Schreiben

Autorin: Melanie Arriagada

Diesen Beitrag können Sie sich auch gerne anhören – hier auf Spanisch.

Digitalisierung und Förderung der fremdsprachlichen Schreibkompetenz
Die Fortschritte von Online-Übersetzungstools, Autokorrekturen und weiteren Hilfsprogrammen setzen die Schulung der fremdsprachlichen Schreibkompetenz unter verstärkten Legitimationsdruck. Die genannten digitalen Angebote werden oftmals als Störfaktor für den Fremdsprachenunterricht und als unerwünschter Verbündeter der Lernenden betrachtet, welche die Förderung der fremdsprachlichen Schreibkompetenz gefährden. Aufgrund der Allgegenwärtigkeit neuer Technologien sowohl innerhalb als auch außerhalb des Klassenzimmers scheint dieser Antagonismus jedoch weder zielführend noch haltbar. Vielmehr scheint die Erkenntnis unerlässlich, dass sich der Schreibunterricht zwangsläufig verändern muss. Aber wie? Anhand von vier Fragen wird der Versuch unternommen, Neuakzentuierungen, überholte Annahmen und mögliche Weiterentwicklungen der Schulung des Schreibens im Kontext der Digitalisierung zu skizzieren.

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Was leisten digitale Angebote für die Förderung der Schreibkompetenz?
Eine Momentaufnahme des Einflusses der Digitalisierung im Fremdsprachenunterricht zeichnet ein hoffnungsloses und lernhinderliches Panorama: Ganze Absätze schriftlicher Arbeiten werden mit Copy-and-paste-Inhalten gefüllt. Sprachanfängerinnen und -anfänger legen makellose Aufsätze über ihre Familie, ihre Stadt oder ihren Alltag vor.
Die potenzielle Hilfe digitaler Programme wird zur Vernichtung essenzieller diagnostischer und pädagogischer Rückmeldefunktionen für die Lehrkräfte, denn individuelle Lernfortschritte bei der schriftlichen Sprachproduktion lassen sich durch den Einsatz von Übersetzungsmaschinen nicht mehr ermitteln. Schriftliche Hausaufgaben verlieren somit nahezu ihre Berechtigung.
Da die technologischen Möglichkeiten von Übersetzungsprogrammen eine Auseinandersetzung mit der Sprache der Schülerinnen und Schüler kaum mehr notwendig macht, bleibt somit die inhaltliche Ebene der einzige Aspekt, der als eigene Leistung der Lernenden bewertet werden könnte.
Wir stehen somit vor der Herausforderung, die Schülerinnen und Schüler im kompetenten und reflektierten Umgang mit diesen digitalen Werkzeugen zu schulen, um ihnen die Möglichkeiten und Grenzen einer automatisierten Sprachproduktion deutlich zu machen.
Zwar werden Übersetzungsmaschinen fortschrittlicher, was durchaus begrüßenswert erscheint; dennoch wird man als Schülerin oder Schüler auch in authentischen kommunikativen Kontexten selbstständig agieren und aktiv an ihnen teilnehmen wollen. So fordert die Interaktion innerhalb sozialer Medien die Fähigkeit zum selbstständigen und spontanen Verfassen eigener Texte unter Berücksichtigung der zielsprachlichen Angemessenheit. Betrachtet man digitale Angebote nicht als Ersatz der eigenen Sprachproduktion, sondern als Hilfsmittel, dann können sich Übersetzungsprogramme sogar als wertvolle Lernwerkzeuge erweisen, die der besonderen Komplexität des fremdsprachlichen Schreibens Rechnung tragen können. Durch den kompetenten Einsatz in Form eines kritischen Sprachvergleichs und in Verbindung mit weiteren Werkzeugen (wie z. B. kontextualisierten Übersetzungstools) werden diese Werkzeuge zu dem, was sie sind: Angebote. Und als solche können sie einen Beitrag zur Förderung der Schreibkompetenz, der interkulturellen Kompetenzen und des Sprachbewusstseins der Lernenden leisten.

