Nachgefragt: Wie organisieren Sie Ihren Unterrichtsalltag von zu Hause?

Wir haben Lehrkräfte gebeten, uns ihren Unterrichtsalltag in Zeiten der aktuellen Schulschließungen zu beschreiben. Die nachfolgenden Erfahrungsberichte spiegeln einen Teil dessen wider, wie der Fern-Unterricht aktuell bewältigt wird.Viele Fragen rund um Digitalisierung, Diagnose oder Differenzierung werden uns in den nächsten Wochen noch beschäftigen. Schreiben Sie uns an pr@klett.de, wenn Sie hier Ihre Erfahrungen teilen möchten.

30.3.2020 - Die technischen Möglichkeiten der Schule, an der ich derzeit unterrichte, sind nicht sehr groß. Die Kommunikation mit den Schülern muss sich im Wesentlichen auf ein wöchentliches Versenden von Aufgabenpaketen beschränken. Das bedeutet im Prinzip erzwungenen Wochenplanunterricht.

Nun ist es natürlich aus vielen Gründen sinnvoll, auch im „normalen“ Präsenzunterricht immer wieder einmal Phasen selbstständigen Lernens (Lernatelier, Lernbüro, Lernzirkel, Lerntheke, (Wochen-) Planarbeit, Werkstattunterricht, etc.) zu integrieren, aber gegenwärtig bekommt die Arbeit mit Lernplänen als ausschließliche Unterrichtsform natürlich einen wesentlich höheren Stellenwert. Wichtig ist dabei, besonders anfangs und besonders weniger lernstarke Schüler nicht damit zu überfordern, dass Planung und Steuerung zu komplexer Unterrichtsvorhaben komplett in ihre Hände gelegt werden.

Einen guten Zwischenschritt zwischen starker Lehrersteuerung und vollständiger Lernerautonomie stellen meiner Erfahrung nach so genannte Lernwegelisten dar. Lernwegelisten zeichnen im Prinzip den vom Lehrenden geplanten Lernweg vor und nutzen dafür primär die den Lernern sowieso zur Verfügung stehenden Materialien des Lehrwerks. Gegebenenfalls können natürlich weitere Materialien hinzugefügt werden. Dabei können die Lernwege für unterschiedliche Lerner durchaus differenziert angelegt sein. Wichtig ist, dass alle Lernwege zu einem gemeinsamen Lernziel führen, dessen Erreichung durch ein finales Produkt dokumentiert und dem Lehrer zur Überprüfung / Bewertung zugesandt werden kann.

Zu den Lehrwerken Orange Line, Red Line und Blue Line sind solche Lernwegelisten bereits in Form adaptierbarer Lernpläne vorbereitet. Da jede Unit des Schülerbuchs aus sechs kompetenzorientierten Unterrichtsvorhaben besteht, gibt es zu jeder Unit sechs Lernpläne. Jeder Lernplan enthält Übersichten über das empfohlene Material auf drei Niveaus, so dass leicht auch  differenzierte Lernwegelisten erstellt werden können.

Unten sehen Sie das Beispiel eines Lernplanes aus Orange Line 2. Mir helfen die Lernpläne sehr, individuelle Wochenpläne für meine Schülerinnen und Schüler zusammenzustellen.

Frank Haß / Autor, Herausgeber und Lehrer


 Lernplan zu Orange Line 2 (PDF, 381.81 KB)

25.3.2020 - Den Mathematik- und Informatikunterricht für meine Klassen organisiere ich über meinen eigenen Youtube-Kanal, den ich seit zwei Jahren intensiv pflege. Ich bin ein starker Befürworter des „Flipped Classroom“ und der digitalen Unterstützung mittels Lernvideos im Unterricht.

Meine Klassen sind also während der Schulschließung gut mit digital unterstützenden Materialien versorgt. Für diese Phase haben die Schülerinnen und Schüler meiner Schule klassische, kleinschrittige Wochenpläne erhalten. Sollte die digitale Unterstützung für meine Schülerinnen und Schüler durch meinen Youtube-Kanal nicht ausreichen, haben sie die Möglichkeit, mich per Email zu kontaktieren. Viele Fragen und Unklarheiten lassen sich so oder durch eine kurze Videokonferenz in kleinen Gruppen klären und beseitigen.

