Klett-Themendienst Nr. 75 (05/2017)
Bildnachweis: Ernst Klett Verlag

Mit Theater Englisch lernen

Zuschauen, zuhören, mitmachen: Ansätze aus der Theaterpädagogik sollen Schülerinnen und Schüler in der Grundschule zum Lernen einer Fremdsprache motivieren.

Zwei Clowns besuchen eine Schule und sprechen und spielen mit den Schülern. Frootsie and Mudge heißen die beiden Clowns, gespielt von englischsprachigen Schauspielern, im gleichnamigen Theaterstück für Grundschulen. 2018 wird es auf dem Programm des White Horse Theatre mit Sitz in Soest stehen. Das Theater hat sich auf englischsprachige Stücke spezialisiert und versteht sich als pädagogisches Tourneetheater. Das Repertoire besteht aus Stücken für fünf verschiedene Altersstufen von der Grundschule bis zur Oberstufe. Peter Griffith, selbst einst Lehrer, Schauspieler und Musiker, gründete das Theater 1978 und schreibt heute die Stücke, führt Regie und organisiert die Tourneen. 

Gerade feilt er noch an den Dialogen für sein neues Stück: Dabei ist er diesmal anders vorgegangen und hat sich nicht zuerst auf eine spannende Handlung konzentriert, sondern hat das Stück auf dem Englischlehrplan der Grundschule aufgebaut. "Ich habe mir angesehen, welcher Wortschatz und welche Grammatikthemen im Unterricht behandelt werden – zum Beispiel Farben, Zahlen, Kleidung, Lebensmittel, Tiere – und dann darauf aufbauend ein lustiges und visuelles Stück geschrieben", sagt Griffith. Auf die Idee zu dieser Herangehensweise haben ihn Lehrerinnen und Lehrer gebracht, die nach Stücken zu bestimmten Wortfeldern gefragt haben.

Interaktion mit den Schauspielern

Das Besondere an dieser theaterpädagogischen Sprachvermittlung ist das Eintauchen in die Fremdsprache und die Interaktion zwischen den Schauspielern und den jungen Zuschauern. "Für die Kinder ist es spannend, ein komplett englischsprachiges Stück zu sehen. Das kennen sie sonst ja gar nicht", sagt Inga Morawietz, Klett-Referentin und Grundschullehrerin am Bildungshaus Weerth-Schule in Detmold. Das einzige Sprachvorbild für die Kinder ist in der Regel die Lehrerin oder der Lehrer – die meist selbst keine Muttersprachler in der Fremdsprache sind. Im Theater stehen dagegen englischsprachige Muttersprachler auf der Bühne, die sehr deutlich sprechen und mit Hilfe von Mimik, Gestik und Wortwiederholungen den Inhalt des Stückes anschaulich machen. Zudem holen die Schauspieler die Kinder auch auf die Bühne und lassen sie Teil des jeweiligen Stückes werden. "Da verstehen die Kinder zwar nicht jedes Wort", sagt Morawietz, "aber sie verstehen den Zusammenhang, sie können der Geschichte folgen. Und gerade dieses Erfolgserlebnis, viel mehr verstehen zu können und selbst in der Fremdsprache agieren zu können, bewirkt sehr viel." Die Kinder merken, dass sie schon in der Lage sind, selbst etwas in der Fremdsprache zu sagen. Etwas nachsprechen zu können und sogar Antworten geben zu können.

Motivation beim Spracherwerb

Rund 400.000 Schülerinnen und Schüler sehen pro Jahr ein Stück des Theaters in Deutschland an. Für die meisten von ihnen ist es der erste Theaterbesuch überhaupt und manchmal auch die erste Gelegenheit, etwas Theateretikette zu lernen: Dass man im Theater still sitzt (außer natürlich, wenn man von den Schauspielern zum Mitmachen aufgefordert wird) und am Ende klatscht.
In der Regel stehen die Schauspieler nach einem Stück noch für Fragen zu Verfügung. "Da wollen sie zum Beispiel wissen, was die Schauspieler für Hobbies haben oder wie eine bestimmte Szene technisch umgesetzt wurde. Und ganz egal auf welchem Sprachniveau sie sich befinden – die Kinder sprechen ganz natürlich auf Englisch mit den Schauspielern."

Dieses Erfolgserlebnis im Theater sorgt oft für einen Motivationsschub im  Unterricht. Deshalb hat der Ernst Klett Verlag das Ensemble  kürzlich in eine seiner Fortbildungsveranstaltungen für Englischlehrkräfte geholt. Im Mittelpunkt  stand die Umsetzung von Sprache und Mimik im Grundschulunterricht und wie diese zusammen mit den vorhandenen Unterrichtsmaterialien spielerisch angewendet werden können. "So wie die Schauspieler mit den Schülern auf der Bühne interagieren, so kann man das selbst im Unterricht auch machen: ihnen etwas vorspielen, einen Gesprächsanlass als Ausgangspunkt nehmen und sie selbst spielen lassen", sagt Morawietz. Dass vielfältige Zugänge zu einer Fremdsprache über Theater, Lieder oder Sprechspiele dabei unterstützen, die Sprachen auch aktiv zu sprechen, darin waren sich alle Teilnehmer einig.

Autorin: Yvonne Pöppelbaum


Buchtipp:
"Come in“ (ISBN: 978-3-12-588451-9) ist das erste Englischwerk für den individualisierenden Englischunterricht mit differenzierten Hörtexten, Sprechspielen und Bildkarten ab Klasse 1. Die Lehrwerksreihe wurde 2017 mit dem Preis Schulbuch des Jahres in der Kategorie Sprachen ausgezeichnet.


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