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Wie können wir Technologien und Apps zur Förderung der Schreibkompetenz in der Schule einsetzen?
Schreibphasen sollten grundlegende Bestandteile des Fremdsprachenunterrichts bleiben und im Klassenzimmer stattfinden. In der Antes-de-escribir-Phase bietet das Internet bei der Recherche von Fakten sinnvolle Unterstützung.
Der Einsatz virtueller kooperativer Schreibwerkzeuge (wie z. B. Unserpad) ermöglicht zudem einen problemlösungsorientierten Umgang mit weiteren digitalen Werkzeugen, indem z. B. Übersetzungstools wie Linguee o. Ä. in den Schreibprozess einbezogen werden.
Selbstständigkeit und eine lehrerdezentrierte Feedbackkultur werden durch solche virtuellen kooperativen Umgebungen besonders positiv beeinflusst. Die Schülerinnen und Schüler unterstützen und korrigieren sich gegenseitig. Zudem können sie mithilfe der „Zeitrafferfunktion“ ihren Schreibprozess nachverfolgen und die Entwicklung des gemeinsamen Schreibproduktes kritisch reflektieren. Die Phase der Überarbeitung erhält somit dank digitaler Werkzeuge einen fruchtbaren – und eher unerwarteten – Schub. Ein konkretes Unterrichtsbeispiel zum komplementären Einsatz kooperativer Schreibwerkzeuge und digitaler Übersetzungstools findet sich in der Rubrik „Lehrwerksarbeit“ unter Unidad 5.

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Was geschieht mit der Sprachrichtigkeit?
Die Vielfalt und Qualität digitaler Werkzeuge eröffnet die Diskussion, ob von den Lernenden sogar genauere bzw. elaboriertere Schreibprodukte erwartet werden sollten, da dies durch den kompetenten Einsatz von neuen Technologien leichter möglich sein könnte. In der Tat sollte der Sprachrichtigkeit gerade wegen der Digitalisierung und der Internetsprache eine besondere Berücksichtigung in der Schreibproduktion zukommen. Es muss darauf hingewiesen werden, dass auf den Plattformen sozialer Medien trotz Autokorrektur lexikalische, grammatikalische und syntaktische Sprachverarmungen vorzufinden sind.
Der kreative Umgang mit Sprache in den sozialen Medien (z. B. salu2 für saludos, „k“ bzw. „q“ für que oder UwU als Ausdruck emotionaler Reaktion) und die Verwendung von Emoticons sind Bestandteile der Onlinekommunikation. Die Lernenden müssen wissen, dass die hier evtl. zu beobachtende Reduktion im Ausdruck und die Multikodalität für diese Onlinegenres charakteristische Kommunikationsformen sind und nicht auf konventionelle Textsorten übertragen werden sollten.

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Wie gehen wir mit Plagiaten durch Copy-and-paste um?
Eine zielführende Recherche und eine damit einhergehende bewusste Auseinandersetzung mit relevanten Inhalten ist für die Erstellung von eigenen Texten unerlässlich. Im Zusammenhang mit der Arbeit an Fremdtexten steht der Sprachunterricht somit vor der Aufgabe, den Lernenden nicht nur eine kritische Haltung gegenüber Internetquellen (unter Unidad 7) zu vermitteln, sondern vor allem das Bewusstsein gegenüber jeder Form von Plagiaten zu schärfen. Das Unterrichten von Zitierkonventionen wird im digitalen Zeitalter somit zu einem wesentlichen Bestandteil der Schreibkompetenz. Schreibaufgaben sollten mehr denn je die Schülerinnen und Schüler als Individuen in den Mittelpunkt stellen und ihnen Raum für den Ausdruck persönlicher kommunikativer Bedürfnisse eröffnen.

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