Ich unterstütze in dieser Zeit auch meine Kolleginnen und Kollegen. Beispielsweise habe ich als Hilfe für jene, die gerade die 8. Klassen in Mathe unterrichten, in der vergangenen Woche eine Reihe von Videos zum Thema „Lineare Gleichungssysteme“ erstellt und veröffentlicht. Die Videos erstelle ich mit „ActivePresenterPro“ von „Atomi“. Hiermit filme ich am Rechner dynamische  Bildschirminhalte, während ich parallel dazu Erklärungen aufnehme. Dadurch entstehen Stück für Stück meine ca. 5-minütigen Lernvideos.

Die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen nutzen für ihre Prüfungsvorbereitung die Lernvideos, die in den vergangenen sechs Monaten in meiner Zusammenarbeit mit dem Klett-Verlag entstanden sind (https://www.klett.de/inhalt/lehrwerk-online/80173). Gerade jetzt bietet diese Kombination von klassischem Mathematikbuch und digitaler Unterstützung eine tolle Möglichkeit, sich trotz aller Widrigkeiten auf die Realschulabschlussprüfung in Mathematik vorzubereiten.

Die Kolleginnen und Kollegen meiner Schule stehen sowohl untereinander als auch mit ihren Schülerinnen und Schülern per E-Mail, auch per Videokonferenz, in regelmäßigem Kontakt und Austausch. Für die Videokonferenzen haben wir verschiedene Plattformen ausprobiert und haben uns schließlich für „ZoomMeeting“ entschieden, weil dieses gerade für die Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern wertvolle Zusatzfunktionen bietet. Dazu gehören die Möglichkeit, als Sitzungsleiter Teilnehmende „stummzuschalten“ oder auch die Option als Teilnehmender „die Hand heben“ zu können. Des Weiteren lassen sich einfach Bildschirminhalte sowie Dateien teilen. Als Lehrer habe ich mich mit meiner Email-Adresse bei „ZoomMeeting“ registriert, für Schülerinnen und Schüler ist das als „lediglich“ Teilnehmende nicht erforderlich.

Markus Mauch, Realschullehrer, Ten-Brink-Schule Rielasingen-Worblingen, Gemeinschaftsschule

25.3.2020 - Ich bin Fachlehrer in der Realschule Plus für das Fach Physik (in Klassen 9) und Technik (in Klassen 11 und 12).
Bei den 12ern hatte ich am letzten Schultag am 13.3.2020 das Glück, dass ich morgens noch gehört habe, dass das Saarland ab der nächsten Woche die Schulen schließen würde. Ich vermutete, dass unser Bundesland Rheinland-Pfalz dies ebenfalls machen würde. Da die 12. Klassen kurz vor der Abschlussprüfung stehen, bin ich sehr früh zur Schule gefahren und habe den Kopierer durch massenhaft Kopien (Aufgaben und Musterlösungen) für die Wiederholung zum Qualmen gebracht. Da ich beide 12.Klassen an dem Tag noch hatte, konnte ich den Schülerinnen und Schülern die Kopien austeilen und die Arbeitsaufträge erklären. Meine E-Mail-Adresse kannten die Schülerinnen und Schüler bereits. Bisher gab es allerdings so gut wie keine Rückfragen: Die Musterlösungen sind sehr gut selbsterklärend.

Nach den Osterferien (20.04.2020) sollen die Schülerinnen und Schüler damit fertig sein. Falls dann wieder Schule sein sollte, gehe ich auf evtl. Fragen zu den Aufgaben ein. Sollte dann immer noch die Schule geschlossen sein, so werde ich den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, mir Fragen per E-Mail zu senden. Weiterhin werde ich Ihnen noch weitere Wiederholungsaufgaben zu anderen prüfungsrelevanten Themen zukommen lassen.

