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Starke Stunde, schwacher Schluss? So gelingt die Sicherungsphase wirklich!

Viele Unterrichtsstunden beginnen durchdacht: mit einem klaren Einstieg, einer passenden Aufgabe und einer aktivierenden Erarbeitungsphase. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten, diskutieren, entwickeln Ideen. Die Stunde wirkt lebendig.

Und dann kommt das Ende.

Einige Beiträge werden gesammelt, ein oder zwei Schüler antworten, die Lehrkraft nickt - und die Stunde ist vorbei. Was oft fehlt, ist genau der Moment, in dem aus einzelnen Gedanken eine gemeinsame fachliche Erkenntnis wird. Gerade im Referendariat ist das ein typisches Problem. Viele Stunden scheitern nicht an der Methode oder am Einstieg, sondern daran, dass die Sicherung zu oberflächlich bleibt.

Das typische Muster: Antworten sammeln - und stehen lassen 
Ein klassisches Beispiel: Die Schülerinnen und Schüler haben in Gruppen gearbeitet und sollen nun ihre Ergebnisse vorstellen.
Ein Schüler sagt: „Also wir denken, dass die Figur irgendwie einsam ist.“
Die Lehrkraft reagiert mit: „Ja, interessant. Hat jemand noch etwas?“

Ein zweiter Beitrag folgt, dann ein dritter. Die Stunde geht weiter. Was hier passiert: Die Beiträge werden zwar gehört, aber nicht weiterentwickelt. Die zentrale Frage bleibt offen: Was genau bedeutet „einsam“? Woran erkennt man das? Ist das eine tragfähige Deutung oder eher eine erste Vermutung? So bleibt die Sicherung auf der Oberfläche.

Gute Sicherung beginnt mit gezielten Nachfragen
Der entscheidende Unterschied liegt oft in der Reaktion der Lehrkraft. Eine professionelle Sicherung nimmt Beiträge nicht einfach an, sondern arbeitet mit ihnen weiter.

Im gleichen Beispiel könnte das so aussehen:
„Du sagst, die Figur ist einsam. Woran machst du das fest?“
„Kannst du eine Textstelle nennen, die das zeigt?“
„Beschreibt das die Figur insgesamt oder eher einen bestimmten Moment?“
„Wer sieht das ähnlich – und wer würde anders gewichten?“

Solche Nachfragen leisten mehr, als nur ein Gespräch in Gang zu halten. Sie machen Aussagen überprüfbar, fordern Begründungen ein, bringen weitere Schülerinnen und Schüler ins Denken und führen zu mehr fachlicher Präzision. Erst dadurch entsteht inhaltliche Tiefe.

Der häufigste Fehler: zu schnell zufrieden sein
Viele Referendar:innen geben sich in der Sicherung zu schnell mit Antworten zufrieden. Nicht, weil sie es nicht besser wissen, sondern weil die Zeit drängt, Beiträge gewürdigt werden sollen und man froh ist, wenn überhaupt etwas kommt. Das führt dazu, dass Aussagen stehen bleiben, obwohl sie noch unklar, zu pauschal oder sprachlich unsauber sind. 
Typische Reaktionen sind: „Genau.“ „Sehr gut.“ „Richtig.“

Didaktisch ist das heikel. Denn für die Schülerinnen und Schüler entsteht schnell der Eindruck: Hauptsache, man sagt irgendetwas, das ungefähr passt.
Eine gute Sicherung setzt hier einen anderen Maßstab. Sie signalisiert: Es reicht nicht, dass eine Antwort ungefähr stimmt. Sie sollte auch begründet, präzise und fachlich belastbar formuliert sein. Eine richtige Antwort ist noch nicht automatisch eine gute Antwort.

Von der Sammlung zur Struktur 
Ein zweiter zentraler Punkt ist die Struktur. Viele Sicherungsphasen bestehen aus einer Abfolge einzelner Beiträge. Was dann fehlt, ist die Ordnung. Vieles wurde gesagt, aber wenig davon wird geklärt, geordnet oder festgehalten.

Hilfreich ist deshalb ein bewusstes Strukturieren: Beiträge können gebündelt, Unterschiede herausgearbeitet und zentrale Begriffe gesichert werden. Die Lehrkraft macht dann nicht nur sichtbar, was gesagt wurde, sondern vor allem, was davon fachlich relevant ist.

Gerade in Unterrichtsbesuchen ist das entscheidend. Prüferinnen und Prüfer achten nicht darauf, wie viele Beiträge gesammelt wurden, sondern ob erkennbar wird, was die Klasse verstanden hat und wie daraus eine klare fachliche Aussage entwickelt wurde.

Muss eine Sicherung immer mitgeschrieben werden?
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, ob Ergebnisse in der Sicherung auch verschriftlicht werden sollten. Das hängt von Ziel, Lerngruppe und Zeitrahmen ab. Nicht jede Sicherung muss automatisch mitgeschrieben werden. Gerade bei kürzeren Sequenzen oder vorbereitenden Zwischensicherungen kann auch eine mündliche Verdichtung sinnvoll sein.

In der Praxis lohnt es sich außerdem, die Erwartungen der Seminarleitung mitzudenken. Manche legen großen Wert darauf, dass am Ende einer Stunde ein schriftlich gesichertes Ergebnis sichtbar ist. Daran sollte man sich im Referendariat durchaus orientieren. Gleichzeitig gilt: Je jünger die Lerngruppe, desto eher ist eine schriftliche Sicherung sinnvoll. Jüngere Schülerinnen und Schüler profitieren meist stärker davon, wenn zentrale Erkenntnisse nicht nur besprochen, sondern auch festgehalten werden. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass die sprachliche Qualität von Schüleräußerungen und Schülertexten häufig abnimmt. Gerade in sprachlich schwächeren Lerngruppen oder bei komplexeren fachlichen Inhalten kann es deshalb sinnvoll sein, ein gemeinsames Fazit schriftlich festhalten zu lassen. Denn oft wird erst beim Formulieren sichtbar, ob ein Gedanke wirklich verstanden wurde oder ob er nur ungefähr gemeint ist.

