Avril 2021

Ami(e)s de la Bonne Chanson, bonjour!

Dreißig Jahre Musikgeschäft, eine der bekanntesten Popsängerinnen in Frankreich – und auch als Autorin beliebt: Zazie. Ihr aktuelles Album „Essenciel“ spielt wie gewohnt mit den Worten und – möglichst tanzbarer – Popmusik. Und blaublütig: Isabelle Marie Anne de Truchis de Varennes. So heißt Zazie nämlich eigentlich.
Zazie, schon als Kind wurde sie nach dem verrückten Wirbelwind aus Raymond Quéneaus „Zazie dans le métro“ so genannt. Und wuchs dann im adligen Bildungshaushalt dennoch mit Brassens, Brel und Barbara auf – was vielleicht die Qualität ihrer Texte erklärt. Am 18. April hat sie Geburtstag – das Widderleben gegen Widerstände erklärt vielleicht auch ihre Lust auf harte Rhythmen – so baut sie immer wieder, auf Platte und im Konzert, Techno und Disko in ihre Musik – und das, obwohl sie jetzt auch schon auf die 60 zugeht.
Dass ein Song mit dem Titel „Speed“ ein Lied für einen älteren Herrn ist – oder vielleicht sogar für eine Freundin oder sich selbst, das kann man bei der Musik (die sich langsam im Tempo steigert) kaum vermuten. „Du hast jetzt lange genug gepennt, du musst nicht einen auf tot machen, bloß, weil man dich gerade nicht gewollt hat. Das Universum hört hier nicht auf – allez Hopp! Du bist frei jetzt, du bist frei ab jetzt.“ Tanzen hilft übrigens auch.
Noch ein Wortspiel ist der Titel des Albums – mit den entsprechenden künstlerischen Nacktfotos der Hauptperson garniert: „Essenciel“ – eine Mischung aus Wesentlich und Himmel. Viel ist von Freiheit die Rede, vom sich nicht einsperren lassen, vom an den Ketten rütteln – und wie immer auch von der modernen Welt. Zazie steht damit komplett in der ältesten Chansontradition, wenn auch mit Musik für die Disko: Das Leben in kleinen Drei-Minuten-Filmchen einzufangen, mit Poesie und manchmal fast wütende Lebenskraft. Dabei hilft ihr die bekannte Produzentin und Gitarristin Edith Fambuena. Ihre langsam etwas brüchig werdende Stimme, die sogar mal bluesig werden kann, fügt Lebenserfahrung hinzu, eine recht ansprechende Mischung.
„Erinnern sich die Menschen daran, wie schön unsere Seelen sind? Wie taub kann man sein, dass man vergisst, menschlich zu sein?“
C’est Zazie qui vous le dit! ;-)

Links zum Thema

Die ganze Vielfalt der frankophonen Musik wieder ab Mitte September jeden Dienstag um 8 unter RendezVous Chanson

Zazie

Zur Person

Gerd Heger, Pfälzer aus der Nähe von Oggersheim, auf halbem Weg nach Paris in Saarbrücken gelandet. Dort Radiomann, also Journalist, Moderator und Musikprogrammgestalter, seit 1988, nebenbei Autor, Musiker und (Nicht-ganz-) Dichter. Als Monsieur Chanson ist er ein profunder Kenner der aktuellen frankophonen Musik, deren Vielfalt er in seiner wöchentlichen Sendung RendezVous Chanson auf SR2 KulturRadio präsentiert.