Bei der 11. Klasse bin ich Klassenlehrer. Dadurch habe ich auch alle E-Mail-Adressen der Schüler (alle männlich) und der Eltern. Meine Klasse erhielt über diesen Verteiler Aufgaben zur Elektrotechnik. Diese Aufgaben habe ich aus Schulbüchern und dem Internet zusammengestellt. Dieses zweiseitige Arbeitsblatt hatte am Anfang folgenden Aufbau:
1.    Informieren Sie sich über geeignete Quellen (altes Physikbuch, Internet, Tabellenbuch, …) über folgende Themen und schreiben Sie die wichtigsten Informationen auf. In der ersten Fachstunde nach den Osterferien werden Ergebnisse von einigen Schülern eingesammelt und bewertet.

a)    Spannung
b)    Messung der Spannung
c)    Schaltung von Batterien
d)    Elektrischer Widerstand
e)    Wovon ist der Widerstand eines Leiters abhängig?
f)    Temperaturabhängige Widerstände
g)    Ohmsches Gesetz
h)    Elektrische Leistung
i)    Reihenschaltung von Widerständen

Danach folgen die eben erwähnten Aufgaben von a bis v, die ich aus den Schulbüchern und dem Internet übernommen habe. Da die Lerninhalte eigentlich schon im Physikunterricht der Klassen 9 und 10 behandelt wurden, dürften die Schüler hiermit wenig Probleme haben. Rückfragen gab es bisher erst eine.

Falls nach den Ferien wieder Schulbetrieb möglich ist, werden einige Aufgaben eingesammelt und bewertet. Sollte dies nicht der Fall sein, so müssen mir die Schüler ihre Aufgaben per E-Mail (Foto) schicken. Es würden dann weitere Aufgaben folgen (Parallelschaltung von Widerständen, gemischte Schaltungen, elektrische Leistung, Stromkosten, Trafo).

In den 9.Klassen habe ich Aufgaben per E-Mail an die beiden Klassen geschickt. Weiterhin wurden die Aufgaben auch auf der Schulhomepage veröffentlicht. Ich habe die Aufgaben aus dem eingeführten Schulbuch von Klett (PRISMA Physik 7-10 RLP) übernommen.
Das Buch eignet sich gut zum Selbststudium, durch die Sachtexte sind die Aufgaben oftmals selbsterklärend. Ich habe hier Aufgaben aus dem Bereichen E-Lehre und Wärmelehre genommen. Normalerweise hätten wir die E-Lehre in der Schule bald abgeschlossen, nun müssen die Schülerinnen und Schüler die letzten Themen und die Zusammenfassung selbständig erarbeiten.
Wenn nach der Schulschließung wieder Unterricht stattfinden sollte, werde ich einige Aufgaben stichprobenhaft aussuchen und bewerten. Zudem werden diese Aufgaben im Plenum besprochen.

Sollte die Schulschließung länger dauern, so wird die Schule gemeinsam eine Lösung finden, wie die Lehrerinnen und Lehrer die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler erhalten. Wie das dann gemacht wird, weiß ich allerdings auch nicht. Die Schülerinnen und Schüler erhalten dann weitere Aufgaben aus dem Schulbuch zum Themenfeld Wärmelehre.

Patrick Letschert, Ernst-Barlach Realschule Plus mit FOS Technik und Gestaltung in Höhr-Grenzhausen, Rheinland-Pfalz

25.3.2020

Phyphox bietet eine Menge von Möglichkeiten mit den vorhandenen Sensoren des Smartphones zu experimentieren. Man kann also Arbeitsaufträge erstellen und die Schüler*innen können selbst einen Versuch vorbereiten. Dokumentieren können die Schüler*innen, indem sie diesen Versuch mit einem Video aufnehmen und erklären. Beispiel unter: https://youtu.be/fm1QcDtdRX8

Istopmotion oder stopmotion 
Das Daumenkino war gestern, jetzt können Schüler*innen mit diesen Apps eigene Erklärfilme selbst produzieren und evtl. hochladen.

Zahlreiche Physik-Erklärvideos der Universität Paderborn finden sich unter: https://physik.uni-paderborn.de/reinhold/paderborner-videos/erklaervideos/. Die Filme eignen sich bei allen Themenbereichen im Physikunterricht. Passend zu den Videos gibt es Arbeitsblätter, Tipps aus der Praxis, sowie eine Low-Cost-Variante, mit dem die Schüler*innen die Filme selber produzieren können.

AR = Augmented Reality
Mittlerweile gibt es verschiedene Apps, die AR nutzen. Daraus ergeben sich Möglichkeiten zur Visualisierung von physikalischen Modellvorstellungen.

Solar: eine schöne App, um den SuS das Sonnensystem und unsere Planeten näher zu bringen.

