger eingereicht werden muss. Die Originale sammle ich zur Kontrolle ein, wenn ich die Klasse wiedersehe.
  • Für ein Webquest, welches eine Klasse gruppenteilig erarbeiten soll, habe ich auf meiner Nextcloud vom Medienzentrum Ordner freigegeben. Dort, und auf zumpad, können die Lernenden gemeinsam Inhalte erarbeiten und ihre Abgabe vorbereiten und einreichen.
  • An einem Tag werde ich eine digitale Klassenarbeit mit Zeitbegrenzung und automatisiertem Einsammeln schreiben. Ich hoffe, der Server ist dann stabil. Die Klasse kennt das Prinzip schon von meinen Lehrer-Schüler-Feedbacks, die ich in den letzten Jahren immer auf die gleiche Weise eingeholt habe.

Am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Karlsruhe habe ich „meinen“ Direkteinsteiger/innen und Referendar/innen Onlineaufgaben (ebenfalls auf dem dortigen Moodle) bereitgestellt und Beispiele für meine eigenen Fernaufgaben eingefügt.

Am Medienzentrum Heidelberg (www.mzhd.de) arbeiten wir daran, Nextcloud-Serverplätze für Lehrkräfte an jenen Schulen bereitzustellen, die keine gute Infrastruktur an der Schule haben. Wir werben dort außerdem für Apps, Tools und Angebote, die beim Fernunterrichten helfen (siehe: https://padlet.com/MZHD/5qentnpk2rbl). Das Medienzentrum Heidelberg bietet mit den beiden Mediatheken EduPool und Sesam die Möglichkeit den Schülerinnen und Schülern gezielt Filme mit Zusatzmaterialien (Arbeitsblätter, Lösungsblätter, Bilder, Grafiken, Zusatztexte, etc.) direkt per Link zur Verfügung zu stellen. Auch das MZ Pforzheim hat so ein Padlet erstellt, das wir bewerben: https://padlet.com/MZPE/Ferne .

Dr. Isabelle Evers, Albert-Schweitzer-Schule, Sinsheim

24.3.2020 - Eine unheimlich anstrengende Woche geht zu Ende. Nachdem wir am vergangenen Freitag die Nachricht erhalten hatten, dass die Schulen am Montag schließen und wir entgegen der Meinung offensichtlich so einiger keine „CoronaFERIEN“ haben würden, machte sich ein Gefühl aus Ratlosigkeit und Tatendrang in mir breit.
Zwar konnte ich mich als aktive Nutzerin von itslearning glücklich schätzen, auf die Funktionen eines LMS zurückgreifen zu können, wusste als Admin ebendessen aber zugleich, was für eine Mammutaufgabe auf unser kleines Admin-Team zukommen würde. Tatsächlich haben wir das gesamte Wochenende daran gearbeitet, einen Plan auf die Beine zu stellen, wie wir Schülerschaft und Kollegium fit für Unterricht aus der Ferne machen könnten und daran, die nötige Infrastruktur für die Bereitstellung der Materialien anzulegen.
Am Montag erhielten dann die Kollegen, denen es bisher freigestanden hatte, das LMS auch für ihren Unterricht zu nutzen, eine Art Crashkurs darüber, was mit einem LMS so alles möglich ist und wie es in der nächsten Zeit sinnvoll eingesetzt werden kann. Und auch wenn die Administration und der Support in den vergangenen Tagen einen wesentlichen Teil meines Tages eingenommen haben und wir unzählige Schülerpasswörter zurücksetzen mussten, auch wenn ich selbst manchmal fast verzweifelt bin, weil das Internet gefühlt endlos eine Seite lud, bin ich doch nach einer Woche auch ein bisschen stolz auf das, was wir bei der Vorlaufzeit „mal so eben“ alles auf die Beine gestellt haben.
Außerdem sehe ich, was schon die wenige Fortbildungszeit bewirken kann und würde mir wünschen, dass uns Lehrern generell mehr Zeit zugestanden würde, um die Herausforderung Digitalisierung gemeinsam zu meistern. Teils überwältigt und wirklich dankbar bin ich auch für die zahlreichen Hilfsangebote seitens der Verlage und Anbieter von digitalen Unterrichts- und Lernmaterialien.