Fehlt dafür am Stundenende die Zeit, sollte zumindest mündlich an der Formulierung eines präzisen Fazits gearbeitet werden. Denn wenn es knapp wird, ist eine mündliche Sicherung immer noch besser als gar keine Sicherung. Wer von vornherein weiß, dass am Ende wenig Zeit bleibt, kann die schriftliche Sicherung auch vorbereiten und bewusst entlasten. Denkbar wäre zum Beispiel ein kurzer Lückentext auf dem Arbeitsblatt, in den zentrale Begriffe richtig eingeordnet werden müssen. Auch eine vorbereitete Struktur, eine knappe Visualisierung oder eine kleine Ordnungshilfe kann ausreichen, um schnell sichtbar zu machen, ob das Wesentliche verstanden wurde. So entsteht eine schriftliche Sicherung, die nicht viel Zeit kostet und trotzdem mehr ist als ein hastig formulierter Schlusssatz.

Sicherung in stark heterogenen Lerngruppen
Besonders anspruchsvoll ist die Sicherung in stark heterogenen Lerngruppen. Das gilt vor allem dann, wenn Schülerinnen und Schüler zuvor auf unterschiedlichen Niveaustufen, mit verschiedenen Materialien oder in offenen Lernformaten gearbeitet haben, zum Beispiel im Stationenlernen, im Lernbüro oder in Phasen des selbstorganisierten Lernens. Gerade diese Formate eignen sich häufig gut, um einer heterogenen Lerngruppe gerecht zu werden. Gleichzeitig machen sie die Sicherung am Stundenende anspruchsvoller, weil nicht mehr alle am exakt gleichen Gegenstand gearbeitet haben. Ohne klare Steuerung wird die Sicherung hier schnell unübersichtlich. Dann werden einzelne Ergebnisse nacheinander vorgestellt, ohne dass deutlich wird, was für alle fachlich bedeutsam ist. Genau deshalb braucht es in solchen Stunden eine bewusste Entscheidung: Was soll am Ende gemeinsam gesichert werden? Welche Erkenntnis ist für alle zentral? Und in welcher Form lässt sie sich so zuspitzen, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler daran anschließen können?

Die Sicherung muss in solchen Situationen nicht darin bestehen, alle Ergebnisse vollständig zu präsentieren. Gerade wenn zuvor stark differenziert gearbeitet wurde, kann es sinnvoller sein, die Lerngruppe am Ende noch einmal an einem gemeinsamen Gegenstand zusammenzuführen. Das kann zum Beispiel über eine Aufgabe geschehen, die gemeinsam gelöst und besprochen wird. Denkbar wäre zunächst eine Aufgabe auf mittlerem Anspruchsniveau, an der noch einmal zentrale Erkenntnisse der Stunde sichtbar werden. Anschließend kann eine besonders anspruchsvolle Knobelaufgabe folgen – etwa ein Grenzfall, eine Ausnahme oder eine Transferaufgabe. So werden stärkere Schülerinnen und Schüler weiter gefordert, während gleichzeitig für alle noch einmal deutlich wird, welche Einsichten und Verfahren aus der Stunde verallgemeinerbar sind.

Gerade in heterogenen Gruppen ist diese Form der Sicherung hilfreich, weil sie Unterschiede nicht nur sichtbar macht, sondern wieder zu einem gemeinsamen fachlichen Kern zurückführt. Gleichzeitig kann eine solche letzte Aufgabe bereits einen sinnvollen Übergang zur nächsten Stunde eröffnen – etwa dann, wenn deutlich wird, wo Grenzen des bisher Erarbeiteten liegen oder an welcher Stelle eine Vertiefung sinnvoll ist.

Auch sprachlich braucht eine solche Sicherung besondere Aufmerksamkeit. Unterschiedliche Leistungsstände zeigen sich nicht nur in den Ergebnissen, sondern auch in der Qualität der Formulierungen. Umso wichtiger ist es, Beiträge nicht nur zu sammeln, sondern sie sprachlich und fachlich gemeinsam weiterzuentwickeln.

Der entscheidende Moment der Stunde
Viele Stunden wirken gelungen, weil sie aktiv sind. Aber Aktivität allein ist kein Qualitätsmerkmal. Erst in der Sicherung zeigt sich, ob aus Aktivität tatsächlich Verstehen wird. Eine gute Sicherung bedeutet deshalb: nachfragen statt stehen lassen, präzisieren statt vorschnell bestätigen, strukturieren statt nur sammeln.

Ein hilfreicher Prüfrahmen ist dabei die Frage: Würde ich diese Antwort in einer Klausur als „ungenau“ anstreichen? Wenn die Antwort ja lautet, ist die Sicherung meistens noch nicht zu Ende. Dann braucht es sprachliche Präzisierung, fachliche Zuspitzung oder eine klarere Begründung. Wenn das gelingt, entsteht am Ende der Stunde mehr als ein Gespräch. Es entsteht eine gemeinsame fachliche Aussage, auf die im weiteren Unterricht aufgebaut werden kann. Genau darin liegt der eigentliche Lerngewinn.

 Download: Zusatzmaterial "Tipps für eine gelungene Sicherungsphase" (PDF)

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