BigBangAR: Diese App ist leider nur in Englisch, zeigt aber sehr gut etwas über den Beginn unseres Universums. Deswegen eher etwas für ältere Jahrgänge (ab dem 8. Jahrgang).

D. Trapphagen (Dipl. Ing.), Lehrer für Physik und Technik, Gesamtschule NRW

24.3.2020 - Ich selber erteile in diesem Jahr keinen Unterricht, bin aber über meine Fortbildungstätigkeit mit vielen Kolleginnen und Kollegen verbunden. Die Fortbildungsveranstaltungen in nächster Nähe wurden zumeist abgesagt. Einige Formate konnten in virtuelle Formate übertragen werden. Das heißt, dass wir mithilfe von Zoom-Meetings kooperieren und unsere hausinterne Cloud für den Austausch nutzen (Planungsabsprachen, Runden zur Ideenfindung, redaktionelles Arbeiten). Durch die Option von Zoom zum Screen-Sharing konnten wir auch Unterrichtsentwürfe präsentieren und konstruktives Feedback einholen. Überhaupt sind der Kontakt, die Anteilnahme und das aufmerksame Zuhören im Augenblick m.E. die dringlichsten Aufgaben. Denn das „normale“ Leben geht ja irgendwie weiter.

Viele Schulen setzen auf moodle. Alternativ werden Cloud-Lösungen angewendet, LandesschulCloud, IServ etc. Und dann natürlich Emails und Kontakte über Messenger. Die Aufgabenumfänge sind enorm. Viele Schülerinnen und Schüler leiden über Unmengen von Aufgabenblöcken. Dabei fehlen vor allem kommunikative und kollaborative Ideen und Strukturen. Hier rächt es sich, wenn man zu stark auf frontale Formen gesetzt hat und es jetzt an kollaborativen Formen mangelt. Aber auch dafür muss man die technischen Kenntnisse haben und die lassen sich nicht von heut auf morgen und dann noch aus der Distanz erwerben (siehe Fortbildungen).

Buch-Lösungen bieten hier einen sicheren medialen Fundus. Religion ist aber ein kleines Fach und oftmals sind die Bücher in der Schule. So muss Unterricht ohne Bücher gestaltet werden. Ob Schule und Lehrkräfte an der Krise lernen, wird sich zeigen. Auch finden die ersten Videokonferenzen ihren Weg in die Schule, dann aber zumeist in den Oberstufen, wenn das Abi zu einer Bedrohung wird. Hier folgt man m.E dem FlippedClassroom-Ansatz.

Trotz aller Widrigkeiten habe ich gerade den Eindruck, dass sich die Lage konsolidiert und die Aufregungen weichen. Das macht den Kopf klarer und es finden sich strukturierte und didaktisch klug überlegte Vorgehensweisen. Mal sehen, wie sich die Lage in drei Wochen entwickelt hat.

Andreas Ziemer, Ausbildner und Lehrkraft für Religion, Niedersachsen

21.3.2020 - Ich unterrichte an einer beruflichen Schule und bin dort Moodle-Administratorin. In den letzten Tagen waren wir hauptsächlich unter Hochdruck dabei, die stark überlastete Plattform von einem alten Server auf einen neuen zu migrieren, wobei wir die Gelegenheit nutzten und alle Nutzerdaten neu aufsetzten. Zuvor hatten wir nur vereinzelt Lehrkräfte, die die Lernplattform nutzten und die Klassenlisten waren auch eher vereinzelt mit Mailadressen eingepflegt ... Nun sind alle Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler dabei und wir bekommen täglich neue Anfragen zur Erstellung neuer Kurse.

Seit die Plattform zumeist fehlerfrei läuft, habe ich Fernaufgaben für meine Klassen und Tutorials für mein Kollegium erstellt. Die Hilfestellungen für Lehrkräfte umfassen:

  • Tutorials für die „Trainer/innen“ und „Manager/innen, sowie für eine neue Hilfsadministratorin
  • Wir haben einen neuen Mailverteiler für uns Moodleadmins (wir sind mittlerweile zu dritt und können so zeitnah und ohne Doppelungen Kurserstellungsanträge oder Fehlermeldungen bearbeiten), unter dem wir alle erreichbar sind.
  • Sammlungen mit hilfreichen Webseiten (siehe unten bei Medienzentrum).