Auch weiß ich als Admin nicht, wo mein eigener „Unterricht“ ohne den Digitalen Unterrichtsassistenten diese Woche geblieben wäre. Und klar, natürlich läuft da noch nicht alles glatt, aber auch wir Lehrer lernen gerade einiges Neues. Also Eltern und Schüler, habt bitte etwas Vertrauen in uns! Wir tun unser Bestes für euch!
Tina, Lehrerin an einem Gymnasium

20.3.2020 - Es ist wenig überraschend, dass für jemanden, der sich seit Jahren mit digitaler Bildung beschäftigt, der Unterrichtsalltag von den verschiedensten Anfragen unterbrochen wird: Wie sollen die Kolleginnen und Kollegen kommunizieren, wie mit Schülerinnen und Schülern sprechen, die Materialien teilen? Was geht, was ist DSGVO-konform, was läuft stabil? Insofern ist das, was ich zu tun habe, fast mehr als sonst.

Ich stehe in der Früh auf, etwa so wie auch in Schulzeiten, so dass ich, bevor meine Tochter aufwacht, schon die ersten Arbeiten erledigen kann: Emails beantworten und schauen, inwiefern die Schüler die Aufgaben erledigen, ob sie Fragen haben etc. Wir haben dafür einen Messenger, der aber leider immer mal wieder hängt. Das gilt auch für die Dienstmail. Über den Vormittag bin ich dann ganz Papa, da meine Frau als Erzieherin weiterhin arbeiten muss. Während kurzer Phasen, in denen die Tochter ein Hörspiel hört, checke ich weiter, ob meine Schüler Fragen haben.

Der richtige digitale Unterricht geht dann ab 14 Uhr los: Ich habe mit einer Klasse ein Padlet erstellt, eine digitale Leinwand also, auf der die Aufgaben stehen. Diese beantworten die Schüler dann über ihren Blog. Diesen zu erstellen war für die Mittelstufenschüler schwerer als für die der Kursstufe. Letztere haben ihren Blogs sowieso seit Schulbeginn, so dass sich nur ändert, dass sie diesen nun ausschließlich nutzen.

Zwischenzeitlich spreche ich mit der Schulleitung Prozesse ab, die sich neu ergeben, zum Beispiel bezogen auf den Umfang der Aufgaben, damit die Schüler/-innen in diesen schwierigen Zeiten nicht überlastet sind. Nach der ersten Woche lässt sich schwer abschätzen, ob alle Prozesse genau so weiterlaufen. Gerade technisch etwas anspruchsvollere Dinge wie digitale Konferenzen müssen sich erst einmal einpendeln. Aber man sieht, dass die gegenseitige Unterstützunge der Lehrpersonen sehr gut ist.

Gerade im #twitterlehrerzimmer oder unter dem neuen Hashtag #udigital20 wird viel Material und Expertise geteilt. Man kann den Lehrerinnen und Lehrern nur anraten, hier nach Hilfe zu suchen, denn die Community hat meistens jemanden parat, der weiterhelfen kann.

Bob Blume, Gymnasium Baden-Württemberg

https://bobblume.de/2020/03/23/digital-unterricht-digital-in-zeiten-vom-coronavirus/

20.3.2020 - Also wie gehen wir vor, bzw. Ich: Ich habe den 6ten Klassen Kopiervorlagen ausgeteilt die mit dem Buch Schnittpunkt und dem Buch Projekt G bearbeitet werden sollen. Bzw. Ich habe Arbeitspläne gemacht. Die Kommunikation läuft per Mail oder mit dem Austauschportal „Padlet“ wo die SuS anonym ihre Dateien runterladen können und Fragen stellen können.

Da „Padlet“ einen nicht deutschen Server hat, weiß ich, dass es so eine Sache ist, aber das IQSH nutzt es auch. Mit meiner 10ten Klasse der Abschlussklasse, nutze ich schon seit November „Padlet“ zum Test, das kommt uns nun zugute. Dort tauschen wir alles aus, was sehr gut läuft. Leider haben wir noch nicht, wie im Konzept vorgesehen, „IServ“ in der Schule installiert.

