KI clever nutzen – Die besten Tipps, Tools und Tricks für Unterricht und Planung (Teil 2)
Im ersten Teil dieser Kolumne ging es um hilfreiche Tools für die Unterrichtsvorbereitung mit Künstlicher Intelligenz. Nun folgt der zweite Teil: Wie kann KI im laufenden Unterricht produktiv, differenzierend und reflektiert eingesetzt werden – ohne dass Kompetenzen verloren gehen oder die kritische Auseinandersetzung auf der Strecke bleibt? Hier kommen Anwendungsbeispiele, Tipps und Ideen für einen KI-gestützten Unterricht mit Augenmaß.
Ein Hinweis: KI kann – und wird – den Unterricht grundlegend verändern. Die hier vorgestellten Tipps gehen zunächst davon aus, dass das Unterrichtssetting so bleibt, wie man es kennengelernt hat, als man selbst ausgebildet worden ist. In diesem Sinne ist die KI „nur“ ein Werkzeug, das in den schon bestehenden Unterricht integriert wird.
1. Lernen über KI: KI als Unterrichtsgegenstand
Künstliche Intelligenz ist nicht nur Werkzeug, sondern auch Thema. Viele Schülerinnen und Schüler nutzen KI bereits selbstverständlich – umso wichtiger ist es, über Funktionsweise, Stärken und Risiken aufzuklären. Der Lehrer und Autor Joscha Falck schlägt vor, in Bezug auf KI fünf Dimensionen für den Unterricht zu unterscheiden: Lernen über, mit, durch, trotz und ohne KI. Während wir also zunächst geschaut haben, wie die Unterrichtsvorbereitung mit KI funktioniert und die letzten Kolumnen erklärt haben, wie Unterricht mit und durch KI geht, sollte auch das Lernen über KI eine Rolle spielen.
Fobizz: KI für die Grundschule
Die Kollektion „Die Welt der Künstlichen Intelligenz für die Grundschule“ bietet einen niedrigschwelligen Einstieg ins Thema: Bildgeneratoren, Chatbots und kreative Aufgaben helfen dabei, Grundkonzepte spielerisch zu vermitteln. Auf diese Weise wird die KI Gegenstand des Unterrichts, sodass sie in einem weiteren Schritt besser und zielsicherer verwendet werden kann.
SoekiaGPT (https://www.soekia.ch)
Dieses Tool erklärt die Funktionsweise von Textgeneratoren und bietet eine didaktisch aufbereitete Einführung in die Logik von KI-Texten. Ergänzt durch Handreichungen für Lehrkräfte eignet es sich besonders gut für eine erste Annäherung ab Sek I.
2. Lernen mit KI: KI als Lernbegleiter
KI kann auch als produktives Werkzeug eingesetzt werden – vorausgesetzt, die Reflexion wird nicht vergessen. Einige Tools ermöglichen nicht nur Unterstützung, sondern regen zu kritischem Denken an.
Bildbeschreibung trifft Prompting
Im Französischunterricht können KI-Bildgeneratoren genutzt werden, um Bildbeschreibung mit kreativer Produktion zu verknüpfen: Lernende beschreiben Landschaften oder Städte so präzise wie möglich, generieren ein Bild mithilfe eines Bildgenerators und vergleichen es mit schon bestehenden Bildern. So lernen sie, worauf es beim Prompten ankommt – und wie Sprache visuelle Wirkung erzeugt. Gleichzeitig kann so auch eine detaillierte Wortwahl in der Zielsprache geübt werden. Dies ist ein Teil des Lernens mit und über KI.
Quick, Draw!
Mit dieser Google-Anwendung können Schülerinnen und Schüle ausprobieren, welche Zeichnungen von der KI erkannt werden – ein idealer Impuls für Diskussionen über maschinelles Lernen, Datenbasis und Grenzen der Erkennung, und eine motivierende Möglichkeit als Impuls für den Sprachenunterricht.
FelloFish (https://www.fellofish.com)
Das Tool gibt differenziertes Feedback zu Schülertexten und eignet sich besonders für das selbstständige Überarbeiten. Das Prinzip: Text eingeben, Rückmeldung erhalten, reflektieren, verbessern.
Tipp: Nach dem Feedback kann eine Schreibkonferenz im Tandem erfolgen: Was war hilfreich? Was hat die KI nicht erkannt?
KI beim Präsentieren und Referieren
Lassen Sie Lernende ihre Präsentationen in der Zielsprache gemeinsam mit einer KI planen, um Strukturvorschläge zu erhalten – aber fordern Sie eine Reflexion über die Ergebnisse ein: Was war hilfreich? Was fehlte? Welche ethischen Fragen stellen sich?