In meinen eigenen Unterrichtsmoodlekursen habe ich verschiedene Module erstellt, um den Stoff weiterhin vermitteln und Leistungsmessungen vornehmen zu können:

  • Ich habe mithilfe von PowerPoint aus meinen geplanten Unterrichts-Einstiegspräsentationen Videos erstellt, in denen ich die Inhalte vermittle. Dazu habe ich Fragebögen generiert, mithilfe derer ich kontrollieren kann, ob die Inhalte bearbeitet und verstanden wurden.
  • Auch externe Lernvideos bette ich ein und stelle dazu Aufgaben wie Kreuzworträtsel, Fragebögen mit Eingabefeldern und Multiple-Choice-Tests.
  • Für Kunst habe ich eine Praxisaufgabe gestellt, die als abfotografiertes Bild per Units Messenger eingereicht werden muss. Die Originale sammle ich zur Kontrolle ein, wenn ich die Klasse wiedersehe.
  • Für ein Webquest, welches eine Klasse gruppenteilig erarbeiten soll, habe ich auf meiner Nextcloud vom Medienzentrum Ordner freigegeben. Dort, und auf zumpad, können die Lernenden gemeinsam Inhalte erarbeiten und ihre Abgabe vorbereiten und einreichen.
  • An einem Tag werde ich eine digitale Klassenarbeit mit Zeitbegrenzung und automatisiertem Einsammeln schreiben. Ich hoffe, der Server ist dann stabil. Die Klasse kennt das Prinzip schon von meinen Lehrer-Schüler-Feedbacks, die ich in den letzten Jahren immer auf die gleiche Weise eingeholt habe.

Am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Karlsruhe habe ich „meinen“ Direkteinsteiger/innen und Referendar/innen Onlineaufgaben (ebenfalls auf dem dortigen Moodle) bereitgestellt und Beispiele für meine eigenen Fernaufgaben eingefügt.

Am Medienzentrum Heidelberg (www.mzhd.de) arbeiten wir daran, Nextcloud-Serverplätze für Lehrkräfte an jenen Schulen bereitzustellen, die keine gute Infrastruktur an der Schule haben. Wir werben dort außerdem für Apps, Tools und Angebote, die beim Fernunterrichten helfen (siehe: https://padlet.com/MZHD/5qentnpk2rbl). Das Medienzentrum Heidelberg bietet mit den beiden Mediatheken EduPool und Sesam die Möglichkeit den Schülerinnen und Schülern gezielt Filme mit Zusatzmaterialien (Arbeitsblätter, Lösungsblätter, Bilder, Grafiken, Zusatztexte, etc.) direkt per Link zur Verfügung zu stellen. Auch das MZ Pforzheim hat so ein Padlet erstellt, das wir bewerben: https://padlet.com/MZPE/Ferne .

Dr. Isabelle Evers, Albert-Schweitzer-Schule, Sinsheim

24.3.2020 - Eine unheimlich anstrengende Woche geht zu Ende. Nachdem wir am vergangenen Freitag die Nachricht erhalten hatten, dass die Schulen am Montag schließen und wir entgegen der Meinung offensichtlich so einiger keine „CoronaFERIEN“ haben würden, machte sich ein Gefühl aus Ratlosigkeit und Tatendrang in mir breit.
Zwar konnte ich mich als aktive Nutzerin von itslearning glücklich schätzen, auf die Funktionen eines LMS zurückgreifen zu können, wusste als Admin ebendessen aber zugleich, was für eine Mammutaufgabe auf unser kleines Admin-Team zukommen würde. Tatsächlich haben wir das gesamte Wochenende daran gearbeitet, einen Plan auf die Beine zu stellen, wie wir Schülerschaft und Kollegium fit für Unterricht aus der Ferne machen könnten und daran, die nötige Infrastruktur für die Bereitstellung der Materialien anzulegen.
Am Montag erhielten dann die Kollegen, denen es bisher freigestanden hatte, das LMS auch für ihren Unterricht zu nutzen, eine Art Crashkurs darüber, was mit einem LMS so alles möglich ist und wie es in der nächsten Zeit sinnvoll eingesetzt werden kann. Und auch wenn die Administration und der Support in den vergangenen Tagen einen wesentlichen Teil meines Tages eingenommen haben und wir unzählige Schülerpasswörter zurücksetzen mussten, auch wenn ich selbst manchmal fast verzweifelt bin, weil das Internet gefühlt endlos eine Seite lud, bin ich doch nach einer Woche auch ein bisschen stolz auf das, was wir bei der Vorlaufzeit „mal so eben“ alles auf die Beine gestellt haben.
Außerdem sehe ich, was schon die wenige Fortbildungszeit bewirken kann und würde mir wünschen, dass uns Lehrern generell mehr Zeit zugestanden würde, um die Herausforderung Digitalisierung gemeinsam zu meistern. Teils überwältigt und wirklich dankbar bin ich auch für die zahlreichen Hilfsangebote seitens der Verlage und Anbieter von digitalen Unterrichts- und Lernmaterialien.