Zur Chancengleichheit hat aber auch die 10te genug Kopien in altbewährter Art. Meine Hauptquelle ist aber nun „youtube“ und die Software „Explain Everyting EDU“ mit der ich jeden Tag ein ca. 45Min Mathevideo für meine SuS erstelle und dass dann auf „youtube“ in meinem neuen Kanal zur Verfügung stelle. Ganz auf meine SuS zugeschnitten.

Mir fehlt eigentlich nur die Möglichkeit für einen Livestream, wie ein Webinar, das liegt zum einen an meinem eigenen begrenzten Internet (Glasfaser lässt warten) aber auch an der geeigneten, datensicheren Software.

Patrick Baarck/Realschullehrer SH

20.3.2020 - Am 16.3.2020 saßen wir mit Sicherheitsabstand in der Dienstberatung und beratschlagten über das weitere Vorgehen nach der Schulschließung und wie wir unseren SuS ein modernes Homeschooling ermöglichen können. Nun war schnelles Umdenken nötig. Lehrer, die vorher als Vorreiter in „Sachen Digitalität“ an unserer Schule gewirkt haben, wurden nun zu Multiplikatoren. Unsere Schulleitung hat für jede Klasse auf unserer schuleigenen Lernplattform „Moodle“ einen Kurs angelegt, in den jeder Fachlehrer nun Aufgaben hochladen kann. Die Schüler loggen sich mit ihrer Schul-E-Mailadresse ein und können somit die entsprechenden Aufgaben runterladen.

Ein einziges Hindernis der Lernplattform ist, dass die Dokumente nicht mehr als 1 MB haben dürfen. Nun habe ich mir als Deutsch- und Englischlehrerin überlegt, meine Kurse über eine digitale Pinnwand („Padlet“) mit Aufgaben zu versorgen. Neben Lehrbuchaufgaben gibt es z. B. für meinen Englischgrundkurs Klasse 11 Videos, Podcasts, Lernvideos, digitale Umfragen oder weitere Artikel zum Thema. Die erste Wochenaufgabe bestand darin ein digitales Poster zu erstellen, diese Woche sollen die SuS eine Welcoming Speech schreiben und einsprechen. Die Ergebnisse werden auf eine Ergebnispinnwand hochgeladen, die mit dem Aufgabenpadlet verlinkt ist.

Padlet

Durch die Kommentar- und Bewertungsfunktion können die SuS kollaborativ arbeiten und sich gegenseitig bewerten. Das klappt großartig und die Rückmeldung der SuS ist durchweg positiv. Ich stelle meine Aufgaben für für eine Woche auf das Padlet und am Ende lade ich die „Lösungshinweise“ hoch, sodass Aufgaben auch selbstständig kontrollieren können.

Für die Vorbereitung dieser digitalen Angebote nutze ich sehr gerne die digitalen Unterrichtsassistenten der Lehrwerke und Audiodateien und binde diese auf dem Padlet mit ein. Für meine Fächer Deutsch und Englisch bieten sich produktive Aufgaben an, das Ausprobieren neuer digitaler Tools, wie z. B. das Erstellen eigener Lernvideos mit mysimpleshow oder digitale Lernpfade, die die Bildungsserver zur Verfügung stellen.

Um den SuS das Lernen zu erleichtern, haben sie einen Lernplan bekommen, mit dem sie täglich ihren Tag und ihre Aufgaben organisieren und strukturieren. Dabei sollten wir LehrerInnen nicht vergessen, dass wir die Situation und Verpflichtungen der SuS zu Hause nicht kennen, wir wissen nicht, ob jeder einen Laptop/Computer oder Zugang zumInternet hat, daher sollten unsere Aufgaben ein Angebot sein, das jeder nach seinen Möglichkeiten annehmen kann. Bei den jüngeren SuS sollten die Aufgabe nicht zu komplex sein und zum Üben und Wiederholen anregen und einfach Spaß machen.

Toll finde ich den Zusammenhalt in unserem Kollegium und der intensive Austausch mit den SuS. So können wir per Mail oder Kommentarfunktionen individuell auf Fragen oder Probleme eingehen. Eine Video-Klassenleiterstunde ist für die nächste Woche geplant. Ich sehe diese digitale Herausforderung nicht als Überforderung, sondern als Chance, digitale Elemente in den späteren, dann regulären Unterrichtsalltag zu integrieren.