Lernziele dabei können sein:
- Effektive Prompts formulieren
- Grenzen und Risiken erkennen (z. B. bei Quellenangaben, Halluzinationen, Datenschutz)
- Reflektieren, wann KI sinnvoll ist – und wann nicht
Digitale Tafeln und spielerisches Entdecken
Die Fobizz-Galerie bietet Tools wie den „malenden Roboter“ oder KI-basierte Anwendungen zur Bilderstellung und -bearbeitung. Diese eignen sich für kreative, fächerübergreifende Zugänge, die vom Sprachenunterricht ausgehen können.
3. Lernen durch KI: Adaptive Förderung
Gerade in der Grundschule oder in heterogenen Klassen ist personalisierte Förderung entscheidend. Hier zeigt sich das Potenzial von KI.
Gerade für den Sprachenunterricht bietet es sich an, generative KI zu verwenden, um Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu bieten, sich in der Zielsprache zu unterhalten. Das Schöne: Mit den richtigen Prompts kann man der KI sagen, dass sie falsche Aussagen verbessern soll, sodass beispielweise während eines Interviews mit einer fiktiven Person diese immer wieder auf die individuellen Fehler der Nutzer hinweist. Auf diese Weise kommt jeder auf dem jeweiligen Niveau der Sprache weiter. Um dies mit generativer KI zu gewährleisten, die datenschutzkonform ist, bieten sich Anbieter wie Fobizz an, bei deren KI die Schülerinnen und Schüler anonym sind.
4. Lernen trotz und ohne KI: Reflexion und Medienethik
Nicht jede Lernsituation braucht KI – und nicht jede KI-Anwendung ist unbedenklich. Daher gehört zur digitalen Bildung auch der kritische Blick. Dies gilt auch und gerade fürs Üben in der Sprache.
Ethik und Deepfakes
Im Französischunterricht können Phänomene wie Deepfakes aufgegriffen werden, um das Thema Fremdbestimmung, Wahrheit und Verantwortung zu diskutieren. Auch die Frage nach der Rolle von Kreativität und dem „Ich“ in Zeiten automatisierter Texte ist spannend. Dabei wird die KI also zum Gegenstand, ohne dass sie verwendet wird. Dennoch ist es für viele Kinder und Jugendliche motivierend, sich mit der KI zu befassen.
Kulturtechniken erhalten
Gerade während der Einführung von KI lohnt sich auch die bewusste Entscheidung für klassische Methoden: Handschriftliches Schreiben, lautes Lesen, analoges Diskutieren – KI ersetzt keine grundlegenden Kulturtechniken, sondern bereichert sie. Es geht also nicht darum, nun alles, was man bisher unterrichtlich getan hat, auf den Kopf zu stellen, sondern vielmehr immer sicherer darin zu werden, zu entscheiden, wann der Einsatz von KI eine sinnvolle Bereicherung für die Vor- und Nachbereitung und für den Unterricht selbst sein kann, und wann es besser ist, ohne die KI zu arbeiten.
5. Was bleibt zu tun?
Damit alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen von KI profitieren, braucht es:
- einen gesicherten Zugang zu datenschutzkonformen Tools
- die Ausstattung der Schulen mit passenden Lizenzen und Hardware
- Fortbildung für Lehrkräfte und Zeit zur Erprobung
- klare didaktische Leitlinien zur Integration von KI
Fazit: Zwischen Unterstützung und Verantwortung
KI ist weder Wunderwaffe noch bloße Gefahr – sie ist ein Werkzeug oder eine Art Assistent. Entscheidend ist, wie wir sie einsetzen. Ein kluger Unterricht mit KI bedeutet: Kompetenzen nicht zu ersetzen, sondern zu erweitern. Wenn Lehrkräfte diesen Weg aktiv und kritisch gestalten, kann KI ein echter Bildungspartner werden.
Bob Blume ist Lehrer, Blogger, Podcaster und Bildungsinfluencer.
Er studierte Germanistik, Anglistik sowie Geschichte und arbeitet nun als Oberstudienrat an einem Gymnasium in der Nähe von Baden-Baden. Daneben schreibt er Fachbücher zum Lernen im digitalen Wandel und macht in den sozialen Medien auf Bildungsthemen aufmerksam. Zudem ist Bob Blume ein gefragter Experte in der deutschen Medienlandschaft zum Thema Schule. Bei der Verleihung der Goldenen Blogger 2022 wurde er als Blogger des Jahres ausgezeichnet.