Auch weiß ich als Admin nicht, wo mein eigener „Unterricht“ ohne den Digitalen Unterrichtsassistenten diese Woche geblieben wäre. Und klar, natürlich läuft da noch nicht alles glatt, aber auch wir Lehrer lernen gerade einiges Neues. Also Eltern und Schüler, habt bitte etwas Vertrauen in uns! Wir tun unser Bestes für euch!
Tina, Lehrerin an einem Gymnasium

20.3.2020 - Es ist wenig überraschend, dass für jemanden, der sich seit Jahren mit digitaler Bildung beschäftigt, der Unterrichtsalltag von den verschiedensten Anfragen unterbrochen wird: Wie sollen die Kolleginnen und Kollegen kommunizieren, wie mit Schülerinnen und Schülern sprechen, die Materialien teilen? Was geht, was ist DSGVO-konform, was läuft stabil? Insofern ist das, was ich zu tun habe, fast mehr als sonst.

Ich stehe in der Früh auf, etwa so wie auch in Schulzeiten, so dass ich, bevor meine Tochter aufwacht, schon die ersten Arbeiten erledigen kann: Emails beantworten und schauen, inwiefern die Schüler die Aufgaben erledigen, ob sie Fragen haben etc. Wir haben dafür einen Messenger, der aber leider immer mal wieder hängt. Das gilt auch für die Dienstmail. Über den Vormittag bin ich dann ganz Papa, da meine Frau als Erzieherin weiterhin arbeiten muss. Während kurzer Phasen, in denen die Tochter ein Hörspiel hört, checke ich weiter, ob meine Schüler Fragen haben.

Der richtige digitale Unterricht geht dann ab 14 Uhr los: Ich habe mit einer Klasse ein Padlet erstellt, eine digitale Leinwand also, auf der die Aufgaben stehen. Diese beantworten die Schüler dann über ihren Blog. Diesen zu erstellen war für die Mittelstufenschüler schwerer als für die der Kursstufe. Letztere haben ihren Blogs sowieso seit Schulbeginn, so dass sich nur ändert, dass sie diesen nun ausschließlich nutzen.

Zwischenzeitlich spreche ich mit der Schulleitung Prozesse ab, die sich neu ergeben, zum Beispiel bezogen auf den Umfang der Aufgaben, damit die Schüler/-innen in diesen schwierigen Zeiten nicht überlastet sind. Nach der ersten Woche lässt sich schwer abschätzen, ob alle Prozesse genau so weiterlaufen. Gerade technisch etwas anspruchsvollere Dinge wie digitale Konferenzen müssen sich erst einmal einpendeln. Aber man sieht, dass die gegenseitige Unterstützunge der Lehrpersonen sehr gut ist.

Gerade im #twitterlehrerzimmer oder unter dem neuen Hashtag #udigital20 wird viel Material und Expertise geteilt. Man kann den Lehrerinnen und Lehrern nur anraten, hier nach Hilfe zu suchen, denn die Community hat meistens jemanden parat, der weiterhelfen kann.

Bob Blume, Gymnasium Baden-Württemberg

https://bobblume.de/2020/03/23/digital-unterricht-digital-in-zeiten-vom-coronavirus/

20.3.2020 - Also wie gehen wir vor, bzw. Ich: Ich habe den 6ten Klassen Kopiervorlagen ausgeteilt die mit dem Buch Schnittpunkt und dem Buch Projekt G bearbeitet werden sollen. Bzw. Ich habe Arbeitspläne gemacht. Die Kommunikation läuft per Mail oder mit dem Austauschportal „Padlet“ wo die SuS anonym ihre Dateien runterladen können und Fragen stellen können.