Katja Küntzel, Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Greifswald (Instagram: lehr.bar)

18.3.2020 - Anfang letzter Woche war uns klar, eine Herausforderung kommt auf uns zu – Fernunterricht mit Grundschulkindern. Das Galileo Bildungshaus hatte schon im letzten Jahr die Kommunikation unter den Pädagogen auf MSOffice365 umgestellt, jetzt entschlossen wir uns ganz schnell auch für jedes Schulkind einen Account anzulegen. In Teams arbeiten die Kinder nun die nächsten Wochen zu Hause. Am Montag fand sofort eine interne Fortbildung mit der Hilfe eines Elternteils und unseres IT Beauftragten statt und die ersten Begrüßungs- und Lernvideos wurden gedreht. Wichtigstes Ziel ist für uns: die Beziehungsebene mit den besorgten Kindern aufrechtzuerhalten. Grundprinzip: jeder Pädagoge produziert Videos, Podcasts stellt Aufgaben in Bereichen, in denen seine Stärken liegen. Zu den klassischen Lernangeboten gab es in dieser ersten Woche: Bewegungs-, Forscher-, Kreativ-, Aufgaben, Vorleseangebote… Die Kinder sollen weiter ganzheitlich gefördert werden. Unser Maskottchen Galilea hilft uns hier als Identifikationsfigur.

Videolösungen

Den KollegInnen hat die ganz andere Arbeit Spaß gemacht. Zum Teil haben sie ihre eigenen Kinder in die Videos mit einbezogen. Besonders schön waren die vielen positiven und wertschätzenden Rückmeldungen von Kindern und Eltern, die wir alle in unserem gemeinsamen online Notizbuch unter „warme Dusche“ abgespeichert haben. Heute findet eine Telefonkonferenz statt, um das Feedback der Eltern und Kinder für die 2. Woche einzuarbeiten. Wir hoffen, dass wir so die Krise zusammen überwinden und die neuen Erfahrungen auch danach einbinden können.

Petra Ferrari, Galileo Bildungshaus gGmbH

Aktuelles aus dem Netz

28.5.2020 - Friedrich Ebert Stiftung Schule in Zeiten der Pandemie - Empfehlungen für die Gestaltung des Schuljahres 2020/21 Link

27.4.2020 - SZ Gemessen an den Bedingungen des Shutdown hat sich Schule in allen Bundesländern als lernfähig und flexibel erwiesen Link

20.4.2020 - Educ’ARTE - Unterstützung beim Fernunterricht: Gratis-Zugang zur interaktiven Schulmediathek Educ’ARTE Link

8.4.2020 - SZ Beim Homeschooling werden vor allem die schwachen Schüler abgehängt  Link

5.4.2020 - news4teachers Solange die Schulen geschlossen sind, müssen Schüler keine schlechten Noten fürchten – auch kein Sitzenbleiben Link

4.4.2020 - SZ Vorsichtig zurück zur Schule Link

27.3.2020 - SZ/ Wenn die aktuelle Krise vorbei ist, müssen wir intensiver über die Digitalisierung an den Schulen reden. Link

27.3.2020 - Ernst Klett Verlag: Digitale und gedruckte Materialien teilen - was ist erlaubt?  Link

27.3.2020 - Erfahrungsbericht: Digitales Lernen wird Normalität.   Link

26.3.2020 - FAZ/ Spätestens nach der langen Episode der coronabedingten Schulschließungen werden alle Schüler wissen, dass Lernen ohne Lehrer nicht möglich ist.  Link

25.3.2020 - dpr/ Schulbuchverlage und eine Digitalisierung, die einfach nicht kommen mag Link

25.3.2020 - tagesschau/ Die Corona-Pandemie stellt die Schulen vor massive Herausforderungen. Experten warnen vor größerer sozialer Ungleichheit. Link

24.3.2020 - golem/Homeschooling-Report: Wie Schulen mit der Coronakrise klarkommen Link

23.3.2020 - Das Kultusministerium Baden-Württemberg hat für das Lernmanagementsystem Moodle zusätzliche Serverleistungen und Speicherkapazität einrichten lassen. Dadurch sind in kürzester Zeit etwa 4.000 Schul-Accounts eingerichtet worden. Link

19.3.2020 - tagesschau/ Podcast: Wie Corona Bildung revolutionieren könnte Link