Da „Padlet“ einen nicht deutschen Server hat, weiß ich, dass es so eine Sache ist, aber das IQSH nutzt es auch. Mit meiner 10ten Klasse der Abschlussklasse, nutze ich schon seit November „Padlet“ zum Test, das kommt uns nun zugute. Dort tauschen wir alles aus, was sehr gut läuft. Leider haben wir noch nicht, wie im Konzept vorgesehen, „IServ“ in der Schule installiert.

Zur Chancengleichheit hat aber auch die 10te genug Kopien in altbewährter Art. Meine Hauptquelle ist aber nun „youtube“ und die Software „Explain Everyting EDU“ mit der ich jeden Tag ein ca. 45Min Mathevideo für meine SuS erstelle und dass dann auf „youtube“ in meinem neuen Kanal zur Verfügung stelle. Ganz auf meine SuS zugeschnitten.

Mir fehlt eigentlich nur die Möglichkeit für einen Livestream, wie ein Webinar, das liegt zum einen an meinem eigenen begrenzten Internet (Glasfaser lässt warten) aber auch an der geeigneten, datensicheren Software.

Patrick Baarck/Realschullehrer SH

20.3.2020 - Am 16.3.2020 saßen wir mit Sicherheitsabstand in der Dienstberatung und beratschlagten über das weitere Vorgehen nach der Schulschließung und wie wir unseren SuS ein modernes Homeschooling ermöglichen können. Nun war schnelles Umdenken nötig. Lehrer, die vorher als Vorreiter in „Sachen Digitalität“ an unserer Schule gewirkt haben, wurden nun zu Multiplikatoren. Unsere Schulleitung hat für jede Klasse auf unserer schuleigenen Lernplattform „Moodle“ einen Kurs angelegt, in den jeder Fachlehrer nun Aufgaben hochladen kann. Die Schüler loggen sich mit ihrer Schul-E-Mailadresse ein und können somit die entsprechenden Aufgaben runterladen.

Ein einziges Hindernis der Lernplattform ist, dass die Dokumente nicht mehr als 1 MB haben dürfen. Nun habe ich mir als Deutsch- und Englischlehrerin überlegt, meine Kurse über eine digitale Pinnwand („Padlet“) mit Aufgaben zu versorgen. Neben Lehrbuchaufgaben gibt es z. B. für meinen Englischgrundkurs Klasse 11 Videos, Podcasts, Lernvideos, digitale Umfragen oder weitere Artikel zum Thema. Die erste Wochenaufgabe bestand darin ein digitales Poster zu erstellen, diese Woche sollen die SuS eine Welcoming Speech schreiben und einsprechen. Die Ergebnisse werden auf eine Ergebnispinnwand hochgeladen, die mit dem Aufgabenpadlet verlinkt ist.

Padlet

Durch die Kommentar- und Bewertungsfunktion können die SuS kollaborativ arbeiten und sich gegenseitig bewerten. Das klappt großartig und die Rückmeldung der SuS ist durchweg positiv. Ich stelle meine Aufgaben für für eine Woche auf das Padlet und am Ende lade ich die „Lösungshinweise“ hoch, sodass Aufgaben auch selbstständig kontrollieren können.

Für die Vorbereitung dieser digitalen Angebote nutze ich sehr gerne die digitalen Unterrichtsassistenten der Lehrwerke und Audiodateien und binde diese auf dem Padlet mit ein. Für meine Fächer Deutsch und Englisch bieten sich produktive Aufgaben an, das Ausprobieren neuer digitaler Tools, wie z. B. das Erstellen eigener Lernvideos mit mysimpleshow oder digitale Lernpfade, die die Bildungsserver zur Verfügung stellen.

Um den SuS das Lernen zu erleichtern, haben sie einen Lernplan bekommen, mit dem sie täglich ihren Tag und ihre Aufgaben organisieren und strukturieren. Dabei sollten wir LehrerInnen nicht vergessen, dass wir die Situation und Verpflichtungen der SuS zu Hause nicht kennen, wir wissen nicht, ob jeder einen Laptop/Computer oder Zugang zumInternet hat, daher sollten unsere Aufgaben ein Angebot sein, das jeder nach seinen Möglichkeiten annehmen kann. Bei den jüngeren SuS sollten die Aufgabe nicht zu komplex sein und zum Üben und Wiederholen anregen und einfach Spaß machen.

Toll finde ich den Zusammenhalt in unserem Kollegium und der intensive Austausch mit den SuS. So können wir per Mail oder Kommentarfunktionen individuell auf Fragen oder Probleme eingehen. Eine Video-Klassenleiterstunde ist für die nächste Woche geplant. Ich sehe diese digitale Herausforderung nicht als Überforderung, sondern als Chance, digitale Elemente in den späteren, dann regulären Unterrichtsalltag zu integrieren.

Katja Küntzel, Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Greifswald (Instagram: lehr.bar)

18.3.2020 - Anfang letzter Woche war uns klar, eine Herausforderung kommt auf uns zu – Fernunterricht mit Grundschulkindern. Das Galileo Bildungshaus hatte schon im letzten Jahr die Kommunikation unter den Pädagogen auf MSOffice365 umgestellt, jetzt entschlossen wir uns ganz schnell auch für jedes Schulkind einen Account anzulegen. In Teams arbeiten die Kinder nun die nächsten Wochen zu Hause. Am Montag fand sofort eine interne Fortbildung mit der Hilfe eines Elternteils und unseres IT Beauftragten statt und die ersten Begrüßungs- und Lernvideos wurden gedreht. Wichtigstes Ziel ist für uns: die Beziehungsebene mit den besorgten Kindern aufrechtzuerhalten. Grundprinzip: jeder Pädagoge produziert Videos, Podcasts stellt Aufgaben in Bereichen, in denen seine Stärken liegen. Zu den klassischen Lernangeboten gab es in dieser ersten Woche: Bewegungs-, Forscher-, Kreativ-, Aufgaben, Vorleseangebote… Die Kinder sollen weiter ganzheitlich gefördert werden. Unser Maskottchen Galilea hilft uns hier als Identifikationsfigur.

Videolösungen

Den KollegInnen hat die ganz andere Arbeit Spaß gemacht. Zum Teil haben sie ihre eigenen Kinder in die Videos mit einbezogen. Besonders schön waren die vielen positiven und wertschätzenden Rückmeldungen von Kindern und Eltern, die wir alle in unserem gemeinsamen online Notizbuch unter „warme Dusche“ abgespeichert haben. Heute findet eine Telefonkonferenz statt, um das Feedback der Eltern und Kinder für die 2. Woche einzuarbeiten. Wir hoffen, dass wir so die Krise zusammen überwinden und die neuen Erfahrungen auch danach einbinden können.

Petra Ferrari, Galileo Bildungshaus gGmbH

Aktuelles aus dem Netz

27.3.2020 - SZ/ Wenn die aktuelle Krise vorbei ist, müssen wir intensiver über die Digitalisierung an den Schulen reden. Link

27.3.2020 - Ernst Klett Verlag: Digitale und gedruckte Materialien teilen - was ist erlaubt?  Link

27.3.2020 - Erfahrungsbericht: Digitales Lernen wird Normalität.   Link

26.3.2020 - FAZ/ Spätestens nach der langen Episode der coronabedingten Schulschließungen werden alle Schüler wissen, dass Lernen ohne Lehrer nicht möglich ist.  Link

25.3.2020 - dpr/ Schulbuchverlage und eine Digitalisierung, die einfach nicht kommen mag Link

25.3.2020 - tagesschau/ Die Corona-Pandemie stellt die Schulen vor massive Herausforderungen. Experten warnen vor größerer sozialer Ungleichheit. Link

24.3.2020 - golem/Homeschooling-Report: Wie Schulen mit der Coronakrise klarkommen Link

23.3.2020 - Das Kultusministerium Baden-Württemberg hat für das Lernmanagementsystem Moodle zusätzliche Serverleistungen und Speicherkapazität einrichten lassen. Dadurch sind in kürzester Zeit etwa 4.000 Schul-Accounts eingerichtet worden. Link

19.3.2020 - tagesschau/ Podcast: Wie Corona Bildung revolutionieren könnte Link